IMpb - Beruf und Karriere, Coaching, Erfolgsrezepte
 

Hier finden Sie Artikel, die von Inge Maisch für die wöchentliche Kolumne "Ihre Karriere bitte!" in der Oberhessischen Presse verfasst wurden, nach Themen geordnet:
 

Beruf und Karriere

 
  - Das Heute ist das Gestern von Morgen
  - Bewerbungsknigge
  - Praxisschock
  - … dann ist Schluss!
  - Der übernächste Schritt
  - „…never be a star“
  - Die Auszeit
  - „Mein Ding - der Beruf“
  - Wieder mal - eine Absage
  - Ihre Karriere bitte
  - Raus aus dem alten Job?
  - Assessment Center
  - Mehr Gehalt bitte
  - Karriere aus und vorbei
  - Bewerben ohne Stellenangebot
  - Wer könnte ich sein?
  - Beständige Veränderung
  - Träume
  - Was wäre, wenn…
  - Hilfe, ich muss zum Test!
  - Veränderung
  - Drehbuch Barbara
  - Zufriedenheit als Karriere
  - Vom Eise befreit…
  - Der Beginn des Tages
  - Wenn Veränderungen gefragt sind…
  - Der erste Arbeitstag ist geschafft
  - Traumjob gesucht
  - Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…
  - Der 23. April ist Girls‘ Day
  - „Die Klinsmann-Methode“ – oder berufliche Veränderungen als Chance
     
       

Beruf und Karriere

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Das Heute ist das Gestern von Morgen

Es klingt banal und gehört oft zu den schwersten Herausforderungen. Egal, was wir tun und wie wir leben, für jeden von uns gilt: Das Heute ist das Gestern von Morgen. Jeder Tag, jede Aufgabe, jedes Gespräch, jedes Loslassen lieb gewordener Gewohnheiten oder das Ende des beruflichen Daseins - wir nehmen jedes Mal Abschied und trennen uns von einem Stück unseres Lebens. Aufgaben und Positionen, die gerade noch unverrückbar und ohne Alternative erschienen, werden aufgekündigt. Vielleicht, weil sich unser Unternehmen anders ausrichtet und wir deshalb andere Tätigkeiten übernehmen dürfen oder übernehmen müssen. Denn wir gehören nicht mehr zu unserem bisherigen Team und der Ort unseres Arbeitsplatzes ist auch ein anderer.
Im Beruf bietet sich im Normalfall die Chance, sich auf einen Abschied einzustellen, weil der Zeitpunkt dafür schon länger feststeht, wie zum Beispiel der Wechsel in eine andere Arbeitsgruppe oder der Beginn der Rente. Je nach Temperament und Umgang mit sich selbst planen künftige Rentner lange im Voraus, was sie im Ruhe- oder Unruhestand tun wollen und welche lang ersehnten Wünsche sie sich erfüllen. Oder sie entscheiden sich dafür, alles auf sich zukommen zu lassen und ohne weitere Planung den Schritt ins neue Leben zu tun. Das Verändern des Aufgabenfeldes eines Mitarbeiters lässt sich ebenfalls vorab organisieren und in vielen Unternehmen ist es längst Standard, die Mitarbeiter gründlich darauf vorzubereiten.
Weshalb kommt der Abschied dennoch so unverhofft? Wir haben doch alles gründlich durchdacht und vorausgesehen. Bis auf die Gefühle, die mit dem Abschied nehmen untrennbar verbunden sind. Trauer, Verlust, Ängste, Freude, Unsicherheit oder erwartungsfrohes Bangen, dass es jetzt endlich los geht, lassen sich zwar vorab benennen, sich jedoch nicht so erleben, wie im Moment des Übergangs vom Heute ins Gestern. Und womöglich sind das die Gründe, weshalb uns Veränderungen herausfordern und ängstigen. Denn wir wissen nicht, was uns wirklich erwartet und wie wir mit unseren Empfindungen umgehen.
Hinzu kommt, dass der Alltag wiederkehrt nach dem Hochgefühl des Neuen, des Unbekannten, des Inspirierenden oder der Wut über die von uns nicht gewünschten Veränderungen und über die Führungskräfte, die uns das alles zumuten. Die Vorfreude war groß, das Loslassen der gemeinsamen Rituale mit den Kollegen schwer und dann ist das Neue genauso normal und gewohnt, wie die Arbeit oder der Lebensabschnitt zuvor?
Was heißt das nun konkret? Was tun mit dem Heute als dem Gestern von Morgen? Sich darauf vorbereiten oder lieber kommen lassen? Mir scheint vor allem eines hilfreich zu sein. Zu akzeptieren, dass jeder Tag ein Abschied ist. Die Akzeptanz ändert nichts an unseren Gefühlen. Sie erlaubt uns nur, den Verlust des Gewohnten aus einer anderen Perspektive zu betrachten, ein wenig Distanz zwischen uns und unseren Gefühlen zu schaffen und uns so allmählich aus den verhedderten Emotionen zu befreien. Wie beim Beifall klatschen. Noch sind wir begeistert von dem, was wir gerade gesehen und gehört haben. Und nach dem Klatschen können wir doch aufstehen und das Erlebte verlassen, das uns gerade noch so aufgewühlt hat.
 
Mehr zum Thema

1.) Das Loslassen von Gewohntem braucht Training. Im bisherigen Team fühlen wir uns sicher. Wir signalisieren dem Gehirn mit unseren Gefühlen, was es denken soll: ‚ich fühle mich wohl hier‘. Umgekehrt denkt das Gehirn in einer uns unbekannten Situation, ‚oh, das macht mir Angst‘. Hier können wir uns jedes Mal sagen, ‚ich will versuchen, mit meiner Angst umzugehen und im neuen Team gut mitarbeiten‘. Solange, bis wir uns nicht mehr unwohl fühlen.

2.) Viele Menschen nehmen leichter Abschied, wenn sie dies mit Hilfe von Ritualen tun. Zum Beispiel mit einem Abschiedsfest, einem Geschenk oder einer Rede. Wie beim Klatschen schieben sie sich zwischen die Emotionen und ermöglichen uns, sowohl das ‚Gewohnte‘ mit Distanz wahrzunehmen, als auch das Neue ruhiger auf uns zukommen zu lassen.

3.) Abschied nehmen von lieb gewonnenen Gewohnheiten wie Schokolade, Zigaretten usw. heißt, sich von etwas zu lösen, das uns Wohlbefinden und Zufriedenheit schenkt. Verständlich, dass alles in uns schreit, weshalb sollen wir etwas aufgeben, das uns gut tut und das wir genießen. Damit uns dies gelingt, braucht unser Gehirn eine Belohnung wie: ‚wenn Du es schaffst loszulassen, dann kannst Du das und das machen. Jetzt kannst Du das nicht‘.

Tipps zum Lesen
von Vieregge, Henning: Der Ruhestand kommt später, 2011, Frankfurter Allgemeine Buch, ISBN: 9783899812695

 
     
       

Beruf und Karriere

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Bewerbungsknigge

Bewerbungsverfahren ähneln manchmal einem Marathon. Da ist erst einmal das Herausfiltern der passenden Stellenanzeige aus den zahlreichen On- und Offlinemedien. Die Bewerbungsmappe ist zu erstellen und zumindest in Deutschland gehört ein schönes Bewerbungsfoto mit dazu. Dazu sollte die Bewerbungsmappe ästhetisch wohltuend und gestalterisch individuell sein.

Kommt es tatsächlich zu einer Einladung des Wunschunternehmens, beginnt die nächste Teilstrecke der ‚Laufdisziplin‘. Inzwischen folgen bei vielen größeren Unternehmen zunächst Telefoninterviews - selbst bei Stellen ‚in der Nachbarschaft‘ - und nicht sofort das persönliche Bewerbungsgespräch. Mag sein, dass schwäbische Sparsamkeit ein wichtiges Argument ist, weshalb Personalabteilungen zunächst telefonisch ihre potentiellen künftigen Mitarbeiter befragen. Häufig konzentrieren sich die Fragen in telefonischen Bewerbungsgesprächen besonders auf offene Fragen aus dem Lebenslauf. Oft genug dienen Telefoninterviews auch dazu, herauszufinden, wie kommunikationsfähig der eventuelle Stelleninhaber tatsächlich ist. Denn die Stimme und die Wahl der Worte sind die einzigen Transporteure der Botschaften. Deshalb gilt es für ein Telefoninterview ein paar Besonderheiten zu beachten. Vor und während des Telefonats zu lächeln, lässt jede Stimme freundlich und zugewandt klingen. Ein Testtelefonat mit Freunden als Vorbereitung ‚hört‘ dies sofort. Probieren Sie es aus. Beim Telefonieren zu stehen, leise im Raum herum zu gehen oder zumindest gerade zu sitzen, sorgt zudem dafür, dass die Stimme nicht gequetscht klingt. Außerdem sollten alle Bewerbungsunterlagen für das Telefonat bereit liegen und das Radio ausgeschaltet sein.

Das Vorstellungsgespräch hat ebenfalls einige Charakteristika. Zunächst beginnt es lange vor dem eigentlichen Termin: Bestätigen Sie einen Ihnen mitgeteilten Termin zügig, das ist ein Ausdruck von Wertschätzung. Bei auswärtigen Terminen ist genügend Zeit für die Fahrt einzuplanen und falls möglich, die Strecke im Vorfeld schon einmal zur entsprechenden Uhrzeit mit Bahn oder Auto abzufahren, um die Aufregung am Bewerbungstag zu minimieren und etwa 30 Minuten vor dem angesetzten Termin vor Ort zu sein. Unbedingt empfehlenswert ist eine für die Stelle angemessene Kleidung. Hierbei klingt der Tipp von Modeexperten verblüffend, nämlich keine ganz neue Kleidung beim Bewerbungsgespräch zu tragen. Wollen Sie ein extra dafür gekauftes Outfit anziehen, dann sollten Sie es vorab schon zwei oder dreimal angehabt haben, damit Sie spüren, wie Sie sich darin bewegen und ob Sie sich sicher darin fühlen.
Der Tag ist da und das Bewerbungsgespräch beginnt und zwar in dem Moment, in dem der Eingang des Gebäudes sich in Ihrer Sichtweite befindet. Ab diesem Augenblick werden Sie ‚gesehen‘. Natürlich gehört eine höfliche und freundliche Begrüßung (und am Ende die Verabschiedung) aller Menschen auf dem Weg zum Gespräch ebenso dazu, wie ein ausgeschaltetes Handy. Jetzt kommt Ihr Auftritt: entspannt-konzentriertes Gehen und Sitzen, ein fester und zugewandter Händedruck (falls er Ihnen angeboten wird), freundlicher Blickkontakt und alle Bewerbungsunterlagen fein sortiert und rasch herausnehmbar in der mitgeführten Tasche lassen Sie überzeugend und souverän erscheinen, auch wenn Ihnen das Herz bis zum Hals klopft. Kenntnisse über das Unternehmen und zielführende Antworten ohne lange Monologe und Umwege oder Rechtfertigungen werben zusätzlich für Sie. Machen Sie keinesfalls negative Bemerkungen über Ihr aktuelles Unternehmen. Und überlegen Sie sich vorab, weshalb Sie in dem neuen Unternehmen arbeiten möchten. Denn das könnte eine Frage an Sie sein. Außerdem sollten Sie selbst Fragen stellen. Möglichst nicht „wann kann ich in Urlaub gehen“, sondern vielleicht eher „wie sieht meine Einarbeitung aus…. “ Oder „wie sehen die Entwicklungsmöglichkeiten für mich aus bei weiterer Qualifikation?“ Falls Sie jemand sind, der mit viel sensiblem Humor ausgestattet ist, leben Sie ihn hin und wieder aus. Ansonsten keine Versuche, krampfhaft fröhlich oder locker zu sein, dafür so zugewandt, wie es die Situation erlaubt.
Der Marathon ist geschafft - manchmal allerdings erst fast. Denn auf das erste persönliche Bewerbungsgespräch können weitere folgen. Unter anderem, weil jeder künftige Vorgesetzte und oft auch die Kollegen vorab wissen möchten, wer Sie sind.
Und dann sollte es heißen: Herzlich Willkommen in unserem Unternehmen.
 
Checkliste

1.) Bewerbungstipps sind hilfreich. Dennoch ist jedes Bewerbungsgespräch eine Premiere und verläuft anders und manchmal auch gänzlich unerwartet.

2.) Von Vorteil in einem Bewerbungsgespräch ist es, so authentisch wie möglich zu sein und zu bleiben und sich so viel wie nötig auf die konkrete Situation einzustellen. Je nach Stelle lässt sich auch einmal die Rolle als künftiger Mitarbeiter stärker ausspielen oder es empfiehlt sich, eher zurückhaltend zu sein. Eine gute Vorbereitung hierfür kann ein Bewerbungs-Training mit Freunden und der Familie, in einer Institution oder mit einem Berater sein.

3.) Erfolgversprechend für eine Bewerbung ist auch, sich mit Sorgfalt und Schritt für Schritt auf den gesamten Prozess vorzubereiten.

Tipps zum Lesen

Sowohl auf dem Buchmarkt als auch online sind zahlreiche Berater für die richtige Bewerbung zu finden. Empfehlenswert sind u. a.: Bundesagentur für Arbeit: www.arbeitsagentur.de mit vielen hilfreichen Seiten zu Bewerbung und Beruf und
http://www.planet-beruf.de/Bewerbungstraining.9.0.html, für junge Bewerber.

 
     
       

Beruf und Karriere

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Praxisschock

„Meine ersten Arbeitswochen als Anfänger im Beruf habe ich vor allem als frustrierend empfunden. Ich war vollgepackt mit universitärem Wissen in den ungewohnten Berufsalltag gestürmt und musste schockiert erkennen, dass niemand einen roten Teppich für mich ausgerollt hatte“. Philipp K. hat Logistik mit Schwerpunkt Digitalisierung und Organisation studiert und arbeitet seit zwei Jahren in einem international tätigen Großhandelsunternehmen. „Ich war kein Alleswisser und als Berufsanfänger weitgehend ohne praktische Erfahrung. Dennoch war ich voller Idealismus und mit dem frisch gedruckten Examenszeugnis in der Tasche ziemlich sicher, ich würde das alles problemlos schaffen.“

Wie Philipp K. geht es vielen Universitätsabgängern. Sie freuen sich auf den Beruf, starten mit großer Begeisterung und kommen abrupt zum Halten. Ihnen gegenüber stehen Menschen, die eine lange Berufserfahrung haben, und die keineswegs nur enthusiastisch auf die Ideen des Neulings anspringen. Außerdem können Entscheidungen im Unternehmen länger dauern, die Wege dahin sind sorgfältig einzuhalten und statt „immer wieder neue Projekten und Herausforderungen anzugehen wie im Studium, war vor allem Routine angesagt und der praktische Alltag weit weg von der universitären Theorie.“ Eine Erfahrung, die so manchen Berufseinsteiger ernüchtert und demotiviert.
Allmählich, so sagt Philipp K., den sein Chef nach der Probezeit sofort mit einer Gehaltserhöhung fest einstellte, habe er begriffen, dass er mit etwas mehr Geschick und weniger forschen Auftritten mehr gestalten und verbessern kann, als mit ungezügeltem Eifer. Er habe inzwischen gelernt, zunächst nachzufragen und dort Neues vorzuschlagen, wo es ihm sinnvoll und machbar erscheint. Zudem trage er seine Vorschläge seither so vor, dass seine Vorgesetzten sich nicht von ihm kritisiert fühlen, wie zu Beginn seiner beruflichen Karriere. „Längst hören sie mir zu und oft genug sagen sie mir, wie zielführend sie meine Lösungen für die gerade anstehenden Prozesse finden“.
Am schwersten fiel es ihm zu erkennen, dass er trotz seines langen Studiums nicht alles wissen konnte, dass er Fehler macht und bei komplexeren Fragestellungen der Logistik auch mal wesentliche Punkte aus den Augen verloren hat. „Ohne die Kritik meiner Vorgesetzten, ihrer Geduld und der Hilfe meiner Kollegen hätte ich es nicht geschafft, durchzuhalten und dahin zu kommen, wo ich heute stehe.“
Inzwischen hat er innerbetrieblich die Aufgabe übernommen, Berufseinsteigern über die Klippen der ersten Wochen im Beruf zu helfen. „Und dazu gehört auch die manchmal fast schmerzhafte Erfahrung, dass wir als Berufsanfänger voller Sehnsucht gehofft haben, uns endlich im Arbeitsalltag beweisen zu können. Jetzt weiß ich, dass es normal ist, wenn Kolleginnen und Kollegen wenig davon begeistert sind, jemand Neues in ihre Mitte aufzunehmen. Schließlich heißt das für sie jedes Mal, die Aufgaben neu zu verteilen und oft genug werden durch die Neuen eingefahrene Rituale untereinander aufgebrochen“.
Manchmal, so Philipp K. wäre es allerdings für alle Seiten hilfreich, wenn sich die „alten Hasen“ daran erinnerten, wie hoffnungsfroh und zuversichtlich sie selbst in ihre eigene berufliche Karriere gestartet sind.
Was Philipp K. den ‚Neulingen’ nicht abnehmen kann, ist der Sprung ins kalte Wasser. „Der Praxisschock kommt - unausweichlich“.

Checkliste
 
1.) Viele Berufseinsteiger versprechen sich vom Beruf nicht nur, regelmäßig Geld zu verdienen, sondern sich darin auch verwirklichen zu können. Klingt die Stelle in der Ausschreibung ideal und ist der Berufsalltag vor allem Routine, dann kann dies schnell zu Frustration und ziemlicher Ernüchterung führen.

2.) Eine der größten Enttäuschungen für viele Berufseinsteiger ist es zu erkennen, dass niemand auf sie gewartet hat.

3.) Eine weitere Hürde ist, dass eine detaillierte Einarbeitung zu Beginn der Karriere fehlt und damit den Anfängern der Maßstab, was besonders wichtig ist und was auch noch später bearbeitet werden kann. Der Versuch, es allem und allen gerecht zu werden und möglichst alles gleichzeitig zu erledigen, führt nicht selten zu Chaos und Frustration bei den Berufsanfängern selbst und den Kollegen und Vorgesetzten.

4.) Mit dem Einstieg in den Beruf ist die Lernzeit nicht vorbei. Jetzt gilt es, das theoretisch erworbene Wissen mit der Praxis überein zu bringen, und die Erwartungen an den Beruf so zu dosieren, dass selbst zähe Schritte beim Erarbeiten unbekannter Prozesse gangbar bleiben.

5.) Auch beim Berufseinstieg gilt: zuhören, zuhören, zuhören. Und dann versuchen, so viel wie möglich und wie nötig das eigene Wissen in die tägliche Arbeit einzubringen, ohne dabei die eigenen Träume und Ziele zu verraten.


 
     
       

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… dann ist Schluss!

Mit diesen drei Worten beendet Hildegard Knef (1925-2002) Schauspielerin und Chansonsängerin abrupt ihren Chanson „Eins und Eins, das ist Zwei“ (1964), mit dem sie das Ende einer Liebe besingt. Genauso abrupt endet oft ein langes Berufsleben. Gerade noch die Pakete ausgefahren, vor wenigen Momenten noch den Jumbo gelandet, die Patienten versorgt, den Computer ausgeschaltet und „dann ist Schluss!“ Nichts geht mehr, rien ne va plus.
Was bedeutet es für ca. 800 000 Menschen jährlich in Deutschland, sich von ihrem Arbeitsleben zu verabschieden? Wie gehen sie damit um? Die psychologischen Wissenschaften haben sich bislang wenig damit befasst, mit welchen Gefühlen Menschen ein oft erfülltes Berufsleben hinter sich lassen und in den manchmal herbeigesehnten und häufig gefürchteten Ruhestand wechseln.
Statt Vollzeit viel Zeit? Statt als kompetenter Mitarbeiter oder Kollegin gebraucht und
geschätzt zu sein, plötzlich ein ganzer freier Tag, der selbständig und ohne äußere Strukturen gelebt und gestaltet sein will? Der Beruf füllt nicht mehr den Alltag aus. Die Rolle des Berufstätigen ist zu Ende ‚gespielt‘. Jetzt sind es vielleicht die Familie samt Enkelkinder, die ehrenamtlichen Aufgaben, die Hobbys, die Reisen in die Ferne oder die seit langem herbeigesehnte Ruhe und Entspannung, die für das ‚Selbst-Verständnis‘ im Tagesablauf sorgen.
Wissenschaftler wie der Soziologe Professor Klaus Schömann, Jacobs University Bremen und Professor Ursula Staudinger, Columbia University New York empfehlen künftigen Ruheständlern, sich nicht nur auf den letzten Arbeitstag zu freuen und ihn so zu organisieren, wie es dem Einzelnen entspricht, sondern sich frühzeitig damit zu befassen, was kommt eigentlich danach. Wie lassen sich beispielsweise die sozialen Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen kompensieren und wodurch die zurückgelassene Wertschätzung durch Mitarbeiter und Vorgesetzte ersetzen? Und wie lässt sich künftig das oft noch lange Leben nach dem beruflichen Tätigkeit aus eigener Kreativität heraus formen und weiterentwickeln? Denn in den letzten 100 Jahren hat die durchschnittliche Lebenserwartung um 30 Jahre zugenommen.
Viele Senioren, die sich noch fit und keineswegs ‚rententauglich fühlen‘, wünschen sich statt Ruhestand weiter beruflich tätig sein zu können. Manchmal können sie sich ihre Sehnsucht erfüllen. Etwa wenn ihre ehemalige Firma erkennt, welch wertvolles Wissen und welche Erfahrungen ihre einstigen Mitarbeiter mit in den Ruhestand genommen haben. Sie versuchen sie, wieder zurückzuholen für eine zumindest zeitweilige berufliche Tätigkeit. Die „Unruheständler“ arbeiten dann entweder ein paar Stunden in der Woche, übernehmen bestimmte Projekte oder beraten jüngere Mitarbeiter. Sie leben weiterhin ihre Freude am Beruf und genießen die Anerkennung, die sie durch ihre Arbeit bekommen. Die übrig gebliebene freie Zeit strukturiert sich für sie dann fast von selbst.

Checkliste
 

1.) Für jeden künftigen Ruheständler ist der Abschied aus dem Beruf höchst individuell. Eine wesentliche Rolle spielt dabei, ob das Ende der beruflichen Tätigkeit zum gewünschten Zeitpunkt stattfindet oder ob der Berufstätige unfreiwillig aus dem Arbeitsleben ausscheiden muss, etwa aus ‚betrieblichen Gründen‘.

2.) Auch den letzten Arbeitstag wünschen sich künftige Ruheständler verschieden. Während die einen ein Fest feiern, ziehen es andere vor, ohne Aufhebens ihre Sachen zu packen und einfach zu gehen.

3.) Für manche Senioren ist eine schmale Rente ein wichtiger Grund, trotz ihres höheren Alters weiter arbeiten zu können.

4.) Künftig werden sich die gesellschaftliche Diskussionen verstärkt auf die Frage konzentrieren, ob ein fester und gesetzlich vorgegebener Zeitpunkt mit einem ‚dann ist Schluss‘ das Ende des Berufsleben markiert oder ob nicht eher flexible und individuelle Lösungen gefunden werden, je nach beruflicher Tätigkeit, persönlichen, unternehmerischen und gesellschaftlichen Interessen und Bedürfnissen. Etwa, dass junge Menschen ebenso die Chance auf einen qualifizierten Beruf brauchen, wie die Älteren, die Wertschätzung für ihr Können, ihr Wissen und ihre Flexibilität erwarten können.

 
     
       

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Der übernächste Schritt

Fragen Sie sich manchmal, wie Ihr nächster Karriereschritt aussehen sollte? Versuchen Sie es stattdessen mit einem Perspektivenwechsel: Malen Sie sich zunächst Ihren übernächsten Karriereschritt aus. Überspringen Sie z. B. zunächst die Frage, wie Sie von der Verkäuferin zur Einzelhandelskauffrau werden und avisieren Sie das nach der Einzelhandelskauffrau liegende Ziel an. Für Sie als Verkäuferin könnte dies zum Beispiel heißen, im Bereich Marketing tätig zu sein oder eine Führungsposition anzustreben.

Klingt für Sie im ersten Moment eher komisch als zielstrebig? Ja, vielleicht. Der Vorteil, dass Sie sich strategisch und konkret Ihren übernächsten Karriereschritt vorstellen, lässt Sie erkennen, welche weitergehenden Chancen Sie in Ihrem Beruf haben und wie Sie diese Realität werden lassen. Damit dies gelingt, analysieren Sie zunächst in Ruhe, welche Stärken Sie - neben Ihrer Zielstrebigkeit - für Ihr übernächstes Karriereziel mitbringen. Antworten auf Fragen, was Sie am Besten können und bei welchen Herausforderungen Sie sich besonders wohl fühlen, geben Ihnen weitere wertvolle Hinweise, welche Teilziele und Ziele für Sie vermutlich besonders erfolgsversprechend sind. Mit der selbst gewählte Distanz zwischen heute und übermorgen konzentrieren Sie sich auf Ihre persönlichen Fähigkeiten und nicht auf die scheinbar unumstößlichen äußeren Bedingungen Ihres jetzigen Berufs und Arbeitgebers.

Haben Sie erst einmal Ihren übernächsten Karriereschritt konkretisiert und ihn sich visualisert, dann sollten Sie Ihre derzeitige berufliche Situation genauer betrachten und sich und Ihre Führungskräfte fragen, ob die von Ihnen angestrebten Ziele sich in Ihrem Unternehmen oder Ihrer Institution Schritt für Schritt umsetzen lassen. Bietet Ihnen Ihr aktuelles Umfeld hierzu zu wenig Möglichkeiten, dann sollten Sie prüfen, ob Sie sich auf längere Sicht anderweitig bewerben.

Der Blick auf den übernächste Karriereschritt kann auch hilfreich sein, wenn Sie spüren, dass Ihre jetzigen beruflichen Aufgaben Sie nicht mehr so ausfüllen, wie Sie es sich wünschen und Sie sich eher unterfordert als überfordert fühlen.

Je eindeutiger Sie wissen, wohin Sie längerfristig gehen und am Ende ankommen möchten, um so eher lassen sich Ihre Träume verwirklichen.


Checkliste
 

1.) Für die Planung einer Karriere kann es hilfreich sein, statt den nächsten Schritt zunächst den übernächsten Schritt zu avisieren und zu visualisieren. Statt dass wir uns in „ja…aber“ und anderen scheinbar vernünftig klingenden Argumenten verlieren und uns damit selbst am Weiterkommen hindern, erkennen wir dadurch häufig, dass der Weg zum übernächsten Karriereschritt gar nicht so schwer passierbar ist, wie es zunächst aussah.

2.) Indem wir den übernächsten Karriereschritt planen und in unserer Vorstellung konkretisie-ren, eröffnen sich mehr Möglichkeiten für uns, als wir sie uns zunächst für uns ausgemalt hat-ten.

3.) Der Perspektivenwechsel hin zum übernächsten Karriereschritt hilft uns auch dabei zu erkennen, wo wir uns noch weiterbilden müssen, damit wir unser Ziel erreichen.

 
     
       

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„…never be a star“

… singt Kevin Johnson (geb. um 1943 in Australien) in seinem einzigen Welthit 1973. Voller Melancholie beschreibt er in „Rock’n Roll I gave you the best years of my life“ die Versuche eines Musikers, seinen Traum von einem Weltstar zu verwirklichen. Bei Hundert Plattenfirmen sprich und singt er vor, bis er am Ende traurig feststellt, dass er immer einen Schritt zu spät kommt, um außergewöhnlich zu sein („That I was always, just one step behind you“). Ob der australische Sänger damit seine eigene Leidenschaft für den Rock’n Roll beschreibt, die ihn dennoch nie zu einem wirklichen Star machte, ist nicht endgültig überliefert. Bis heute schreibt Kevin Johnson erfolgreiche Songs und Filmmusiken, ohne das sein Name einem breiten Publilum bekannt ist.

Biographien wie die von Kevin Johnson gibt es millionenfach. Nur selten gelingt es Einzelnen, das zu werden, wovon viele träumen und wovon ganze Shows leben: ein Superstar zu werden, die Vorstandsvorsitzende eines DAX-Unternehmens, ein weltberühmte Architekt, der beste Professor an einer Exzellenz-Universität oder die ausgezeichnete Leiterin eines renommierten Krankenhauses. Die meisten von uns bleiben im Beruf Mittelmaß. Das heißt jedoch nicht, dass wir uns beruflich nur mäßig engagieren. Wir haben aufgrund unserer persönlichen Voraussetzungen und Fähigkeiten Grenzen, mit denen wir gelernt haben umzugehen. Wir bringen es in unserem erlernten Beruf so weit, wie es uns möglich ist. „Das Mittelmaß … ist… das menschengerechteste Maß“ für uns, wie Markus Reiter in seinem Buch „Lob des Mittelmaßes“ schreibt.

Mittelmaß zu sein heißt nicht, mittelmäßig zu sein. Mittelmaß bedeutet, wir haben Talente und Intelligenz, die wir für uns und unseren Beruf so optimal wie möglich einsetzen. Mittelmäßigkeit dagegen bedeutet, die Dinge laufen zu lassen, träge am Rande zu stehen und wenig Engagement zu zeigen.

Weshalb fällt es uns so schwer, uns daran zu erfreuen, dass wir es mit Mittelmaß schaffen, gut ausgebildet zu sein und unsere Frau und unseren Mann zu stehen? Weshalb fördern wir bevorzugt Exzellenzuniversitäten und vergessen dabei, möglichst vielen jungen Menschen die Chance zu bieten, mit großer Selbstsicherheit Mittelmaß zu sein? Ohne uns Durchschnittliche mit unserem Willen, unser Bestes zu geben, gelingt es Unternehmen, Institutionen und Hochschulen nur selten, ihre angestrebten Ziele zu erreichen.
Natürlich, Eliten und Exzellenzen müssen sein, doch das Mittelmaß ebenso.


Checkliste
 

1.) Wir träumen davon, mehr zu sein, etwas Besonderes zu sein, uns abzuheben von der sogenannte breiten Masse und wenn es uns dies schon nicht gelungen ist, dann sollen es unsere Kinder und Enkelkinder schaffen.

2.) Was würde wohl geschehen, wenn Unternehmen in ihren Stellenanzeigen schreiben würde, sie suchen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Mittelmaß? Oder wenn sie sagen würden, statt Überflieger seien ihnen Menschen willkommen, die versuchen die Begrenzungen beruflichen Fähigkeiten mit Fleiß und Engagement auszugleichen. Es gäbe vermutlich mehr Gelas-senheit und ein größeres Selbstbewusstsein der Mitarbeiter in den Betrieben und Institutionen.

3.) Zu erkennen, dass ich zum Mittelmaß gehöre, macht es mir leichter, die Leistungen meines Gegenübers zu akzeptieren und zu fördern und immer dann, wenn er oder sie zwischendrin eine außergewöhnliche, eine geniale Idee hat, diese zu schätzen und zu unterstützen. Denn Mittelmaß heißt nicht, dass Geistesblitze ausgeschlossen sind. Auch meine eigenen nicht.
 
Tipps zum Lesen

Reiter, Marcus: „Lob des Mittelmaßes“, 2011, Oekom Verlag, ISBN: 978-38658123918

 
     
       

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Die Auszeit

„Ich bin nach einem halben Jahr wieder zurück an meinen alten Arbeitsplatz, den mir mein Arbeitgeber frei gehalten hat. Mir hat der von vielen geträumte Wunsch, für eine Zeitlang aus dem anstrengenden Beruf der Einkaufsplanerin eines Großhandelsunternehmens auszusteigen und etwas anderes zu machen, richtig gut getan“, erzählt die Einkaufsplanerin eines Großhandelsunternehmens nach der ersten Woche ihrer Rückkehr in den angestammten Beruf. „Meine Perspektiven auf das Leben haben sich geändert und mein Blick auf die Arbeitswelt auch.“ Zu ihrer Überraschung hatte sie ihr Chef vor ihrem endgültigen Kommen angesprochen und gemeint, sie solle ihre Rückkehr vorsichtig angehen und davon ausgehen, dass vieles im Unternehmen nicht mehr so ist, wie sie es gewohnt war. Neue Kollegen haben andere Ideen mitgebracht und die Abstimmungen im Team sind nicht mehr diejenigen wie früher. Koalitionen haben sich anders zusammen gefunden und Mitarbeiter neue Freundschaften geschlossen.
„Zu meiner eigenen Überraschung musste ich mir eingestehen, dass ich gehofft hatte, am Ende des Urlaubshalbjahres wieder ins gemachte Nest zu schlüpfen. Ich bin zwar davon ausgegangen, dass ich mich verändere, von meinen Kolleginnen und Kollegen habe ich dies nicht erwartet.“ Ein Trugschluss, wie sich herausstellte. Das ihr vertraute Gebäude ist längst umgebaut, vergrößert und hat einen anderen Eingang, so dass sie am ersten Arbeitstag in ein für sie neues Unternehmen zurückkehrte, in dem sie sich zunächst zurecht finden musste. Die Kolleginnen und Kollegen haben anders zusammengesetzte Arbeitsplätze, die Abläufe des Teams waren neu strukturiert worden.
Ihr Traum, wieder „nach Hause“ zu kommen und in einem gemütlichen Arbeitsalltag, der ihr am Ende zwar langweilig war, war bereits in den ersten Minuten ihrer Rückkehr ausgeträumt. Sie musste ganz schnell die Rolle wechseln und von der teilweise erfahrenen Kollegin, die sie in ihren Augen war, umschwenken in die Position einer Kollegin, die fragen muss, weil sie neue Zusammenhänge verstehen will. Sie möchte sich erfolgreich einbringen will in ein neu zusammengesetztes Team.
Das Sabbatical-Halbjahr, ihre Auszeit, hat ihr gut getan. Ebenso wenig missen möchte sie die Herausforderung danach. Sich wieder behaupten zu müssen in einer gewohnt-ungewohnten Umgebung und das Zusammenarbeiten mit vertrauten und doch neuen Kolleginnen und Kollegen ist seither für sie besonders reizvoll.

Checkliste
 

1.) Ein Ausstieg bringt immer eine Änderung mit sich, sowohl für den Gehenden wie für die Kolleginnen und Kollegen, die vor Ort bleiben.

2.) Bei einer geplanten Rückkehr in ein altes Team lohnt sich ein Besuch und ein Gespräch vorab, um den Wiedereinstieg vorzubereiten und auf Veränderungen im Team zu reagieren.

3.) Ein Sabbatical empfiehlt sich dann, wenn beide Seiten nach der Auszeit wieder zusammen kommen möchten.

Tipps zum Lesen

Axel, Carsten: Auszeit als Chance: Mit Sabbatical der Karriere auf die Sprünge helfen, Signum Verlag, 2009, ISBN: 978-3854364078

 
     
       

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„Mein Ding - der Beruf“

Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen und nicht vor Jahrzehnten. In meiner ersten Schulstunde zog unsere Klassenlehrerin ein Kasperle als Handpuppe aus ihrer Aktentasche, ließ ihn ein paar Worte sagen, mit dem Kopf wackeln und malte dann vor den Augen von uns 40 Erstklässlern die Mütze des Kasperle als Dreieck an die Tafel. Im nächsten Schritt forderte sie uns dazu auf, die Mütze auf unseren Schiefertafeln, die vor uns lagen, nachzumalen. Allerdings sollten wir die untere Kante der Dreiecksmütze etwas nach oben verschieben und damit ein großes A malen und dies so lange wiederholen, bis unsere Schiefertafel mit großen A‘s voll war. Für mich ein Wunder. Ich konnte ein A schreiben, ich konnte aus einer Kasperlemütze einen Buchstaben machen. Ich habe diesen Moment des A-Schreiben-Könnens an meinem ersten Schultag nie vergessen und seither hat mich die Faszination der Buchstaben und des Schreibens nicht mehr verlassen.
Weshalb erzähle ich Ihnen diese Geschichte so ausführlich? Vielleicht hilft sie Ihnen, eine Antwort darauf zu finden, welcher Beruf „Ihr Ding“ ist. Denn immer wieder kommen Klienten ins Coaching und wollen herausfinden, welches denn „ihr“ Beruf sei. Sie haben längere Zeit in ihrem Beruf gearbeitet, Erfolge gehabt und stellen nach einigen Berufsjahren fest, dass der lange und gut ausgeübte Beruf doch nicht derjenige ist, den sie die nächsten 20 bis 25 Jahre weiter machen möchten. Nur, was können sie stattdessen tun? Welchen beruflichen Weg können sie noch gehen? Eine mögliche Antwort geben dann vielleicht die Erinnerungen an die Kindheit und Jugend und an ein so kleines Wunder, wie ich das A-Schreiben für mich empfunden habe. Sie verweisen darauf, was wir besonders gerne getan und vielleicht heute noch gerne tun würden.
Selten lässt sich daraus allerdings gleich „mein Ding – der Beruf“ ableiten. Und nicht immer heißt die Antwort, den bisherigen Beruf ganz aufzugeben und von vorne anzufangen. Viel häufiger entwickeln sich aus der Suche nach Alternativen zum heutigen Berufsalltag konstruktive Ideen, wie sich mit einer guten Karriereplanung mehr von „meinem Job“ in den jetzigen Beruf integrieren lässt. Habe ich beispielsweise als Jugendliche und Jugendlicher im Sportverein gerne Gruppen geführt und mich dennoch nicht als Führungskraft gesehen, weil dies für mich und meine Familie so selbstverständlich war, dann kann ich mich beispielsweise als Krankenpfleger weiterbilden zur Managementpflegekraft oder als Verkäuferin zur Filialleiterin. Der Blick zurück ist dann ein wertvoller Blick voraus in eine befriedigende berufliche Zukunft.

Checkliste
 

1.) Welcher Beruf passt zu mir? Welcher Beruf ist „mein Ding“? Berufstests können darauf eine Antwort geben, ebenso eine Beratung in den Arbeitsagenturen und Kreisjobcentern.

2.) Manchmal hilft auch der Blick zurück. Besonders dann, wenn wir bereits länger berufstätig sind und von einem beruflichen Neuanfang träumen. Das, was wir als Kinder und Jugendliche gerne getan haben oder welchen Berufswunsch wir damals hatten, können wertvolle Hinweise auf unsere Begabungen und Stärken sein.

3.) Lohnenswert ist auch die Frage an unsere Freunde, worin sie unsere Stärken sehen und zu beobachten, worum sie uns besonders häufig bitten. Sind wir als Organisationstalent gefragt, als aufmerksamer Zuhörer, als rascher Erlediger von komplexen Aufträgen im Freundeskreis oder als kreativer Gestalter gemeinsamer Freizeiten? Und worum sollten sie uns bitten und tun es nie? Auch das sind erste Hinweise auf unsere Stärken und Fähigkeiten.

4.) Ein weiterer Anhaltspunkt kann beispielsweise sein, an uns zu beobachten, was wir tun, wenn wir überraschenderweise einen Tag frei haben und ihn nicht vorab verplanen konnten.

5.) Und am Ende können wir uns prüfen mit der Frage, was wir gerne in 10 Jahren machen möchten oder noch machen können und wie wir uns dann selbst gerne sehen und sehen wollen.

Tipps zum Lesen
Bundesagentur für Arbeit: www.arbeitsagentur.de,
http://kreisjobcenter.marburg-biedenkopf.de/
„Reinschnuppern bringt gar nichts“: http://hochschulanzeiger.faz.net/reinschnuppern-bringt-gar-nichts-den-richtigen-beruf-finden-11521518.html.

 
     
       

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Wieder mal - eine Absage!

Absagen auf Stellenbewerbungen sind frustrierend. Jedes Mal. Weshalb will mich keiner? Was hat der andere oder die andere, was ich nicht bieten kann? Weshalb finde ich einfach keinen Job? Und gar einen zu mir passenden?
Die erste Absage auf unsere Bewerbungsschreiben vermögen wir noch recht locker wegzustecken und trösten uns damit, dass es beim nächsten Mal schon klappen wird. Flattert nach der 10. oder 50. Bewerbung wieder das Schreiben mit dem Satz, ‚leider müssen wir Ihnen mitteilen…‘ in den Briefkasten, dann wird es zunehmend schwieriger, nicht zu resignieren und immer wieder den Gedanken loszulassen, ich scheine nichts zu können, was ich in einem Unternehmen oder in einer Institution einbringen kann. Frust, Ärger und Wut machen sich breit und die Angst, am Ende gar keine Arbeit mehr zu finden. Eine alles andere als leichte Situation für uns, unsere Familie und Freunde.
Was können wir tun, um über die erneute Enttäuschung einer weiteren Absage hinweg zu kommen? Das schwierigste ist dann, zum Telefonhörer zu greifen und bei dem absagenden Unternehmen nachzufragen, was wir bei der nächsten Bewerbung besser machen können. Oft lohnt sich der Anruf. Wir bekommen, wenn wir am Telefon gelassen bleiben, wichtige Hinweise, die wir für uns nutzen können.
Schaffen wir es, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden und erhalten dann jedes Mal danach eine Absage, dann scheinen unsere Bewerbungsunterlagen gut und informativ gewesen zu sein. An ihnen müssen wir nicht mehr feilen und sie nicht mehr verbessern. Und das Foto war offenbar ebenfalls in Ordnung. Unternehmen laden Bewerberinnen und Bewerber nur dann zum Vorstellungsgespräch ein, wenn sie diese aufgrund der Bewerbungsunterlagen für die zu besetzende Stelle geeignet halten. Ausnahmen sind Institutionen, bei denen eine Ausschreibung für eine Stelle zwingend vorgeschrieben ist und die sich intern längst auf einen Kandidaten geeinigt haben. Stattdessen fragen wir uns, was ist in den Bewerbungsgesprächen schief gelaufen? Welche Fragen haben wir nicht beantwortet oder nicht gestellt? Waren wir authentisch oder haben wir eine Rolle gespielt, die wir nicht beherrschen? Vor unserem nächsten Vorstellungsgespräch sollten wir dann unseren Auftritt mit unserer Familie, unseren Freunden oder einem Coach trainieren und uns immer wieder vor dem Spiegel ausprobieren.
Absagen auf Stellenanzeigen können uns auch dazu verlassen, uns zu prüfen, ob der der Beruf, den wir mit unseren Bewerbungen suchen, unser Wunschberuf ist. Träumen wir womöglich davon, uns anderweitig zu orientieren und weiter zu entwickeln, statt die bislang ausgeübten Tätigkeit weiter auszuüben? Die Zeit der Bewerbungen kann dazu dienen, herauszufinden, wo wir in fünf oder in zehn Jahren sein wollen und wie wir dorthin kommen.

Checkliste
 

1.) Der Umgang mit Absagen auf Stellenangebote, trotz gut und sorgfältig ausgearbeiteter Bewerbungsunterlagen, ist eine Herausforderung.

2.) Je nach Temperament gehen wir mit unserem Frust und unseren Enttäuschungen um. Wichtig ist es, nicht darüber hinwegzugehen und so zu tun als sei nichts. Ein Gespräch mit Dritten, Spazierengehen, Sport oder das Boxen auf das Kissen im Bett können dabei hilfreich sein.

3.) Stellen wir fest, dass wir anfangen zu resignieren und immer weniger Mut haben, erneut eine Bewerbung zu schreiben und abzuschicken, dann ist das ein wichtiges Signal, uns nicht gehen zu lassen, sondern unser Leben wieder in die Hand zu nehmen. Womöglich mit der Unterstützung von Dritten, unserer Familie z. B., unseren Freunden, einem Therapeuten oder einem Coach.

4.) Manchmal kann es auch der richtige Weg sein, sofern möglich, erst einmal die Stopp-Taste zu drücken und aufhören, sich zu bewerben, statt immer nach neuen Jobangebote zu suchen und sich auf Stellen anzubieten, für die wir von vorneherein nicht in Frage kommen. Stattdessen kann eine Weiterbildung zielführender sein für eine mögliche Stelle. Oder wir machen ein Coaching, wenn es um offene berufliche Fragen geht.

5.) Absagen sollten unser Selbstwertgefühl nicht untergraben und nicht schmälern. Es geht nicht um unsere Person, sondern um die Frage, ob ein Unternehmen glaubt zu wissen, dass wir die richtige Besetzung für die ausgeschriebene Stelle sind. Die Gründe für Absagen sind mindestens so vielfältig wie es Personalverantwortliche in
Unternehmen und Bewerber für die ausgeschriebene Stelle gibt.

6.) Wichtig ist, dass wir unsere Bewerbungsunterlagen optimal ausgearbeitet und unseren Auftritt im Bewerbungsgespräch gut trainiert und vorbereitet haben.

 
     
       

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Ihre Karriere bitte

‚Ich habe Zeit meines Lebens nie an eine Karriere gedacht…‘, ‚Karriere, das wollte ich nie, den dicken Dienstwagen und so…‘. Oder ganz anders: ‚ich möchte so rasch wie möglich und in einem großen Unternehmen Karriere machen…‘ ‚bei einem Wechsel des Arbeitgebers erhoffe ich mir bessere Karrierechancen als bislang…‘: Sätze wie diese kommen fast täglich in den Beratungsgesprächen eines Coachings vor. Nur, was ist das eigentlich – ‚Karriere‘ und ‚Karriere machen‘? Ist es nur der rasche und manchmal auch rücksichtslos durchgeboxte Aufstieg in einem Unternehmen, wie ‚Karriere machen‘ oft verstanden und eher negativ bewertet wird?
Oder heißt ‚Karriere machen‘ vielmehr, sich zu fragen, in welchem Beruf kann ich meine Stärken und Fähigkeiten am besten einsetzen und mich verwirklichen? Welche Kompetenzen habe ich dafür und welche davon will ich vielleicht sogar noch weiter ausbauen? Welche meiner Begabungen und Alleinstellungsmerkmale wird der Arbeitsmarkt in fünf Jahren verstärkt nachfragen? ‚Karriere machen‘ ist dann mehr als nur der Blick darauf, wie schnell und wie erfolgreich der Aufstieg nach oben gelingt. ‚Karriere machen‘ steht dann für die „persönliche Laufbahn eines Menschen in seinem Berufsleben“ (Wikipedia), für den persönlichen Weg jedes einzelnen, den er in seinem von ihm gewählten Beruf geht.
Offen bleibt dabei die Frage, ob unsere jetzige persönliche Laufbahn diejenige ist, die wir uns zu Beginn unseres Berufslebens zutrauen oder zugetraut haben und ob wir eher zufrieden oder eher unzufrieden mit unserer derzeitigen beruflichen Situation sind. Antworten finden wir, wenn wir uns ganz bewusst unsere beruflichen Ziele definieren und wenn wir dabei uns verdeutlichen, was wir dafür brauchen. Dazu gehört, dass wir uns erlauben zu träumen und uns zu sagen, „das wäre es, das wäre genau der richtige Beruf für mich“ und uns dann ganz realistisch und nüchtern anschauen, ob wir uns mit unserem Traum ein zu hohes Ziel gesetzt haben oder ein zu niedriges. Weshalb nicht Ärztin werden statt Krankenschwester oder weshalb nicht zum Altenpfleger umsatteln, statt weiterhin als Maschineneinrichter im Fahrzeugbau tätig zu sein? Solange wir unsere persönliche Laufbahn planen und uns für den Weg entscheiden, der unseren privaten und beruflichen Interessen und Fähigkeiten besonders entgegenkommt und uns voraussichtlich längerfristig Chancen am Arbeitsmarkt bietet, solange werden wir im besten Sinne des Wortes „Unsere Karriere bitte!“ machen. Auch als langjähriger Mitarbeiter und mit und ohne Firmenwagen.

Checkliste
 

1.) ‚Karriere machen‘ setzen wir vielfach gleich mit Karrierist sein, mit Aufstieg ohne nach links und nach rechts zu schauen. ‚Karriere machen‘ ist viel mehr. Wer Karriere macht oder gemacht hat, hat sein persönliches berufliches Ziel, das er sich selbst gesteckt hat, erreicht. Als Taxifahrer mit eigenem Wagen ebenso wie der Firmeninhaber eines Weltkonzerns.

2.) Nicht immer haben wir eine konkrete Vorstellung von unserem Beruf und von unserer beruflichen Zukunft. Oder von unseren Stärken und Fähigkeiten. Entweder, weil sie für uns so selbstverständlich sind, dass wir sie kaum wahrnehmen und deshalb falsch bewerten oder weil wir sie uns bislang nicht getraut haben einzugestehen. Etwa, weil sie zu weit entfernt sind von dem, was wir und unsere Umgebung von uns beruflich erwartet. Durch Gespräche mit Freunden, Familien oder einem Coach oder Therapeuten können wir manchmal überraschend neue Perspektiven entwickeln.

3.) Gleichgültig, wie unsere Karriereplanung aussieht, entscheidend ist, sie sorgfältig anzugehen und uns regelmäßig zu fragen, wollen und können wir die Anforderungen, die an uns gestellt werden, noch erfüllen? Oder ist es an der Zeit, uns zu verändern und uns anders oder gar neu zu orientieren?

4.) Manchmal müssen wir uns davon verabschieden, das Karriereziel zu erreichen, was wir uns ursprünglich vorgenommen haben oder das wir schon mal erreicht hatten. Unser freundlich-nüchterner Blick auf unsere Stärken und unsere Defizite kann uns dann helfen zu akzeptieren, dass wir vielleicht nicht den ganz großen Karrieresprung gemacht haben, dafür jedoch die Karriere geschafft haben, die für uns und unsere Fähigkeiten und Schwächen möglich war.

Tipps zum Lesen
 
Gulder, Angelika: Finde den Job, der Dich glücklich macht, 2013 (3. Auflage), Campus Verlag, ISBN: 978-3593398396

 
     
       

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Raus aus dem alten Job?

Lassen Sie uns träumen. Träumen von einer Arbeit, die uns jeden Abend zufrieden nach Hause gehen lässt. Eine Arbeit, die uns fordert und unsere Fähigkeiten und Stärken fördert. Wir empfinden Spaß daran, genießen jeden Moment und jede Aufgabe und freuen uns auf jeden neuen Arbeitstag.
Leider erleben viele von uns diese Situationen im Beruf nur selten. Stattdessen stehen wir im Laufe unseres Berufslebens immer wieder vor der Herausforderung, uns zu fragen, ob der derzeitige Job noch der richtige für uns ist. Ob die Wege, die er uns bietet, noch diejenigen sind, die wir in den nächsten Jahren gehen möchten. Oder ob ein Jobwechsel nicht die bessere Alternative für uns wäre. Bevor wir uns dafür entscheiden, können wir uns allerdings fragen, was ist es genau, das uns an unserer derzeitigen Arbeit stört? Unser zu geringes Einkommen? Die Kolleginnen und Kollegen oder die Vorgesetzten? Oder, dass wir uns häufig unterfordert fühlen und uns langweilen? Oder doch Überfordert? Und wo wollen wir überhaupt hin? Welche beruflichen Ziele möchten wir in den nächsten fünf oder zehn Jahren erreicht haben? Und macht unsere Familie mit bei unseren Gedankenexperimenten?
Die Antworten auf die Fragen fallen manchmal überraschend aus: Vielleicht ist es ist gar nicht so sehr Job, der uns unzufrieden macht. Die Arbeit selbst bereitet uns doch mehr Freude als wir gedacht hatten. Es sind vor allem die Rahmenbedingungen wie Absprachen im Team und das fehlende Einhalten von Terminen seitens einiger Kollegen, die uns nachhaltig stören und die wir versuchen können zu ändern. Oder wir entdecken, dass wir uns weiterbilden und fachlich etwas anders ausrichten könnten, als bislang, um die im Betrieb angebotenen Chancen zu nutzen.
Oder ist es anders? Unsere bisherige Argumentation, ein neuer Job sei auch nicht besser als der alte, stimmt doch noch. Vielmehr fehlt uns der Mut, uns neu zu orientieren und uns nach einer anderen Stelle umzusehen. Es ist unsere Angst vor einem Jobwechsel, die uns diese uns unbefriedigenden Arbeitsbedingungen aushalten lässt. Sie sorgt für unsere verdrossene Laune im Beruf. Eine professionelle Beratung kann hier helfen und uns unterstützen.
Vielleicht heißt die Antwort auf die Fragen auch, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, uns einzugestehen, dass unser Traumberuf ein anderer ist als unser derzeitiger. Nicht so sehr ein Jobwechsel als vielmehr eine neue berufliche Orientierung ist unser eigentlicher Traum, den wir uns erfüllen möchten.

Checkliste
 
1.)
Jeder Wechsel im Beruf bietet uns die Chance, uns zu fragen, wo wir hin wollen und wie unsere Karriere weiter verlaufen soll. Diese Frage sollte vor dem Suchen nach Stellenangeboten in Zeitung und Internet stehen. Erst, wenn wir sie uns umfassend beantwortet haben, kann der nächste Schritt die Bewerbung sein oder vielleicht zunächst eine Fort- und Weiterbildung.

2.) Die Bedingungen am Arbeitsplatz sind häufig Ursache für die Unzufriedenheit mit dem Beruf. Sie sollten genau betrachtet werden, damit wir bei der nächsten Stelle nicht wieder vor ähnlichen Schwierigkeiten stehen. Lassen sie sich langfristig und positiv ändern, lohnt es sich zu prüfen, ob ein Wechsel des Jobs überhaupt notwendig ist.

3.) Unabhängig davon, ob wir kündigen oder uns betriebsbedingt gekündigt wurde, ist es hilfreich, wenn wir uns den Abschied aus dem Beruf so positiv und angenehm wie möglich gestalten.

4.) Ein Jobwechsel bringt viele Veränderungen mit sich. Für den Jobwechsler wie für seine Familie und seine Freunde. Damit der Start in der neuen Berufswelt gelingt, kann es von Vorteil sein, wenn wir unsere Umgebung darum bitten, uns bei dem Wechsel zu unterstützen und unser „Supporter“ zu sein.

Tipps zum Lesen
 
Hildebrand-Woeckel, Sabine: Der erfolgreiche Jobwechsel, 2010, Gabler Verlag, ISBN: 978-3834920348

 
     
       

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Assessment Center

Kaum hatte Katharina B. ihre Bewerbung als stellvertretende Leiterin der Wirtschaftsförderung einer ostdeutschen Großstadt abgeschickt, da erhielt sie bereits die Einladung zu einem Assessment-Center. „Worauf muss ich dabei achten und wie kann ich mich vorbereiten? In 14 Tagen soll ich einen ganzen Tag lang ein Assessment Center (AC) durchlaufen, das ein externes Beratungsunternehmen für die Stadt durchführt.“ Bislang hatte die Verkehrsplanerin in den ersten fünf Jahren nach ihrem Studium erfolgreich freiberufliche Projektarbeit im Bereich Stadtentwicklung und Grünplanung geleistet. Ein AC hatte sie noch nicht erlebt und mit Hilfe einer Beratung wollte sie sich gründlich darauf vorbereiten.
ACs wurden zu Beginn der 20er Jahre des vorherigen Jahrhunderts an der Universität Berlin entwickelt und werden seit den 50er Jahren vor allem zur Auswahl von Bewerbern für eine neu zu besetzende Stelle oder in der Personalentwicklung eingesetzt. Meistens dauern sie ein bis zwei Tage und lösen wegen ihrer intensiven Tests, Übungen und Interviews bei vielen Bewerbern Besorgnis aus. Auch Katharina befürchtete, im AC zu versagen und sich damit ihre Chance auf den Traumjob zu verspielen.
Dabei können ein paar Spielregeln helfen, ein AC gut zu überstehen. Die allerwichtigste lautet: ACs sind teuer. Wenn ein Unternehmen eine Bewerberin, einen Bewerber dazu einlädt, dann haben die Kandidaten bereits wichtige Bewerbungshürden geschafft und neben ihnen sind nur noch wenige Mitbewerber im Rennen. Deshalb sollten sich ausgewählte Kandidaten selbst herzlich zur Einladung gratulieren und daraus Kraft für das auf sie zukommende AC ziehen.
Ansonsten basieren ACs auf zwei Bedingungen. Sie sollen einerseits dem Unternehmen objektive oder objektiv erscheinende Kriterien für die Auswahl des Jobbewerbers, der Jobbewerberin an die Hand geben und andererseits die Bewerber möglichst ganzheitlich, umfassend und nicht zuletzt unter Zeitdruck testen und stressigen Situationen aussetzen. Die in einem AC gestellten Aufgaben und Tests können deshalb meistens in der dafür vorgegebenen Zeit gar nicht gelöst werden. Die zu knapp bemessene Zeit für das Bearbeiten der gestellten Fragen soll die Kandidaten vielmehr herausfordern. AC-Kandidaten sollten dies während des ACs immer vor Augen haben und statt sich zu stressen, sich vor allem darauf konzentrieren, das Wesentliche einer Fallstudie oder eines Tests herauszuarbeiten, bei ihren Antworten klare Prioritäten setzen und am Ende gut und ruhig begründen, weshalb sie sich für die von ihnen präsentierten Lösung entschieden haben. Dann haben sie große Chancen, das AC zu packen und am Ende den Traumjob zu ergattern. Wie Katharina B.

Checkliste
 
1.)
In einem Assessment Center können die Übungen reichen von einer sogenannten Postkorbübung, bei der das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen und nach Dringlichkeit zu bearbeiten ist, über Rollenspiele, Präsentationen, Interviews, psychologischen Tests bis zum angemessenen Small Talk mit den richtigen Fragen.
 
2.) Die meisten Aufgaben in einem AC sind unter Zeitdruck zu bearbeiten und lassen sich unter den vorgegebenen Bedingungen nur selten komplett lösen. Bewerber sollen anhand der gestellten Übungen und Fallbeispielen zeigen, wie sie unter Stress arbeiten und denken und wie sie unter schwierigen Arbeitsbedingungen mit ‚Kollegen‘ und ‚Vorgesetzten‘ umgehen. Etwa, ob sie auch unter Druck freundlich und zugewandt bleiben.
 
3.) Fragen nach persönlichen Problemen sollten Bewerber freundlich und zurückhaltend zu beantworten. Auch wenn hartnäckig weitergefragt wird.
 
4.) In einem ein- bis zweistündigen Bewerbungsgespräch kann sich ein Kandidat noch hinter einer Fassade verstecken und für eine gewisse Zeit eine bestimmte Rolle spielen. „Sei einfach Du selbst, es gelingt Dir eh nicht, etwas anderes darzustellen…“ oder kurz: ‚Authentizität‘ ist ein wesentlicher Baustein zum Erfolg in einem AC.
 
5.) Das AC ist erst dann zu Ende, wenn sich die Türen des Unternehmens oder der Beratungsfirma wieder schließen. Am Ende des AC-Tages scheinbar entspannend klingende Aufforderungen der Berater, sich doch zum Abschluss offen über das gerade erlebte Assessment Center und die Mitbewerber zu äußern, sind ebenfalls zurückhaltend-freundlich zu beantworten. Denn auch diese Antworten fließen in die Bewertung mit ein.

Tipps zum Lesen
 
Stärk, Johannes, Assessment Center erfolgreich bestehen, 2011,
ISBN: 9783869361840

 
     
       

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Mehr Gehalt bitte

„Ich bin in meinem Beruf erfolgreich. Doch mehr Gehalt zu verlangen, fällt mir auch nach vielen Jahren beruflicher Tätigkeit immer noch schwer“. Seit einigen Jahren arbeitet Günter T. als Leiter des Vertriebs in seinem Unternehmen für Sensorsysteme für die Automobilindustrie. Durch Fusion mit einem Mitbewerber wird sich seine Abteilung demnächst weiter vergrößern und er wird weitere Mitarbeiter führen. „Ein Anlass für mich, mit meinem Chef über mehr Einkommen zu verhandeln.“ Und ein idealer Zeitpunkt für eine Anfrage nach einem höheren Gehalt. Übernehmen wir mehr Verantwortung durch mehr Personal oder durch zusätzliche Aufgaben oder haben wir ein Projekt sehr erfolgreich abgeschlossen, dann sind Gespräche über mehr Gehalt meistens leichter und erfolgreicher, als mit dem Argument, ich hätte einfach mal gerne mehr Geld im Geldbeutel. Was allerdings ist zu tun, wenn uns Gehaltsverhandlungen schwer fallen, auch weil wir wissen, dass unser Chef ein schwieriger Verhandlungspartner sein wird, weil er ein Meister der Einwände ist?
Fast niemand fühlt sich so richtig wohl, wenn er beim Chef mehr Einkommen fordern will. Ehe wir uns aktiv in das Gespräch stürzen, lohnt es sich deshalb, dass wir uns in aller Ruhe auf den Verhandlungstermin vorbereiten. Natürlich gilt es zu klären, wie viel ist überhaupt drin? Als Faustregel nennen Personaldienstleister 5 – 10% mehr Lohn, bei einem Firmenwechsel kann dies auch mehr sein.
Vor allem jedoch machen wir uns vor einer Gehaltsverhandlung noch einmal deutlich bewusst, welche Stärken wir haben und welche Fähigkeiten wir im aktuellen Job gezeigt und eingebracht haben und belegen diese anhand von konkreten Beispielen und Zahlen. Etwa, dass wir Kosten gespart, den Umsatz gesteigert, neue Mitarbeiter gut eingearbeitet und bereits weitere Aufgaben übertragen bekommen haben. Wir werden demnach mit dem höheren Einkommen nicht teurer und fordern auch nicht mehr Geld für die gleiche Arbeit. Vielmehr soll sich die künftige jährliche Vergütung unserer gesteigerten Leistung anpassen, und sie ist damit für das Unternehmen auch eine Investition in die Zukunft.
Mit diesem Perspektivenwechsel ist es Günter T. leichter gefallen, das Gespräch mit seinem Chef zu suchen. „Am meisten geholfen hat mir, meine Körpersprache vorab gut zu trainieren und die Argumente, die ich vortragen wollte, schriftlich auszuarbeiten und dann mehrfach zu üben. Solange, bis ich das Gefühl hatte, jetzt kann ich mich dem für mich schwierigen Gespräch stellen.“
 
Checkliste
 
1.) Eine Gehaltsverhandlung hat dann Aussicht auf Erfolg, wenn die Geschäftslage des Unternehmens eine Anpassung zulässt. In geschäftlich schwierigen Zeiten bleiben Gehaltsgespräche häufiger ohne konkrete Ergebnisse.
 
2.) Erwartet Ihr Chef, Ihre Chefin eine konkrete Zahl von Ihnen, dann nennen Sie eine Ober- und eine Untergrenze für Ihr künftiges Jahresgehalt. Statt einer Gehaltsanpassung können Sie auch über Zusatzleistungen nachdenken, wie einen Firmenwagen oder das Bezahlen von Jahresprämien. Damit können beide Seiten eventuell Steuern sparen.
 
3.) Ein angeregter und gekonnter Small-Talk zu Beginn einer Verhandlung über mehr Geld sorgt für eine entspannte Atmosphäre. Er sollte nach einigen Minuten in ein konstruktives Verhandlungsgespräch übergehen.
 
4.) Zu klären ist auch, wer der richtige Ansprechpartner für eine Gehaltsverhandlung ist, der unmittelbare Vorgesetzte oder der oberste Chef?
 
5.) Ein eigenes Thema ist der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen: In vielen Branchen bekommen Frauen für die gleiche Arbeit weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen.

Tipps zum Lesen
 
Hesse, Jürgen, Schrader, Hans Christian, Die 100 wichtigsten Tipps für die erfolgreiche Gehaltsverhandlung, 2012, Stark Verlag, ISBN: 9783866686014

 
     
       

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Karriere aus und vorbei

„Ich hatte keine Ahnung. Erst als ich in das Zimmer meines Chefs trat, spürte ich, dass etwas nicht stimmt.“ Sein Gefühl betrog Joachim M. nicht. Mit dürren Worten teilte sein Chef dem studierten Betriebswirt und Leiter einer großen Abteilung in einem Versicherungsunternehmen mit, dass ab sofort ein jüngerer Kollege die Aufgaben von Joachim M. übernehme. Er behalte alle Bezüge, seine Führungsaufgaben jedoch nicht, stattdessen werde er künftig dem Kollegen zuarbeiten. „Damit ist für mich die Karriereleiter in unserem Unternehmen zu Ende. Für mich als über 5ojährigen gibt es bei uns keine Chance mehr auf eine der Spitzenpositionen. Das habe ich aus dem Gespräch auch mitgenommen.“ Mit dem Verlust der bislang gerne und mit Begeisterung ausgeübten Aufgabe und damit der Vorstellung, diese in den kommenden Jahren vielleicht sogar noch weiter entwickeln und ausbauen zu können, geht für Joachim M. nicht nur die berufliche Perspektive verloren. Die Degradierung verletzt sein Selbstwertgefühl. Bislang kamen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu ihm, um mit ihm die anstehenden Aufgaben zu besprechen. Jetzt fragen sie den anderen. Seine Fähigkeiten, die bislang ausreichend erschienen, sind gar nicht mehr oder nur noch teilweise gefragt. Die Aufgabe des Abteilungsleiter, die ihm auch ein Stück weit Bedeutung verliehen hatte, fiel plötzlich weg. „Ich hatte eine Zeitlang das Gefühl, ich bin meiner Würde beraubt worden. Nicht nur ich, auch meine ganze Familie haben unter der veränderten Situation zunächst ziemlich gelitten.“
Heute hat er sich arrangiert und macht, wie er selbst sagt, „das Beste daraus“. Hatte er sich noch am Anfang trotzig dazu entschlossen, nur noch Dienst nach Vorschrift zu machen, arbeitet er inzwischen wieder so zuverlässig, wie er es für sich richtig findet. Mit einer Einschränkung. „Ich versuche, mich außerhalb des Berufs zu engagieren und genügend Zeit dafür zu haben. Sowohl in meinem Privatleben, als auch im Ehrenamt. Und ich habe in einem Coaching neue Perspektiven für mich entwickelt und mir meine Potentiale noch einmal bewusst gemacht und deutlicher herausgearbeitet.“ Diese bringt er inzwischen bewusst und vermehrt in seinen Beruf ein und genießt es, sich auszuprobieren und sich darin selbst zu beweisen „Dennoch, der Schmerz und die Enttäuschung sind immer noch gegenwärtig, auch über den Mangel an Respekt, der mir für meine langjährige Arbeit im Unternehmen entgegengebracht wurde.“
 
Checkliste

1.)
Das ungeplante Ende einer Karriere bedeutet immer auch Abschied zu nehmen von Perspektiven und der Identifizierung mit dem, was einen Großteil des Lebens ausgemacht hat.

2.) Der Blick zurück kann helfen, das eigene Selbstwertgefühl wieder aufzubauen. Fragen Sie sich beispielsweise, was Ihre größten Erfolge waren. Wo haben Sie dafür gesorgt, dass gute Mitarbeiter von Ihnen Karriere gemacht haben? Was hat Sie dazu gebracht, sich für den von Ihnen gewählten Beruf zu entscheiden? Die Antworten ändern nichts an der Enttäuschung über das unerwartete Ende. Sie können jedoch dazu beitragen, dass Sie sich Ihrer wieder selbst bewusst werden und neue berufliche und private Perspektiven entwickeln.

3.) Ehrenamtliche Aufgaben oder Sport im Verein oder in einer Gruppe können zudem Halt geben.

 
     
       

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Bewerben ohne Stellenangebot

Was tun, wenn Ihr Traumunternehmen einfach keine freien Stellen anbietet? Schon lange träumen Sie davon, dort zu arbeiten und sich beruflich weiter zu entwickeln. Sie können natürlich warten und auf eine entsprechende Stellenanzeige hoffen. Oder Sie werden selbst initiativ und bewerben sich von sich aus. Denn immer wieder führen auch Initiativbewerbungen zum gewünschten Erfolg. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Oft haben Unternehmen aufgrund ihrer Auftragslage keine Zeit, eine längst zu besetzende Stelle auszuschreiben, weil das Tagesgeschäft zu sehr drängt. Oder ein entsprechendes Stellenangebot sollte demnächst veröffentlicht werden und kann aufgrund Ihrer Initiative nun unterbleiben.
Eine Initiativbewerbung kann Ihre Chancen, eine von Ihnen gewünschte Stelle zu bekommen, verbessern. Ein paar Voraussetzungen dafür sind allerdings zu erfüllen. Gleichgültig ob Sie sich auf eine ausgeschriebene Stellenanzeige melden oder ohne Anzeige selbst aktiv werden, lohnt es sich, sich zunächst über das Unternehmen gründlich zu informieren. Z. B. darüber, welche Geschäftsbereiche ein Unternehmen hat, welche Unternehmensphilosophie es vertritt, etwa zu Themen wie Personalentwicklung und Nachhaltigkeit und wer Ihr Ansprechpartner ist, die Personalabteilung oder ein externer Personalberater. Im nächsten Schritt können Sie sich fragen, ob Sie nach Ihrer gründlichen Recherche immer noch Teil des Unternehmens werden wollen. Danach klären Sie mit sich selbst oder mit einem Berater wie einem Coach oder Therapeuten, welche Qualifikationen Sie auszeichnen und welche sie Ihren Wunscharbeitgeber anbieten können und für ihn besonders interessant sind. Weiterhin fragen Sie sich, was Sie an dem von Ihnen ausgewählten Unternehmen beeindruckt und welche konkrete Aufgaben Sie dort gerne übernehmen möchten. Eine dann von Ihnen geschriebene Bewerbung wirkt authentisch und überzeugend.
Viele Unternehmen schätzen eine gut gemachte Initiativbewerbung, weil sie davon ausgehen, dass besonders Menschen mit Eigeninitiative und Kreativität diesen Weg wählen. Große Unternehmen, z. B. aus der Luftfahrt oder der Automobilbranche, werden allerdings von Initiativbewerbungen überrollt und lehnen diese deshalb meistens grundsätzlich ab.
Hier lohnt es sich, aufmerksam die Stellenausschreibungen zu lesen und den Versuch zu wagen, sich auch auf eine nicht ganz auf Sie zutreffenden Anzeige zu bewerben. Mit der Aussicht, sich persönlich vorstellen zu können. Denn ist erst einmal ein Vorstellungstermin vereinbart, dann haben Sie wieder die 100%ige Chance auf Erfolg.
 
Checkliste

1.)
Bei allen Bewerbungen hilfreich ist es, wenn wir sagen, was wir möchten. Formulieren wie, „ich würde, ich könnte“ können wir getrost streichen und ersetzen durch „ich werde, ich möchte, ich kann..“.

2.) Das Stichwort Initiativbewerbung braucht in Ihrem Anschreiben nicht zu stehen.


3.) Benennen Sie bei einer Initiativbewerbung möglichst genau die Tätigkeit, die Sie in Ihrem Wunschunternehmen gerne ausfüllen möchten.

4.) Wie bei allen Bewerbungen sollte auch bei einer Initiativbewerbung das Anschreiben nicht länger als eine Seite lang sein, möglichst konkrete Aussagen über Ihre derzeitige Position und über Ihre Ausbildung enthalten und der Lebenslauf eine bis zwei Seiten umfassen.

5.) Weitere Informationen und Beratungen gibt es bei der Agenturen für Arbeit. Darunter Tipps zur Bewerbung mit Learning-Module.

Tipps zum Lesen

Hesse, Jürgen, Schrader, Hans Christian, Das große Hesse/Schrader Bewerbungshandbuch, 2011, Stark Verlag, ISBN: 9783866684058 oder www.berufsstrategie.de

 
     
       

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Wer könnte ich sein?

Wer könnte ich sein und welcher Beruf wäre der richtige für mich? Kann ich mich und mein Leben tatsächlich verändern? Soll ich tatsächlich den gut bezahlten, aber stressigen Bürojob aufgeben und mir stattdessen den Traum vom eigenen Restaurant auf der sonnigen Insel erfüllen? Und was wäre, wenn ich meine Wünsche Wirklichkeit werden lasse, statt nur davon zu träumen? Fragen wie diese stellen sich viele Menschen, wenn es um ihre Neuorientierung im Beruf oder um eine Entscheidung in ihrer Karriere geht.
Wenn wir uns diese Fragen stellen, dann setzen wir voraus, dass wir unsere berufliche Situation verändern und unser Leben selbst in die Hand nehmen können, wenn wir dies möchten. Offen bleibt dabei, wie sehr wir uns verändern und weiter entwickeln können. Studien bei eineiigen Zwillingen zeigen, dass sich unsere Persönlichkeit nicht beliebig umformen lässt. Unsere Einzigartigkeit reift bis zum 3. Lebensjahrzehnt und bleibt dann in ihren Grundzügen zeitlebens erhalten. Je nach Situation, Alter und unserem Willen zur Veränderung prägen sich einzelne Dimensionen unserer Persönlichkeit, die sogenannten Big Five (siehe Checkliste), die unsere Einzigartigkeit ausmachen, im Laufe unseres Lebens stärker oder schwächer aus. Und hier können wir ansetzen, wenn wir davon träumen, uns weiter entfalten zu wollen. Wir Menschen sind dazu fähig, uns bis zu einem gewissen Grad an neue Lebensbedingungen und ungewohnte Situationen anzupassen und das nicht nur in jungen Jahren.
Veränderungen gelingen allerdings nur selten sofort und vollständig. Meist müssen wir dafür kleine und langsame Schritte gehen und aufhören von uns zu erwarten, dass wir uns sofort verwandeln. Uns ändern zu wollen, braucht zudem Mut und das Wissen, dabei auch scheitern zu können. Außerdem setzt der Wille zur Veränderung die innere Überzeugung voraus, dass wir das Richtige tun und dass wir keine (große) Angst vor dem Neuen haben müssen, das sich in uns entwickelt.
Doch womöglich geht es bei unserem Wunsch ‚wer könnte ich sein‘ gar nicht so sehr um Wandel und Veränderung. Vielleicht wollen wir vielmehr herausfinden, wer wir tatsächlich sind und welche Persönlichkeit wirklich in uns steckt. Ein neues Umfeld, ein neuer Beruf, ein anderes Unternehmen sorgen häufig dafür, dass wir der werden, der wir im Kern schon immer waren und nun auch in Wirklichkeit sein werden. Unser Traum von einem Restaurant kommt möglicherweise unserer Persönlichkeitsdimension gerne ein guter, kommunikativer und offener Gastgeber zu sein, näher als unser bisheriger, gut dotierter Platz hinter dem Schreibtisch. Der Wechsel in einen Dienstleistungsberuf könnte dann der richtige Weg zur Weiterentwicklung unserer Persönlichkeit sein.
 
Checkliste
 

1.) Die Persönlichkeit eines Menschen – und dies weltweit - setzt sich nach dem Modell der Persönlichkeitspsychologie aus fünf wesentlichen Bestandteilen zusammen, den sogenannten Big Five: Offenheit für Erfahrung, Gewissenhaftigkeit (Rigidität), emotionale Stabilität (Neurotizismus), Verträglichkeit (Mitgefühl), Begeisterungsfähigkeit (Extraversion). Sie verändern sich im Laufe des Lebens. Bei den meisten Menschen nimmt die emotionale Stabilität zum Beispiel mit zunehmenden Alter eher zu als ab, ebenso die Verträglichkeit.

2.) a.) Wenn wir den Wunsch nach Veränderung haben, dann lohnt es sich zunächst zu schauen, was unsere Persönlichkeit ausmacht und welche Spielräume wir zur Verfügung haben.
b.) Im nächsten Schritt können wir dann prüfen, in welche Richtung wir gehen möchten. Ist es die warme Insel, die uns lockt, oder doch eher der Wunsch, selbstbestimmt zu arbeiten, wenn wir vom eigenen Restaurant träumen.
c.) Danach können wir uns fragen, wie sehen konkret die einzelnen Schritte aus, die wir gehen möchten und woran können wir unterwegs immer wieder scheitern.
d.) Zum Abschluss oder für den eigentlichen Beginn der Veränderung brauchen wir Mut. Mut, den ersten Schritt zu gehen.
 
Tipps zum Lesen

Roth, Gerhard, Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten, 2008, Klett-Cotta Verlag, ISBN: 9783608947069
GEO-Wissen Nr. 43, 2009, www.geo-wissen.de

 
     
       

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Beständige Veränderung

Möge doch bitte alles so bleiben, wie es ist: Unser Beruf ist so là là, die Familie okay, die Freunde sind in Ordnung und unsere Finanzen auch… Wenn wir so denken und danach handeln, dann gehören wir zu der großen Gruppe der Menschen, die gerne an Routine und Ritualen festhalten. Wir können uns nur schwer vorstellen, uns zu verändern und in unserem Leben neue Wege zu gehen. Selbst dann noch, wenn wir den von uns über lange Jahre ausgetretenen Trampelpfad als langweilig oder gar als schrecklich empfinden. Uns macht der Gedanke Angst, uns auf etwas Neues einzulassen, z. B. auf das Ausscheiden aus dem Betrieb, auf eine neue an uns herangetragene Aufgabe oder auf einen Wechsel in eine andere Abteilung. Aber weshalb? Wieso fühlt es sich für uns so bedrohlich an, den Sprung ins Unbekannte zu wagen? Weshalb schrecken wir vor dem Risiko des sich Veränderns, des uns Weiterentwickelns zurück und bleiben lieber in den vielfach von uns erprobten Bahnen? Die Antworten der Psychologen und Neurologen sind vielfältig. Offenbar fühlt sich unser Gehirn dann besonders wohl, wenn wir auf unseren breit ausgetretenen Pfaden bleiben, und es belohnt uns dafür, in dem es körpereigene Wohlfühldrogen ausschüttet, die uns am Gewohnten festhalten lassen.
Was brauchen wir, damit wir es am Ende doch riskieren, uns zu verändern? Das Wissen, dass Veränderungen stattfinden, jeden Tag, in uns, in unserer unmittelbaren Umwelt und nicht nur in der großen weiten Welt? Oder, dass Veränderungen erst einmal weder gut noch schlecht sind? Wir sind es, die entscheiden, wie wir Veränderungen wahrnehmen. Empfinden wir Veränderungen als beunruhigend und jammern wir bei jeder Gelegenheit darüber, dann gestalten wir unsere subjektive Welt anders, als wenn wir versuchen, in einer neuen Situation auch die Chancen und Möglichkeiten zu sehen.
Stehen wir vor der Aufgabe, uns verändern zu müssen oder haben wir uns zum Ziel gesetzt, endlich etwas zu verändern, dann können wir uns dabei helfen, uns neue Trampelpfade zu bahnen, in dem wir uns ganz in Ruhe fragen, was hat uns unser bisheriges Handeln gebracht? Wo war es für uns von Vorteil? Welche Nachteile hatte es für uns, und wer kann uns eventuell dabei helfen, die Herausforderung aus einem anderen Blickwinkel zu sehen? Freunde, Familie, Kollegen, ein Therapeut, ein Coach? Etwa, wenn wir davon träumen, den Beruf zu wechseln, wenn wir neue und uns unbekannte Aufgaben übernehmen sollen, oder wenn wir aufgefordert sind, zum ersten Mal unseren Chef bei einem wichtigen Kundentermin vertreten müssen. Wenn wir das Alte akzeptieren und annehmen (und uns vielleicht sogar dafür bedanken), dann können wir im nächsten Schritt das Neue annehmen, dann kann die Veränderung kommen. Vorausgesetzt, wir wagen den ersten Schritt und beginnen damit, uns unseren neuen Wege zu ebnen.
 
Checkliste
 

1.) Wir fühlen uns unwohl im Job, wollen längst die Beziehung enden, träumen davon, endlich in unserem Traumberuf arbeiten zu können und dennoch trauen wir uns nicht, uns zu verändern und das Risiko wagen, etwas Neues auszuprobieren. Denn uns zu verändern wollen, macht uns oft Angst.

2.) Neurologen, Psychologen und Evolutionsforscher haben vielfältige Erklärungen dafür, weshalb wir lieber fordern, dass die Umstände sich ändern, als dass wir selbst den ersten Schritt gehen. Wir hören offenbar erst auf, anstehende Änderungen zu ignorieren, wenn der innere Leidensdruck groß genug ist und die körpereigenen Wohlfühldrogen im Gehirn es nicht mehr schaffen, uns zu besänftigen. Erst dann lassen wir es zu, dass unser Leidensdruck zu unserem Ratgeber wird.

3.) Nicht immer gelingt es uns auf Anhieb, uns zu verändern. Manchmal scheitern wir mehrmals, ehe uns das Neue gelingt.

4.) Trauen wir uns nicht, uns zu verändern, obwohl wir wissen, dass es notwendig wäre, dann sollten wir uns fragen, wie sieht unser Leben in fünf oder zehn Jahren aus, wenn wir am Gewohnten festhalten.

5.) Psychologen sprechen von unserer „Komfortzone“, wenn wir im „Gewohnten“ bleiben. Wagen wir es, diese zu verlassen und fordern wir uns selbst heraus, dann begeben wir uns in die „Stretchzone“. Hier gelingt es uns, zu wachsen und uns zu verändern.

Tipps zum Lesen

Tobler, Sibylle,  Neuanfänge – Veränderungen wagen und gewinnen, 2010, Klett-Cotta Verlag, ISBN: 9783608861051


 
     
       

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Träume
 
„Alle Träume können wahr werden, wenn wir den Mut haben, ihnen zu folgen“, antwortete einmal Walt Disney, als er nach den Ursachen für seinen Erfolg gefragt wurde. Neben einem kleinen Quäntchen Glück, das Walt Disney mit dem Wort ‚können‘ umschreibt, ist für ihn die wichtigste Voraussetzung für Erfolg unser Mut, unseren Träumen zu folgen. Ohne Mut bleiben Träume, das, was sie sind, schöne, aufregende, uns begeisternde Phantasien. Wirklichkeit werden sie nicht. Erst wenn wir uns trauen, wenn wir es uns innerlich erlauben, uns unsere Träume zu erfüllen, haben sie die Chance, Wirklichkeit zu werden.
Uns etwas zu trauen, heißt, uns zu vertrauen, unsere Stärken und Schwächen zu kennen und zu wissen, dass Mut ein mögliches Scheitern mit einschließt. Wenn wir mutig sind, kalkulieren wir ein, dass wir das Ziel auch verfehlen können. Mut zu haben, unseren eigenen Träumen zu folgen, bedeutet zudem, die (zu) vielen Zweifel hinter uns zu lassen, die uns bislang immer daran gehindert haben, uns für unsere Träume zu entscheiden. Wie oft haben wir „ja“ gesagt – und im nächsten Moment den Satz mit „aber“ fortgesetzt. Mit unserem „ja“ sind wir einen Schritt nach vorn gegangen und mit dem „aber“ sofort wieder einen zurück.
Was wäre, wenn wir uns heute dafür entscheiden, unseren Traum zu verwirklichen? Wenn wir dabei alle Gedanken auf die Seite schieben, die uns sonst immer gebremst haben? Gedanken, wie beispielsweise ‚was denken die anderen von mir, wenn ich versuche, meine Träume zu leben und meinen jetzigen Beruf aufgebe?‘ Oder Sätze, wie, ‚ich bin zu alt für einen Berufswechsel, ‚ich traue mir nicht zu, meinen Traum zu leben‘. Was würde passieren, wenn wir „ja“ sagen zu unserem Traumberuf? Eines wäre sicher. Unsere Träume könnten wahr werden.
Nicht immer werden wir den ganzen Weg unserer Träume gehen können. Manchmal müssen wir unsere Traumziele der Realität anpassen, darunter der unserer Familie, unseres Partners, unseres Alters oder unserer Ausbildung. Dann gilt es, neu mit uns zu verhandeln und uns zu fragen, welchen Teil von meinem Traum kann ich umsetzen und welchen nicht. Z. B., kann es mir mit 60 noch gelingen, selbständig zu sein und mir eigenes Unternehmen aufzubauen? Oder sollte ich mich vielmehr nebenberuflich auf unternehmerische Aktivitäten konzentrieren und seien sie ehrenamtlich?
Wenn wir am Ende unseres Traumweges sagen, wir sind mit unserem Beruf zufrieden, dann haben wir uns unseren Traum erfüllt, auch wenn es möglicherweise ein ganz anderer ist, als ursprünglich gedacht.
 
Checkliste
 

1.) Träumen wir davon, einen anderen Beruf zu haben, als den gerade ausgeübten, dann können wir uns beispielsweise fragen, was wir als Kinder gern gemacht haben und ob wir davon heute etwas in unserem Beruf in die Tat umsetzen. Und wir können uns fragen, was uns in unserem jetzigen Beruf am leichtesten fällt und wofür wir gerne und ohne Probleme die höchste Konzentration aufbringen.
 
2.) Mit Fragen an uns selbst, auch, welche Charaktereigenschaft wir uns zuschreiben, wie z. B. durchsetzungsfähig, analytisch, distanziert, finden wir heraus, ob der von uns ausgeübte Beruf diese Anforderungen an uns hat.
 
3.) Nicht immer haben wir bei Wahl unseres Berufes uns an unseren Wünschen orientiert, sondern beispielsweise daran, ob uns der Beruf Sicherheit bietet, den Wünschen unserer Eltern entspricht oder weil der Numerus Clausus für unser Wunschstudium zu hoch war.
 
4.) Spätestens, wenn wir eine ständige Unzufriedenheit spüren, dann sollten wir überprüfen, ob wir etwas ändern möchten oder ob wir uns mit unserem Beruf aussöhnen, weil er uns die finanzielle und soziale Sicherheit bietet, die wir brauchen.
 
5.) Damit der Traumberuf der unsere werden kann, müssen wir manchmal unsere Bequemlichkeit aufgeben und unsere Ausreden.
 
6.) Sind wir unsicher, welcher Beruf zu uns passt, dann kann uns beispielsweise ein Coaching dabei helfen, herauszufinden, welchen Traum wir uns erfüllen möchten, um am Ende unsere Begabungen und Fähigkeiten da einzusetzen, wo sie uns zufrieden machen.

Tipps zum Lesen

Bolles, Richard Nelson, Durchstarten zum Traumjob, 2009, Campus Verlag, ISBN: 9783593388090

 
     
       

Beruf und Karriere

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Was wäre, wenn…
 
…ich studiert hätte, statt eine Ausbildung zur Teamassistentin zu absolvieren? Wie sehe meine berufliche Karriere aus, wenn ich mehr an mich geglaubt hätte und mir doch zugetraut hätte in unserer ausländischen Niederlassung zu arbeiten? Oder was wäre, wenn ich damals meine „Traumfrau“, meinen „Traummann“ angesprochen hätte, statt an mir zu zweifeln und zu denken, ich sei für sie, für ihn nicht gut genug? Wäre ich heute zufriedener im Beruf oder privat?
Immer wieder stehen wir vor Entscheidungen, die wir treffen müssen. Im Nachhinein stellen wir dann oft genug fest, dass wieder einmal die Zweifel an unseren Fähigkeiten uns daran gehindert haben, den Weg zu gehen, den wir uns eigentlich für uns gewünscht hatten. Aus Angst, aus Unsicherheit haben wir uns gegen die für uns bessere Alternative entschieden und sind jetzt enttäuscht über uns. Meist trauen wir uns allerdings nicht, unser Bedauern über eine mögliche falsche Route einzugestehen, sondern begründen unsere Entscheidungen mit vielen scheinbar sachlichen Argumenten. Etwa, dass ein Studium zu teuer, der Auslandsaufenthalt zu riskant oder der Traummann, die Traumfrau zu sehr Traum war. Dabei ist es hilfreich für uns, wenn wir unser Bedauern über eine verpasste Chance ernst nehmen. Dies kann uns dabei helfen, bei der nächsten Weggabelung genau zu prüfen, ob wir uns nicht doch den ungewöhnlicheren Pfad zutrauen möchten. Vorausgesetzt, wir schaffen es, zumindest für den Moment die Zweifel an uns selbst allein oder mit Hilfe von Freunden, eines Therapeuten oder eines Coachs abzubauen oder abzumildern.
Viele unserer Entscheidungen lassen sich später nicht mehr korrigieren. Wir müssen lernen, sie zu akzeptieren. Wir helfen uns dabei, wenn wir uns fragen, welche guten Folgen der von uns eingeschlagene Weg für uns hatte. Als Manager in der Zentrale haben wir vielleicht mehr Einfluss auf die Produkte unseres Hauses, als in der fernen Niederlassung in den USA.
Manchmal bekommen wir jedoch eine zweite Chance, einen ähnlichen Weg zu gehen, wie ursprünglich von uns erträumt. Etwa das Angebot unseres Betriebes, uns von der Teamassistentin zur Assistentin der Geschäftsleitung weiterzubilden und damit mehr Verantwortung zu übernehmen. Jetzt können wir unsere „Was wäre, wenn-Erfahrung“ gezielt einsetzen und uns fragen, worauf möchte ich in fünf oder zehn Jahren stolz sein. Bin ich lieber Teil eines dynamischen Teams oder die rechte Hand vom Firmenchef? Und dann entscheiden wir uns.
   
Checkliste
 

1.) Zu fast jedem Weg, den wir uns auswählen, gibt es eine Alternative, für die wir uns auch entscheiden können. Oft genug erlauben wir uns allerdings nicht, die für uns ungewöhnlichere Route zu gehen, sondern bleiben lieber auf den gewohnten Bahnen. Gelingt es uns, die Alternative nicht nur zu denken, sondern sie zu leben, kann dies ungeahnte Energien in uns freisetzen. Beispielsweise, wenn wir uns nach 10 Jahren für unseren Traumberuf entscheiden und noch einmal ganz von vorne anfangen.
 
2.) Haben wir uns beispielsweise dafür entschieden, lieber zwei Tage Urlaub zu machen, statt uns auf unsere Prüfung oder unsere Präsentation vorzubereiten, dann kann unser ehrliches Bedauern über die verpasste Chance uns helfen, uns weiter zu entwickeln, und wir werden uns beim nächsten Mal besser auf die gestellten Herausforderungen vorbereiten.
 
3.) Wir können nicht wissen, was gewesen wäre, wenn… Wir können jedoch versuchen zu sehen, welche Chancen in der jetzigen Situation liegen und uns dann wieder entscheiden, ob wir sie ergreifen oder links liegen lassen möchten.
 
Tipps zum Lesen:

Roese, Neal: Ach, hätt‘ ich doch! Wie man Zweifel in Chancen verwandelt. Eichborn-Verlag, 2007, ISBN: 9783821856513
Willi, Jürg: Wendepunkte im Lebenslauf: Persönliche Entwicklung unter veränderten Umständen, 2007, Klett-Cotta Verlag, ISBN: 9783608944389

 
     
       

Beruf und Karriere

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Hilfe, ich muss zum Test!
 
„Das Studium des Wirtschaftsingenieurs hat mich gefordert und mir Freude gemacht. Jetzt soll ich im Rahmen meiner Bewerbung bei einem internationalen Autokonzern an einem Assessment Center teilnehmen, und ich weiß einfach nicht, was mich bei diesem Testverfahren erwartet“, begründete Alexander S. sein Kommen in die Beratung. Ihn hatten die Geschichten erschreckt, die er über das Auswahlverfahren gehört hatte, und er fürchtete, er würde die Übungen und Tests nicht bestehen. Überrascht und erfreut war er, als ihm im Coaching klar wurde, dass die Einladung für ihn bedeutet, das Unternehmen ist grundsätzlich an ihm interessiert und hält seine Bewerbung für erfolgsversprechend. Denn Asssessment Center sind aufwendige Auswahlverfahren, die üblicherweise ein bis zwei Tage dauern und entweder intern von der Personalabteilung eines Unternehmens selbst oder von externen Beratern durchgeführt wird.

Ziel eines Assessment Centers ist es, die Bewerber für eine Tätigkeit möglichst genau kennen zu lernen und ihre beruflichen und sozialen Qualifikationen für die ausgeschriebene Stelle zu überprüfen. Neben ihrer fachlichen Kompetenz werden die Bewerber auch dahingehend getestet, ob sie kommunikationsfähig sind, welche Problemlösungskompetenz sie haben und häufig genug, wie umfassend ihr Allgemeinwissen ist. Viele Unternehmen erwarten heute von ihren Führungspersönlichkeiten und von ihren Mitarbeitern mit intensivem Kundenkontakt mehr als nur fundiertes Fachwissen.

Alexander S. bereitete sich auf das Auswahlverfahren gründlich vor. Er trainierte im Coaching und mit seinen Freunden, wie er sich selbst vor anderen vorstellt und präsentiert, wie er sich in einer Konfliktsituation verhält, welche Herangehensweisen er wählt, wenn er in kürzester Zeit eine schwierige Aufgabe zu lösen hätte oder welche Trends sich in seinem Berufsgebiet in den kommenden Jahren abzeichnen und wie er diese einer größeren Gruppe überzeugend darlegen kann. Außerdem übte er das Abschlussgespräch und trainierte dabei, auch am Ende eines langen Prüfungstages noch aufmerksam und freundlich zu bleiben. Er versuchte sich zudem zu verdeutlichen, dass eine etwaige Absage keine Missbilligung an seine beruflichen Fähigkeiten ausdrückt, sondern viele Gründe haben kann.

Am Ende hat er die von ihm favorisierte Stelle in der Autoindustrie nicht bekommen. Inzwischen arbeitet er erfolgreich in einem großen öffentlich-privaten Energie- und Wasserversorgungsunternehmen mit guten Karrierechancen.
 
Checkliste
 

1.) Eine Einladung zu einem Assessment Center ist erst einmal ein Kompliment an einen Stellenbewerber. Üblicherweise bitten Unternehmen einen Bewerber nur dann zu dem aufwendigen Auswahlverfahren, wenn sie darauf hoffen, dadurch einen geeigneten Kandidaten zu finden.

2.) Je nach Unternehmen werden die Auswahlverfahren hausintern durchgeführt oder mit Unterstützung externen Beraterfirmen.

3.) Bei vielen Tests, z. B. dem sogenannten Postkorbtest, geht es nicht darum, ihn zu bewältigen, sondern zu zeigen, wie belastbar ein Bewerber unter Stress, unter großen Herausforderungen ist.

4.) Sich mit Freunden, Familie, einem Coach oder einem Therapeuten auf das Auswahlverfahren gründlich vorzubereiten, ist meistens hilfreich.

5.) Wichtig ist, beim Auswahlverfahren so authentisch wie möglich zu bleiben. Jeder Bewerber wird über längere Zeit beobachtet und bewertet.

6.) Trotz aller Bemühungen sind die Auswahlverfahren nicht unbedingt objektiv, sondern bringen teilweise ungenaue Ergebnisse und schätzen die Bewerber am Ende doch falsch ein. Der Arbeitskreis Assessment-Center bemüht sich darum, diese Ergebnisverfälschung mit Hilfe von Qualitätskriterien, die an die Auswahlverfahren angelegt werden, zu minimieren.
 
Tipps zum Lesen:

Eck, Claus D., Jöri, Hans, Vogt, Marlène, Assessment-Center: Entwicklung und Anwendung, 2010, Springer Verlag, ISBN: 9783642129971

 
     
       

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Veränderung
 
„Ich habe mir vorgenommen, den Rest des Jahres mit weniger Kalorien auszukommen und mehr Sport zu treiben“, antwortete mir mein Klient Harald M. drei Tage vor dem Jahreswechsel auf meine Frage, welche Vorsätze er denn gefasst habe. Erst im zweiten Moment erkannte ich die Ironie in seiner Aussage. Und seine verschmitzte Klugheit, meiner unpräzisen Frage mit Humor zu begegnen und sich dabei selbst fröhlich zu glossieren. Denn drei Tage lang und damit für den Rest des Jahres, das wusste er aus Erfahrung, konnte er sein von ihm selbst gewähltes Ziel problemlos verfolgen. Dagegen war er bereits mehrfach an den eigenen Vorsätzen gescheitert, mit Beginn des neuen Jahres, anzufangen sein Gewicht zu reduzieren.
Harald M. geht es dabei wie fast allen Menschen, die sich zu bestimmten Zeiten wie dem Jahreswechsel, an ihrem Geburtstag oder im Urlaub vornehmen, endlich alte Gewohnheiten aufzugeben und durch neue zu ersetzen. Wenn die Statistiker recht haben, dann gelingt es nur 8 % aller Deutschen, ihre am 1. Januar gefassten Entschlüsse länger als ein paar Tage durchzuhalten. Jedes Jahr aufs Neue stehen weniger Stress im Beruf, mehr Zeit für Freunde, Familie und sich selbst, gesünder ernähren und weniger Alkohol trinken ganz oben auf der Liste der guten Vorsätze, die dann nach kurzer Zeit wieder sang- und klanglos begraben wird.
Weshalb es den meisten von uns schwer fällt, selbst gewählte Ziele zu erreichen, hat vielfältige und individuelle Gründe. Manchmal sind die Ziele zu hoch gesteckt und von vorneherein unerreichbar oder die Liste mit den Wünschen nach Veränderungen ist zu lang und im Alltag gar nicht zu bewältigen. Oft fehlt es jedoch an Mut und an Kraft, einen Neuanfang zu wagen. Alte Gewohnheiten sind vertraut, sie verunsichern nicht. Sich zu verändern, heißt dagegen, sich auf Unbekanntes einzulassen und viel zu oft sind es unsere eigenen Sehnsüchte und Schwächen, die uns beim Versuch eines Neuanfangs plötzlich bewusst werden. Etwa, dass wir den Stress im Beruf oder in der Partnerschaft dringend brauchen, damit wir uns als Wert geschätzt erleben. Oder dass wir die Schokolade mitten in der Nacht lieben, weil wir uns dann „rund“ fühlen. Wenn es uns allerdings gelingt, zunächst unsere vermeintlichen Schwächen zu akzeptieren und sie ohne uns selbst zu verurteilen anzunehmen, dann können wir unsere gute Vorsätze im Laufe der Zeit meist erfolgreich umsetzen. Vorausgesetzt, wir möchten uns dann noch verändern, und die von uns gesteckten Ziele sind realistisch, für uns erreichbar und keine Träumereien.
   
Checkliste

1.) Damit ein Neuanfang gelingen kann, ist es hilfreich, sich genau zu überlegen, was ich ändern möchte, welche realistischen Ziele und Teilziele ich erreichen will und bis wann.
 
2.) Vor allem gilt es jedoch, sich die Frage zu stellen, ob ich überhaupt eine Veränderung wünsche. Will ich wirklich abnehmen, den Job wechseln oder weniger Stress im Beruf haben oder bleibe ich lieber bei meinen Gewohnheiten?
 
3.) Manchmal hilft es auch, Partner, Kollegen, Freunde, einen Psychologen oder einen Coach um Unterstützung zu bitten, und sie als kritische „Supporter“ unseres Anliegens zu engagieren. Immer dann, wenn wir Gefahr laufen, unsere Vorsätze aufzugeben, sollen sie uns an unsere Wünsche erinnern und dabei behilflich sein, dass wir nicht aufgeben. Bei Freunden und Partnern ist es wichtig, genaue Spielregeln miteinander zu vereinbaren, damit Beziehungen nicht darunter leiden.
 
4.) Zielführend ist es auch, kleine Schritte zu gehen, erreichte Teilziele mit anderen zu feiern und bei Misserfolgen nicht sofort alle Vorsätze aufzugeben.
 
Tipps zum Lesen:
 
Fritsch, Oliver, Alles anders. 15 Fragen, die Ihr Leben verändern
2010, Moderne Verlagsgesellschaft, ISBN: 9783636070869

 
     
       

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Drehbuch Barbara
 
Mit dem ersten Arbeitstag des neuen Kollegen war alles anders. Statt weiterhin davon träumen zu können, sie werde die Nachfolgerin ihres Chefs, wie bislang zwischen der Geschäftsleitung ihres Immobilienunternehmens und ihr vorgesehen, musste meine Klientin Barbara T. lernen, dass ihr Weg innerhalb ihrer Firma keineswegs so vorgezeichnet war, wie sie es geglaubt hatte. Denn der Neue, wie sie ihn in den Coaching Stunden zunächst nur nannte, versuchte sofort gezielt und erfolgreich, sie mit einem Feuerwerk an neu klingenden Ideen, Überstunden und ständiger Präsenz in den Sitzungen mit dem Chef aus der Nachfolgerrolle hinaus zu drängen.
Im Laufe des Coaching begann sie, statt weiter über ihn zu jammern und sich ungerecht von ihm und ihrer Geschäftsführung behandelt zu fühlen, strategisch ihre Zukunft zu planen und nüchtern die ersten Schritte in eine selbst bestimmte berufliche Zukunft zu gehen. Sie nutzte den Freiraum der Beratungsstunden dafür, zu prüfen, worin sie sich gegenüber ihrem Mitbewerber auszeichnet, welche beruflichen Stärken sie generell hat und wie sie diese noch gezielter als bislang für ihre Beratungstätigkeit im komplexen Markt der Büroimmobilienwirtschaft einsetzen kann. Außerdem begann sie eine seit langem geplante Weiterbildung in Finanzwirtschaft und Wirtschaftsmathematik.
Jede Entscheidung, jede weitreichendere Handlung schrieb sie in ihr Strategietagebuch, das sie liebevoll ihr „Drehbuch Barbara“ nannte. Neben ihrer eigenen Rolle hielt sie darin auch fest, in welchem Zeitraum sie welche Ziele erreichen möchte und wer von ihrer Familie, ihren Freunden und ihren Kolleginnen und Kollegen, ihr helfen kann, diese auch tatsächlich zu realisieren. Schritt für Schritt konkretisierte sie ihren Raum der Möglichkeiten, wie sie ihren Strategieplan charakterisierte und immer deutlicher zeichnete sich darin ihre berufliche Zukunft ab. Sie kaprizierte sich nicht mehr auf ihre Rolle als Nachfolgerin. Sie entschied sich vielmehr dafür, vor allem in ihre berufliche Weiterbildung zu investieren, ihre eigenen Entwicklungsmöglichkeiten konsequent für sich zu nutzen und sich emotional zu stabilisieren. Nur noch, wenn es in ihrem Berufsalltag wirklich erforderlich war, befasste sie sich mit ihrem Konkurrenten und entfaltete dann je nach Situation eine entsprechende Taktik.
Am Ende schloss ihr Drehbuch ab mit einem für sie unerwarteten Happy End. Ein Mitbewerber bot ihr neue Perspektiven in seinem Unternehmen, die genau zu der von ihr entwickelten beruflichen Strategie passten. Ein deutlich höheres Gehalt inklusive.
 
Checkliste
Die Checkliste verweist auf Fragen und Erfahrungen aus der täglichen Coaching-Praxis.

1.) Im anstrengenden beruflichen Alltag bleibt uns oft wenig Zeit, uns mit unserer eigenen, beruflichen Zukunft zu befassen. Oder wir vermeiden eine langfristige Planung, weil uns diese Arbeit zu anstrengend erscheint. Manchmal zwingt uns jedoch eine unerwartete Herausforderung, sehr rasch eine neue Strategie für uns zu entwickeln.
 
2.) Die Strategie für unsere berufliche Zukunft geht von unserer Ausgangslage aus und beschreibt den Weg mit den Zwischenstationen oder Teilzielen bis zu dem von uns erträumten Ziel. Wesentlich für eine strategische Planung ist es, diese sachlich und klar auszuarbeiten und bei Bedarf immer wieder an die Gegebenheiten anzupassen.
 
3.) Berater, wie Freunde, Familie, Kolleginnen und Kollegen oder ein Coach können uns dabei helfen, den nötigen Abstand herzustellen und unser Handeln nicht aus der Perspektive des Alltagsgeschäftes, sondern aus einem größeren Blickwinkel zu betrachten.
 
4.) Das Visualisieren von komplexen Zusammenhängen mit Hilfe einfacher Bilder kann dazu führen, den Strategieplan für uns verständlicher zu machen.

5.) Nach dem Erreichen eines Zieles durch eine sorgfältig geplante und durchgeführte Strategie ist es wichtig, unseren Erfolg zu feiern und das Erreichte zu würdigen. Und sei es mit einem leisen inneren Danke.

 
     
       

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Zufriedenheit als Karriere
 
Kaum habe ich es geschafft, meinen Klienten mit Handschlag zu begrüßen, stürmt er schon in das Beratungszimmer, setzt sich hin und fängt sofort an zu reden. Er arbeite sehr viel, berichtet er, sein Chef sei sehr zufrieden mit ihm und bis auf einen Kollegen, der ihn lange kenne und ihm neulich vertraulich mitgeteilt habe, er befürchte, er wäre inzwischen ein „Workaholic“, glauben die übrigen Kolleginnen und Kollegen, dass er noch eine große Karriere vor sich habe in dem Unternehmen, für das er als Logistikfachmann arbeitet. Seine Frau, erzählt er dann, die selbst einen gut bezahlten und fordernden Beruf ausübt, meint jedoch, er solle seine zeitintensive berufliche Situation einmal mit einem Psychologen besprechen. Das habe er jedoch nicht gewollt, er wolle vielmehr im Coaching seinen nächsten Karriereschritt planen, in seinem bisherigen Unternehmen oder auch an einem ganz anderen Ort.
Vorsichtig arbeiten wir heraus, dass wir es offenbar mit ganz unterschiedlichen Botschaften seiner Umgebung zu tun haben, die seine Arbeit und seine künftigen Möglichkeiten betreffen. Während ihn sein Chef darin unterstützt, seine Karriere weiter voran zu treiben, attestieren ihm seine Frau und ein Kollege, dass schon seine derzeitige Situation ihm nicht zwingend gut tut, und er dann womöglich noch hektischer werde. Im weiteren Verlauf des Gesprächs entdeckt er, dass er selbst gar nicht so genau weiß, was er will. Vielmehr fühlt er sich von zwei Seiten geschickt und bedrängt. Meinen Vorschlag, erst einmal ganz ruhig seine derzeitigen beruflichen Aufgaben und seine Fähigkeiten anzusehen und zu hinterfragen, lehnt er zunächst als nicht relevant für seine Fragestellung ab. Nach einigen Umwegen über seinen beruflichen Alltag, die sich immer wieder in den Vordergrund drängenden tagesaktuellen Probleme in den weiteren Sitzungen überzeugt ihn die Frage, ob er denn tatsächlich seinen Traumberuf ausübe, so wie er ihn sich einmal erträumt hat. Zu seiner eigenen Überraschung stellt er fest, dass er gar nichts anderes will, als seinen jetzigen Beruf, mit all den Möglichkeiten, die dieser im Rahmen seines Aufgabengebiets noch bieten kann. Bei ihm kehrt im Laufe der Beratung eine Zufriedenheit ein, die es ihm ermöglicht, trotz großer beruflicher und privater Herausforderungen gelassener zu werden. Er entdeckt wieder für sich, dass er entscheidet, was ihm gut tut und nicht seine Umgebung.
 
Checkliste
Die Checkliste verweist auf Fragen und Erfahrungen aus der täglichen Coaching-Praxis.

1.) Manchmal wissen wir gar nicht, dass wir nicht unsere eigenen Träume und Ziele verfolgen, sondern vielmehr die unserer Umgebung. Wir sind jetzt „reif“ für den nächsten Karriereschritt heißt es da beispielsweise. Oder wir sind doch schon so lange an einem Ort, wäre ein Ortswechsel nicht angebracht und besser für unsere berufliche Zukunft?
 
2.) Wenn Sie gut gemeinte Ratschläge bekommen, dann prüfen Sie ganz ruhig und gelassen, ob diese wirklich für Sie stimmen. Vielleicht hilft Ihnen dabei, wenn Sie sich einen zweiten Stuhl im Raum aufstellen, auf dem Sie immer dann Platz nehmen, wenn Sie eine Beratung für eine Frage brauchen. Versetzen Sie sich in die Rolle einer guten Beraterin, eines guten Beraters und lassen Sie diese zu Ihnen sprechen. Denn meist wissen wir sehr genau, was uns gut tut. Manchmal ist es nur einfacher und bequemer, uns nach den Maßstäben der anderen zu orientieren und ihre Ratschläge versuchen umzusetzen, anstatt unseren eigenen Träumen nachzugehen und zufrieden und gelassen unseren Beruf zu leben.

 
     
       

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„Vom Eise befreit…

…sind Strom und Bäche“ so beginnt der „Osterspaziergang“ (Faust I) von Johann Wolfgang von Goethe. Befreit von der Starre der kalten Eisflächen kann sich das Wasser der Bäche und des Stroms im österlichen Frühling wieder frei bewegen, seine Bahnen verändern, über die Ufer treten, neue Landschaften gestalten.
Auf uns übertragen heißt „vom Eise befreit…“ zum Beispiel, unsere eingefahrenen Gewohnheiten loszulassen oder zu verändern, die Starre der Routine aufzubrechen und uns damit die Chance zu eröffnen, neu anzufangen und auch viele unerwartete Ideen für unseren Beruf und unseren Alltag zu entwickeln. Scheinbare Kleinigkeiten sind ein erster Schritt dahin: Wir bringen bei nächster Gelegenheit unserer Sekretärin, unserem Kollegen einen kleinen Blumenstrauß mit ins Büro, oder wir gehen abends mit unserem Partner, unserer Partnerin in unserer Nachbarschaft spazieren und verzichten einmal auf das Fernsehprogramm.
Unterstützen lassen können wir uns bei unserem Osterspaziergang – frei nach Goethe – „durch des Frühlings holden, belebenden Blicks“. Der Frühling weiß, wie anregend, wie belebend es ist, Grenzen zu überwinden und scheinbar langweilig graubraune Erde in eine fast unerschöpflich scheinende Farbenpracht umzuwandeln. Vielleicht ist das ein Teil der Unruhe, die uns jedes Jahr im Frühling überkommt. Wir spüren wieder, welche Möglichkeiten wir doch haben, wir erkennen einmal mehr, dass wir im Beruf noch nicht alle Chancen für uns entdeckt und in neue Projekte oder gar eine neue Tätigkeit umgesetzt haben. Wir begreifen, dass es für uns mehr gibt, als unseren immer gleichbleibenden Alltag.
Möglicherweise ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die lang geplante Weiterbildung anzupacken, die uns neue berufliche Wege eröffnen wird, das innerlich viele Male geprobte Gespräch um die längst verdiente Gehaltserhöhung zu führen oder das seit Monaten angekündigte Projekt im Team anzustoßen.

Genießen Sie Ihren Osterspaziergang

Checkliste
Die Checkliste verweist auf Fragen und Erfahrungen aus der täglichen Coaching-Praxis.
 
1.) Wenn Sie darüber nachdenken, sich verändern zu wollen, dann versuchen Sie, zunächst, sich über Ihre Ziele klar zu werden, diese dann schriftlich zu formulieren und danach in kleinere Teilziele aufzuteilen.
 
2.) Halten Sie die von Ihnen vorgesehenen Schritte ebenfalls schriftlich fest und genießen Sie es, wenn Sie eines Ihrer Teilziele erreicht haben.
 
3.) Sollten Sie unterwegs neue Ideen entwickeln, prüfen Sie, ob Sie ihnen nachgehen möchten oder ob diese eher eine Abweichung von Ihrem Weg sind.
 
4.) Veränderungen einzugehen ist immer riskant – jedoch oft lohnenswert.

Tipps zum Lesen:
Immer, wenn es für uns möglich ist, wählen wir für Sie aus der sehr umfangreichen Literatur zu Beruf und Karriere einige Bücher aus, die unsere ganz subjektiven Empfehlungen für Sie sind:

Kotter, John, Rathgeber, Holger, Das Pinguin-Prinzip, 2009, Droemer/ Knaur Verlag, ISBN: 978-3426275252

 
     
       

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Der Beginn des Tages

Kennen Sie das? Wieder einmal das übliche Morgen-Grauen: statt in Ruhe zu frühstücken und sanft in den Tag hinein zu gleiten, hetzen wir los zur Arbeit, liefern schnell noch die Kinder in der Schule ab oder die Partnerin an ihrer Arbeitsstelle, ehe wir erschöpft und atemlos im Büro auf unserem Schreibtischstuhl landen oder im Betrieb unsere Arbeit beginnen. Und meist setzt sich die am Morgen von uns eingeläutete innere und äußere Hektik den ganzen Tag über fort. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter warten schon mit wichtigen und unaufschiebbaren Fragen. Das gleich am Morgen angesetzte Teammeeting ist vertan, weil uns die Zeit für die Vorbereitung fehlte. Der Blick auf unseren Terminkalender lässt uns erschauern, weil wieder einmal keine Minute Zeit für wichtige kreative Gedanken bleibt… .
Wie wir in den Arbeitstag hinein starten, bestimmt den gesamten Ablauf unseres Tages. Dabei hat jeder von uns einen anderen Traum von einem guten und wohltuenden Arbeitsanfang: Während wir uns erst einmal in Ruhe auf den Tag konzentrieren müssen und auf unsere bereit liegenden Aufgabenlisten schauen und prüfen, welche die wichtigste ist, ehe wir unsere Tätigkeit aufnehmen, gilt für andere möglicherweise, dass sie sofort starten und dabei wissen, was sie den Tag über tun müssen. Unseren Arbeitstag beginnen wir am besten schon mit seiner Planung am Abend zuvor. Und wenn wir dann am darauf folgenden Morgen unseren Arbeitstag gelassen anfangen, dann werden wir effektiver und konzentrierter arbeiten, als mit einem hektischen Start, der uns rasch das Gefühl gibt, sowieso von den Herausforderungen in unserem Beruf überfordert zu sein und uns deshalb missmutig auf alle Unwägbarkeiten unseres Alltages reagieren lässt. Wenn wir dann noch daran denken, dass die meisten von uns morgens intellektuell leistungsfähiger sind, und wir es am Nachmittag eher schätzen, unsere Routinearbeiten zu erledigen, weil wir in dieser Zeit eher leistungsärmer sind, dann können wir am Ende eines Arbeitstages entspannt sagen, heute war wieder mal ein ganz guter Tag.

Checkliste
Die Checkliste verweist auf Fragen und Erfahrungen aus der täglichen Coaching-Praxis.
 
1.) Der Start in unseren Berufsalltag kann den ganzen Ablauf unseres Tages bestimmen. Ein hektischer und unkonzentrierter Anfang sorgt meistens dafür, dass wir uns durch unseren Arbeitstag gehetzt fühlen.
 
2.) Wenn Sie davon träumen, gelassener und effektiver Ihren Arbeitstag zu beginnen, dann helfen Ihnen Ihre Rituale, die Sie täglich leben (müssen). Versuchen Sie beispielsweise eine Viertelstunde früher aufzustehen und die morgendliche Dusche als wohltuenden Tagesanfang zu begreifen, Ihren frisch gekochten Kaffee zu genießen, die Yoga-Übungen, die 5 Denkminuten, das gemütliche Lesen Ihrer Tageszeitung …
 
3.) Planen Sie am Abend zuvor Ihre Aufgaben für den nächsten Tag und setzen Sie Prioritäten. Diese Arbeit versuchen Sie möglichst mit Beginn Ihres Arbeitsalltages zu erledigen, danach kommen die weniger wichtigen Aufgaben.

4.) Wichtige Besprechungen, die Ihre ganze Konzentration erfordern, sollten Sie die Zeit legen, in der Sie besonders aufmerksam sein können. Für die meisten von uns ist dies der Vormittag.

Tipps zum Lesen:
Immer, wenn es für uns möglich ist, wählen wir für Sie aus der sehr umfangreichen Literatur zu Beruf und Karriere einige Bücher aus, die unsere ganz subjektiven Empfehlungen für Sie sind:

Gebhardt, Christa, Muntermacher für Morgenmuffel: Tipps und Tricks für einen schwungvollen Start in den Tag, 2008, BLV Verlag, ISBN: 978-3835403147

 
     
       

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Wenn Veränderungen gefragt sind…

Plötzlich ist alles anders. Der gewohnte Arbeitsplatz mit Blick ins Grüne gehört einem anderen Kollegen, die Abteilung hat eine neue Vorgesetzte, die langjährig erprobte tägliche Arbeitsroutine passt nicht mehr zu den jetzt seitens der Firma vorgegebenen neuen Abläufen. Situationen, vor denen viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den letzten Jahren gestanden haben oder noch stehen werden. Neue EDV-Systeme, neue Produkte oder gar die Fusion mit dem einstigen Mitbewerber verändern die Arbeitswelt immer schneller und grundlegender. Nicht immer zur großen Begeisterung der Arbeitnehmer. Viele Firmen versuchen deshalb, mit Change Management Programmen, mit bewusst eingesetzten Strategien, den Umbau ihres Unternehmens so zu gestalten, dass ihre Belegschaft sich mit den neuen Gegebenheiten identifiziert oder diese zumindest akzeptiert und sich nicht gänzlich verweigert. Eine Herausforderung für Unternehmensleitung und Kolleginnen und Kollegen gleichermaßen. Denn das Neue, Unbekannte macht oft Angst und wird nicht als Chance, sondern als Bedrohung empfunden.
Damit die Veränderungen in einem Unternehmen gelingen, sind vor allem zwei Tugenden gefragt: klare Ziele mit konkret vereinbarten Schritten auf dem Weg dorthin und offene Gespräche, sowohl seitens der Unternehmensführung als auch seitens der Kolleginnen und Kollegen. Wissenschaftler schätzen, dass bis zu 80% aller Veränderungsprozesse in der Wirtschaft und in öffentlichen Unternehmen daran scheitern, weil Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich davor fürchten, ihre Komfortzone, ihre bisherige Umgebung und ihre vertraute Arbeit hinter sich zu lassen. Sie wissen zu wenig über die geplanten Schritte des Unternehmens, und sie trauen sich zu selten, selbst und aktiv Informationen über die neuen Arbeitsprozesse einzuholen und sich dann zu fragen, was passiert bei mir und welche Konsequenzen hat dies für mich. Denn manchmal kann eine Veränderung auch positiv sein und neue Chancen und Herausforderungen bieten.
Damit der Wandel gelingt, sind Unternehmen und Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gleichermaßen gefragt, sich selbstbewusst auf die wesentlichen Ziele zu konzentrieren und dabei nicht zu vergessen, woher sie gemeinsam kommen und an welche positiven Ergebnisse der Vergangenheit sie ihre künftigen Erfolge anknüpfen können.

Checkliste
Die Checkliste verweist auf Fragen und Erfahrungen aus der täglichen Coaching-Praxis.
 
1.) Seit den 30 Jahren des 20. Jahrhunderts nennen Wissenschaftler den Prozess, mit dem in einem Unternehmen neue Strategien oder Prozesse eingeführt werden sollen, Change Management. Change Management geht davon aus, dass der Wandel in einem Unternehmen geleitet und geführt werden muss.

2.) Die wichtigsten Partner in einem Umwandlungsprozess sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Eine Führung mit klaren Prinzipien und die offene Kommunikation über konkrete Teilschritte auf dem Weg zum geplanten Ziel helfen ihnen, weniger ängstlich oder gar abwehrend auf die Veränderungen zu reagieren.

3.) Offene Gespräche und bei Bedarf konkrete Fortbildungsangebote mit klaren Anforderungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind weitere hilfreiche Instrumente für ein erfolgreiches Change Management.

4.) Wesentlich ist auch die Zeit. Wenn Unternehmen und ihre Belegschaft genügend Zeit haben, sich an das Neue anzupassen und zwischendrin regelmäßig Bilanz gezogen werden kann, sind die Veränderungsprozesse erfolgreicher als unter Zeitdruck.

5.) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können mögliche Veränderungen „vorwegnehmen“, in dem sie sich über ihr Arbeitsgebiet regelmäßig informieren und sich weiterbilden.

6.) Bei einer geplanten Veränderung mit unbekanntem Ausgang ist es für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nützlich, wenn sie ihre Stärken kennen und wissen, wie sie diese noch weiter ausbauen können. Bei Bedarf fragen Sie einen Coach.

Tipps zum Lesen:
Immer, wenn es für uns möglich ist, wählen wir für Sie aus der sehr umfangreichen Literatur zu Beruf und Karriere einige Bücher aus, die unsere ganz subjektiven Empfehlungen für Sie sind:

Doppler, Klaus, Lauterburg, Christoph, Change Management: Den Unternehmenswandel gestalten, 2008, Campus Verlag, ISBN: 978-3593387079

Kostka, Claudia, Mönch, Annette, Change Management: 7 Methoden für die Gestaltung von Veränderungsprozessen, 2009
Hanser Wirtschaft, ISBN: 978-3446419315

 
     
       

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Der 1. Arbeitstag ist geschafft!

Wie soll ich mir das alles merken, fremde Gesichter, neue Namen, unbekannte Wege und dann noch die ungewohnten Arbeitsabläufe und neuen Strukturen? Am Abend nach dem 1. Arbeitstag brummt mir mein Kopf. Auch frage ich mich: Habe ich mich richtig verhalten? War ich gut genug angezogen? Ist der neue Kollege immer so reserviert? Mit wem werde ich wohl gut zusammen arbeiten können? Und wer ist hier eigentlich wirklich der Chef?
Meine Vorfreude und aufgeregte Erwartung, mit der ich heute Morgen zu meinem neuen Arbeitsplatz gefahren bin, sind verflogen. Übrig geblieben sind viele Fragen und viel Unsicherheit. Und angesichts des wenig begeisterten Empfangs in meiner neuen Abteilung frage ich mich, ob es eine kluge Entscheidung von mir war, meinen alten und vertrauten Job aufzugeben. Ich hatte mir meinen Stellenwechsel leichter und freundlicher vorgestellt.
Wie mir geht es vielen, die eine neue Stelle antreten. Statt mich mit Blumen auf dem neuen Schreibtisch zu begrüßen, schließlich soll ich sie von einem Teil ihrer Arbeit entlasten, muffeln die Kollegen vor sich hin und scheinen mich als Störenfried zu empfinden.
Nach einer Weile begreife ich, dass es für die Kollegen und Kolleginnen alles andere als einfach ist, mich in ihrem stressigen Arbeitsalltag auch noch nebenbei einzuarbeiten. Außerdem verändere ich ganz augenscheinlich das bislang fein austarierte Gleichgewicht in der Abteilung. Und das von mir unglückliche Benutzen einer privaten Kaffeetasse kostet mich für eine ganze Weile die Sympathie aller. Allmählich lerne ich, dass es in den ersten Wochen kaum darum geht, mit meinem Fachwissen zu brillieren und das Team dadurch voran zu bringen. Wichtig ist es für mich zunächst, zu schauen, zuzuhören, zu beobachten, die informellen Spielregeln in meinem neuen Betrieb kennen zu lernen (sagen alle in der Kantine Mahlzeit?) und mich nicht zu früh auf bestimmte Kolleginnen und Kollegen als regelmäßige Pausenpartner fest zu legen.
Und damit ich mir endlich die Namen von mir immer wieder unbekannt erscheinenden Kolleginnen und Kollegen merken kann, wiederhole ich diese im direkten Gespräch immer mal wieder. Und die Kollegen und Kolleginnen freuen sich darüber.
 
Checkliste
Die Checkliste verweist auf Fragen und Erfahrungen aus der täglichen Coaching-Praxis.
 
1.) Eine neue Stelle ist eine große Chance, sich neu zu beweisen und darzustellen. Bereiten Sie sich auf Ihren 1. Arbeitstag vor. Überprüfen Sie noch einmal, welche Stärken und Schwächen Sie haben, damit Sie sich ohne Unsicherheiten den Anforderungen Ihres neuen Arbeitsplatzes stellen können.
 
2.) Nehmen Sie sich in den ersten Tagen nicht zuviel vor. Versuchen Sie zunächst, die informellen Spielregeln Ihres Betriebes kennen zu lernen.
 
3.) Gehen Sie nicht davon aus, dass sich Ihre Kolleginnen und Kollegen sich um Sie kümmern. Stellen Sie sich überall selbst vor, nutzen Sie hierzu Gelegenheiten wie das zufällige Treffen am Aufzug oder auf dem Firmenparkplatz und warten Sie ab, ob Ihnen die Kolleginnen und Kollegen das in Ihrem neuen Betrieb weitgehend übliche „Du“ anbieten.
 
4.) Erst nach einigen Wochen zeigen Sie Ihr ganzes fachliches Können. Vermeiden Sie Formulierungen wie „das haben wir in meinem alten Unternehmen ganz anders gemacht“, fragen Sie stattdessen „könnten wir das vielleicht so anpacken?“ Und fragen Sie, wenn Sie etwas nicht verstehen.
 
5.) Beachten Sie bitte, dass Sie als Neuer, als Neue die Strukturen Ihrer Abteilung und Arbeitsabläufe Ihrer Kolleginnen und Kollegen verändern. Wenn sich alle erst einmal an Sie gewöhnt haben, werden vermutlich die meisten in Ihrem neuen Team genauso nett und offen sein, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Ihrem alten Unternehmen.
 
Tipps zum Lesen:
Immer, wenn es für uns möglich ist, wählen wir für Sie aus der sehr umfangreichen Literatur zu Beruf und Karriere einige Bücher aus, die unsere ganz subjektiven Empfehlungen für Sie sind:

Lüdemann, Carolin, Erfolgreich starten im Job für Freche Frauen. So meistern Sie Ihre Probezeit mit Bravour, 2007, Redline Wirtschaftsverlag, ISBN 978-3636014344
 
Achterhold, Gunda, Im neuen Job, Überlebenstipp für die ersten 100 Tage
2009, Sanssouci Verlag, ISBN 978-3836301954

 
     
       

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Traumjob gesucht
 
„Ich glaube, ich kann vieles, nur, was kann ich? Was sind meine wirklichen Fähigkeiten? Und wie finde ich meinen Traumjob?“ Fragen, die Klienten in der Beratung immer wieder stellen. Sie haben gute Zeugnisse in den Händen, vielfältige Berufserfahrungen, dennoch trauen sie sich nicht, sich auf eine ausgeschriebene Stelle zu bewerben oder selbst initiativ zu werden und beim Unternehmen ihrer Wahl nach ihren Traumjob zu fragen. Ihre Unsicherheit über ihre wirklichen Fähigkeiten lässt sie zögern. Außerdem möchte nicht jeder von ihnen, das, was er oder sie kann und gelernt hat, im künftigen Beruf gerne weiter machen.
Nur - wie finden Sie Ihren Traumjob? Selbstverständlich können Sie in einem Coaching oder einem Seminar erarbeiten, welche Stärken Sie haben und in welchen Berufsfeldern Sie diese am Besten einsetzen können. Möglich ist jedoch auch, dass Sie – vielleicht sogar gemeinsam mit Ihrer Familie und Ihren Freunden - Ihre eigenen Interessen und Fähigkeiten in Ruhe und gründlich „definieren“ und am Ende daraus Ihre Idee von Ihrem Traumjob entwickeln. Ein paar Dinge sollten Sie dabei beachten. Orientieren Sie sich bei der Wahl Ihres Traumberufes nicht an den jeweiligen Trends in der Berufswelt. Prüfen Sie vielmehr, ob der von Ihnen ausgewählte Beruf auch in fünf oder zehn Jahren für Sie weiterhin attraktiv ist – also immer noch Ihre Berufung sein wird - und welche Karrierewünsche Sie sich damit erfüllen können. Hilfreich für die Suche nach Ihren Traumjob ist es, den angestrebten Beruf und seine Tätigkeiten ganz genau zu beschreiben und möglichst schriftlich festzuhalten, wie er sich aus Ihrer Sicht darstellt. Sie haben dann zwei Vorteile: Sie können sich Ihren Traumberuf schon jetzt sehr gut vorstellen und auch, wie Sie ihn mit Ihren Fähigkeiten ausfüllen werden, und Sie finden dabei gleichzeitig die Kraft, sich für Ihre Bewerbung einzusetzen. Vermutlich wird Ihr Bewerbungsschreiben zudem so plastisch und konkret, dass Ihre Anfrage in der Personalabteilung Ihres Wunschunternehmens große Chancen hat, vorrangig behandelt zu werden.
Sollten Sie noch ein wenig Zeit haben, bis Sie in die Berufswelt einsteigen, dann nutzen Sie die Möglichkeiten von Praktika und Ferienjobs. Probieren Sie ruhig Berufsfelder aus, die für Sie eigentlich nicht in Frage kommen. Vielleicht entdecken Sie dabei, dass Ihre Talente und Ihre Fähigkeiten Ihnen einen ganz anderen Traumjob ermöglichen, als Sie bislang dachten.

Checkliste
Die Checkliste verweist auf Fragen und Erfahrungen aus der täglichen Coaching-Praxis.
 
1.) Wenn Sie mehr über Ihre Fähigkeiten erfahren möchten, dann können Sie ein Seminar besuchen oder in eine Beratung gehen. Oder Sie fragen Ihre Freunde, Ihre Familie, welche Eigenschaften sie an Ihnen besonders schätzen. Schreiben Sie diese Stärken auf und überprüfen Sie, ob Sie diese in dem von Ihnen gewünschten Traumjob anwenden können.
 
2.) Notieren Sie sich, wo Sie überall in Ihrer Freizeit tätig sind. Auch hier ist es hilfreich, zu sehen, ob Sie in Ihrem Traumjob Ihre „privaten“ Qualifikationen einsetzen können. Wenn Sie in Ihrem künftigen Beruf beispielsweise Organisationstalent brauchen, und Sie seit Jahren in Ihrem Sportverein die Mitgliederversammlungen organisieren, haben Sie für Ihren Traumjob vermutlich beste Voraussetzungen.
 
3.) Zeigen Sie bei der Bewerbung für Ihren Traumjob Ihr ehrliches Interesse an der künftigen Arbeit. Hierbei hilft das genaue Durchdenken der Arbeit im Vorfeld sehr.
 
Tipps zum Lesen:
Immer, wenn es für uns möglich ist, wählen wir für Sie aus der sehr umfangreichen Literatur zu Beruf und Karriere einige Bücher aus, die unsere ganz subjektiven Empfehlungen für Sie sind:
 
Bolles, Richard, Nelson, Durchstarten zum Traumjob, Das ultimative Handbuch für Ein-, Um- und Aufsteiger, 2009, Campus Verlag, ISBN 978-3593388090
 
Öttl, Christine, Zweite Chance Traumjob, Mehr Erfolg durch berufliche Neuorientierung, 2006, Redline Wirtschaftsverlag, ISBN 978-3636013101
 
Glaubitz, Uta, Der Job, der zu mir passt
2003, Campus Verlag, ISBN 978-3593372198

 
     
       

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Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne ...

… und doch macht uns ein Neubeginn meistens sehr viel Angst. Schließlich müssen wir etwas Entscheidendes tun. Wenn wir etwas Neues beginnen möchten, uns z. B. eine neue Arbeit zu suchen, dann müssen wir unsere Komfortzone verlassen. Sicher, unsere derzeitige Arbeit ist langweilig und ohne Anreiz für uns. Doch deshalb den Job wechseln und sich den Traum vom selbständigen Arbeiten erfüllen? Oder jetzt – in der Krise – endlich beim lang geplanten Weiterbildungskurs mitmachen, damit wir in unserem Arbeitsfeld genügend qualifiziert sind, falls wir unseren Arbeitsplatz verlieren? „Eigentlich müsste ich…“ sagen wir uns immer wieder, und dann haben wir viele gute Argumente, warum wir heute noch nicht neu beginnen können. Unsere derzeitige Situation kennen wir – auch wenn wir noch so unglücklich darin sind -. Sie ist bequem. Sie ist bekannt, und sie ist uns mehr als vertraut.
Dabei haben wir doch schon mal Neues gewagt. Damals, als wir unsere Ausbildung anfingen, als wir uns unsere neue Wohnung gesucht haben oder eine neue Beziehung eingegangen sind. Wir haben den Zauber kennen gelernt, der einem Anfang innewohnt (Hermann Hesse)… . Das Neue birgt die Chance, dass wir uns weiter entwickeln, es beinhaltet allerdings auch das Risiko, dass wir scheitern. Und von den anderen dafür auch noch belächelt werden. Die Sehnsucht nach dem Neuen, nach der Erfüllung unseres beruflichen (oder privaten) Traumes und die gleichzeitige Angst davor, es nicht zu packen, lähmen uns. Sie lassen uns erstarren in unserem ungelebten Leben.
Eine Lösung ist vielleicht die Politik der kleinen Schritte, statt des großen Wurfes. Etwa, in dem wir erst einmal einen Monat unbezahlten Urlaub nehmen, statt ein Jahr lang um die Welt zu reisen. Oder, in dem wir einen halben Tag in der Woche weniger arbeiten und dafür versuchen, in unserem Traumjob eine Teilzeitarbeit zu bekommen. Denn wie soll der chinesische Philosoph Laotse vor 2500 Jahren gesagt haben: „auch eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt“.
 
Checkliste
Die Checkliste verweist auf Fragen und Erfahrungen aus der täglichen Coaching-Praxis.


1.) Wenn Sie in Ihrem Job frustriert sind, dann schreiben Sie sich in Ruhe auf, was für Sie schwierig ist. Prüfen Sie im nächsten Schritt, ob Sie einen oder mehrere Punkte auf Ihrer Liste selbst verändern können. Fragen Sie Ihren Partner, Ihre Freunde oder Ihren Coach. Versuchen Sie schrittweise, Ihre Ideen auszuprobieren. Überprüfen Sie regelmäßig, was Ihnen gelingt und was nicht. Passen Sie Ihre Liste immer Ihren neuen Erfahrungen an. Konzentrieren Sie sich dabei auf Ihre Stärken.
 
2.) Nutzen Sie die Chance der betrieblichen Kommunikation mit Ihren Kollegen und Kolleginnen und / oder Ihrem Chef, Ihrer Chefin. Oft wissen die Chefs gar nicht, vor welchen Herausforderungen und Problemen ihre Mitarbeiter stehen.
 
3.) Lässt sich von Ihrer Seite aus nichts an Ihrer derzeitigen Situation ändern, gibt es für Sie zwei Möglichkeiten: Die Situation so zu belassen, wie sie ist und damit leben zu lernen, dass die Arbeitswelt nicht ideal ist oder den Neuanfang zu wagen.
 
4.) Planen Sie Ihren Neuanfang realistisch: Betrachten Sie ganz nüchtern die Vor- und Nachteile Ihrer Träume und Ideen und genießen Sie, dass Sie sich dabei dennoch lebendig fühlen.
 
5.) Planen Sie bei Ihrem Neuanfang bewusst Ihr Scheitern mit ein. Und versuchen Sie das mögliche Scheitern als das zu nehmen, was es ist. Eine Chance, es beim nächsten Mal besser zu machen.
 
6.) Wenn Ihnen der Sprung ins kalte Wasser zu schwierig erscheint, dann steigen Sie vorsichtig hinein ins kühle Nass. Ihr anschließendes Bad im Neuanfang ist genauso erfrischend und belebend.


Tipps zum Lesen:
Immer, wenn es für uns möglich ist, wählen wir für Sie aus der sehr umfangreichen Literatur zu Beruf und Karriere einige Bücher aus, die unsere ganz subjektiven Empfehlungen für Sie sind:
 

Asgodom, Sabine: Raus aus der Komfortzone, rein in den Erfolg
Campus Verlag, 2008, ISBN 978-3593382333

Kahn, Oliver, ICH, Erfolg kommt von innen
riva premium Verlag, 2008, ISBN 978-3936994995

Miedaner, Talane: Coach dich selbst, sonst coacht dich keiner
Moderne Verlagsgesellschaft, 2008, ISBN 978-3636063748

Sher, Barbara: Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will
dtv Verlag, 2005, ISBN 978-3423244480

 
     
       

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Der 23. April ist Girl's Day

Ist er wirklich immer noch notwendig? Brauchen wir nach wie vor einen Girls’ Day - einen Mädchenzukunftstag? Einen Tag, an dem sich Mädchen und junge Frauen vor allem über Karriere im Beruf und über techniknahe und technische Berufe informieren können? Wissen wir nicht längst, dass Mädchen die besseren Schulabschlüsse und Noten nach Hause bringen und damit eigentlich die besten Chancen auf dem gesamten Arbeitsmarkt haben müssten? Und doch: Auch 2009 machen Mädchen am liebsten ihre Ausbildung im Einzelhandel, werden Friseurin oder erlernen den Beruf der medizinischen Fachangestellten. 2008 wählten mehr als 50 % der weiblichen Azubis ihre Lehrstelle unter 10 verschiedenen Berufen aus. Gerade mal 2,2 % von ihnen ergriffen einen Metallberuf. Und selbst auf der Hitparade der 20 beliebtesten Berufe von jungen Frauen stand kein einziger techniknaher Beruf. Ein Girls’ Day scheint also nach wie vor dringend erforderlich zu sein, damit Mädchen und junge Frauen die Chance bekommen und nutzen, unverbindlich und intensiv zukunftsorientierte Berufe in Technik, Handwerk, Ingenieur- und Naturwissenschaften kennen zu lernen und dabei ihre Scheu vor den „Männer-Berufen“ zu überwinden. Und umgekehrt gilt für die Unternehmen: Die letzten Jahre haben deutlich gezeigt, dass Betriebe, die sich intensiv um junge Frauen bemühen und einen interessanten Girls’ Day anbieten, leichter den händeringend gesuchten, qualifizierten Nachwuchs finden. Verständlich, weil sie eine größere Zahl an interessierten Bewerbern ansprechen, als Unternehmen mit weniger Engagement.

Vielleicht sollte der nächste Girls’ Day 2010 einfach einmal heißen: „Yes we can! – Mädchen ( und Jungs) können heute alles werden.“ Und wir fördern bis dahin alle unsere jungen Leute nach ihren individuellen und einzigartigen Fähigkeiten.

Mehr zum Girls’ Day am 23. April 2009 unter www.girls-day.de oder beim Frauenbüro des Landkreises Marburg-Biedenkopf unter Tel.: 06421 - 405-1581.

Checkliste
Die Checkliste verweist auf Fragen und Erfahrungen aus der täglichen Coaching-Praxis.

1.) Vermutlich wird die heutige Ausbildungsgeneration bis zu ihrer Rente, im deutlich höheren Alter als heute, bis zu fünf verschiedene Berufe erlernen, bzw. erlernen müssen. Eine fundierte und möglichst breite Ausbildung ist deshalb heute für junge Leute eher von Vor- als von Nachteil.
 
2.) Schauen Sie bei der Suche nach einer Ausbildung nicht nur nach den aktuellen Trends und Hitlisten. Heutige „In-Berufe“ können bereits in fünf Jahren veraltet sein.
 
3.) Suchen Sie sich Berufe aus der ganzen breiten Palette von bis zu 300 Ausbildungsberufen aus. Machen Sie dazu Praktika in verschieden Unternehmen um herauszufinden, was Ihnen liegt. Fragen Sie, soviel Sie können, Berufstätige nach ihrem Beruf, dem Berufsalltag und den jeweiligen Perspektiven.
 
4.) Bedenken Sie bei Ihrer Berufswahl, welche Verdienst- und Aufstiegschancen geboten werden. Gerade Mädchen und Frauen vernachlässigen diesen Punkt. Beachten Sie, ob eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf gegeben ist und achten Sie auf die Familienfreundlichkeit des Unternehmens. Dies ist für beide Geschlechter wichtig.
 
5.) Denken Sie „groß“ und setzen Sie sich durchaus auch ehrgeizige Ziele: Warum nicht lieber Berufsziel „Chefin“, statt Sekretärin oder Ärztin statt Arzthelferin.
 
6.) Ihre Zeugnisnoten sind wichtig. Betrachten Sie jedoch auch Ihre sonstigen Stärken und vor allem Ihre „Selbstverständlichkeiten“. Insbesondere Mädchen und Frauen neigen dazu, Dinge, die sie ganz selbstverständlich können und tun, zu übersehen und nicht als besondere Fähigkeiten wahr zu nehmen.

 
     
       

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    Die "Klinsmann Methode" – oder berufliche Veränderungen als Chance
 
Erinnern Sie sich, 1. März 2006? Italien - Deutschland 4 : 1? Haben Sie danach gewettet? Kurz vor der Fußballweltmeisterschaft? Wir 80 Millionen Fußballtrainer wussten es. Die ganzen Veränderungen im deutschen Fußball mit Gummibändern, Fitness-Trainern, Sportpsychologen – und das für Männer - bringen nichts. Laufen sollen die Jungs. Spätestens am 8. Juli 2006 zogen wir vor Jürgen Klinsmann und seinem Team den Hut: ein 3 : 1 gegen Portugal war der krönende dritte Platz für die Deutsche Nationalmannschaft nach einer traumhaften WM in und für Deutschland. Was war geschehen? Ein klarer, kühler Analytiker und leidenschaftlicher Fußballer hatte im deutschen Fußball eine Fülle an Veränderungen durchgesetzt. Nach dem sang- und klanglosen Ausscheiden bei der EM 2004 in Portugal gab es für den deutschen Fußball zwei Möglichkeiten: Weiter machen wie bisher oder Jürgen Klinsmann die Chance zu Veränderungen zu geben. Mit allen Konsequenzen.

Veränderungen machen Angst. Sie lösen oft Aggressionen, Ablehnung und Verweigerung aus. Im Fußball haben wir dies im Vorfeld der WM 2006 immer wieder gesehen und miterlebt. Wir träumen von Veränderungen, von einer neuen Stelle, die uns beruflich weiterbringt, vom lang ersehnten Karrieresprung, von der hoffentlich erfolgreichen Selbständigkeit und gleichzeitig hält uns unsere Angst immer wieder zurück.

Also was tun? Machen Sie es wie Jürgen Klinsmann: Bevor der ehemalige Bundestrainer und jetzige Trainer des 1. FC Bayern München diese neuen Aufgaben annahm, hatte er sich monatelang darauf vorbereitet - mit seinen Beratern, seiner Familie, mit immer neuen Diskussionen und Fragen zu seinen Visionen und Vorstellungen. Solange, bis er die wesentlichen Punkte und Fragen zu den einzelnen Projekten auf einem Blatt zusammenfassen konnte. 

Wenn Sie vor beruflichen Veränderungen stehen, suchen Sie das Gespräch: Mit Ihrer Familie, Ihren Freunden, mit einem Coach. Sprechen Sie Ihre Ängste an, Ihre Visionen und Ihre Chancen. Informieren Sie sich gründlich und umfassend über Ihr neues Aufgabengebiet oder Ihr neues Unternehmen. Erwerben Sie Zusatzkenntnisse, wenn Sie meinen, Sie fühlen sich noch nicht sicher genug. Bei  jeder beruflichen (oder privaten) Veränderung werden wir – trotz aller Vorbereitung - eine Fülle an Überraschungen im und mit dem neuen Thema erleben, unsere Befürchtungen werden uns jedoch nicht mehr am Erreichen unserer Ziele hindern. Wir können dann selbst bestimmt handeln, wir können uns positiv auf das Neue einstellen und als Chance begreifen, und der Zauber des Neuanfangs kann wirklich wirken.
 
Checkliste für „’Die Klinsmann Methode’ – oder berufliche Veränderungen als Chance“:
Die Checkliste verweist auf Fragen und Erfahrungen aus der täglichen Coaching-Praxis.

1.) Prüfen Sie, ob es Möglichkeiten für neue berufliche Herausforderungen in dem Unternehmen gibt, dem Sie angehören.

2.) Welche zusätzlichen Kenntnisse sind für einen Wechsel innerhalb des Unternehmens erforderlich? Wo lassen sie sich erwerben?

3.) Gibt es Unternehmen, die Ihnen größere Möglichkeiten für die berufliche Weiterentwicklung geben? Falls ja, was bedeutet es für Sie und Ihre Familie, wenn Sie das Unternehmen möglicherweise wechseln?

4.) Ihr „Lebenslanges Lernen“ kann Sie auf überraschende Veränderungen im Unternehmen vorbereiten oder auf ein attraktives Angebot von außen, und es wird Sie vor zu großen Ängsten vor dem Neuen bewahren.

5.) Ihre Kommunikation mit Ihrer Familie, Ihren Freunden, einem Coach Ihres Vertrauens über ein geplantes Vorhaben ist meist entscheidend.

6.) Setzen Sie sich Etappenziele, wenn Sie sich verändern möchten und ziehen Sie regelmäßig Bilanz über den Stand der Veränderungen.

7.) Erinnern Sie sich zwischendrin an Ihre Visionen, an Ihre Träume. Halten Sie Ihre Traumziele schriftlich fest und lesen Sie diese immer wieder in einem ruhigen Moment durch.

8.) Bei Bedarf hilft die Zusammenarbeit mit einem Coach (siehe Punkt 5.).

Tipps zum Lesen:
Immer, wenn es für uns möglich ist, wählen wir für Sie aus der sehr umfangreichen Literatur zu Beruf und Karriere einige Bücher aus, die unsere ganz subjektiven Empfehlungen für Sie sind:

Michael Horeni: Klinsmann, Stürmer, Trainer, Weltmeister
S. Fischer Verlag, 2005, ISBN 978-3-502-15045-9

Richard Nelson Bolles: Durchstarten zum Traumjob
Campus Verlag 2007 (8. überarbeitete Auflage), ISBN 978-3593382432

Cornelia Topf, Rolf Gawrich: Das Führungsbuch für freche Frauen
Redline Wirtschaft, ISBN 3-636-01227-4

Klaus Doppler, Christoph Lauterburg: Changemanagement
Campus Verlag, ISBN 3-593-37808-6

Georg Kraus, Christel Becker-Kolle, Thomas Fischer, Handbuch Change-Management, Cornelsen Verlag, ISBN 3-593-23651-5


 

Coaching


 

  - ‚Ich würde…‘
  - Kollegen-Coaching – mehr als ein Gespräch unter Kollegen
  - Rote Karte
  - Selbst gewählte Teilzeit
  - Meine Potentiale und ich
  - Wunsch und Wirklichkeit
  - 360 Grad Feedback
  - Was ist das eigentlich – Coaching?
  - Hilfe – ich brauche einen Coach
  - Inge Maisch hilft der Karriere von OP-Lesern auf die Sprünge
     
       

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"Ich würde ..."

Mögen Sie sie? Ratschläge, um die Sie nicht gebeten haben? Und die oft mit den Worten beginnen, ‚ich an Ihrer - oder an Deiner - Stelle würde…‘. In den meisten Fällen schätzen wir ungebetene Ratschläge nur wenig. Wir empfinden sie eher als aufdringlich, denn als hilfreich. Besonders dann, wenn sie von jemand kommen, der meint, zu wissen, was für uns gut ist und uns deshalb mit viel Engagement versucht von seinen Ideen und Ansichten zu überzeugen. Er übersieht dabei, wie wir selbst unsere aktuelle Situation wahrnehmen und wie sehr wir gelegentlich an uns zweifeln.
Wie kann uns ein Rat helfen? Ein konkretes Beispiel: Wenn wir vor der Entscheidung stehen, unser gewohntes Umfeld verlassen zu müssen, weil wir uns beruflich weiter entwickeln möchten und dies gleichzeitig für die ganze Familie bedeutet, an einem anderen Ort noch einmal neu anzufangen.

Brauchen wir für diese Frage einen Rat von außen, weil wir uns hin- und hergerissen fühlen und allein nicht weiter kommen, dann empfiehlt es sich, sich mit zwei Fragen näher zu beschäftigen. Wer soll der Ratgeber sein, ein Freund oder eher ein professioneller Berater? Und sind wir offen für überraschende Wege? Oft genug lassen wir uns beraten, obwohl wir uns längst entschieden haben und eigentlich keinen Rat brauchen und die Ideen des anderen sicherlich nicht umsetzen werden. Wir sind überzeugt davon, dass unser Standpunkt der richtige ist und wollen nur darin bestätigt oder gar dafür gelobt werden. Bemerkt der Ratgeber, dass wir seine Anregungen komplett ignorieren und gar nicht gebraucht haben, dann kann dies spätestens beim nächsten Mal dazu führen, dass er sich zurückzieht und uns künftig misstraut.
Umgekehrt sollten Ratgeber prüfen, ob sie die richtigen sind für eine konkrete Fragestellung oder ob es für den Ratsuchenden womöglich zielführender wäre, mit andere Experten zusammen zu arbeiten.
Wenn beide Seiten, Ratsuchende und Ratgeber, sich verdeutlichen, welche Kunst es ist, sich beraten zu lassen und zu beraten, dann kann der Prozess beide Beteiligte weiter bringen. Der Ratsuchende sieht für sein Problem am Ende der Beratung möglicherweise andere Lösungsmöglichkeiten. Der Ratgeber macht die Erfahrung, dass seine Kompetenz für den Ratsuchenden unterstützend war. Manchmal gelingt dies erst nach mehreren gemeinsamen Gesprächen und langsam aufgebauten gegenseitigen Vertrauen.
 
Checkliste
 
1.) Ratsuchende sind oft davon überzeugt, sie wüssten am Besten, was für sie gut ist und vertrauen ihrer eigenen Meinung mehr als der eines Beraters. Sie sehen im Berater einen Bestätiger und keinen Ratgeber.

2.) Ratgeber mit großer Fachkompetenz glauben häufig, sie könnten alle Fragen beantworten und alle Probleme lösen.

3.) Ein Beratungsprozess läuft dann zufriedenstellend ab, wenn Ratgeber und Ratsuchender sich gegenseitig zuhören, wenn ausreichende Informationen für das konkrete Problem auf dem Tisch liegen, wenn mehrere Möglichkeiten herausgearbeitet werden, und wenn beide wissen, dass der Ratgeber versucht, den Ratsuchenden zu unterstützen, am Ende jedoch der Ratsuchende entscheidet, was er tun will. Das geschieht manchmal auch zum Leidwesen des Ratgebers, der einen anderen Weg für den richtigen erachtet hatte und sich dann damit schwer tut, besonders wenn beide Seiten miteinander befreundet sind.

Tipps zum Lesen

Garvin, David A., Margolis, Joschua D.: Die Kunst des guten Ratschlags, Harvard Business, April 2015, S. 30 - 45. Nachdruck 20154030, www.havardbusinessmanager.de

 
     
       

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Kollegen-Coaching – mehr als ein Gespräch unter Kollegen

„Ich brauche Ihren Rat, wollen wir zusammen Mittag essen?“ „Ich weiß einfach nicht, wie ich in den konkreten Fall anpacken soll. Kann ich kurz zu Ihnen ins Büro kommen?“ Manchmal reichen uns für unsere akuten Fragestellungen in der täglichen Arbeit Gespräche mit unseren Kolleginnen und Kollegen, damit wir weiter erfolgreich tätig sein können. Oft stehen wir jedoch vor Herausforderung, auf komplexere Fragen sinnvolle und zielführende Antworten zu finden. Etwa, wie wir mit schwierigen Kunden umgehen oder wie wir Lieferanten zu mehr Termintreue bewegen können. Reicht unsere Erfahrung dafür nicht aus oder unsere Kompetenz, und Gespräche an der Kaffeemaschine oder beim Mittagessen greifen zu kurz, dann kann ein Kollegen-Coaching förderlich sein. Das Kollegen-Coaching ist dann ein möglicher Weg, Antworten auf drängende Fragen in der täglichen Arbeit zu bekommen. Es ist ein ungeeignetes Instrument, wenn es um Konflikte in einem Team geht oder wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Führungskräfte sich fachlich und persönlich weiter entwickeln möchten oder sollen. Ebenso wenig ist Kollegen-Coaching ein preiswerterer Weg als ein professionelles Coaching oder Training, wie so manche Führungskraft hofft, wenn sie auf die kollegiale Beratung setzt.
Kollegen-Coaching geht davon aus, dass ein Team von Mitarbeitern genügend Fachwissen hat, um für einen konkreten Fall aus der Praxis Lösungsvorschläge zu entwickeln und dafür keine externe Unterstützung braucht. Wesentlich ist außerdem, dass die teilnehmenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einander auf kollegialer Ebene vertrauen und sich in etwa auf gleicher Eben in der Hierarchie des Unternehmens befinden. Kollegiale Beratung in Gegenwart der Vorgesetzten gelingt nur selten.
Für alle Beteiligten ist es nach den Ergebnissen von Umfragen (managerseminar 2004, Heft 81) zielführend, wenn zu Beginn mit Hilfe eines externen Beraters oder einer externen Beraterin die Spielregeln und der Ablauf definiert werden. Etwa, dass die Coaching Gruppe möglichst unter 10 Personen bleibt, wie lange das Kollegen-Coaching dauert und dass es verschiedene Rollen im Beratungsprozess gibt. Z. B. die sogenannten „Fallgebenden“, die jeweils in Ruhe ihr Anliegen vortragen, ohne dass sie jemand dabei unterbricht. Nach den jeweiligen Fragerunden versuchen die Kolleginnen und Kollegen unter der Leitung eines aus dem Kollegenkreis bestimmten Moderators verschiedene Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten, die sie den Ratsuchenden vortragen. Diese entscheiden dann selbständig und ohne sich gegenüber den Kolleginnen und Kollegen zu begründen, wie sie die von ihnen gestellten Fragen für sich beantworten und welch Lösungswege sie wählen. Und sei es, dass die Ratsuchenden eine weitere Unterstützung durch externe Berater suchen.

Checkliste
 

1.) Kollegen-Coaching kann ein erfolgreiches Instrument für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Unternehmen sein, sofern ein paar Voraussetzungen vor Beginn der Beratung erfüllt sind. Etwa, dass die teilnehmenden Mitarbeiter sich grundsätzlich auf kollegialer Ebene vertrauen, zuhören können, gelernt haben, zielführende Fragen zu stellen und akzeptieren, dass sie nicht mitbestimmen, welche Lösung der Ratsuchende wählt.

2.) Kollegiale Beratung ist für das Lösen von Konflikten innerhalb eines Teams unwirksam. Ebenfalls eignet sich kollegiale Beratung nur selten, wenn der Ratsuchende ausschließlich fachliche Fragen hat. Oder wenn sich von vorneherein abzeichnet, dass es wenig Lösungsalternativen gibt.

3.) Zu Beginn des kollegialen Coachings hilft ein Berater den teilnehmenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, damit sie kompetent den Beratungsprozess durchführen können.

4.) Kollegiale Beratung kann gelingen, wenn die Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Bereichen eines Unternehmens kommen oder aus anderen Teams und ähnliche Aufgaben haben, wie z. B. das Führen einer Abteilung.

5.) Umfragen (managerseminar 2004, Heft 81) haben gezeigt, dass Kollegen-Coaching ein sinnvolles Instrument sein kann. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen empfanden nach den Umfragen zu etwa 50% eine externe Beratung als effektiver und zielführender.
 
Tipps zum Lesen

managerSeminare: „Coaching durch Kollegen“, 2004, Heft 81, S. 38-46

 
     
       

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Rote Karte

„Ich konnte es kaum glauben. Ich kam aus einer von meinem Unternehmen unterstützten Weiterbildung zurück, da erklärte mir mein Chef, dass ich meine Stelle als Abteilungsleiter künftig mit einem Kollegen teilen müsse“, erzählte Reinhard M. zu Beginn des Coachings. Statt weiter die Karriereleiter hinaufzusteigen, wie er es gehofft hatte, bekam der Abteilungsleiter „die rote Karte. Ich hatte das Gefühl, mir wird der Fußboden unter den Füßen weggezogen.“ Zunächst versuchte er, seine Enttäuschung wegzustecken und sich in die neue Rolle einzuleben. „Am Ende musste ich erkennen, dass der Verlust meines beruflichen Ansehens und der vertrauten Arbeitsabläufe mich mehr getroffen hat, als ich es mir ursprünglich eingestehen wollte.“
Im Coaching arbeitete er zunächst daran, was es für ihn bedeutet, nicht mehr die gleiche berufliche Rolle zu haben wie bislang. „Die bislang vertrauten Abläufe waren anders. Verantwortung, die ich bislang getragen hatte, fiel weg und damit auch die Anerkennung für diesen Teil meine Arbeit“.
Beim Umgang mit der unerwarteten Situation halfen ihm im Coaching vor allem seine Erinnerungen an bereits von ihm bewältigte berufliche Übergänge. „Ich hatte schon mehrfach ungeplante und schwierige Situationen gemeistert, das hatte ich nur vergessen. Durch das Coaching habe ich außerdem gelernt, aufzuhören, mir selbst Stress zu machen mit Sätzen wie, ‚ich habe versagt, ich bin gescheitert‘.“
In beruflichen Übergangsphasen und beim Abschied von bislang als selbstverständlich angesehenen Positionen und Aufgaben helfen gute soziale Kontakte zu Familien und Freunden und Gespräche mit Menschen in ähnlicher Situation. Zusätzlich unterstützend kann sich eine Beratung auswirken. Vor allem, wenn es dabei gelingt, die eigenen beruflichen und persönlichen Kompetenzen wahrzunehmen und zu würdigen, statt sich selbst weiterhin als beruflich gescheitert zu betrachten. Im nächsten Schritt kann der Fokus dann darauf liegen, wie die neue Rolle künftig konkret auszufüllen ist. „Ich weiß heute und das ist für mich sehr hilfreich, dass meine Wertschätzung weniger von meiner Rolle im Beruf, als vielmehr von meinem Selbstbild abhängt. Damit ist mir der Übergang vom Abteilungsleiter zum Zweimann-Team ganz gut gelungen. Inzwischen bin ich manchmal sogar froh, in der Abteilung nicht mehr für alles zuständig zu sein. Auch wenn ich die rote Karte seitens des Unternehmens nie ganz vergessen werde.“

Checkliste
 

1.) Wenn im Beruf Veränderungen anstehen, dann kann es für uns sehr hilfreich sein, wenn wir uns darauf besinnen, welche Kernkompetenzen wir besitzen und welche Stärken wir in den Berufsalltag einbringen. Besonders dann, wenn unser berufliches Ansehen angekratzt oder gar in Frage gestellt wird.

2.) Kernkompetenzen lassen sich im Gespräch mit Familie, Freunden und Kollegen herausarbeiten und in einer berufsbegleitenden Beratung wie einem Coaching.

3.) Für eine gezielte Einordnung verschiedener Fähigkeiten können Skalierungen hilfreich sein. Nutzen wir diese dann noch dazu, für uns heraus zu arbeiten, wo wir Fähigkeiten verstärken und vertiefen können, dann können selbst schmerzhafte berufliche Veränderungen am Ende dazu beitragen, beruflich weiter zu kommen und uns weiter zu entwickeln.

Tipps zum Lesen

Nohl, Martina: Übergangscoaching. Berufliche Veränderungen kompetent und erfolgreich gestalten. 2011, Junfermann Verlag, ISBN: 9783873877948.

 
     
       

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Selbst gewählte Teilzeit

„Ich wollte langsamer machen. Nach 30 Jahren Arbeit als Kindergärtnerin und jahrelange Leiterin unseres Hauses erschien mir eine Teilzeitstelle als sehr attraktiv. Ich hatte bei uns viele Jahre lang vor allem für unsere fünf- bis sechsjährigen Kindergartenkinder immer ein offenes Ohr und habe viele Kinder in meinen Armen getragen.“
Womit Petra N. bei ihrem Teilausstieg aus ihrem Beruf nicht gerechnet hatte, war, wie schwer es ihr fallen würde, ihre bislang so selbstverständlich gelebte Rolle als Chefin einer privaten Kita an eine jüngere Kollegin abzugeben. „Ich hatte alles geplant. Meine Nachfolgerin habe ich gut eingearbeitet, und ich hatte mit ihr vereinbart, dass ich mich nur dann einmische, wenn sie es sich ausdrücklich wünscht. Es schien alles perfekt zu sein und ich freute mich auf die vermehrte Freizeit mit meiner Familie und meinen Enkelkindern.“ Doch kurz nachdem sie ihre Aufgabe als Chefin aufgegeben und stattdessen eine von sechs Mitarbeiterinnen war, erlebte sie nicht Freude und Begeisterung, wie sie es erwartet hatte, sondern Trauer über den Verlust des beruflichen Ansehens und der vertrauten Arbeitsabläufe. „Ich kam mit dem Rollenwechsel, den ich mir selbst so sehr gewünscht und erträumt hatte, zu meiner eigenen Überraschung überhaupt nicht klar.“
Im Coaching arbeitete sie zunächst daran, was es für sie bedeutet, nicht mehr die gleichen beruflichen Herausforderungen und das damit verbundene Ansehen im Beruf und im Privatleben zu haben wie bislang. „Die bislang vertrauten Abläufe waren anders. Verantwortung, die ich bis vor kurzem noch getragen hatte, fiel für mich weg und damit auch die Anerkennung für diesen Teil meiner Arbeit. Ich hatte das Gefühl, ich habe mich selbst ins Aus manövriert. Ich fühlte mich plötzlich nutzlos und überflüssig und aus der Ecke kam ich nicht raus.“
Zunächst schien auch die Beratung keine Hilfe zu sein. Das Besinnen auf die eigenen Stärken und das Vergnügen an und mit den Enkelkindern waren zwar förderlich, die Trauer über den Verlust der Verantwortung blieb. Petra M. entschied sich dann im Coaching dazu, ihrer Trauer Raum und Zeit zu lassen und sie nicht wegzudrängen, „weil jetzt doch alles gut sei.“ Sie schrieb ihre 30jährige Berufserfahrungen in kleinen Geschichten auf, schmückte ihr Erinnerungen mit Kinderzeichnungen, die sie im Laufe der Zeit gesammelt hatte und gestaltete sich so ein Buch des ‚Abschieds und des Neuanfangs‘. „Das hat mir geholfen. Ich habe gesehen, was ich geleistet habe. Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, das ich so heftig mit dem Übergangsprozess von der Chefin zur Mitarbeiterin kämpfen muss, ehe ich die Teilzeitstelle genieße, wie ich es mir herbeigesehnt hatte, dann hätte ich vermutlich laut gelacht und ihm kein Wort geglaubt“.

Checkliste
 

1.) Beim Übergang von einer beruflichen Phase in eine andere übersehen wir leicht, dass es sich dabei zunächst um einen Abschied handelt. Wir müssen das Alte, das Vertraute los- und hinter uns lassen und damit auch ein Stück von unserer beruflichen Identität, ehe wir das Neue anpacken und in unserer neuen Rolle wohl fühlen können.

2.) Für diesen Übergang brauchen wir Zeit. Manchmal länger, als wir es von uns erwartet haben. Selbst Übergangsprozesse, die wir uns selbst ausgesucht und die von uns selbst bestimmt sind, bedürfen einer Reifezeit. Falls möglich, sollten wir uns diese Zeit schenken.

3.) Komplexer wird die Situation des Übergangsprozesses, wenn wir ihn ungewollt erleben müssen. Etwa, weil sich aufgrund von Entscheidungen im Unternehmen unsere berufliche Situation verändert, und wir dadurch unsere bisherige Rolle im Beruf verlieren.

4.) Übergangsprozesse können in der Beratung z. B. durch einen Perspektivenwechsel auf die veränderte Situation unterstützt werden. Weiterhin hilfreich ist dabei, die beruflichen und persönlichen Kompetenzen wieder in den Mittelpunkt des Klienten zu stellen. Im nächsten Schritt kann dann in der Beratung erarbeitet werden, wie die neue Rolle künftig konkret ausgefüllt werden kann.

Tipps zum Lesen
Nohl, Martina: Übergangscoaching. Berufliche Veränderungen kompetent und erfolgreich gestalten. 2011, Junfermann Verlag, ISBN: 9783873877948.

 
     
       

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Meine Potentiale und ich

Wo liegen unsere beruflichen – und privaten Kompetenzen? Und wie können wir unsere Stärken in unseren (Traum-)Beruf einbringen können? Spätestens, wenn wir uns nach dem Studium oder der Ausbildung auf eine erste Stelle bewerben oder unseren Arbeitgeber wechseln möchten, stellen sich uns diese Fragen. Viele von uns prüfen dann, was sie ihrem künftigen Arbeitgeber bieten können und überraschend oft finden wir darauf nur ungenaue Antworten, weil wir unsere Kompetenzen gar nicht so sicher benennen können. Sicher ist, dass die allermeisten von uns über sehr viel mehr Kompetenzen und Erfahrungen verfügen, als wir in der täglichen Arbeit zeigen können. Manchmal brauchen wir so wenig davon, dass wir uns in unserem Job eher unterfordert als überfordert fühlen.
Woher wissen wir also, was wir können und zu leisten vermögen? Eine Antwort kann uns z. B. eine wissenschaftlich ausreichend fundierte Potentialanalyse geben. Je nach der Methode, mit der wir unsere Potentiale analysieren, lässt sich herausfinden, über welche Potentiale und Kompetenzen wir verfügen. Potentiale sind noch nicht realisierte Kompetenzen. Kompetent sind wir, wenn wir etwas bewusst und erfolgreich wiederholen können, wie z. B. das Autofahren. Voraussetzungen für Kompetenzen sind unsere Fähigkeiten, die wir durch Üben weiterentwickeln und vertiefen. Wir haben viele Fähigkeiten in uns, die wir theoretisch in ebenso viele Kompetenzen umwandeln könnten. Meist präferieren wir allerdings im Laufe unseres Lebens bestimmte Verhaltensweisen - und die Gründe hierfür sind vielfältig - und bilden darin besondere Kompetenzen, besondere Stärken aus.
Unsere Stärken, unsere Kompetenzen können wir nicht nur mit Hilfe einer Potentialanalyse herausfinden, sondern auch, wenn wir uns selbst befragen oder dies in einer Beratung tun. Was machen wir besonders gern? Was fällt uns leicht? Wobei fühlen wir uns besonders gefordert und erleben zufriedene Momente, wenn wir etwas geschafft haben? Worum bitten uns andere? Unsere Kolleginnen und Kollegen? Unsere Familie und unsere Freunde? Welche Sonderaufgaben haben wir im Laufe unseres Studiums oder Berufs übernommen? Bei welchen Herausforderungen scheitern wir und wiederholen und üben dennoch motiviert so lange unsere Fähigkeit, bis wir darin kompetent sind?
Am Ende unserer Selbstbefragung oder eines Coachings werden wir wissen, was wir können und welcher Beruf und welche Stelle für uns in Frage kommen.

Checkliste
 

1.) Jeder Mensch besitzt eine Fülle von Fähigkeiten. Durch Wiederholen und Üben werden aus Fähigkeiten Kompetenzen.

2.) Im Laufe unseres Lebens prägen wir Präferenzen aus für bestimmte Verhaltensweisen. Wir arbeiten beispielsweise gerne und bevorzugt analytisch oder sind besonders kompetent bei intuitiv zu lösenden Aufgaben.

3.) Wenn wir unsere Kompetenzen, unsere Stärken kennen, dann wissen wir auch um unsere Schwächen. Wir können Schwächen in Stärken verwandeln. Hinter unseren Schwächen stecken weniger stark ausgebildete Kompetenzen. Unsere Selbstmotivation aus Schwächen Stärken zu machen, ist allerdings deutlich geringer, als Stärken zu üben und noch auszubauen. Schwächen in Stärken zu überführen bedarf einer höheren Motivation von uns. Meist gelingt dies leichter in einer Therapie oder einer Beratung.

4.) Je nach der Fragestellung einer Potentialanalyse oder eines Persönlichkeitstest fallen die Antworten unterschiedlich aus. Eine Potentialanalyse, die herausfinden will, welche beruflichen Fähigkeiten wir besitzen, sagt nichts oder nur unzureichend etwas über unsere Persönlichkeit aus.

Tipps zum Lesen
Hesse, J., Schrader, H. Ch.: Was steckt wirklich in mir? Die Potentialanalyse, 2013, Stark Verlagsgesellschaft, ISBN: 9783866684119

Oltrogge, A.: Assessment-Center: Vor- und Nachteile am praktischen Beispiel einer Potentialanalyse für Führungskräfte, 2012, AV Akademikerverlag, ISBN: 9783639451900

 
     
       

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Wunsch und Wirklichkeit

„Ich verstehe mich zurzeit einfach nicht mehr. Im Privaten kann ich immer noch leicht und locker plaudern. Stehe ich meinem Chef gegenüber, werde ich in letzter Zeit unsicher und weiß nicht, was ich sagen soll. Bei meinen Kolleginnen und Kollegen geht es mir ähnlich. Außerdem werde ich schnell ärgerlich. Und das besonders gerne in Situationen, wo es keinen Anlass dafür gab. Früher war das Gespräch nie ein Problem und aus der Haut gefahren bin ich fast nie. Woran liegt das? Ich verstehe mich nicht mehr.“
Mit dieser Problembeschreibung begann Frank H. das Coaching. Den gelernten Elektroingenieur irritierte, dass er sich jetzt anders verhält, als er es von sich gewohnt war. Typische Coaching-Fragen, wie zum Beispiel, welche Ziele er in den nächsten Jahren erreichen will, halfen dem 39-jährigen die Frage für sich zu beantworten. Er hatte seine Wünsche in sich vergraben und stattdessen darüber hinweg agiert – mit scheinbarer Unsicherheit und raschem Verärgertsein.
Frank H. erkannte in der Beratung, dass er schon seit Längerem nicht mehr zufrieden war mit seinem Job, und er andere Ideen für sein berufliches Weiterkommen hatte. Bislang hatte er sich nicht getraut, seinen Chef darauf anzusprechen. Dieser hatte ihn von Beginn seines beruflichen Daseins an sehr gefördert und dafür gesorgt, dass er als frischgebackener Fachhochschulabsolvent rasch gute und spannende Projekte in dem kleinen Fachbetrieb für Unterhaltungselektronik bekam. „Ich bin ihm sehr verpflichtet. Nur weiter komme ich in seinem Unternehmen nicht. Ich stehe auf der obersten Sprosse der Karriereleiter. Seine Tochter wird den Betrieb in einem oder zwei Jahren übernehmen. Wie sage ich es ihm, dass ich woanders meine Chancen suchen und für mich nutzen will. Schließlich verdanke ich ihm sehr viel. Nicht zuletzt viel Erfahrung, die ich in einem anderen Betrieb nicht so rasch erworben hätte.“
Das Problem, mit dem Klienten ins Coaching kommen und das sie als ihre Frag benennen, ist häufig nur das Symptom dieses Problems. Oft verbergen sich hinter dem Symptom andere Bedürfnisse und Wünsche, wie bei Frank H. Er hatte befürchtet, seine Unsicherheit und seine Unzufriedenheit hätten etwas mit Stress und zu hoher Belastung in seinem Beruf zu tun, die er zwar nicht empfand, sich jedoch einredete. Unter seinem unsicheren und leicht verärgerten Verhalten verbarg er seine Angst, einen von ihm geschätzten Menschen mit seinen Zukunftsplänen enttäuschen zu müssen.
Am Ende traute er sich, seinem Chef von seinen Plänen zu berichten. Zu seiner großen Überraschung und Freude bekam er dessen volle Unterstützung. „Er meinte, er habe sich schon häufiger gefragt, wann ich endlich den nächsten Schritt wagen wolle. Danach war ich wieder der Alte im Betrieb. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich wegen meiner mir nicht eingestandenen beruflichen Wünsche so anders verhalten würde.“



Checkliste
 
1.)
In einem Coaching oder in einer Therapie kann sichtbar werden, dass sich hinter beruflichen Frustrationen und Unzufriedenheit oft Wünsche verbergen, die wir uns nicht trauen einzugestehen. Aus Angst, Menschen enttäuschen oder unangenehme Entscheidungen treffen zu müssen. Holen wir uns Unterstützung, wenn wir uns unwohl mit uns und unserer Situation fühlen, dann kann dies helfen, verborgene Wünsche an die Oberfläche zu bringen und Klarheit zu schaffen. Oft ist dabei die Frage hilfreich, „angenommen, wir würden – wie Frank H. – für Klarheit sorgen, was könnte dann im schlimmsten Fall und was könnte im besten Fall passieren?

2.) Eine umfassende Analyse der Fragestellung, mit der Klient ins Coaching kommt und Fragen zu Werten und Zielen können dem Klienten relativ rasch dabei helfen, seine Antworten zu finden, daraus die entsprechenden Schlüsse zu ziehen und die passenden Entscheidungen zu treffen.

 
       
       

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360 Grad Feedback
 
Für Führungskräfte ist es manchmal schwierig, wirklich zu wissen, wie ihre Umgebung sie einschätzt und ob ihre Führungsqualitäten bei ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern so ankommen, wie sie es sich wünschen und erhoffen. Umgekehrt fragen sich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, welche Entwicklungspotentiale sie haben und wie sie in ihrem Unternehmen gesehen werden. Ein sogenanntes „360 Grad Feedback“, eine „360 Grad Rückmeldung“ kann auf diese Fragen spannende Antworten geben. Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich eine Coaching Methode, die in den letzten Jahren vor allem in Firmen und Institutionen ihren Platz gefunden hat, und sich zunehmend auch im Einzelcoaching verbreitet. Bei einem 360 Grad Feedback bittet ein sogenannter Feedback-Nehmer oder -Nehmerin, ein Fragender, also eine Führungskraft, eine Mitarbeiterin oder ein Klient die sogenannten Feedback-Gebenden, die Antwortenden, also Vorgesetzte, Kollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Freunde und Familien um Antworten auf Fragen zur persönlichen Kompetenz oder Entwicklung. Die Feedback-Nehmer wählen in ihren Unternehmen und eventuell im Familienkreis ihre Feedback-Gebenden selbst aus, in Abstimmung mit dem Coach oder ihren Unternehmen. Manchmal werden diese auch vom Unternehmen vorgegeben.
Was versprechen sich Unternehmen wie z. B. VW, Bayer oder Daimler von diesem aufwendigen und durchaus zeitraubenden Feedback-Verfahren? Welche Chancen ergeben sich daraus? Und welche Probleme? Das 360 Grad Feedback kann dabei helfen, zu prüfen, wie wir mit Konflikten umgehen und wo unsere Stärken und Schwächen liegen als Führungskraft. Das 360 Grad Feedback kann auch ein geeignetes Werkzeug sein, herauszuarbeiten, wieweit das Bild, dass wir von uns selbst haben, das sogenannte Selbstbild, mit dem unserer Umgebung, dem sogenannten Fremdbild übereinstimmt oder nicht. Häufig sieht uns unsere Umgebung positiver, stärker und selbstbewusster, als wir uns selbst. Manchmal stimmen uns die Ergebnisse der Befragung auch nachdenklich oder sie enttäuschen uns sogar und machen uns deutlich, wo bei uns aktueller Handlungsbedarf besteht. Themen wie Konfliktfähigkeit, Zeitmanagement oder klar formulierte Arbeitsaufträge für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen dabei meist ganz oben auf der Liste der Herausforderungen, die wir nicht immer erfüllen. Gemeinsam mit einem neutralen Coach lassen sich aus den Resultaten des 360 Grad Feedbacks fassbare Lösungsansätze formulieren und fest umrissene Aktionspläne ausarbeiten. Sie werden im Berufsalltag getestet, angepasst und bestimmte Verhaltensweisen so lange geübt und weiter entwickelt, bis wir unser angestrebtes Ziel erreicht haben und unser Veränderungsprozess abgeschlossen ist.
Für den Einsatz eines 360 Grad Feedback ist eine wertschätzende und vertrauensvolle Umgebung unabdingbar. Sonst kann die durchaus hilfreiche Methode in einem Unternehmen oder in einem Coaching mehr Schaden als Nutzen anrichten.
 
Checkliste
 

1.) Das 360 Grad Feedback ist eine der vielen Methoden, die besonders bei der persönlichen Entwicklung von Führungskräften und Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen hilfreich sein kann. Wichtig ist dabei, dass die Methode als wertschätzendes, unterstützendes und nicht beurteilendes Werkzeug verstanden wird.

2.) Von Führungskräften und Mitarbeitern nicht immer begrüßt wird der erhebliche Zeitaufwand, der erforderlich ist für ein 360 Grad Feedback. Motivierend ist es, wenn Fragende und Antwortende wissen, welche konkreten Ziele bei dem Feedback-Nehmer mit dem 360 Grad Feedback erreicht werden sollen.

3.) Die Fragen im 360 Grad Feedback umfassen vor allem Kompetenzen und konkretes Verhalten der Feedback-Nehmer und ermöglichen es diesen, greifbar ihr Verhalten zu verändern.

4.) Bei der Auswertung der Antworten ist z. B. zu fragen, wo gibt es Überraschungen und welche Schlussfolgerungen kann der Fragende daraus für sich ziehen. Oder, worin unterscheiden sich die Antworten der einzelnen Feedback-Geber-Gruppen und welche Hinweise geben diese Differenzen?

5.) Wie alle Methoden ist das 360 Grad Feedback, sinnvoll und richtig eingesetzt, ein gutes Werkzeug im Coachingprozess, jedoch nicht das allein selig machende.che. Taschenguide. Einfach! Praktisch!, 2008, Haufe Verlag, ISBN: 9783448073850

 
     
       

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Was ist das eigentlich – Coaching?
 
Der berufliche Alltag ist für uns nicht immer einfach. Was machen wir beispielsweise, wenn der Kollege aus der Nachbarabteilung uns gegenüber keinerlei Respekt zeigt? Wie bewältigen wir unseren ersten Tag an unserem Ausbildungsplatz? Sollten wir uns auf unsere Rolle als neuer Chef einer großen Abteilung mit vielfältigen Aufgaben vorbereiten oder springen wir lieber ins kalte Wasser und lernen aus unseren Fehlern? Was tun wir, wenn wir uns in unserer Arbeit unterfordert und von unserem Chef, unserer Chefin in unseren beruflichen Stärken wenig wahrgenommen fühlen? Wie gehen wir mit einem Mitarbeiter um, der intrigiert und die Arbeit im Team immer mehr untergräbt?
Bei besonderen beruflichen Herausforderungen kann uns ein Gespräch mit einem Coach helfen. Coachs verstehen sich üblicherweise als Partner ihrer Klientinnen und Klienten. Mit einfühlsamen Fragen unterstützt ein Coach in einem Coaching-Gespräch seine Klienten darin, die für sie stimmigen Antworten auf ihre Fragen zu finden und zu entdecken, was sie konkret tun können, damit sie die von ihnen formulierten Ziele erreichen. Gemeinsam entwickeln dann Klienten und Coach entsprechende Strategien. Etwa dafür, wie uns der Beruf wieder mehr Freude machen kann, wie ein Chef, eine Chefin Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Ziele des Unternehmens begeistern kann, wie wir unsere beruflichen Stärken zufriedenstellend einsetzen können, wie sich die Angst vor Prüfungen allmählich abbauen lässt, was wir tun können, wenn wir neue Aufgaben glauben, nicht bewältigen zu können oder wie wir uns auf unsere tägliche Arbeit fokussieren, statt uns ständig abzulenken.
Hilfreich kann ein Coaching-Gespräch auch sein, wenn wir uns Fragen zu unserer Karriere stellen. Beispielsweise, wie wir es als berufstätige Frauen schaffen, Karriere und Familie miteinander zu vereinbaren, ohne permanent mit schlechtem Gewissen herum zu laufen. Wie es uns gelingen kann, beruflich erfolgreich zu sein, ohne dass unsere Familie oder unsere Gesundheit darunter leiden. Oder wie wir es schaffen, erfolgreich oder erfolgreicher zu führen.
Coaching kann auch persönliche Fragen beinhalten, etwa die Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens.
Coaching-Gespräche haben zum Ziel, Klientinnen und Klienten dabei behilflich zu sein, berufliche Fähigkeiten zu entwickeln oder weiter zu entwickeln, Lösungen für ihre Problemstellungen zu finden und die richtigen Entscheidungen zu treffen.
     
Checkliste
Die Checkliste verweist auf Fragen und Erfahrungen aus der täglichen Coaching-Praxis.

1.) Coaching gibt es seit etwa 20 Jahren in Deutschland. Große Unternehmen haben teilweise eigene Coaching-Abteilungen und fördern ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezielt mit Coaching, insbesondere ihre Führungskräfte.
 
2.) Je nach Ausbildung fokussieren Coaches ihre Arbeit mehr auf das Problem ihrer Klienten und Klientinnen und arbeiten problemorientiert oder sie stellen eher die möglichen Lösungen in den Mittelpunkt des Coaching-Prozesses.
 
3.) Coaching ist keine Technik, deshalb gibt es keinen allgemeinen Leitfaden für ein Coaching-Gespräch. Der rote Faden hierfür sind jedoch immer die Themen des Klienten.
 
4.) Coaching gelingt dann besonders gut, wenn Klienten bereit und mutig sind, ihre Denk- und Verhaltensmuster anzusehen und zu ändern.
 
Tipps zum Lesen:
Immer, wenn es für uns möglich ist, wählen wir für Sie aus der sehr umfangreichen Literatur zu Beruf und Karriere einige Bücher aus, die unsere ganz subjektiven Empfehlungen für Sie sind:
 
Demann, Stefanie, 30 Minuten Selbstcoaching
2009, Gabal Verlag, ISBN: 9783869360263

Kaminski, Eva, 30 Minuten für mehr Erfolg durch Coaching
2001, Gabal Verlag, ISBN: 9783897491861

 
     
       

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Hilfe, ich brauche einen Coach
 

Noch ist ein Coach als Wegbegleiter für die meisten Berufstätigen nicht alltäglich. Zunehmend entdecken jedoch Unternehmen und Mitarbeiter, dass ein Coach gewinnbringend sein kein. Im wörtlichsten Sinne: So manche Karriere hat durch die Zusammenarbeit mit einem Coach neuen Aufschwung bekommen. Der Wechsel des Arbeitsplatzes war weniger angstvoll, und die Neuorientierung des eigenen Unternehmens am Markt ließ sich besser meistern.

In vielen Unternehmen gilt die Zusammenarbeit mit einem Coach inzwischen als eine besondere Auszeichnung für die Mitarbeiter oder die Führungspersönlichkeiten. Denn ein Berater kostet Geld. Coaching kommt deshalb möglichst denjenigen zugute, die das meiste daraus machen und ihre neuen Fähigkeiten und Erfahrungen am besten einsetzen - im Sinne des Unternehmens. Zunehmend gönnen sich auch Selbständige eine Beratung als eine effektive Investition in ihre persönlichen und unternehmerischen Ziele.

Wenn Sie sagen „Hilfe – ich brauche einen Coach!“ haben Sie den ersten Schritt für ein erfolgreiches Coaching bereits getan. Denn ein Coaching ist immer dann Ziel führend, wenn Sie Ihre beruflichen Herausforderungen kennen und erkennen und neue Perspektiven für ein aktuelles Problem oder für Ihre berufliche Weiterentwicklung finden wollen. Ein Coach wirkt dann wie ein eine Art Verstärker. Er stellt Ihnen Fragen, macht Ihnen Mut, fördert Sie, sucht gemeinsam mit Ihnen nach Ihren Begabungen oder nach neuen Ausblicken für Ihre Zukunft, und hilft dabei, Entscheidung zu treffen. Ein Coaching geht davon aus, dass Sie die für Sie beste Lösung schon in sich haben und diese mit Hilfe eines Coaches für sich entwickeln können.
  
Checkliste
 

1.) Was ist Coaching?
Coaching ist als Begriff in Deutschland nicht geschützt und wird unterschiedlich definiert. Für mich ist Coaching die professionelle, individuelle Beratung von Erwachsenen oder von Unternehmen und Organisationen in beruflichem Kontext und für die berufliche und unternehmerische Weiterentwicklung.
 
2.) Wann ist Coaching sinnvoll?
Immer dann, wenn es um berufliche Fragen geht. Coaching hilft Ihnen, Ihre Fähigkeiten zu entdecken und diese weiter zu entwickeln. Ein Führungsstil kann trainiert werden, eine Führungspersönlichkeit entwickelt sich beispielsweise durch Coaching.
 
3.) Worin besteht der Unterschied zwischen Training und Coaching?
Trainiert werden Methoden oder Fähigkeiten, die gelernt werden sollen. Beim Coaching stehen Sie mit Ihren beruflichen Fragen im Mittelpunkt. Wenn im Coachingprozess ein neues Verhalten gelernt werden soll, dann wird dieses trainiert.
 
4.) Wie sieht ein Coaching in der Praxis aus?
Je nach Zielvereinbarung zwischen Ihnen und einem Coach kann ein Coaching wenige Stunden bis zu einigen Monaten dauern. Meist finden die Gespräche zunächst ein bis zwei Mal im Monat statt, später dann in längeren Zeitabständen.
 
5.) Zu welchen Ergebnissen führt Coaching?
Coaching hilft Ihnen, berufliche Aufgaben und Herausforderungen neu zu sehen, zu bewerten und entsprechend zu handeln.
 
6.) Was sollte einen Coach auszeichnen?
Er sollte bereit sein, sich in andere Menschen einzufühlen. Und er hat aufgrund eigener beruflicher Erfahrungen in Unternehmen vielfältige Kenntnisse aus und über den beruflichen Alltag. Und Ihr Coach ist der richtige für Sie, wenn die „Chemie“ zwischen Ihnen beiden stimmt.
 
7.) Wie finde ich einen Coach?
- Bislang gibt es keine Coaching Kammer.
- Viele Berufsverbände haben Datenbanken für Coaches.
- Durch Empfehlungen von Kollegen und Kolleginnen.
- Durch Lesen von Büchern, Zeitschriften, im Internet.
  
Tipps zum Lesen:

Maren Fischer-Epe: Coaching, Miteinander Ziele erreichen, rororo TB, 2007, ISBN 978-3-499-61954-0.

 
     
       

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Veränderung
 
„Ich habe mir vorgenommen, den Rest des Jahres mit weniger Kalorien auszukommen und mehr Sport zu treiben“, antwortete mir mein Klient Harald M. drei Tage vor dem Jahreswechsel auf meine Frage, welche Vorsätze er denn gefasst habe. Erst im zweiten Moment erkannte ich die Ironie in seiner Aussage. Und seine verschmitzte Klugheit, meiner unpräzisen Frage mit Humor zu begegnen und sich dabei selbst fröhlich zu glossieren. Denn drei Tage lang und damit für den Rest des Jahres, das wusste er aus Erfahrung, konnte er sein von ihm selbst gewähltes Ziel problemlos verfolgen. Dagegen war er bereits mehrfach an den eigenen Vorsätzen gescheitert, mit Beginn des neuen Jahres, anzufangen sein Gewicht zu reduzieren.
Harald M. geht es dabei wie fast allen Menschen, die sich zu bestimmten Zeiten wie dem Jahreswechsel, an ihrem Geburtstag oder im Urlaub vornehmen, endlich alte Gewohnheiten aufzugeben und durch neue zu ersetzen. Wenn die Statistiker recht haben, dann gelingt es nur 8 % aller Deutschen, ihre am 1. Januar gefassten Entschlüsse länger als ein paar Tage durchzuhalten. Jedes Jahr aufs Neue stehen weniger Stress im Beruf, mehr Zeit für Freunde, Familie und sich selbst, gesünder ernähren und weniger Alkohol trinken ganz oben auf der Liste der guten Vorsätze, die dann nach kurzer Zeit wieder sang- und klanglos begraben wird.
Weshalb es den meisten von uns schwer fällt, selbst gewählte Ziele zu erreichen, hat vielfältige und individuelle Gründe. Manchmal sind die Ziele zu hoch gesteckt und von vorneherein unerreichbar oder die Liste mit den Wünschen nach Veränderungen ist zu lang und im Alltag gar nicht zu bewältigen. Oft fehlt es jedoch an Mut und an Kraft, einen Neuanfang zu wagen. Alte Gewohnheiten sind vertraut, sie verunsichern nicht. Sich zu verändern, heißt dagegen, sich auf Unbekanntes einzulassen und viel zu oft sind es unsere eigenen Sehnsüchte und Schwächen, die uns beim Versuch eines Neuanfangs plötzlich bewusst werden. Etwa, dass wir den Stress im Beruf oder in der Partnerschaft dringend brauchen, damit wir uns als Wert geschätzt erleben. Oder dass wir die Schokolade mitten in der Nacht lieben, weil wir uns dann „rund“ fühlen. Wenn es uns allerdings gelingt, zunächst unsere vermeintlichen Schwächen zu akzeptieren und sie ohne uns selbst zu verurteilen anzunehmen, dann können wir unsere gute Vorsätze im Laufe der Zeit meist erfolgreich umsetzen. Vorausgesetzt, wir möchten uns dann noch verändern, und die von uns gesteckten Ziele sind realistisch, für uns erreichbar und keine Träumereien.
   
Checkliste

1.) Damit ein Neuanfang gelingen kann, ist es hilfreich, sich genau zu überlegen, was ich ändern möchte, welche realistischen Ziele und Teilziele ich erreichen will und bis wann.
 
2.) Vor allem gilt es jedoch, sich die Frage zu stellen, ob ich überhaupt eine Veränderung wünsche. Will ich wirklich abnehmen, den Job wechseln oder weniger Stress im Beruf haben oder bleibe ich lieber bei meinen Gewohnheiten?
 
3.) Manchmal hilft es auch, Partner, Kollegen, Freunde, einen Psychologen oder einen Coach um Unterstützung zu bitten, und sie als kritische „Supporter“ unseres Anliegens zu engagieren. Immer dann, wenn wir Gefahr laufen, unsere Vorsätze aufzugeben, sollen sie uns an unsere Wünsche erinnern und dabei behilflich sein, dass wir nicht aufgeben. Bei Freunden und Partnern ist es wichtig, genaue Spielregeln miteinander zu vereinbaren, damit Beziehungen nicht darunter leiden.
 
4.) Zielführend ist es auch, kleine Schritte zu gehen, erreichte Teilziele mit anderen zu feiern und bei Misserfolgen nicht sofort alle Vorsätze aufzugeben.
 
Tipps zum Lesen:
 
Fritsch, Oliver, Alles anders. 15 Fragen, die Ihr Leben verändern
2010, Moderne Verlagsgesellschaft, ISBN: 9783636070869

 

 

Erfolgsrezepte

 

   
  - Lilo Lausch - die Elefantendame
  - Jeder Wurf ist eine Premiere
  - Lächelnd zum Erfolg
  - Eine Sommergeschichte …
  - Verlässlich? Ja bitte!
  - Die Macht der Gewohnheit
  - Weshalb hat ein Vogel zwei Flügel?
  - Erzählungen eines Schreibtisches
  - ‚Ein bisschen Freundlichkeit‘ - ein Plädoyer
  - Partnerwahl am Arbeitsplatz
  - Babylonisches Sprachgewirr
  - Alternativlos oder Plan B?
  - Body Talk
  - Ehrlich währt am längsten?
  - Das innere Team
  - Orakel von Delphi
  - Fragen fragen
  - Riskieren riskieren ...
  - Ahnengalerie
  - Eigentlich will ich ...
  - Ich beschenke mich selbst
  - Erfolg…am besten mit Geduld
  - Das Schwere leicht aussehen lassen
  - Große Welt – ganz klein
     
       

Erfolgsrezepte

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Weihnachtsmann und Christkind

Wer ist fitter, wer der bessere Manager und wer verkauft sich erfolgreicher? Das Christkind oder der Weihnachtsmann?
Prüfen wir die Fitness: Während der Weihnachtsmann sich durch die Lüfte fliegen lässt und sein HoHoHo unverkennbar am Himmel ertönt, saust das Christkind mit Hilfe seiner eigenen Flügel so rasch durch das Firmament, dass es dabei nie gesehen wird. Jedoch: nur der Weihnachtsmann schafft es, trotz seiner Leibesfülle, in einer Nacht behende und flink ungezählte Kamine hinunter und hinauf zu klettern, schmälere und breitere, und das noch mit einem schwergewichtigen Rucksack auf dem Rücken. Ausgang des Fitness-Vergleichs: Jeder ist auf einem anderen Gebiet fit, das Ergebnis ist das gleiche: Kinder und Erwachsene bekommen pünktlich ihre Geschenke.
Wie sieht es mit dem Management der beiden aus? Da beide ein Geheimnis daraus machen, das Christkind noch mehr als der Weihnachtsmann, von dem immerhin der Produktionsstandort am Nordpol bekannt ist, lassen sich dazu nicht allzu viele Informationen weiter geben. Sicher ist, dass die Bestellorte für die Wunschzettel bekannt sind: Briefe für den Weihnachtsmann sind nach Himmelpfort in Brandenburg zu schicken und das Christkind hat seine Adresse in Engelskirchen bei Köln. Email-Adressen, Facebook, Handnummern? Unbekannt. Nur postalisch versandte Bitten finden ihre Ansprechpartner. Beide zeichnen sich demnach durch klar konzipierte und schlanke Vertriebsstrukturen aus. Und durch Flexibilität und Schnelligkeit: Denn selbst kurzfristig abgeschickte Wunschzettel finden so rasch ihren Weg in die jeweiligen Produktionsstätten, dass sich auch last minute ausgesprochene Wünsche am 24. Dezember erfüllen. Sollten die Geschenke allerdings die falschen sein, dann liegt es nicht am Vertrieb, sondern daran, dass die Wunschzettel ungenau ausgefüllt wurden. Nachweislich ist die Fehlerquote von Christkind und Weihnachtsmann gleich Null. Ausgang des Vergleichs: Die vom Weihnachtsmann und vom Christkind seit langem erprobten Management-Methoden sind noch genauso aktuell wie früher und bedürfen derzeit keiner Beratung oder Umstrukturierung.
Zur letzten Frage: Wer verkauft sich besser? Das Christkind oder der Weihnachtsmann? Hier scheint auf den ersten Blick eindeutig der Weihnachtsmann zu gewinnen. Er hat überall seine Vertreter stehen, z. B. im Supermarkt aus Schokolade, als Weihnachtskugel, auf Postkarten, in Werbefilmen oder in vielen Kaufhäusern und Fußgängerzonen als Mensch mit rotem Mantel und weißem Bart. Das Christkind vermarktet sich auf Postkarten, in Werbefilmen, manchmal als Christbaumfigur und anscheinend gerne bei Krippenspielen in Kindergärten und Schulen, ansonsten ist es kaum zu finden. Vor allem macht kein weltweit bekannter Werbepartner mit großem roten Truck auf das zarte Geschöpf Christkind aufmerksam wie auf den behäbigen Weihnachtsmann.
Hier gewinnt der Weihnachtsmann. Zumindest in vielen Regionen der Welt. Dort, wo das Christkind noch die Oberhand hat, vor allem in manchen Teilen Süddeutschlands und Österreichs hat es allerdings vehemente Fürsprecher, die nicht daran glauben, dass der alte Mann mit Rauschebart alle Kinderwünsche erfüllen kann. Schließlich müsste er ca. 300 Millionen Kinder an Heilig Abend bzw. am ersten Weihnachtsfeiertag beschenken. Leider müssen alle Christkind-Fans akzeptieren, dass der Weihnachtsmann sich dabei auf seine Rentier-Mitarbeiter am Schlitten verlassen kann und besonders auf Rudolphs roter Nase als Scheinwerfer im Schneegestöber.
Wer ist demnach der erfolgreichere, das Christkind oder der Weihnachtsmann?
Frühestens heute Abend werden wir es wissen.

Mehr zum Thema

Wenn Manager sich fragen, was sie vom Weihnachtsmann oder Christkind lernen können, dann steht vor allem der Weihnachtsmann im Fokus ihrer Betrachtungen. Der Weihnachtsmann arbeitet nach klaren Spielregeln:

a.) Er konzentriert sich auf sein Kerngeschäft. Außer Weihnachten übernimmt er keine weiteren Aufgaben.

b.) Seine Termintreue ist legendär. Er liefert nur am 24. bzw. am 25. Dezember aus und nur über einen Vertriebsweg, den Kamin. Momentan beschäftigt ihn allerdings die Frage, welche Wege er nutzen wird, wenn die Energiewende Kamine abschafft. Die dünnen Leitungen von Solarzellen oder Wärmepumpen sind nicht so sein ‚Ding‘.

c.) Sein Markenauftritt hat sich nicht verändert. Er trägt nach wie vor rot, weiß und schwarz: Bart, Mantel, Mütze, Gürtel und Stiefel.

d.) Er braucht kein Geld für Werbung. Auch wenn der ‚Consumer Markt‘ noch so gesättigt ist, finden seine Produkte am 24. bzw. am 25. Dezember reißenden Absatz. Dafür sorgen insbesondere seine Kinder-Kunden, die spätestens vier Wochen vor dem Liefertermin ihre Wünsche klar und deutlich übermitteln, entweder direkt per Weihnachtspost oder über Eltern, Großeltern etc..

e.) Er kann seine Produktion langfristig planen ohne von kurzfristigen Trends abhängig zu sein. Schließlich ist nur einmal im Jahr Weihnachten.

Tipps zum Lesen

Hamburger Abendblatt online, 2. 12. 2011: „Ich wünsche mir…“ - Post für Weihnachtsmann und Christkind
Manager Magazin Online, 23. 12. 2014: Was der Weihnachtsmann Wirtschaftskapitänen lehren kann
Sport und Fitness online, 20. 12. 2013: Christkind versus Weihnachtsmann: Wer ist fitter?
Spiegel online, 24. 12. 2014: Fünf Weihnachtsmythen

 
     
       

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Lilo Lausch - die Elefantendame

Kennen Sie Lilo Lausch? Nein? Die strahlend lächelnde und keck drein schauende Elefantendame mit den großen, innen roten Ohren? Ich wusste bis vor Kurzem nichts von ihr: Lilo Lausch ist eine Elefantendame, genauer gesagt eine Elefanten-Handpuppe. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, kleinen Kindern das Zuhören beizubringen und ihr Sprechen und ihren Wortschaft zu verbessern. Lilo Lausch lädt Kinder dazu ein, auf die Zwischentöne beim Sprechen der anderen zu lauschen, Rücksicht zu nehmen auf denjenigen, der gerade spricht und ihn aussprechen lassen, ohne ihm ins Wort zu fallen.

Die Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Norbert Neuß und Simone Dumpies vom Fachbereich Justus-Liebig-Universität Gießen haben die positive Wirkung von Lilo Lausch auf das Sprachvermögen und Sprachverständnis von Kinder evaluiert und positiv bewertet. Sie sind Kooperationspartner der Stiftung Zuhören, die mit vielen Kindergärten und Grundschulen zu diesem Thema zusammenarbeitet und deren Star die kleine Elefantendame ist. Die Stiftungsmitglieder, darunter der Hessische Rundfunk sind davon überzeugt, dass Kinder, die früh gelernt, zuzuhören in der Schule und später im Beruf erfolgreicher sind.
Zuhören können ist ein wesentlicher Bestandteil der Kommunikation - im Privatleben wie im Beruf. Menschen kommunizieren miteinander, um sich mitzuteilen und um den anderen zu verstehen. Talkshows vermitteln allerdings oft einen anderen Eindruck. Auch in Stellenanzeigen ist praktisch nie zu lesen, dass die Bewerber fähig sein sollten, gut zuzuhören. Stattdessen sollen sie kommunikationsstark sein, überzeugend argumentieren, mitreißend vortragen und präsentieren.

Offenbar ist reden oder gar monologisieren gefragt, zuhören eher nicht. Weshalb also versucht die Elefantendame Kinder zum Zuhören zu bringen? Wer zuhört, bekommt viele Informationen vom Gegenüber, manchmal mehr als der Redende mitteilen will. Zuhörer zeigen ihrem Gegenüber, dass sie ihn respektieren, in dem sie aufmerksam seine Ausführungen verfolgen. Sie hören aktiv zu, sind ihrem Gegenüber zugewandt, unterstützen ihn durch ihre Lächeln oder zeigen ihm durch andere nonverbalen Signale wie Kopfnicken, dass sie Interesse am Gesagten haben und sorgen so dafür, dass der Redende sich wohl und aufgehoben fühlt. Im Berufsleben schätzen Mitarbeiter Führungskräfte und Kollegen, die hören möchten, was sie zu sagen haben und die nicht meinen, sie wüssten sowieso, was der andere anmerken möchte.

Aktive Zuhörer sind keine Schweiger. Sie fragen gezielt nach, um ihr Wissen zu vertiefen oder um sich Unverstandenes noch einmal erklären zu lassen. Denn zu oft entstehen durch unklares Kommunizieren Konflikte. Der Sprechende sagt etwas, der Hörende meint, alles richtig gehört zu haben und bemerkt nicht, dass die gesagte Botschaft auch etwas anderes heißen kann. Wie oft kommt dann im Laufe eines Gespräches die Sätze, das habe ich so nicht gemeint oder, das habe ich so nicht verstanden? Gute Rhetoriker empfehlen deshalb Rednern und Zuhörern, Wichtiges noch einmal zu wiederholen, um sicher zu gehen, dass alle vom Gleichen sprechen, wenn sie über etwas reden.
Gute Zuhörer haben noch einen Vorteil: Sie lernen leichter. Etwa 3/4 von dem, was wir wissen, haben wir durchs Zuhören gelernt. Auch beim Selbstzuhören. Beim Lernen auf eine Prüfung lohnt es sich deshalb, den Prüfungsstoff laut zu wiederholen. Gleiches gilt für das Vorbereiten auf ein Bewerbungsgespräch. Bewerber wirken meist überzeugender, wenn sie vorab mehrfach laut üben und sich dabei zuhören, was sie auf die Aufforderung, etwas über sich zu erzählen, antworten möchten.
Lilo Lausch jedenfalls würde sich über klare und zielorientierte Sätze freuen.
 
Mehr zum Thema

1.) Die frühen Menschen hatten dann besonders gute Chancen zu überleben, wenn sie die Bewegungen und die Lauten ihrer potentiellen Beutetieren gut erlauschen konnten und ihnen so früh auf die Spur kamen.

2.) Das Gehirn, so der Neurologie Professor Giselher Gutmann aus Wien ‚hört‘ mit unterschiedlichen Gehirn’teilen’ zu, besonders mit dem Kleinhirn und dem limbischen System. Sie setzen eine Kaskade an Hormonen und Botenstoffen frei und beeinflussen so den Körper, z. B. Emotionen und Gleichgewichtssinn.

3.) Aktives Zuhören können lässt sich üben: U. a. können Pausen beim eigenen Sprechen ein Anfang sein, gezielte Fragen ebenso und eine konzentriert-entspannte Körperhaltung. Außerdem der Versuch, immer länger zuzuhören als selbst zu reden. Blickkontakt, zum Sprechen einladende Gesten wie ein Kopfnicken oder unterstreichende kleine Bemerkungen sind ebenfalls hilfreich.

Tipps zum Lesen
Bay, Rolf, H.: Erfolgreiche Gespräche durch aktives Zuhören, 2014 (8. Auflage), expert Verlag, ISBN: 9783816932451

 
     
       

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Jeder Wurf ist eine Premiere

Gefragt, wie er es bei der NBA-Meisterschaft 2011 geschafft habe, „trotzdem weiter zu werfen“, auch wenn zu Beginn des Spiels von zwölf Schüssen nur einer traf, antwortete Dirk Nowitzki, einer der besten Basketballer der Welt, im Interview in der FAS vom 23. August 2015 und kurz vor der Basketballeuropameisterschaft: „Als Schütze musst du ein kurzes Gedächtnis haben“. Statt zurück zu blicken und mit sich zu hadern, weshalb von zwölf Würfen elf nicht geklappt haben, obwohl „du im Training schon Millionen von Schüssen genommen hast“, gilt es beim nächsten Freiwurf zu sehen „wie er einmal durchs Netz geht und schon kannst du die nächsten fünf oder sechs Dinger reinhauen“.
Im Sport sei das verrückt: „Irgendwas passiert da im Körper, das Selbstvertrauen kommt wieder“. Zu Beginn seiner Karriere sei dies noch anders gewesen, da „kam ich nicht wieder ran, wenn es nicht lief“. Doch sein Wunsch, immer besser zu werden und langes und intensives Training halfen ihm, sich „von Jahr zu Jahr“ zu steigern und heute „einer der größten Basketballer aller Zeiten“ zu sein.
Das millionenfache Training von Würfen allein reicht allerdings nicht aus, um den Stress einer NBA-Meisterschaft, einer Europa- oder einer Weltmeisterschaft auszuhalten. Oder mit dem unangenehmen Moment umzugehen, wenn uns im vorab vielfach geübten Vortrag der Faden reißt, wir in der Teamsitzung nicht mehr weiter wissen und anfangen zu stottern, obwohl wir uns gut und intensiv darauf vorbereitet haben oder wenn wir im Bewerbungsgespräch keine fachlichen Antworten mehr geben können. Solche Belastungen und Stresssituationen lassen sich meistens leichter mit Hilfe eines mentalen Training bewältigen, so Hans Eberspächer (1943-2014), Vorreiter der Sportpsychologie und des Mentalen Trainings.

Neben dem ständigen Üben bestimmter Fähigkeiten und damit neben dem Erwerb der sogenannten ‚Sachkompetenz‘ oder eines Expertenwissens gehören zum Antistressprogramm auch die Komponenten ‚Selbstkompetenz‘ und ‚Sozialkompetenz‘: Selbstkompetenz umfasst dabei im weitesten Sinne die sogenannte ‚mentale Kompetenz‘. Soziale Kompetenz zeigen wir, wenn wir mit anderen ‚adäquat im sozialen Kontext’ umgehen. Beide gilt es zu trainieren, wie die ‚Millionen von Schüssen‘.
Wesentliche Bestandteile des ‚mentalen Fertigkeitstrainings‘, des Mentaltrainings zur Stärkung der Selbstkompetenz sind zunächst Selbstgespräche und die inneren Bildern, die wir uns von Dingen und Situationen machen. Sagen wir uns im Selbstgespräch z. B. „ich schaffe das“ und sehen wir dabei den nächsten Freiwurf konkret vor unserem inneren Auge und trainieren wir diese Selbstgespräche und inneren Bilder, immer wieder, dann können wir diese ‚virtual reality‘, so Eberspächer, in einer Stresssituation sofort abrufen und in Realität umwandeln. Auch nach elf vergeblichen Würfen. Weitere Bestandteile des Mentaltrainings sind das Kennen der eigenen Stärken und Schwächen. Dann, im Hier und Jetzt zu denken und nicht nur in der Zukunft oder in der Vergangenheit zu sein und sich immer wieder zu entspannen. Außerdem umfasst ein Mentaltraining, sich selbst Ziele zu setzen, das eigene Tun zu analysieren und Erfolg und Misserfolg in ein richtiges Verhältnis zu bringen und nicht beim Misserfolg hängen zu bleiben oder sich selbst ständig als großartig einzuschätzen.
Hinzu kommt, so Dirk Nowitzki, die Verantwortung sich selbst und dem Team gegenüber, wenn er sagt „du weißt, die zählen auf dich“. Er beschreibt damit die soziale Kompetenz, die jeder braucht, wenn er im Leistungssport und im Beruf ‚stressfreier‘ und damit erfolgreicher handeln möchte. Soziale Kompetenz umfasst insbesondere ein gegenseitiges Wert schätzen im Team, genaues Zuhören und wahrnehmen, worum es den anderen und einem selbst in der konkreten Situation geht.
Am Ende erlauben Sach-, Selbst und Sozialkompetenz einen schonenden Umgang mit der Ressource Ich und mit derjenigen der anderen - im Leistungssport wie im Beruf.
Vielleicht ist dies das Geheimnis, weshalb ein so talentierter Fußballer wie Mario Götze in der Nationalmannschaft entscheidende Tore schießt. Vermutlich kann er dort nicht nur seine Sachkompetenz, sein überragendes fußballerisches Können, sondern auch seine Selbst- und Sozialkompetenz einsetzen und zu dem ‚Zeitpunkt optimal zu handeln‘, wo es notwendig ist: Vor dem gegnerischen Tor.

 
Checkliste

1.) Im Leistungssport ist mentales Training inzwischen ebenso wichtig wie körperliche Fitness. Im Berufsleben wird dies oft noch vernachlässigt. Während die fachliche Kompetenz von Mitarbeitern und Teammitgliedern gefördert wird, fehlt das Training der Selbstkompetenz und der Sozialkompetenz in vielen Unternehmen oder auch in Schulen und Universitäten.

2.) Stress entsteht im Kopf. Deshalb kann ein Mentaltraining helfen, ressourcenschonend mit sich selbst umzugehen und damit optimales Handeln zu ermöglichen. Negative Gedanken wie, das schaffe ich nie, dazu reichen meine Fähigkeiten nicht aus, unterminieren die Selbstkompetenz und verhindern eine optimale Handlungskompetenz.

3.) Selbstmotivation, Fitnesstraining und Regeneration sind die Bereiche, in denen jeder eigene sich weiterentwickeln kann, je nachdem wie stark der jeweilige Teil bereits ausgebildet ist.

Tipps zum Lesen

Eberspächer, Hans: ‚Ressource Ich‘, 2009 businessbestseller summaries, Nr. 379, und 2009, Carl Hanser Verlag, ISBN: 9783446417908
FAS, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Nr. 34, S. 27, 23. 8. 2015: ‚Wahre
Größe’
Knörzer, Wolfgang: ‚Mentale Stärke entwickeln‘, 2011, Beltz Verlag, ISBN:
9783407255563

 
     
       

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Lächelnd zum Erfolg

„Ich hab’s“: Freudestrahlend umarmt mich Theo K. zu Beginn unserer gemeinsamen Beratungsstunde. Ungewohnt von einem Mann, der sich als Rechtsberater eher zurückhaltend verhielt. „Na, Sie haben doch immer an mich geglaubt. Jetzt bin ich zum ersten Mal halbwegs zufrieden mit mir. Sie müssen stolz auf mich sein“, fügt er im Überschwang hinzu. Seine Freude gilt nicht beruflichen Herausforderungen, die er zunehmend zielgerichtet meisterte, sondersn seiner, wie er selbst sagt, ‚geliebt-gehassten‘ Leidenschaft für den Golfsport. Seit Jahren versucht der 52 jährige wenigstens halbwegs zufriedenstellend zu spielen, doch das Geheimnis des schwierigen Sports erschloss sich ihm weder nach vielen Trainingsstunden noch nach intensivem Üben. „Mir gelang es einfach nicht, meinen Ehrgeiz auch nur ein wenig zurück zu nehmen“. Erst sein ‚Ich-hab’s-Rezept“, wie er es nannte, half ihm: „Mir hat eine gute Golfspielerin im Urlaub erklärt, vor jedem Schlag lächele sie innerlich und erst dann konzentriere sie sich auf den Schwung.“

Vermutlich hat Theo K. mit seinem Lächeln und der Ironie sich selbst gegenüber, dass der Golfsport ihn so frustrieren kann, es geschafft, die ‚eigenen Tyrannen … erträglicher’ werden zu lassen, wie der Arzt-Comedian Eckart-von-Hirschhausen in einem Spiegelinterview 2009 sagte. Mit dem leisen Lächeln vor dem Golfschwung „scheine ich besonders meinen Tyrannen übergroßen Ehrgeiz in den Hintergrund zu drängen und mich weniger zu verkrampfen und dabei alle Muskeln fest zu halten. Öfter als früher schwinge ich meinen Golfschläger jetzt auch mal ganz leicht und genieße es, wenn mir ein Schlag gelingt, und ich habe Spaß dabei“. Überraschend war für ihn, dass seine bewusste Entscheidung vor jedem Schlag zu lächeln - auch wenn ihm gar nicht danach zumute war - fast immer seinen Erfolg oder seinen Misserfolg beeinflussten.

Forschungsergebnisse von Prof. Margaret E. Kremeny, Universität San Francisco, auf dem Gebiet der Psychoneuroimmunologie von 2007 zeigen, dass das Gehirn durch positive Gedanken Wirkstoffe herstellen kann, die wie eine Aufputschmittel wirken. Im Beruf scheinen ein (inneres) Lächeln, positive Gedanken und eine gute Laune Erfolg und Weiterkommen ebenfalls zu fördern. Mit einem Lächeln lässt sich der berufliche Alltag zufriedener erleben und jedes ehrlich gemeinte, freundliche Auftreten gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kollegen bringt vermehrt Respekt. Karrierechancen lassen sich erhöhen und Unternehmen bekommen von ihren Mitarbeitern kreativere und zielführendere Verbesserungsvorschläge, wenn die Stimmung im Team positiv. Dies haben in den letzten Jahren gleich mehrere wissenschaftliche Studien herausgefunden. Sie bewiesen außerdem, dass es tatsächlich möglich ist, für unsere Stimmung selbst zu sorgen, wenn wir bestimmen, ob wir besser gelaunt sein wollen und uns damit selbst mehr Wohlgefühl im Beruf verschaffen oder ob wir lieber unseren Missmut ausleben. Das Sprichwort vom halbvollen oder halbleeren Glas erzählt uns dies prägnant. Oder - wie es in einem afrikanischen Sprichwort heißt: ‚Wende Dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter Dich‘.
„Schönes Spiel“ wünscht
 
Checkliste

1.) Ein bewusst eingesetztes Lächeln, das jedoch nicht aufgesetzt ist, kann helfen, innere Verspannungen für einen Moment los zu lassen und sich auf die aktuelle Situation zu konzentrieren. Theo K. hat sich diese Anregung zu nutze gemacht, um seinem Traum von einem besseren Golfspiel ein Stückchen näher zu kommen.

2.) Lächeln lässt uns leichter lernen. Experimente haben gezeigt, dass Menschen, die 30 Minuten nach einer Lerneinheit lachen, das Gelernte besser merken und leichter abrufen lassen.

3.) Lächeln oder Lachen lässt sich hervorrufen durch die kognitive Entscheidung, jetzt zu lächeln, durch Übungen aus dem Lachyoga, durch humorvolle Texte oder lustige Filme und Comics. Die Lachmuskeln im Gesicht senden unserem Gehirn die Botschaft aus, sie seien aktiv und zauberten jetzt ein Lächeln ins Gesicht des Menschen. Unser Gehirn reagiert darauf und schüttet über einen stufenweise ablaufenden molekularen Prozess ‚Glückshormone‘ aus, die dem Körper ein gutes Gefühl geben und zumindest kurzfristig entspannen. Rechtzeitig für einen guten Golfschwung, ein Auftreten vor dem eigenemTeam, den Vorgesetzten oder in einer Prüfung.

4.) Smileys haben einen ähnlichen Effekt. Vielleicht sind sie deshalb so beliebt.

5.) Lächeln ja. Dennoch sollten ärgerliche Situationen nicht weggelächelt werden, sondern die ärgerlichen Gefühle deutlich gemacht werden, ohne den anderen zu verletzen oder zu beleidigen. Danach kann dann wieder ein Lächeln kommen. Klarheit und Transparenz der Gedanken und Gefühle sind Teil des Lächelns.

6.) Ein aufgesetztes Lächeln ohne dahinter zu stehen, wirkt meistens aggressiv.

Tipps zum Lesen

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/arzt-comedian-hirschhausen-spass-treibt-das-gehirn-an-a-608439.html
ManagerMagazin, Heft 132, 2009: Marijan Kosel, Wege aus dem Stimmungstief
Szelinga, Roman F.: Erst der Spaß, dann das Vergnügen: Mit einem Lachen zum Erfolg, Kösel Verlag, 2011, ISBN: 9783466309313
von Hirschhausen, Eckart: Glück kommt selten allein, Rowohlt Verlag, 2009, ISBN: 9783498029975

 
     
       

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Eine Sommergeschichte …

Sie klingt wie ein Märchen, die Sommergeschichte, die an einem Arbeitstag im Sommer 2014 begann: Ein radebrechend Deutsch sprechender junger Mann aus Südeuropa stand mit seiner deutschen Schwägerin im Foyer eines Unternehmens, bei dem er unbedingt arbeiten wollte. Der Inhaber des mittelständischen Medizintechnikbetriebs im Rhein-Main-Gebiet mit 40 Mitarbeitern hatte eigentlich keine Zeit. Das Geschäft brummte. Alle Stellen waren besetzt, Neueinstellungen nicht geplant. Doch der junge Mann beharrte auf einem Gespräch, weil er in seinem Heimatland keine Berufschancen für sich sieht. Trotz seiner guten Ausbildung als Medizintechniker ist er seit längerem arbeitslos und ohne Perspektive. Am Ende entschied sein künftiger Chef Manfred A., ihm statt der gewünschten ganzen Stelle eine halbe Stelle anzubieten und in der übrigen Zeit solle er Deutsch lernen. Sollte er in einem Jahr so gut Deutsch können, dass er in dem kommunikationsintensiven Beruf zurecht komme, dann bietet er ihm in seinem Unternehmen einen festen Job.

Sommer 2015: Das Vertrauen in den einst unbekannten Bewerber hat sich gelohnt. Nicht nur, weil er inzwischen fast fließend Deutsch spricht, sondern vor allem, weil seine fachlichen Kenntnisse sich als Glücksfall für das Unternehmen erwiesen haben. Sein Know-how half, neue Kunden für die Firma zu gewinnen. Besonders in Südeuropa, einem bislang für das Unternehmen wenig zugänglichen Markt, der ausbaufähig ist und von dem Manfred A. hofft, dass er sich langfristig bis nach Südamerika ausdehnt und erweitert.
Wäre die Sommergeschichte der Ausgangspunkt für einen Film, dann stünde vermutlich im Drehbuch unter Protagonisten: Ein mutiger junger Mann, der seine Heimat verlässt, in der er keine berufliche Zukunft für sich sieht. Ein junger Mann, der weiß, was er will und der trotz des Risikos, abgewiesen zu werden, sich traut, sich für sich und seine Zukunft einzusetzen. Ein Firmeninhaber, der bereit ist, sich auf eine ungewöhnliche Situation einzulassen, auch auf die Gefahr hin, dass er enttäuscht wird. Außerdem die Erkenntnis, wie wenig es manchmal braucht, um so eine Sommergeschichte schreiben zu können.
Bleibt die Moral der Geschicht’: Vertrauen zahlt sich aus, zumindest manchmal. Der Vertrauensvorschuss, den der junge Medizintechniker von seinem künftigen Chef bekam, motivierte ihn, so rasch wie möglich sprachlich und beruflich erfolgreich zu sein. Dazu gehörte für ihn unter anderem auch, keinen finanziellen Zuschuss für seinen Sprachkurs seitens des Unternehmens anzunehmen. Ihm war wichtig, sich selbst und seinem Chef zu beweisen, dass es sich lohnen wird, ihm diese Chance zu geben.
Inzwischen ist er fest angestellt und will demnächst eine Familie gründen.
Hätten Charts, Business Pläne, Risikoabwägungen und Erfahrungen allein das Handeln des Firmeninhabers bestimmt, dann wäre er weiterhin so erfolgreich wie 2014. Sein Vertrauen, sein Bauchgefühl, wie der 50jährige selbst sagt, haben ihm unternehmerische Möglichkeiten eröffnet, von denen er zuvor nicht zu träumen gewagt hätte.
Seit kurzem arbeiten ein junger Mann und eine junge Frau bei ihm, die aus ihrem im Krieg sich befindlichen Heimatland geflüchtet sind. Ob ihre Geschichte auch eine Sommergeschichte sein wird, weiß Manfred A. in einem Jahr.
 
Checkliste

1.) Damit Vertrauen entstehen und wachsen kann, braucht es Transparenz, Verlässlichkeit und das beiderseitige Wissen, dass es keine willkürlichen Entscheidungen geben wird. In der Sommergeschichte war es die Transparenz des Firmeninhabers und die Verlässlichkeit des Mitarbeiters, die beiden Protagonisten zum Erfolg verhalfen.

2.) Vertrauen entsteht durch Klarheit, nicht durch nett sein. Vertrauen ist kalkuliertes Risiko und braucht Mut.

3.) Vertrauen entwickelt sich, Schritt für Schritt. Je länger zwei Menschen oder zwei (oder mehrere) Parteien miteinander arbeiten und lernen, sich auf den oder die anderen zu verlassen, umso mehr wächst das Vertrauen. Nicht das blinde Vertrauen, das alles vom anderen glaubt, ohne genauer hinzuschauen. Sondern das Vertrauen, das allen Beteiligten die Möglichkeit lässt, Dinge zu hinterfragen ohne gleich verdächtigt zu werden, den Vertrauensprozess zu hintergehen oder in Frage stellen zu wollen.

4.) Jemandem einen Vertrauensvorschuss zu geben, heißt, darauf zu bauen oder zu wissen, dass der andere etwas schafft, woran dieser womöglich noch nicht einmal selbst glaubt.


Tipps zum Lesen

http://karrierebibel.de/vertrauen/: Die fünf Grundregeln des Vertrauens
http://www.zeit.de/karriere/beruf/2012-01/chefsache-vertrauen-mitarbeiter: So gewinnen Führungskräfte das Vertrauen ihrer Mitarbeiter

 
     
       

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Verlässlich? Ja bitte!

‚Mich nervt die Unzuverlässigkeit meines Kollegen.‘ ‚Auf die kann man sich einfach nicht verlassen.‘ ‚In unserem Beruf als Krankenpfleger kann nachlässiges Verhalten im wahrsten Sinn tödlich sein‘: Häufig wünschen sich Klienten im Coaching, sich auf den anderen verlassen zu können. Unzuverlässige Mitarbeiter, Chefs oder Kollegen beschreiben sie als schwierig auszuhalten und mehr als einmal war mangelnde Verlässlichkeit der Grund, den Arbeitsplatz zu wechseln. Vor allem, wenn sie auf den anderen angewiesen sind und darauf, dass er zuverlässig seine Arbeit tut, weil sie ansonsten ihre eigenen Aufgaben nicht oder nur unzureichend erledigen können.
Verlässlich zu sein gehört zu den sogenannten Schlüsselkompetenzen im Beruf. Wer sich als zuverlässig zeigt, ermöglicht es, dass die anderen ihm allmählich vertrauen. Er signalisiert seinen Kollegen, seinen Mitarbeitern oder seinen Vorgesetzten, dass er sie ernst nimmt und dass er weiß, wie wichtig es für sie ist, die versprochene Aufgabe pünktlich zu erledigen.

Verlässlich zu sein, heißt, gut zu organisieren, vereinbarte Termine einzuhalten oder rechtzeitig abzusagen. Sind mit Kollegen oder Mitarbeitern gemeinsam verabredete Ziele nicht zu erreichen oder nicht zum besprochenen Zeitpunkt, gilt es, dies frühzeitig zu kommunizieren, um auch künftig gut und kollegial zusammen arbeiten zu können.
Das klingt alles gut und schön. Weshalb gelingt es dann, die meisten Aufgaben verlässlich zu erledigen und andere dafür wie mit dem Roulette Schieber auf dem Schreibtisch hin und her zu bewegen? Eigentlich gilt es, die dringend anstehenden Aufgaben zu bearbeiten. Denn für Kolleginnen und Kollegen hängt viel davon ab, dass sie die Ausarbeitung pünktlich bekommen.

Mangelnde Verlässlichkeit hat unterschiedliche Ursachen. Manchmal verbirgt sich dahinter die Haltung, es ist sowieso alles egal oder, denen zeige ich, mit wem sie es zu tun haben oder, ob ich verlässlich bin oder nicht, das interessiert hier niemand, am allerwenigsten die Chefs. Oft lauert hinter scheinbarer Unzuverlässigkeit blanke Angst. Etwa, einen Fehler zu machen. Oder die eigene Phantasie, das eigene Kopfkino lässt die Aufgabe so groß werden, dass der Aufgabenberg am Ende als unüberwindbar erscheint. Die Angst vor dem Unzuverlässig sein ist dann weniger Angst auslösend ist, als den Berg erklimmen und die Aufgabe anpacken zu müssen.
Die Frage aus dem Coaching, was wohl im aller-aller-aller-schlimmsten Fall passieren könnte, wenn sie die Aufgaben weiter liegen lassen, kann Klienten helfen, aus dem selbst geschaffenen Teufelskreis wieder herauszukommen. Die Erkenntnis, dass im aller-aller-aller-schlimmsten Fall eigentlich gar nichts passiert oder zumindest nichts Schlimmes, bringt sie meistens dazu, sich selbst einen konkreten Zeitpunkt zu setzen, bis wann sie die anstehenden Tätigkeiten erfüllen. Verlässlich für andere und für sich selbst.

 
Checkliste

1.) Im Beruf verlässlich zu sein, ist unabdingbar. Auch in scheinbar wenig von Termindruck und Projekten bestimmten Berufen. Die eigene Verlässlichkeit signalisiert den anderen, dass sie Wert geschätzt sind. Dass ihre Tätigkeiten und ihre Zeitpläne ebenso wichtig und zentral sind und dass diese respektiert werden. Werden Zusagen nicht eingehalten und vereinbarte Termine als unverbindlich angesehen, dann lassen sich Aufgaben und Projekte weder rechtzeitig noch effektiv bearbeiten und erledigen. Vor allem jedoch erodieren sie das Vertrauen in den andern. Mit dem Ergebnis, dass er vermutlich die nächste passende Gelegenheit ergreift, aus der unzuverlässigen beruflichen Situation auszusteigen.

2.) Hindert die eigene Angst daran, die vorhandene Verlässlichkeit in möglichst vielen Fällen zu leben, dann kann eine Beratung, eine Therapie oder ein Coaching dabei helfen, sich die individuellen Ängste anzusehen und allmählich aufzulösen.

3.) Verlässlichkeit lässt sich ein Stück weit trainieren. Ein Selbsttraining kann z. B. sein, regelmäßig morgens pünktlich aufzustehen, um entspannt am Arbeitsplatz anzukommen. Oder das Telefon möglichst nicht länger als dreimal klingeln zu lassen, Emails zeitnah zu beantworten und auch mal Nein zu sagen, damit sich die bereits vereinbarten Termine und Ziele einhalten lassen.

4.) Sich selbst und anderen gegenüber verlässlich zu sein, hilft auch, selbstbewusster zu werden und zu sein und sich selbst immer besser kennen zu lernen. Berufliche - und private Veränderungen - wirken dann weniger verunsichernd und lassen sich besser abfedern.

Tipps zum Lesen

Wickert, Ulrich: Gauner muss man Gauner nennen Von der Sehnsucht nach verlässlichen Werten. 2007 (8. Auflage), Piper Verlag, ISBN: 9783492050210

 
     
       

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Die Macht der Gewohnheit

Was passiert da eigentlich? Wir erleben ein exzellentes eintägiges Seminar zum Thema Zeitmanagement, die Anregungen der Referenten klingen hilfreich und zielführend und begeistern uns alle und dann, nach vier Wochen, ist alles wie immer. Vergessen sind die zahlreichen Tipps und Tricks, die uns helfen sollten, unsere tägliche Arbeit zu erleichtern und mehr Zeit für die wichtigen Aufgaben in unserem Beruf zu haben. Stattdessen:‚welcome back‘ liebe alte Gewohnheiten. Sie bestimmen uns wieder genauso erfolgreich wie vor dem Seminar.

Weshalb nur? Weshalb gelingt es uns nicht, unsere tägliche Arbeit besser zu organisieren und die Wege zu gehen, die wir noch im Seminar als goldrichtig erachtet haben und von denen wir überzeugt waren, dass sie für uns vorteilhafter sind? Vereinfacht ausgedrückt: es ist unser bequemes Gehirn. Wenn wir uns so verhalten, dann versucht das Gehirn seine ‚Sparprogramme‘ einzuschalten. Denn alles, was wir aus Gewohnheit tun und tun können, braucht seitens des Gehirns weniger Aufmerksamkeit, weil die einzelnen Schritte fest in uns verankert sind. Das Gehirn schaltet bei vertrauten Gewohnheiten auf ‚Autopilot‘. Es hat dadurch mehr freie Kapazitäten, mit denen es die vielfältigen Informationen, die ständig auf uns einprasseln, analysieren, verarbeiten und bei Bedarf entsprechend reagieren kann. Ohne lange nachzudenken, finden wir abends nach der Arbeit den gewohnten Weg nach Hause und lassen das Sportstudio links liegen oder wir gehen in der Mittagspause direkt zur Currywurst-Theke in der Cafeteria, obwohl wir uns doch so fest vorgenommen hatten, mal weniger zu essen und gesünder zu leben. Unser Gehirn weiß, dass wir uns wohl fühlen bei Currywurst und Co. oder bei unserer Art des Zeitmanagements. Ihm ist es gleichgültig, ob wir eine Gewohnheit als schlecht oder als gut bezeichnen, solange es keine neuen Verhaltensmöglichkeiten trainieren und sich dabei auch noch anstrengen muss.

Wohl deshalb sind wir nur selten erfolgreich, wenn wir uns sagen, mit dieser Gewohnheit hören wir jetzt einfach auf und machen alles anders. Dies gelingt uns im Normalfall nur dann, wenn wir uns dabei nachhaltig besser fühlen als zuvor und uns die neue Gewohnheiten, die daraus entstehen, uns deutlich mehr belohnen als die alten. Etwa, wenn wir dank eines zu uns passenden und individuellen Zeitmanagements merklich gelassener werden und effektiver arbeiten können.
Lang eingeübte Gewohnheiten loszulassen, ist harte Arbeit. Ein wichtiger Schritt dabei ist es, herauszufinden, weshalb wir gewohnheitsmäßig etwas tun und wie wir uns dadurch belohnen. Den für unsere Arbeit wichtigsten Vorgang lieber nach hinten zu verschieben und ihn dann in letzter Minute hektisch zu erledigen, schenkt uns vielleicht das uns wohltuende Gefühl, wir sind es, die bestimmen, wann wir was ausführen und wann nicht.
Und jetzt wird es zäh: „Eine Gewohnheit kann man nicht aus dem Fenster werfen. Man muss sie die Treppe hinunterboxen, Stufe für Stufe“, sagte einst der amerikanische Schriftsteller Mark Twain treffend. Solange, bis sich, nach einem meist harten Training und oft genug viel Verzicht, eine neue Gewohnheit in uns verfestigt hat.

Checkliste
 
1.) Gewohnheiten zu verändern ist meistens alles andere als einfach. Vor allem, wenn wir dafür hart arbeiten müssen und der Weg zur neuen Gewohnheit mühselig ist.

2.) Wenn wir uns dafür entscheiden, eine Gewohnheit los zu lassen, dann kann es hilfreich sein, zunächst zu analysieren, was die Gewohnheit auslöst. Z. B., wenn wir in unseren Augen zu viel Kaffee trinken und dies verändern möchten: Gehen wir in die Kaffeeküche, weil wir einen Kaffee brauchen, keine Lust auf unsere Arbeit haben oder weil wir plaudern möchten? Wenn wir z. B. erkennen, dass hinter unserer Gewohnheit, Kaffee zu trinken, vor allem der Wunsch steht, Kontakt zu den Kollegen und Kolleginnen zu haben, dann können wir stattdessen z. B. hin und wieder ein Glas Wasser in der Kaffee-Küche mit ihnen trinken.

3.) Bleiben wir bei unserem gewohnten Zeitmanagement, dann belohnen wir uns mit den oft noch nicht einmal von uns bewusst wahr genommenen Überzeugungen, dass wir es sind, die über unsere Zeit bestimmen und niemand anderes. Und deshalb erlauben wir uns auch, regelmäßig ein paar Minuten zu spät zu kommen. Wir genießen das Gefühl von Macht über die Zeit. Ein für uns neues Zeitmanagement dagegen kann dazu führen, dass die Belohnung des ‚Machtgefühls‘ wegfällt.

Tipps zum Lesen

Roland Kopp-Wichmann: Der Persönlichkeits-Blog, http://www.persoenlichkeits-blog.de/article/8712/zwei-fehler-beim-aendern-von-gewohnheiten
Duhigg, Charles: Die Macht der Gewohnheit: Warum wir tun, was wir tun, 2012, Berlin Verlag, ISBN: 9783827009579

 
     
       

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Weshalb hat ein Vogel zwei Flügel?

Weshalb trägt er keinen Propeller auf dem Rücken? Ein Hubschrauber fliegt doch auch. Fragen wie diese habe ich mir nie wirklich gestellt und mir auch keine großen Gedanken dazu gemacht. Wie zu vielem anderen auch nicht. Die Dinge sind ‚halt so‘, wie sie sind und sie funktionieren irgendwie. Leonardo da Vinci (1452-1519), der vielleicht größte Universalgelehrte aller Zeiten, dessen Kunstwerke ‚Das Abendmal‘ und die ‚Mona Lisa‘ heute weltberühmt sind, dagegen war, so scheint es, auf so gut wie alles neugierig und stellte z. B. die Frage nach den zwei Flügeln, weil er davon träumte, fliegen zu können. Seine Neugierde hat den in Vinci (Toskana) geborenen Künstler weltberühmt gemacht. Er schuf nicht nur einmalige Kunstwerke mit damals neuartigen Maltechniken wie der Ölmalerei, sondern er studierte heimlich an Leichen die Anatomie des Menschen, entwarf Fallschirme, mit denen Menschen nachweislich fliegen können, befasste sich mit dem Automobilbau, mit Entwässerungskanälen und mit dem Vorläufer eines Helikopters.

Neugierde kann - und das zeigt sich an Leonardo besonders plastisch - zu vielen neuen Gedanken, Ideen und Erfindungen führen. Weshalb sind wir dann so oft genervt, wenn z. B. in Meetings, bei Präsentationen, Vorträgen, Vorlesungen und Gesprächen Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzte Fragen stellen und mehr von uns wissen wollen? Oder wenn uns Kinder z. B. fragen, weshalb kann ein Auto fahren und wir nicht? Ist es unsere Angst, als unwissend abgestempelt und durch Fragen bloß gestellt zu werden oder ist es das Gefühl, versagt zu haben, weil wir zum Beispiel bei dem auf dem Tisch liegenden Projekt uns vorab nicht selbst die entscheidenden Fragen gestellt haben?
Neugierig zu sein, kann auch deshalb Angst machen, weil unsere Neugierde zu unerwarteten Veränderungen führen kann. Etwa, wenn unsere Fragen unsere Kollegen, Mitarbeiter oder Vorgesetzte auf neue Ideen bringen, sich dadurch unsere komfortable Nische verändern und wir plötzlich rauen Winden ausgesetzt sind. Also behalten wir unsere Fragen lieber für uns. Auch wenn es für alle Beteiligten zielführender und wirtschaftlich dringend erforderlich wäre, dass sich etwas verändert.
Manchmal sind wir auch einfach zu bequem, neugierig zu sein. Weshalb Fragen stellen, es ist doch alles gut so, sagen wir uns dann. Wer viel fragt, bekommt viele Antworten und nicht jede davon mag uns gefallen.
Womöglich ist jedoch unser Beruf nicht der richtige Ort, viele Fragen zu stellen. Versuchen wir es doch einmal im Privaten. Neugierig sein können wir überall. Zum Beispiel bei der Zugbegleiterin, die erschöpft den übervollen Abendzug kontrolliert. Auf meine Bemerkung, sie habe eine witzige Brille auf (und die war wirklich cool), fing sie an zu strahlen und erklärte mir mit einem Lächeln, wie leicht es für sie ist, mit wenigen Handgriffen und andersfarbigen Bügel eine ganz neue Brille zu gestalten. Unser kurzes Gespräch hat uns beiden ein paar Sekunden lang Freude gemacht und den Alltag vergessen lassen. Denn unser Gehirn genießt es, wenn wir es durch neue Aufgaben, neue Herausforderungen, durch Lernen und nicht zuletzt durch Fragen immer wieder neu fordern. Und sei es nur durch Fragen nach ungewöhnlichen Brillenbügeln.
 
Checkliste
 
1.) Wenn wir merken, wie verbieten uns selbst neugierig zu sein, weil wir Angst vor den Antworten und Konsequenzen haben, dann können wir uns fragen, „angenommen, ich stelle diese Fragen, was könnte dann im allerschlimmsten Fall geschehen?“ Und meistens ‚hören‘ wir „eigentlich nichts“.

2.) Neugierig zu sein bedingt bessere Leistungen in Prüfungen. Untersuchungen bei 5000 Studenten haben ergeben, dass ihre Ergebnisse direkt mit ihrer Neugierde korrelieren. (Sophie von Stumm, Goldsmith University, London).

3.) Damit Kinder sich in Schule und Kindergarten aufgefordert fühlen, neugierig sein zu können, genügt augenscheinlich ein einladendes Lächeln des Lehrers oder der Lehrerin (Susan Engel, Williams College, Williamstown, MA).

Tipps zum Lesen

Engel, Susan: The hungry mind: The origins of couriosity in childhood, 2015, Harvard University Press
Von Stumm, Sophie: The hungry mind: Intellectual curiosity as third pillar of academic performance. 2011, Perspectives on Psychological Science, 6, 574-588, 2011

 
     
       

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Erzählungen eines Schreibtisches

Sie strahlt vom Himmel und ist eine richtige Verräterin: die Vorfrühling-Sonne, die seit einiger Zeit das gesamte Büro in klares, helles Licht taucht. Lag der Schreibtisch noch bis vor kurzem im nichtssagenden grau-blau der fahlen Wintertage, taucht er in den leuchtenden Sonnenstrahlen auf als sei er bunt geflecktes Wunder. Auf der nüchternen Schreibtischplatte hebt sich jetzt der rot-schwarze Glückskäfer ebenso deutlich ab wie die Fotos vom Sommerurlaub, der Smiley-Pin mit eigenem Namen vom letzten Firmenfest und die längst vergessene von dem Enkel selbst getöpferte grün-rote Schale mit kleinem Krimskrams.
Ein kurzes Entstauben, ein frisches Arrangement der Fotos und des Nippes und schon ist der Schreibtisch das, was er immer war, nämlich ein persönlicher Arbeitsort, der sich von den ca. 17 Millionen anderer Büroschreibtische in Deutschland abhebt. Und er ist eine Visitenkarte, die etwas über ihren Benutzer erzählt. Nicht immer zum Vorteil des Schreibtisch-Inhabers. Zu viel individuelle Dekoration lässt bei Kollegen, Mitarbeitern oder Vorgesetzten Zweifel aufkommen, ob es sich dabei noch um den Arbeitsplatz eines kompetenten Mitarbeiters handelt oder nicht eher um eine Freizeitoase.
In vielen Firmen und Institutionen ist das persönliche Ausgestalten des Büroarbeitsplatzes kein Problem, solange er auf Dritte wie beispielsweise Kunden einen professionellen Eindruck macht. Wie sich ein Schreibtisch angemessen präsentiert, hängt dabei zum einem vom Beruf seines Nutzers ab, zum anderen von den Vorgaben des jeweiligen Unternehmens. Ein völlig steriler Schreibtisch im Büro eines Kindergartens wäre vermutlich ebenso befremdlich wie der karnevalistisch fröhlicher Arbeitsplatz eines Finanzberaters.
Nach einer Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart mit 900 Teilnehmern sind Arbeitnehmern die persönlichen Dinge auf ihren Arbeitsplätze zwar wichtig und tragen zu ihrem Wohlfühlen bei. Entscheidender ist jedoch die Ausstattung des Büros wie z. B. Schreibtisch und Schreibtischstühle, die Akustik, die Enge und ob genügend Ruhe zum Nachdenken und konzentrierten Arbeiten gegeben ist. Dagegen sind laut der Untersuchung konkrete Vorgaben seitens eines Vorgesetzten, welche persönlichen Accessoires die Arbeitsplätze schmücken können und welche nicht, für die Arbeitnehmer und ihr Wohlfühlen im Büro weniger bedeutend.
Womöglich ist die Frühlingssonne zur Zeit ein guter Partner für das Ausgestalten des momentanen Arbeitsplatzes. Denn das eine oder andere persönliche Erinnerungsstück, das wir längst vergessen und auf dem Schreibtisch ‚vergraben‘ hatten und das jetzt im klaren Sonnenlicht wieder auftaucht, kann vermutlich schlicht in die große Ablage, sprich in den Papierkorb.
 
Checkliste

1.)
Das Aussehen eines Schreibtisches soll nach gängiger Meinung etwas über den Nutzer des Arbeitsplatzes aussagen. ‚Volltischler‘ gelten demnach eher als undiszipliniert, während ein ‚Leertischler‘ eher als diszipliniert, jedoch häufig auch als wenig kreativ angesehen wird. Albert Einstein soll dazu gesagt haben: ‚Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was sagt dann einen leerer Schreibtisch über den Menschen aus, der ihn benutzt?‘

2.) Während für den einen ein aufgeräumter Schreibtisch unabdingbar ist für gutes Arbeiten, gehört für den anderen ein gewisses Chaos dazu, damit er sich an seinem Arbeitsplatz wohl fühlt und er mit seiner Unordnung die Arbeit von Kollegen, Mitarbeiter oder Vorgesetzten nicht behindert.

3.) Trotz aller Freiheit in der individuellen Arbeitsplatzausstattung: Jedes persönliche Accessoire erzählt auch etwas über die eigene Person. Nach dem Motto: ‚Zeige mir Deinen Schreibtisch und ich sage Dir, wer Du bist‘ (Süddeutsche Zeitung online, 13. 1. 2011).

Tipps zum Lesen

Süddeutsche Zeitung online 13. 1. 2011, www.sueddeutsche.de
Kelter, Jörg, Workspace Innovation, Frauenhofer www.iao.fraunhofer.de

 
     
       

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‚Ein bisschen Freundlichkeit‘ - ein Plädoyer

Wie wär’s 2015 mit ‚ein bisschen Freundlichkeit? Ohne dass wir damit ein konkretes Ziel verfolgen? Außer uns selbst etwas Gutes zu tun und damit uns das Leben angenehmer zu machen? In dem wir uns selbst beschenken, z. B. mit einem kleinen Lächeln für unser Gegenüber, mit einem freundlicher Blickkontakt oder einem netten Wort? Das ist egoistisch, sagen Sie? Stimmt. Egoistisch entscheiden wir uns dafür, freundlich zu sein, statt Recht haben zu wollen, statt dem anderen zu zeigen, wer hier das Sagen hat. Einfach so. Wir wollen mit unserer Freundlichkeit nichts erreichen, außer, dass wir für uns den Tag, das schwierige Telefonat mit dem Kunden oder das anstrengende Gespräch mit den Mitarbeitern so gestalten, wie es uns gut tut. Leichter, vielleicht sogar entspannter. Wir machen unsere kleine Welt um uns herum zu einem Ort, an dem wir uns wohler fühlen als ohne unsere Freundlichkeit. Wir verabschieden uns mit unserer Freundlichkeit von unserem Gefühl bei Kleinigkeiten wie der Schlange an der Kasse, dem Parkplatz auf dem firmeneigenen Parkdeck, dem Buffet in der Kantine oder vor dem Aufzug die ersten sein zu müssen und uns deshalb schnell noch vordrängeln.

Verfolgen wir mit unserer Freundlichkeit allerdings den Zweck, dass der anderen uns dies ‚heimzahlen‘ muss und als Gegenleistung auch zu uns freundlich zu sein hat, dann bekommt unser Freundlichkeit einen schalen Beigeschmack, dann verliert sie ihren Glanz und ihre Leichtigkeit. Misstrauisch rechnen wir aus, ob unser Gegenüber uns ebenso viel ‚zahlt‘ wie wir ihm gegeben haben. Wir verstecken uns hinter unserer scheinbaren Freundlichkeit, weil wir meinen, keine Schwäche zeigen zu können und dem anderen zu zeigen, wie unsicher wir uns in vielen Situationen fühlen. Und gleichzeitig machen wir uns abhängig von unserem Gegenüber, denn er bestimmt durch seine Gegenleistung, ob wir uns ausreichend wertgeschätzt fühlen.
Stattdessen können wir uns jeden Tag aufs Neue dazu entschließen, freundlich zu sein, weil wir es für uns wollen, weil wir unseren Alltag zwischendrin ohne Konkurrenzkampf leben und ohne ‚aber ich habe Recht‘ erfahren möchten.
Die Probleme der Welt werden sich dadurch kaum lösen lassen und der Konflikt im Team womöglich auch nicht. Mit dem kleinen Unterschied: dieses ‚bisschen Freundlichkeit‘ tut uns gut, ganz egoistisch und am Ende doch ziemlich sozial.

Checkliste
 

1.) Unsere Freundlichkeit tut vor allem uns gut. Gleichzeitig kann sie unserem Gegenüber signalisieren, dass wir offen sind für eine Kommunikation, z. B. für einen kurzen Smalltalk.

2.) Freundlichkeit ist eine Tugend. Doch oft wird sie als Schwäche angesehen. Nach dem Motto, die sind freundlich, weil sie sich nicht trauen, ihre Meinung zu sagen. Sie wird dann vielfach als Schwäche angesehen oder als berechnendes Verhalten. Dabei schließen sich Freundlichkeit und gleichzeitige Klarheit keineswegs aus.

3.) Die Frage, ob wir von Natur aus freundlich sind ohne Anspruch an den anderen oder ob wir vor allem freundlich sind, weil wir damit etwas erreichen möchten, hat bereits Gelehrte der Antike, wie Seneca und Aristoteles beschäftigt.

Tipps zum Lesen

Brigitte Woman, 12, 2014
Philipps, Adam, Taylor, Barbara: Freundlichkeit: Diskrete Anmerkungen zu einer unzeitgemäßen Tugend, 2010, Klett-Cotta Verlag, ISBN 9783608946093.

 
     
       

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Partnerwahl am Arbeitsplatz

Und sie wissen es doch: Wenn sich Arbeitskollegen ineinander verlieben, dann sind die übrigen Kolleginnen und Kollegen meistens live dabei. Auch wenn die Verliebten mit viel Phantasie versuchen, ihre Beziehung zu verheimlichen. Doch ihre anderen Blicke, die veränderte Stimme, das beschwingtere Verhalten verraten den ‚zuschauenden‘ Kolleginnen und Kollegen meist recht früh, dass aus zwei Kollegen ein Liebespaar geworden ist. Spätestens, wenn es beiden ernst ist mit der Gemeinsamkeit, sollten sie deshalb ihrem beruflichen Umfeld mitteilen, allen voran ihren Vorgesetzten und ihren unmittelbaren Kolleginnen und Kollegen, dass sie nicht nur Arbeitskollegen sind. Und, dass sie alles daran setzen, ihre private Verbindung aus dem Berufsalltag herauszuhalten und dafür zu sorgen, dass ihre Arbeit nicht darunter leidet.
Wenn die Statistiken stimmen, dann findet jeder 10. Arbeitnehmer in Deutschland seinen Partner am Arbeitsplatz. Denn für die meisten gilt, dass sie nirgendwo sonst soviel Zeit verbringen wie im Beruf. Außerdem lässt sich im beruflichen Alltag meist ziemlich genau und unverfänglich studieren, wer der andere ist und wie er sich gegenüber den Kolleginnen und Kollegen und den Vorgesetzten verhält. Sind dann noch die Arbeitsaufgaben ähnlich und werden von beiden weniger als Beruf denn als Berufung empfunden, dann kann dies einer privaten Beziehung zusätzlich zuträglich sein.
Grundsätzlich sind hierzulande private Verbindungen am Arbeitsplatz erlaubt. Vorausgesetzt, die beiden Partner halten sich an ein paar Spielregeln und gesetzliche Vorgaben. Oberstes Gebot ist Diskretion. Ein professionelles und korrektes Verhalten, sowohl intern als auch im Außenkontakt mit Kunden oder Geschäftspartnern, trägt dazu bei, dass das Arbeitsklima entspannt bleibt und die Kolleginnen und Kollegen mit der neuen Situation umgehen können. Private Liebesbeweise sind in den eigenen vier Wänden besser aufgehoben. Fällt die Leistung ab, und werden die beruflichen Aufgaben vernachlässigt, dann ist der Arbeitgeber berechtigt einzugreifen und kann bei unprofessionellem Gebaren einen oder beide Partner abmahnen oder falls möglich örtlich trennen und an einen gleichwertigen Arbeitsplatz in einer anderen Abteilung versetzen.
In vielen Fällen zahlen sich private Beziehungen am Arbeitsplatz für den Arbeitgeber durchaus aus. Etwa, weil die beiden Partner froh sind, an einem Ort ihren Arbeitsplatz zu haben und deshalb häufig ortsständiger sind als andere Arbeitnehmer.

Checkliste
 

1.) Eine Liebesbeziehung zwischen Kollegen kann hierzulande nicht grundsätzlich verboten werden. Das verstößt gegen das Persönlichkeitsrecht.

2.) Wird durch eine Liebesbeziehung das Betriebsklima nachhaltig gestört und sind die Arbeitsleistungen mangelhaft, dann kann ein Vorgesetzter die Verliebten ermahnen und dafür sorgen, dass betroffene Kolleginnen und Kollegen in ihrer Arbeit nicht beeinträchtigt werden. Etwa, in dem er die Partner räumlich trennt und sie mit neuen, voneinander unabhängigen und gleichwertigen Aufgaben betraut.

3.) Sind die Hierarchieebenen der beiden Partner unterschiedlich, dann dürfen Betriebsinterna nicht weiter gegeben werden.

4.) Schwierig wird es, wenn die Liebenden sich nach einer Zeit trennen und wieder zu ‚normalen‘ Kollegen werden. Hier helfen klare Regeln. Gelingt kein professioneller Umgang miteinander, dann können die Vorgesetzten eingreifen und zum Beispiel einen der beiden ehemaligen Partner versetzen.

 
     
       

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Babylonisches Sprachgewirr

Anlässlich der Übergabe des „Jacob-Grimme-Preis Deutsche Sprache“ an den Kabarettisten und Autor Dieter Nuhr im Oktober 2014 in Kassel sendete das Radio (hr1) einen kurzen Ausschnitt aus dessen Programm. Sinngemäß erzählte der Preisträger: Bei seinem Versuch im Fahrradladen um die Ecke ein Fahrrad zu kaufen, habe ihn der Fahrradhändler gefragt, was er sich konkret vorstelle. Ob er ein Citybike, ein Mountainbike, ein Trekkingbike, Crossbike, Single Speed, Skibike oder einen Cruiser möchte und mit welcher Ausstattung, z. B. mit einen Roadster (Lampe) und ob er eine Topeak JoeBlow (Fußfahrradpumpe) brauche. Der Kabarettist: „eigentlich wollte ich so ein Ding mit zwei Rädern und einem Sattel“.
Die beschriebene Fahrrad-Kauf-Situation lässt sich auf viele Bereiche des privaten und des beruflichen Alltags übertragen. Wir benutzen als Fachleute unsere Fachsprache, sei es als Arzt, Verkäufer, Handwerker, Wissenschaftler oder als Berater und bemerken dabei oft nicht, dass unser Gegenüber uns gar nicht versteht. Und statt uns um eine klare und erfassbare Aussage zu bitten, lassen sich die Angesprochenen nichts anmerken. Schließlich wollen sie nicht als unfähig angesehen werden. Das Ergebnis: unser „Babylonische Sprachgewirr“ sorgt dafür, dass gut gemeinte Botschaften „ungehört“ verhallen und wichtige von uns gesendete Informationen vom Zuhörenden nicht empfangen werden, die für den Verkauf, die Gesundheit, die Ausführung einer handwerklichen Leistung oder für den wissenschaftlichen Diskurs wichtig gewesen wären.
Sprache erreicht Herz und Verstand des anderen, sie kann dazu beitragen, dass durch neue Gedanken und Informationen Meinungen sich ändern und ein anderer Blick auf eine scheinbar festbetonierte Situation möglich ist.
Sprache ermutigt, schüchtert ein, sie verführt, sie stellt in Frage und sie ist ein Instrument, mit dem die Sprechenden immer wieder versuchen können, Gemeinsamkeiten herzustellen und sei es, sich im beruflichen Kontext darüber auszutauschen, wie für bestimmte Herausforderungen Lösungen gefunden werden können. Vorausgesetzt, beide Seiten versuchen inhaltlich die gleiche Sprache zu sprechen und bemühen sich darum, sich so klar und verständlich wie möglich auszudrücken und bei Bedarf rechtzeitig nachzufragen.
Das Ergebnis kann dann tatsächlich der Kauf eines solchen „Dings mit zwei Rädern und einem Sattel“ sein.

Checkliste
 

1.) Nach dem Alten Testament verhinderte Gott den Turmbau zu Babel, zu Babylon, indem er dafür sorgte, dass keiner der Bauleute den anderen mehr verstand, nachdem er sah, dass die Menschen einen Turm bis zu ihm, bis zum Himmel bauen wollten. Aufgrund der Sprachprobleme blieb der Turm unvollendet (Genesis 11,1-9). Aus dieser biblischen Erzählung resultiert der Begriff „Babylonische Sprachverwirrung“.

2.) Wir kommunizieren ständig. Dennoch verstehen wir uns oft nicht. Unter anderem deshalb, weil wir „unterschiedlich“ senden und empfangen: Z. B. senden wir den Satz „das Papier im Kopierer müsste nachgefüllt werden“ als Wunsch an unser Gegenüber, hier zu handeln und den Kopierer wieder arbeitsfähig zu gestalten. Unser Gegenüber versteht jedoch den Satz als reine Information und sieht sich dadurch nicht aufgefordert, etwas zu tun. Missverständnisse und Konflikte nicht ausgeschlossen.

3.) In der Kommunikationswissenschaft wird häufig vom Sender-Empfänger-Modell gesprochen, das anschaulich darstellt, woran selbst gut gemeinte Kommunikation scheitern kann. Stark verkürzt und vereinfacht sagt das Modell: Beide, Empfänger wie Sender, tragen zum Gelingen einer Kommunikation bei. Der Empfänger, in dem er wiedergibt, was er verstanden hat, statt anzunehmen, er habe alles verstanden. Der Sender, in dem genau zuhört, was der Empfänger auf seine Botschaft antwortet und gegebenenfalls nachfragt, wenn er den Eindruck hat, nicht alle Informationen sind so angekommen, wie er sie senden wollte.
 
Tipps zum Lesen
Schulz von Thun, Friedemann: Miteinander reden, Band 1-4 und Lexikon Miteinander reden, vielfache Auflagen, rororo Verlag

 
     
       

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Alternativlos oder Plan B?

Fußballtrainer haben ihn - hoffentlich. Führungskräfte hoffentlich auch. Und Politiker denken ihn hoffentlich zumindest mit, den Plan B: nämlich Alternativen zu den bislang von ihnen angepeilten Lösungen. Und wir? Haben wir auch einen Plan B in der Tasche? Etwa, wenn wir Aufgaben anpacken, Ziele anpeilen oder unseren beruflichen Werdegang planen und vorantreiben? Denn Aufgaben, Ziele und Teilziele lassen sich noch so gut ausarbeiten und anstreben und dennoch können unsere Pläne aus den verschiedensten Gründen auch missglücken.

Haben wir allerdings unsere Ideen als alternativlos angesehen, dann kann uns unser Scheitern aus der Bahn werfen. Vor allem, wenn wir fest davon überzeugt sind, dass es für das vor uns liegende Problem nur eine Lösung gibt oder sich unsere Wünsche nur auf einem einzigen Weg erfüllen lassen. Z. B. wenn wir ein Numerus Clausus-Fach studieren wollten und nun feststellen müssen, dass unsere Noten für unser Wunschstudium nicht ausreicht. Oder unsere berufliche Karriere verläuft nicht so, wie wir sie uns erträumt haben.

Dann bleibt uns die Möglichkeit, uns nach einem verfehlten Projekt als unfähig anzusehen oder uns immer wieder auf die gleiche Art von Studienplätzen oder von Stellen zu bewerben. Das endet jedoch oft in einer Abwärtsspirale.
Besser wäre es sich zu fragen, was wir gut gemacht haben bei unserem Projekt und wie wir künftig mit Fehlern umgehen. Oder sich zu fragen, was uns bei unserem Studium oder unserem Traumberuf besonders reizt. Womöglich entdecken wir bei unseren Überlegungen, weshalb wir gerade dieses Studium anpacken oder wieso wir mit Leidenschaft den von uns gewählten beruflichen Weg gehen möchten und finden artverwandte Studiengänge oder Berufe, in denen wir unsere beruflichen Stärke und unsere Träume auch - oder zumindest zum größten Teil - verwirklich können. Oder wir entdecken dabei sogar einen ganz neuen Kurs für unser künftiges Berufsleben.
Bei der nächsten Gelegenheit, bei der wir eine Idee als alternativlos beschreiben, sollten wir einmal versuchen, auf das Wort alternativlos, das die Gesellschaft für deutsche Sprache 2010 zum Unwort des Jahres wählte, zu verzichten oder ganz aus unserem Wortschatz streichen. Und statt unsere Vorstellungen als unumstößlich anzusehen, holen wir unseren Plan B aus unserer Tasche. Wie es Nationaltrainer Jogi Löw bei der Fußball Weltmeisterschaft getan hat und vermutlich auch deshalb am Ende den WM-Titel mit seinem Team gewann.

Checkliste
 

1.) In Alternativen zu denken, fällt uns oft schwer, weil wir dann Veränderungen zulassen müssen. In unserer Sichtweise, in unserem Denken, in unserem Handeln.

2.) Wenn wir immer wieder üben, in Alternativen zu denken, dann fällt es uns vermutlich leichter, uns auf neue Dinge einzustellen und zu lernen, damit umzugehen, dass sich die Dinge ändern können - Berufe, Karrierewege, Studien oder unser eigenes Leben.

3.) In Alternativen denken zu können und uns die Freiheit dafür zu nehmen, dies zu tun, kann uns Freude bereiten.
 
Tipps zum Lesen

brand 1, Heft 07, Juli 2014: Was wäre, wenn wir die Welt neu denken?

 
     
       

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Body Talk

Sollten wir auf die Worte des russischen Präsidenten Wladimir Putin hören oder lieber seine non-verbale Sprache versuchen zu erfassen? Das Weiße Haus und US-Präsident Barack Obama haben sich offenbar dafür entschieden, nicht nur seinen Worten zu lauschen (Die Welt online, 7. März 2014, „Body Leads“). Sie beauftragten Experten für Körpersprache damit, Putins Körperhaltung, Stimme und Mimik genau zu analysieren, nachdem er sich am 4. März bei einer Pressekonferenz zur Lage in der Ukraine geäußert hatte. Hinter dem Auftrag, Putins non-verbale Kommunikation besser zu verstehen und womöglich entschlüsseln zu können, steckt das Wissen, dass wir uns mit unseren Mitmenschen zu einem erheblichen Teil ohne Worte verständigen und dass unsere Signale, die wir mit unserer Körpersprache, unserer Stimme und unserer Mimik aussenden, relativ genau unsere innere Stimmungslage wiedergeben. Putin, so die Experten, habe zum Beispiel seine zornigen Worte zunächst mit friedfertigen Gesten begleitet und habe damit versucht, die Journalisten in die Irre zu führen. Im Laufe der Pressekonferenz habe seine Körpersprache allerdings immer deutlicher und klarer gezeigt, dass er innerlich angespannt gewesen sei und viele seiner Gesten hätten auf innere Wut schließen lassen.
Unsere Körpersprache kann unseren Mitmenschen also „verraten“, wie unsere momentane Stimmungslage ist. Vorausgesetzt, unser Gegenüber kennt uns und weiß, welche non-verbalen Signale wir üblicherweise aussenden. Darüber hinaus gibt es allgemein gültige Körperhaltungen, die wir bei unserem Gegenüber beobachten können, wenn wir es gelernt haben, sie einzuordnen. Nach vorne hängende Schultern drücken meistens aus, dass wir traurig sind. Vermeiden wir den Blickkontakt mit unserem Gegenüber, dann ist er uns entweder gleichgültig oder wir sind schüchtern und fühlen uns ihm gegenüber nicht gewachsen. Lieben wir es, beim Reden die Hand in der Hosentasche zu lassen, dann kann dies bei unseren Zuhörern Aggressivität auslösen. Statt unseren womöglich klugen Worten zuzuhören, versuchen sie dann, mit den ihnen unangenehmen Emotionen umzugehen. Unsere Rede verpufft.
Bis zu einem gewissen Grad lässt sich unsere Körpersprache trainieren. Wir können lernen, aufrecht zu stehen und dabei unsere Schultern zu senken. Damit drücken wir Selbstbewusstsein aus. Vertrauenserweckend sind Hände, die unser Gesagtes unterstreichen, ohne dabei hektische Bewegungen zu machen.
Ein angedeutetes Nicken unseres Gegenübers mit dem Kopf drückt aus, dass er uns versteht. Schaut er dagegen zur Seite, wenn wir gerade etwas Wichtiges darlegen, dann sollten wir versuchen, ihn mit einem anderen Argument doch noch von unserer Sache zu überzeugen.
Wir wissen nicht, ob der ehemalige KGB-Mann und heutige russische Präsident ein Training in Körpersprache gemacht hat. Jedenfalls scheint er, wie beim Konflikt mit der Ukraine, gewollt oder ungewollt seinem Gegenüber Einblicke in sein Inneres gegeben zu haben.

Checkliste
 

1.) Unsere Körpersprache erzählt viel über und von uns: Wenn wir mit unseren Mitmenschen sprechen, dann tragen je nach Situation nur etwa 7 – 30% unserer Worte zur Kommunikation bei. Zu 20 – 40 % kommunizieren wir über unsere Stimme und zu über 50% mit unserer non-verbalen Körpersprache.

2.) Die Menschen haben lange, bevor sie ihre Sprachen entwickelt haben, sich non-verbal verständigt. Deshalb ist die Körpersprache in vielen Ländern ähnlich und wird auch ähnlich wahrgenommen und interpretiert. Kulturelle Unterschiede gibt es zum Beispiel beim Blickkontakt. In China und Japan gilt der offene und direkte Blick als unhöflich.

3.) Körpersprache lässt sich bis zu einem gewissen Grad trainieren. Für ein Bewerbungsgespräch ist es zum Beispiel hilfreich, wenn wir vorab geübt haben, die Schultern entspannt nach unten hängen zu lassen und dabei aufrecht zu sitzen ohne steif zu wirken. Ein gerader Kopf statt einer schrägen Kopfhaltung und ruhige Kopfbewegungen statt hektisches Hin- und Herwackeln lassen uns selbstbewusst und in uns ruhend wirken.

4.) Sitzen wir uns bei einem Gespräch gegenüber, dann sollten wir uns nicht schräg hinsetzen, sondern unserem Gesprächspartner unsere Front zeigen. Denn damit sagen wir mit unserer Körpersprache, dass wir uns dem Gespräch stellen und ihm nicht ausweichen.
 
Tipps zum Lesen

http://www.welt.de/politik/ausland/article125525652/Wie-Obama-Putins-Koerpersprache-entschluesseln-laesst.html
Baßin, Ann-Christin: Sicheres Auftreten, 2011, Humboldt Verlag,
ISBN: 9783869104768
Molcho, Samy: Das ABC der Körpersprache, 2006, Ariston Verlag,
ISBN: 9783720528412
Navarro, Joe: Menschen lesen, 2010, mvg Verlag, ISBN: 9783868822137
Schmid-Egger, Christian, Krüll, Caroline: Das Trainingsbuch, 2012, C.H.Beck Verlag, ISBN: 9783406636240

 
     
       

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Ehrlich währt am längsten?

Erzähle ich meinem Chef, dass die von ihm hoch gelobte Darstellung unserer künftigen Marketingaktivitäten gar nicht von mir, sondern von meiner Mitarbeiterin stammt? Lasse ich die Kollegin in dem guten Glauben, ihre neue Frisur sei sensationell und stehe ihr gut, auch wenn ich das Gegenteil denke? Soll ich dem Personalchef beim Bewerbungsgespräch alle meine Nachteile aufzählen, damit er weiß, wen er mit mir bekommt? Währt ehrlich wirklich am längsten? Oder ist es hin und wieder schlicht besser für mich, nach dem Prinzip zu verfahren, wenn er oder sie mehr wissen will, dann kann er oder sie ja nachfragen? Und was ich nicht sage, kann auch nicht gegen mich verwendet werden?
Ehrlichkeit, soweit scheint sicher, ist eine wichtige Tugend im Beruf. Das verdeutlicht eine 2007 durchgeführte Umfrage der Industrie- und Handelskammer Stuttgart. 77% der befragten Führungskräfte hatten Ehrlichkeit im Beruf bei sich und bei ihren Mitarbeitern auf Platz eins ihrer Werteskala gesetzt, noch vor Zuverlässigkeit (76%), Vertrauen (73%) und Verantwortung (68%).
Nur, was heißt Ehrlichkeit im Beruf konkret? Dem anderen klar und deutlich zu sagen, was wir denken und fühlen und dies bei jeder Gelegenheit und in jeder Situation? Gleichgültig, ob wir unser Gegenüber mit unserer Offenheit verletzen oder nicht? Vermutlich eher nicht. Ebenso empfiehlt es sich zu prüfen, was wir wem wann konkret mitteilen, wenn wir am Beginn unserer Karriere stehen oder an einem neuen Arbeitsplatz versuchen, unseren Weg zu finden.
Ehrlichkeit ist allerdings gefragt, wenn es um Missstände in unserem Betrieb oder in unserer Abteilung geht. Vertuschen wir diese, statt auf sachlich unrichtige Dinge mit Diplomatie und Feingefühl aufmerksam zu machen, dann ist das für uns zunächst vermutlich bequemer und ohne Risiko. Langfristig werden wir für unser Schweigen oder für Unwahrheiten, die wir gar zu unserem Vorteil verbreiten, „bezahlen“. Sei es, dass sich an den zu beanstandenden äußeren Umständen unseres Jobs nichts ändert, sei es, dass unsere Kolleginnen und Kollegen und unsere Vorgesetzte uns künftig misstrauen und uns nur das Nötigste mitteilen oder uns gar nicht mehr am Informationsfluss teilhaben lassen. Trauen wir uns dagegen, uns zu positionieren, ohne unser Gegenüber dabei persönlich zu schaden, dann kann unser ‚Ehrlich sein‘ uns viel Sympathie und Anerkennung einbringen.
Leicht fällt uns Ehrlichkeit im Beruf, wenn unsere Vorgesetzte uns vorleben, dass sie gerne offen und konstruktiv mit uns zusammen arbeiten und unsere fachliche Kritik schätzen. Besonders dann, wenn sie dies mit Souveränität verkörpern.
Ehrlich währt also am längsten? Wie so oft lassen sich auch beim Thema Ehrlichkeit keine Schwarz-Weiß-Regeln aufstellen. Sie immer wieder anzustreben und statt nach der halben lieber nach der ganzen Wahrheit zu schauen, lohnt sich in beruflich-fachlichen Fragen stets.

Checkliste
 

1.) Wenn statistische Erhebungen stimmen, dann lügen wir etwa 200mal am Tag. Tun wir dies vor allem, um uns dadurch einen beruflichen Vorteil zu verschaffen, dann kann sich dies leicht für uns ins Gegenteil verkehren. Denn um Karriere zu machen, brauchen wir die Unterstützung von anderen. Sie fördern uns nur, wenn wir so ehrlich und offen wie möglich sind und wenn wir zu unseren Fehlern stehen. Zeichnen wir uns vor allem dadurch aus, dass wir ständig Halbwahrheiten über andere verbreiten, dann werden unsere Kollegen und Vorgesetzte rasch Abstand von uns nehmen.

2.) Ehrlich sein heißt, in jeder Situation genau hinzuschauen, was jetzt wichtig und richtig ist. Allenfalls dürfen Komplimente im Berufs- und im Privatleben ruhig hin und wieder ein wenig üppiger ausfallen. Mit Herz vorgetragen, tun sie uns allen gut.

3.) Absolute Ehrlichkeit im Beruf ist mit Vorsicht einzusetzen, wenn wir Gefahr laufen, durch unsere Offenheit unser Gegenüber persönlich zu verletzen und zu beleidigen. Hier ist Diplomatie und Fingerspitzengefühl gefragt.

4.) Schweigen statt geheuchelte Zustimmung kann auch einmal eine geeignete Strategie sein.

 
     
       

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Das innere Team

Kennen Sie das? Sie sitzen in einer Teambesprechung. Angeregte Diskussion. Bunte Luftballons mit neuen Ideen fliegen über den Tisch. Voller Begeisterung beginnen Sie Ihren Wortbeitrag, von dem Sie regelrecht beflügelt sind. Und dann geht es los, das innere Geschnattere in Ihrem Kopf. „Was machst Du, wenn Dich jetzt gleich alle auslachen?“ fragt eine erste innere Stimme. „Es sind doch schon genügend Ideen im Raum, sei lieber ruhig, dann machst Du keinen Fehler“, ergänzt eine zweite. Statt sich zu melden, wie Sie es noch vor wenigen Momenten tun wollten, ziehen Sie sich wieder in sich zurück und behalten Ihren kreativen Gedanken lieber für sich.
Diese inneren Stimmen kommen von Ihrem „Inneren Team“. So nannte und nennt der Hamburger Psychologieprofessor Friedemann Schulz von Thun sein Persönlichkeitsmodell. Mit dieser Metapher umschreibt er unser vielfältiges Innenleben. Es sind unsere Ängste, Sorgen, Sehnsüchte, Bedenken, Wünsche und Motivationen, die in uns wirken, die unser tägliches Tun beeinflussen, sich jeweils zu einer bestimmten Situation oder einem konkreten Thema äußern und die sich dabei oft genug widersprechen.
Wir können lernen, unser „Inneres Team“ für uns zu nutzen, wenn wir vor einer Entscheidung stehen, bei der wir nicht weiter kommen. Etwa uns selbst den Wunsch zu erfüllen, endlich den Arbeitsplatz zu wechseln. Mal sind wir dafür, mal zögern wir, mal überzeugen wir uns selbst, dass unsere jetzige Situation doch wunderbar sei. Wir können uns dann an unser Inneres Team wenden und es fragen, wer redet von Euch jetzt in mir und mit mir? Der Bedenkenträger zum Beispiel, der Optimistische oder der Bequeme? Haben wir erst einmal herausgefunden, welcher Persönlichkeitsanteil konkret an unserer Fragestellung mitwirkt, dann können wir uns weiter fragen, welche Motivation hat beispielsweise der Bequeme, dass er lieber am alten Arbeitsplatz bleiben will oder welche Ängste beschäftigen den Bedenkenträger?
Sind wir erst einmal mit unserem „Inneren Team“ vertraut, dann können wir die einzelnen Teammitglieder zu einem ‚round table‘ Gespräch einladen und mit ihnen alle anstehenden Fragen und Aufgaben besprechen und abfragen, was das jeweilige Teammitglied dazu meint. Hat sich das Innere Team ausgetauscht und sich entschieden, bei der konkreten Frage zusammen zu arbeiten, dann werden wir in der nächsten Teamsitzung auch einen bunten, mit kreativen Ideen prall gefüllten Luftballon starten lassen – mit der Chance auf Umsetzung in ein konkretes Projekt oder Produkt.

Checkliste
 

1.) Die Mitglieder unseres Inneren Teams können zum Beispiel sein: der Optimistische, der Feigling, der Selbstzweifler, der Ängstliche, der Mutige, der Unbeherrschte, der Verantwortungsvolle, der Pflichtbewusste, der Kreative, der Verständnisvolle, der Zaudernde, der Wütende.

2.) Wenn wir unser Inneres Team näher kennen lernen, dann lohnt es sich auch zu fragen, weshalb verdrängen wir bestimmte Teammitglieder und weshalb versuchen wir immer wieder, ihnen das Wort beim inneren Dialog zu verbieten und dies meist mit sehr mäßigen Erfolg? Wir können uns dadurch selbst auf die Schliche kommen und herausfinden, wo wir in unserer Selbstwahrnehmung einen sogenannten blinden Fleck haben.

3.) Manchmal verlaufen Sitzungen unseres Inneren Teams in uns chaotisch ab. Alle rufen in unserem Kopf durcheinander. Damit jedes unserer Mitglieder von unserem Inneren Team zu seinem Recht und „zu Wort“ kommt, können wir uns mit Listen helfen, auf denen wir pro und contra oder plus und minus festhalten.

4.) Nutzen wir die Kompetenz und die Vielfalt unseres Inneren Teams, dann können wir viele Alltagssituationen gelassener anpacken und meistern.

Tipps zum Lesen

Kumbier, Dagmar: Das Innere Team in der Psychotherapie, 2013, Klett-Cotta Verlag, ISBN: 9783608891355
Schulz von Thun, Friedemann: Miteinander reden, Band 3: „Das Innere Team“, 2013 (22. Auflage) rororo Verlag, ISBN: 9783499605451

 
     
       

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Orakel von Delphi

Auf die Frage, ob er, Krösus, König von Lydien (590-541 v. Chr.) den Persischen König Kyros II. angreifen solle, antwortete das Orakel von Delphi: Wenn Krösus den Fluss Halys (heute Kizilirmak) übertrete, zerstöre er ein großes Reich. Damit konnte das das Orakel nur das mächtige Persische Reich meinen, dachte Krösus. Er überschritt 546 v. Chr. am Halys die Grenze seines Reiches, attackierte die Perser und scheiterte kläglich. Hätte der als großzügig und reich geltende Herrscher in Kleinasien dem Orakel wirklich zugehört, dann hätte er das Orakel womöglich gefragt, von welchem Reich es spricht und die Geschichte seines Landes und seine eigene wären anders verlaufen. Krösus hatte zwar die Worte des Orakels vernommen, sie jedoch so interpretiert, wie er sie verstehen wollte und überhört, dass das Orakel eine Warnung ausgesprochen hat. Ihm fehlte womöglich die Kunst des „aktiven Zuhörens.
Bis heute haben die 2 500 Jahre alte Worte des Orakel von Delphi für Krösus ihre Aktualität nicht verloren: Wir hören die Sätze unseres Gegenübers und beschäftigen uns derweil in Gedanken mit ganz anderen Dingen, wie zum Beispiel der neuesten Email, die gerade auf unserem Computerbildschirm hereingeflattert ist und nehmen deshalb weder den Inhalt noch die Zwischentöne des Gesagten wahr. Oder wir überlegen, während wir hören, was wir jetzt selbst gleich sagen werden. Welche Geschichte wir erzählen werden, welchen Diskussionsbeitrag wir machen oder welche Kritik wir im nächsten Moment üben werden. Das Gesagte des anderen interessiert uns dabei wenig oder gar nicht. Oder wir benutzen seine Worte dafür, uns in unserer längst feststehenden Meinung zu bestärken. Dies hat vermutlich Krösus getan. Wir reden, wir reden miteinander, manchmal auch übereinander und nur selten hören wir dem anderen aktiv zu. Dabei ließen sich so manche Schwierigkeiten zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten, zwischen Kollegen und Kolleginnen, zwischen Kunden und Verkäufern oder in privaten Beziehungen verhindern, wenn wir die Kunst des aktiven Zuhörens beherrschen würden. Zum Beispiel, wenn es uns gelingt, uns auf uns und auf unser Gegenüber zu konzentrieren und mit Aufmerksamkeit und Anteilnahme den Worten des anderen zuzuhören und auf die Zwischentöne zu achten. Stattdessen sind wir häufig schnell dabei, unserem Gesprächspartner Ratschläge zu geben, ihn zu beschwichtigen oder das Gespräch knackig zu beenden, damit wir uns rasch wieder mit uns und unseren Fragen und Problemen befassen können. So manches Meeting im beruflichen Alltag könnte fruchtbarer sein, wenn wir uns gegenseitig aktiv zuhören, statt abwechselnd zu monologisieren.
Und vielleicht spricht dann das Orakel zu Delphi hin und wieder zu uns. Denn so sagt der Mathematiker, Physiker und Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799): „Die Orakel haben nicht aufgehört zu reden, als vielmehr die Menschen ihnen zuzuhören.

Checkliste
 

1.) Die Kunst des aktiven Zuhörens lässt sich lernen. Wichtigste Voraussetzung ist dabei, unser Gegenüber zu respektieren. Wenn wir dazu neigen, die Worte unseres Gegenübers immer negativ zu bewerten und entsprechend zu reagieren, dann kann dies ein Hinweis darauf sein, dass wir ein geringes Selbstbewusstsein besitzen. Wir brauchen dann die abwertenden Worte, um uns größer und erhabener zu fühlen.

2.) Wenn wir aktiv zuhören, dann konzentrieren wir uns auf uns und auf unser Gegenüber. Es gibt dann nichts Wichtigeres.

3.) Aktiv Zuhören heißt, die Worte unseres Gegenübers Wert zu schätzen und ernst zu nehmen und weiter zu fragen, wenn uns die Aussagen des anderen interessieren.

4.) Aktives Zuhören heißt auch, nachzufragen, wenn wir etwas nicht verstehen oder uns etwas unklar ist.

5.) Hilfreich kann es sein, wenn wir das Gesagte noch einmal in unseren Worten zusammenfassen. Wir signalisieren damit unserem Gegenüber, dass wir zugehört haben und eventuelle Missverständnisse lassen sich leicht klären.

6.) Wenn wir aktiv zuhören, dann lassen wir unser Gegenüber ausreden und quatschen nicht dazwischen.

7.) Mit der Kunst des aktiven Zuhörens können in vielen Situationen Konflikte vermieden oder rasch geklärt werden. Hören wir beispielsweise als Führungskraft oder als Kollegin oder Kollege unserem Gegenüber aktiv zu, dann erfahren wir recht schnell, wo es Missdeutungen gibt und Arbeitsaufträge falsch oder unzureichend verstanden sind.

 
     
       

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Fragen fragen!

‚Warum kommst Du so spät‘? Wie viele Male diese Frage auf der Welt schon gestellt wurde, das kann vermutlich niemand beantworten. Wie es uns damit geht, nach dem ‚warum‘ unseres Zuspätkommens gefragt zu werden, das können wir schon eher sagen. Viele Menschen empfinden eine bohrende Frage, die mit ‚warum‘ beginnt, als Angriff und reagieren entsprechend. Erst recht dann, wenn sie in einem herrischen Ton vorgetragen wird. Hören wir stattdessen die nur informative Frage ‚weshalb kommst Du zu spät‘, sind wir eher geneigt, ruhig und gelassen die Gründe für unsere mangelnde Termintreue zu benennen.
Abhängig von der Art der Frage und dem Ton, in dem sie gestellt werden, können uns Fragen herausfordern und zu völlig neuen Ideen und Wegen führen oder uns in die Defensive drängen und zu Floskelantworten verleiten. Wissen Führungskräfte um die Macht der Fragen und um ihre Auswirkungen auf ihr Gegenüber, dann können sie dieses kraftvolle Instrument wirksam für das Unternehmen und für die eigene Arbeit nutzen. Verkürzt ausgedrückt haben sie zwei Möglichkeiten, mit Fragen die Informationen von ihren Mitarbeitern zu bekommen, die für sie wichtig sind. Sogenannte offene oder W-Fragen wie ‚weshalb, wieso, wodurch, wann, welche‘ laden den Befragten eher dazu ein, Informationen zu geben und damit Grundlagen für Entscheidungen zu liefern als geschlossene Fragen, die mit einem Ja oder ein Nein zu beantworten sind. Stellt eine Führungskraft ihre Fragen in einen persönlichen Kontext, der eine Ich-Botschaft enthält wie ‚neulich habe ich auf einem Kongress gehört, dass…‘, und untermalt ihre Ausführungen mit eigenen Gedanken und Ideen, dann entspannt sich häufig ein sachlich-fundierter Dialog, der beide Seiten befriedigt und zielführend ist.
Neben dem Inhalt der Frage ist auch der berühmte Ton, der die Musik macht, wichtig für den Erfolg einer Frage. Tragen Führungskräfte ihre Fragen in unsicherem Ton oder in ironischer Art und Weise vor oder zeigen sie mit Gestik und Mimik, dass sie dem Mitarbeiter sowieso nicht trauen, dann sind selbst die bestformulierten W-Fragen meistens wirkungslos. Ebenso unwirksam sind schnell hintereinander abgeschossene Fragen, die den Befragten unter Druck setzen und ihm das Gefühl geben, er säße in einem Verhör und nicht in einer Besprechung.
Fragen sind Führungs- und Machtinstrumente, das wissen bereits Kinder. Sie fragen, weil sie neugierig sind, weil sie ihre Perspektiven erweitern möchten und manchmal auch, weil sie wissen, dass sie uns Erwachsene damit so richtig aus der Ruhe bringen können.

Checkliste
 

1.) Führungskräfte üben über Fragen – und über Nichtfragen – Macht aus. Setzen sie gut formulierte und zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort gestellte Fragen zielführend ein, dann können sie damit Mitarbeiter motivieren.

2.) Offene oder W-Fragen sind meistens hilfreicher in einem Gespräch als geschlossene Ja-Nein-Fragen, außer, es ist eine schnelle Entscheidung erforderlich oder in einer Abstimmung.

3.) Werden Fragen als Machtinstrument missbraucht, etwa wenn sie sehr direkt, schnell und mit hohem Druck vorgetragen und damit als Angriff empfunden werden, dann ziehen sich viele Mitarbeiter zurück, verhalten sich nur noch regelkonform oder unterwürfig und behalten jede Information, nach der sie nicht gefragt werden, für sich.

4.) Viele Mitarbeiter fühlen sich bei Fragen ihrer Vorgesetzten ausgefragt oder gar wie bei einem Verhör. Beobachten Führungskräfte dies, dann können sie die zu stellenden Fragen mit persönlichen Aussagen und Ich-Botschaften verbinden und gegebenenfalls auch Antworten des Gegenübers wiederholen und bestätigen mit Worten wie: ‚ja, so habe ich es auch verstanden‘. Im Laufe der Zeit fassen Mitarbeiter dann meistens Vertrauen und antworten umfassender und aussagekräftiger als zuvor.

5.) ‚Wer fragt, führt‘ ist ein wichtiger Satz im Management oder umgekehrt: ‚wer führt, der fragt‘. Und Jeff Bezos, Gründer und Präsident von Amazon meinte mit seinem berühmten Satz „don’t blame the people, blame the process“, dass wir nicht danach fragen sollten, „warum wir dies so gemacht haben?“, sondern „weshalb ist das so?“.

Tipps zum Lesen
 
managerSeminare: Die Macht der Fragen, Heft 119, Februar 2008
Patrzek, Andreas: Fragekompetenz für Führungskräfte, 2013 (6. Auflage), Rosenberg Fachverlag, ISBN: 978-3931085414

 
     
       

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Riskieren riskieren

Was ist riskant? Die schnelle Fahrt auf unübersichtlicher Straße oder das klare Wort dem Kollegen oder der Vorgesetzten gegenüber? Jeder von uns empfindet etwas anderes als besonders riskant. Während es z. B. für die Kollegin aus der Nachbarabteilung gar kein Problem ist, ihren Standpunkt fest und ohne wenn und aber zu vertreten, wälzen wir uns nächtelang im Bett herum und diskutieren mit uns selbst immer wieder neue Varianten aus, wie wir unserem Mitarbeiter verdeutlichen, dass seine Arbeitsleistung alles andere als zufriedenstellend ist. Riskant ist möglicherweise auch, dem Freund, der Freundin zu sagen, dass wir sie, dass wir ihn mögen und uns mehr wünschen, als nur eine nette Bekanntschaft. Wir fürchten uns davor, zurückgewiesen zu werden, uns zu blamieren und unser Gesicht zu verlieren.
Etwas zu wagen, ein Risiko einzugehen, dazu gehört Mut. Mut, Überzeugungen loszulassen, ausgetretene Pfade zu verlassen, den alten Trott aufzugeben und Neues zu wagen. Keine leichte Aufgabe für uns. Schließlich belohnt uns unser Gehirn mit uns wohltuenden Botenstoffen aus der Gruppe der Opioide, wenn wir uns auf lang eintrainierten Pfaden bewegen und unsere lieb gewonnenen Gewohnheiten beibehalten.
Das Andere, das Ungewohnte? Bringt uns dies das gleiche behagliche Gefühl? Eher nein. Stellen wir uns beispielsweise vor die Herausforderung, endlich den lange schwelenden Konflikt in unserer Abteilung anzusprechen, dann fühlen wir uns schon bei dem Gedanken unwohl. Wir wissen nicht, wie das Gespräch enden wird und wie wir dastehen werden, wenn alles vorbei ist. Da ist es doch viel angenehmer, mit der Kollegin über den uns wenig genehmen Kollegen zu klatschen und zu tratschen. Statt befürchten zu müssen, dass wir durch das klärende und zielführende Gespräch unsere Tratschpartnerin verlieren und für sie uninteressant werden, und der Kollege dennoch abweisend und unzugänglich bleibt.
Wie wäre es, erst einmal das Riskieren zu riskieren und dies zu üben? Und uns dabei zu fragen, was könnte uns im allerschlimmsten Fall passieren? Z. B., wenn wir als Perfektionist auch einmal improvisieren? Oder dem Kollegen vorschlagen, in der Mittagspause mit ihm spazieren zu gehen, statt in die Kantine zum Essen? Das Riskieren riskieren heißt nicht, Bungee jumping zu machen oder Fallschirm zu springen. Riskieren riskieren kann heißen, ab und an das Gewohnte hinter sich zu lassen, ein offenes Wort zu wagen und weniger darüber nachzudenken, dass wir damit scheitern können, sondern vielmehr darauf zu vertrauen, dass wir gewinnen; zumindest an Erfahrung.
 
Checkliste
 
1.)
„Riskier was, Mensch! 7 Wochen ohne Vorsicht“, so hat dieses Jahr die ‚Aktion 7 Wochen ohne‘ ihre Fastenaktion überschrieben. Wir werden in der laufenden Fastenzeit nicht dazu aufgefordert, unser Leben zu riskieren oder komplett auf den Kopf zu stellen. Vielmehr geht es den Einladenden der Evangelischen Publizistik darum, uns dazu anzuregen, hin und wieder unseren Alltagstrott zu verlassen, ab und an unsere tägliche Routine zu durchbrechen und uns dank der neuen Erfahrungen, die wir mit uns selbst machen, weiter zu entwickeln.

2.) Etwas zu riskieren, bedeutet für jeden von uns etwas anderes. Während der eine jedes Jahr den Abenteuerurlaub braucht, damit er mit sich im Reinen ist, heißt etwas zu riskieren für die andere, mal abends ohne fertig gepackte Tasche für den nächsten Arbeitstag ins Bett zu gehen, mit dem Risiko, in der Morgeneile etwas zu vergessen.

3.) Riskieren riskieren kann auch heißen, uns für die lang geplante Weiterbildung anzumelden, auch wenn sie unsere private Routine durcheinander bringt. Oder wir beginnen endlich Sport zu machen, auch wenn uns das Sofa zuhause viel lieber ist. Vielleicht stellen wir uns sogar den Ängsten, die wir seit langem mit uns herumtragen und die uns daran hindern, wirklich derjenige zu sein, der wir sind oder sein wollen.

Tipps zum Lesen
 
Jasner, Carsten, Mut proben!: Das Leben ist tödlich. Aber es muss nicht sterbenslangweilig sein. 2011, Blanvalet Verlag, ISBN: 9783764504090

 
     
       

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Ahnengalerie

Neulich in München: Weiterbildung in den Seminarräumen einer seit zwei Jahren existierenden Werbeagentur zum Thema Innovation und Design Thinking. Ort: ein schickes mehrstöckiges Bürogebäude mit verschiedenen Firmen wie Innovationswerkstatt, Artwork oder Traumfabrik. Im Innern der Agentur helle Räume mit flexiblen luftigen Möbeln und gleich am Eingang eine lange Bildergalerie fröhlich lächelnder Menschen, alle vor neutralem Hintergrund und in schwarz-weiß fotografiert. „Das sind wir. Gleich nach der Gründung unseres Unternehmens“, beantwortete die junge Firmenchefin fröhlich die Frage der verdutzten Seminarteilnehmer nach dem Ursprung der Bilder. „Wir dokumentieren uns mit den Aufnahmen täglich, dass wir das Büro zusammen gegründet haben.“ Und die Fotos trügen dazu bei, dass „wir uns immer wieder mal daran erinnern, welche Ideen und Visionen uns zu Beginn unserer Agentur wichtig waren und dass sie dies bis heute sind. Die ‚Ahnengalerie‘ hat möglicherweise sogar ein wenig zu unserem raschen Erfolg beigetragen. Ein Blick darauf genügt, und wir wissen, woher wir kommen und was wir erreichen möchten. Wir identifizieren uns mit uns selbst. Konflikte haben wir selten.“
Es wäre vermessen zu behaupten, eine Ahnengalerie in einem Unternehmen oder in einer Abteilung sei ein Allheilmittel gegen Konflikte und nicht in jeder Firma oder Behörde ist eine Fotogalerie möglich. Führungskräfte und Unternehmensleitung können jedoch gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herausarbeiten, womit sich die Angehörigen des Unternehmens identifizieren können und wie eine gemeinsame Identität aussehen aussieht, die jedem Einzelnen dennoch genügend Freiheit lässt, neben seiner sozialen Rolle im Unternehmen auch die eigene Persönlichkeit im Rahmen seiner Tätigkeit aus- und weiterzubilden. Und manchmal reichen bereits 15 professionell fotografierte Porträts von ganz unterschiedlich aussehenden und präsent wirkenden Kolleginnen und Kollegen aus, eine Identität zum Unternehmen und zu seinen Zielen herzustellen.
Möglicherweise trägt dann der tägliche Blick auf die Ahnengalerie und die damit unbewusst einhergehende Erinnerung an das Verbindende tatsächlich dazu bei, dass Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bei Projekten zielstrebiger miteinander kommunizieren, die eigenen Interessen dabei auch mal auf die Seite schieben und dem anderen mit dem eigenen Wissen weiter helfen. Schließlich hängen sie als Individuen an der Wand, jeder so, wie er gerne fotografiert und abgebildet werden wollte und festgehalten zu einem Zeitpunkt, da sich alle auf ein gemeinsames Ziel verständigt hatten - die Mitwirkung in einer erfolgreich arbeitenden Agentur.
 
Tipps zum Lesen
 
Eibl-Eibesfeld, Irenäus, Sütterlin, Christa, Weltsprache Kunst: Zur Natur- und Kunstgeschichte bildlicher Kommunikation,
2008, Brandstätter Verlag, ISBN: 9783850332637
Prinz, Wolfgang, Selbst im Spiegel. Die soziale Konstruktion von Subjektivität,
2013, Suhrkamp Verlag, ISBN: 9783518585948
Thomas Assheuer, Ulrich Schnabel, Die soziale Ich-Maschine, Unser Gehirn erzeugt Subjektivität, Gespräch mit Wolfgang Prinz, Die Zeit, 10. 6. 2010, Nr. 24, http://www.zeit.de/2010/24/Prinz-Interview

 
     
       

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Eigentlich will ich ...

… bereits seit einigen Tagen das Angebot an meine Kunden schicken, meinen Schreibtisch aufräumen, den längst überfälligen Geschäftsplan erstellen, die seit Wochen verspätete Semesterarbeit beginnen … . „Eigentlich“ ist ein wunderbares Wort, weil es uns die kleinen Hintertürchen offen hält, durch die wir immer wieder elegant hindurch schlüpfen. Mit „eigentlich“ können wir Tatsachen vor uns und vor anderen gut verschleiern. Denn wenn wir sagen, eigentlich geht es mir gut, eigentlich habe ich alles im Griff und mein Job läuft, dann schwächen wir unsere Aussagen ab. Entweder, weil wir bestimmte Dinge nicht direkt sagen wollen oder weil wir mit dem „eigentlich“ das Wörtchen „aber“ verbergen. Eigentlich geht es mir gut, aber, wenn die und die Bedingungen erfüllt wären, ginge es mir noch besser. Die Angebote für die Kunden schreiben, ja, gerne, aber …. Und schon sind wir wieder davon gelaufen, haben uns womöglich dafür entschieden, etwas anderes zu erledigen, anstatt das anzupacken, was ansteht und für uns und unsere Arbeit wichtig ist.
Machen wir ein kleines Experiment. Streichen wir das Wörtchen eigentlich aus den oben angeführten Sätzen und aus allen anderen, die wir täglich mit „eigentlich“ versehen. Sie haben dann eine andere Botschaft: Ich will bereits seit einigen Tagen das Angebot an meine Kunden schicken; den Schreibtisch aufräumen; den Geschäftsplan erstellen; mit geht es gut; ich habe alles im Griff. Wir werden durch das kleine Experiment zum einen erfahren, wie häufig wir das Wort „eigentlich“ benutzen und wie trickreich wir es anwenden. Denn statt der Tatsache ins Auge zu sehen, dass wir beispielsweise gerne unangenehme Aufgaben und Herausforderungen verdrängen, aufschieben und uns ungern festlegen oder zuzugeben, dass wir zufrieden sind mit uns und unserem Dasein, tanzen wir mit „eigentlich“ um unsere wirklichen Gefühle und Gedanken herum.
Angenommen, wir würden einmal unserem Kollegen oder unser Partnerin statt „eigentlich hast Du Recht“ antworten „Du hast Recht“, was würde dann geschehen? Vermutlich nichts Schlimmes. Höchstens, dass wir klarer und möglicherweise offener mit unserem Gegenüber umgehen, weil wir unser Schlupfloch „eigentlich“ verstopft haben, durch das wir fliehen, wenn wir etwas nicht direkt sagen oder wollen.
Sätze ohne eigentlich können für uns auch unangenehm sein. Sie werden dann für uns verpflichtend. Ich will den Schreibtisch aufräumen; den eschäftsplan aufstellen; diese Aussagen uns selbst gegenüber lassen uns keine Ausreden mehr.
 
Checkliste

1.)
Eigentlich hat auch eine ganz andere Bedeutung. Etwa, wenn wir nach dem eigentlichen Sinn eines Wortes, eines Textes oder einer Aussage fragen. Dann fragen wir nach dem Eigentlichen, dem Wesentlichen, dem Wichtigen. Eigentlich meint hier wirklich, tatsächlich.

2.) Mit unserer Sprache verraten wir oft, was in unserem Unterbewusstsein vor sich geht. Hören wir uns bei in unseren Sätzen immer wiederkehrenden Worten einmal genau zu und fragen uns, was wäre, wenn wir das jeweilige Wort weglassen, den Satz anders formulieren oder z. B. statt „ich würde“ „ich will“ sagen oder das ebenfalls beliebte Wörtchen „hätte“ streichen. Unsere Wortwahl kann dazu dienen, uns selbst zu managen oder uns daran hindern, uns für uns und unsere Arbeit, für unser Tun verantwortlich zu fühlen.

 
     
       

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Ich beschenke mich selbst

Wenn Sie demnächst wieder an die vielen Geschenke für Ihre Lieben zu Weihnachten denken und an einen üppig gefüllten Gabentisch, dann lade ich Sie zu einem besonderen Experiment ein. Stellen Sie sich neben Ihrem jährlichen Geschenke-Tisch einen inneren Gabentisch ganz für Sie allein vor. Füllen Sie ihn im Laufe der nächsten Tage und Wochen mit Ihren Gaben, mit den Dingen und Fähigkeiten, die Sie besonders gut können. Fragen Sie sich, Ihre Familie, Ihre Freunde oder Ihre Kolleginnen und Kollegen, Ihren Chef, Ihre Chefin danach, worin sie Ihre Stärken sehen. Z. B. Meetings strukturiert und zielführend vorbereiten und leiten, Mitarbeiter führen, Innovationen einführen, seit Jahren unfallfrei Auto fahren, Feste organisieren, mit den Kolleginnen und Kollegen freundlich kommunizieren, Haushalt organisieren und führen, Beruf und Kinder miteinander in Einklang bringen, neue IT Programm entwickeln und vieles mehr. Packen Sie die einzelnen Gaben, die Sie für sich zusammen tragen, mit Genuss auf Ihren Gabentisch.
Falls Sie spätestens jetzt sagen oder denken, was soll ich denn für Gaben auf den Tisch legen, ich habe doch gar keine herausragenden Befähigung, dann hoffe ich, dass ich Sie davon überzeugen kann, dass jeder von uns bestimmte Dinge gut kann. Es ist allerdings nicht immer leicht, unsere individuellen Gaben wahrzunehmen und für uns herauszuarbeiten. Denn meist sehen wir das, was wir täglich tun, als so selbstverständlich an, dass wir dabei völlig übersehen, was wir im Alltag leisten, und dass dies oft alles andere als einfach und selbstverständlich ist. Meine Lieblingsverkäuferin Renate an der Fleischtheke zum Beispiel hat alle Nummern ihrer Fleisch- und Wurstwaren im Kopf und kann so uns Kunden besonders rasch bedienen. Ihr tägliches Training und ihre Freude am Beruf machen sie zu einer Gedächtnismeisterin.
Haben wir erst einmal unseren Gabentisch zusammengestellt, dann können uns die vielfältigen Geschenke auch die Frage beantworten, ob wir in unserem Berufsleben unsere Gaben alle einsetzen und anwenden oder wo unsere wirkliche Leidenschaft liegt. Vielleicht entdecken wir dabei, dass die Fülle an Geschenken auf dem inneren Gabentisch uns signalisiert, uns tatsächlich beruflich neu zu orientieren, wie wir es uns schon lange erträumen oder dass wir es uns zutrauen können, die anstehenden Herausforderungen im Beruf sicher zu meistern.

Viel Freude am Geschenke ein- und auspacken
 
Checkliste
 

1.) Unsere Gaben, unsere Begabungen, unsere Fähigkeiten zu kennen und wahrzunehmen, heißt auch, uns als Person zu schätzen und zu respektieren. Und mit dem Respekt uns selbst gegenüber schätzen wir die Gaben unseres Gegenübers ebenfalls.

2.) Offen ist die Frage, ob Talent angeboren ist. Oder ob Menschen mit gewissen Fähigkeiten und viel Übung ebenso erfolgreich und außergewöhnlich werden können auf einem bestimmten Gebiet wie Menschen mit augenscheinlich großer Begabung. Der weltweit führende und gleichzeitig oft kritisierte Talentforscher Anders Ericsson von der Florida State University vertritt die Auffassung, dass jeder Mensch viel mehr kann, als er glaubt, und dass Übung tatsächlich den Meister macht.

3.) Augenscheinlich auch im höheren Alter: Gehirnforscher scheinen immer deutlicher zu widerlegen, dass Menschen nur in jungen Jahren Neues lernen können. Unser Gehirn verändert sich lange nach der Kindheit und knüpft neue Nervenverbindungen, lernt also Neues.

4.) Für das erfolgreiche Ausführen einer Tätigkeit scheint die Intensität, mit der Menschen ihre Arbeit oder ihr Hobby ausführen, mindestens so wichtig zu sein, wie das reine Üben. Machen wir immer nur das, was wir können, werden wir uns kaum weiter entwickeln. Stellen wir uns vor die Herausforderung, Neues zu lernen und dies intensiv zu üben, können wir viel erreichen, manchmal sogar Außergewöhnliches.
 
Tipps zum Lesen

Dispenza, Dr. Joe, Schöpfer der Wirklichkeit, Der Mensch und sein Gehirn. 2012, KOHA Verlag, ISBN: 9783867281362
Siefert, Werner: Das Genie in mir. Warum Talent erlernbar ist, 2009, Campus Verlag, ISBN: 9783593386959

 
     
       

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    Erfolg - am Besten mit Geduld!

Wer an Erfolg denkt, hat ihn. Wer an ihn glaubt, ebenfalls: Unsere positive Einstellung kann unseren beruflichen Erfolg ebenso beeinflussen wie etwa der berühmte Fleiß und die Leidenschaft für unser Tun. Entscheidend für Ihren beruflichen Erfolg kann jedoch auch eine ganz andere Tugend sein: Ihre Geduld.

Prüfen Sie nach einem für Sie erfolgreichen beruflichen Schritt genau, wie es für Sie weiter gehen soll. Lohnt es sich für Sie, weitere und tiefer gehende Kenntnisse zu erwerben? Oder ist es für Ihre berufliche Zukunft vielleicht besser, wenn Sie sich zunehmend breiter aufstellen, um auf Veränderungen besser vorbereitet zu sein. Was erwartet Sie, wenn Sie gleich wieder die nächste Aufgabe übernehmen, ohne den berühmten Blick zurück? 

Mit Ruhe, Gelassenheit und Übersicht die nächsten Schritte der eigenen Karriere planen, das kann langfristig zu mehr Erfolg führen, als sofort wieder durchzustarten. Halten Sie inne, analysieren Sie Ihre Fehler, Ihre Widerstände und Ihr Durchhaltevermögen, bewerten Sie das Erreichte. Das gibt Ihnen viel Kraft  für die nächsten beruflichen (oder auch privaten) Herausforderungen und für die nächsten Veränderungen in Ihrem Leben. Und: würdigen Sie größere berufliche Erfolge mit einer kleinen Feier, mit einem liebevollen Geschenk an sich selbst, genießen Sie diese aus vollen Herzen, und dann greifen Sie zu den nächsten beruflichen Sternen. 

Checkliste
Die Checkliste verweist auf Fragen und Erfahrungen aus der täglichen Coaching-Praxis.

1.) Der Blick zurück zum Beispiel auf einen Zeitpunkt vor einem Jahr hilft Ihnen, die eigene Leistung einzuschätzen, Fehler zu analysieren und festzustellen, dass Hürden, die Sie vor einem Jahr als unüberwindlich angesehen haben, längst überwunden sind.
 
2.) Halten Sie schriftlich fest, wie Ihr Erfolg zustande kam und mit welchen Mitteln Sie Schwierigkeiten überwunden haben. Half Ihnen das Gespräch mit Kollegen, mit einem Coach oder der regelmäßige Sport am Wochenende?
 
3.) Hören Sie zu, Ihren Kindern, Ihrer Frau, Ihren Kolleginnen und Kollegen, geben Sie Ihr Wissen weiter und empfangen Sie das der anderen.
 
4.) Sagen Sie, wenn Sie bereit dazu sind, zu einer neuen Aufgabe ohne zu zögern ja.
 
5.) Zum Erfolg gehört das Lernen. Bilden Sie sich weiter, im Beruf und anderswo. Wie heißt es so schön: „Sie sind es sich wert“.

Tipps zum Lesen:

Immer, wenn es für uns möglich ist, wählen wir für Sie aus der sehr umfangreichen Literatur zu Beruf und Karriere ein Buch (oder einige Bücher) aus, die unsere ganz subjektiven Empfehlungen für Sie sind:

Karin Kreutzer: Mehr Geduld! Aber flott!
Leykam Verlag, ISBN 3-701-17539-X

 
     
       

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Das Schwere leicht aussehen zu lassen
 
Wie war das noch vor 6 Jahren? Da stand der diesjährige deutsche Fußballmeister Borussia Dortmund vor dem finanziellen Aus (Schalke 04 und Bayern Fans bitte nicht weiter lesen). Der Verein setzte daraufhin konsequent auf seinen Nachwuchs, auf ein klares finanzielles und fußballerisches Konzept, eine vertrauensvolle und langjährige Zusammenarbeit mit einem Trainer und auf das Besinnen der eigenen Stärken. Selbst im letzten Spiel am vergangenen Samstag, den 14. Mai, als längst feststand, dass dem BVB der Meistertitel nicht mehr zu nehmen ist, stürmten die Spieler genauso leidenschaftlich auf das gegnerische Tor wie in vielen Spielen davor und gaben ihr Letztes. Angetrieben von einem Trainer, der am Spielfeldrand die jüngste Meistermannschaft aller Zeiten mit vollem körperlichen und mimischen Einsatz begleitet.
Hinter der Leichtigkeit des Spiels des BVBs, hinter der Spielfreude und der unbändig erscheinenden Lust auf noch mehr Fußball, hinter der scheinbar mühelos und leicht errungenen Meisterschaft, stecken harte und intensive Arbeit aller Beteiligten und eine fürsorgliche Betreuung der jungen Spieler des Bundesligisten. Nach einem feststehenden und klug ausgetüftelten Plan wird jede Trainingseinheit akribisch vorbereitet und wiederholte Male durchgeführt, bis sie von allen beherrscht wird. Taktische Besprechungen und das Erklären und Aufarbeiten von Fehlern finden ohne Hektik und in einer Umgebung statt, die volle Konzentration erlaubt und die Kreativität fördert. Jeder Spieler wird nach seinen Stärken und Fähigkeiten eingesetzt, und zeigt er einmal eine weniger gute Leistung, bleiben ihm dennoch das Vertrauen und die Zuversicht des Trainers.
Das Erfolgsrezept des BVB lässt sich in den beruflichen Alltag übersetzen. Vermutlich empfinden wir unsere Arbeit immer dann als leicht und machen sie ohne große Kraftanstrengung, wenn wir uns intensiv mit unserer Arbeit und ihren Herausforderungen beschäftigen. Wenn wir alle Spielzüge eines Projektes in Gedanken gründlich und in Ruhe vorbereiten und das Projekt dann ebenso sorgfältig durchführen, wenn wir uns eine Atmosphäre schaffen, die es uns erlaubt, mit unseren Kolleginnen und Kollegen, mit unserem Chef, unserer Chefin gelassen über unsere Arbeit zu sprechen, und wenn wir begreifen, dass erst das konzentrierte Arbeiten der Schlüssel für unseren Erfolg ist, für „das Schwere leicht aussehen zu lassen“ (FAZ 16. 5. 2011).
     
Checkliste
 

1.) Paaren sich Leidenschaft und Herzlichkeit bei einem Projekt mit Zielstrebigkeit und Geduld, dann kann bei einem klaren Konzept und einer guten Vorbereitung etwas Großes entstehen, wie der Deutsche Fußballmeister 2011 Borussia Dortmund.

2.) Jeder, der Teil der Arbeit und des Erfolges ist, wird ernst genommen. So signierte Trainer Jürgen Klopp nach dem letzten öffentlichen Training seiner Mannschaft geduldig ihm von den BVB-Fans hingereichten Meisterschalen aus Pappe, Handys, Kappen, Schals und Küchenuhren.

3.) Begangene Fehler lassen sich in Chancen ummünzen. Schwachstellen kann man erkennen, daran arbeiten und zu Stärken wandeln.
 
Tipps zum Lesen:

Greulich, Matthias: Jürgen »Kloppo« Klopp: Echte Liebe, erscheint Oktober 2011, Copress Verlag, ISBN: 9783767910737

 
     
       

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Große Welt - ganz klein

Wem wären Sie gerne ganz nahe? Michael Schuhmacher oder lieber Angela Merkel? Wie Sie das machen? Ein Experiment von Soziologen zeigt, dass Sie dies relativ leicht schaffen können: Sie suchen unter den 100 Menschen, die Sie kennen, diejenigen aus, die wiederum Bekannte haben mit vielen unterschiedlichen Kontakten und spätestens nach sechs „menschlichen Zwischenstationen“ und dem berühmten „ich kenne jemand, der jemand kennt, der jemand kennt…“ sollte es Ihnen möglich sein, mit Ihrem Lieblingssportler oder Ihrer Traumpolitikerin ins Gespräch zu kommen. Denn nach Berechnungen von Soziologen und Mathematikern braucht jeder von uns offenbar nur maximal sechs dieser menschlichen Zwischenstationen und ist dann mit allen Menschen auf der Erde im Kontakt und damit vernetzt.
Übersetzt in unseren beruflichen Alltag heißt dies: Je mehr wir unsere beruflichen Kontakte innerhalb und außerhalb unseres Unternehmens pflegen, je mehr wir uns innerhalb und außerhalb unserer Arbeitswelt vernetzten, umso wahrscheinlicher ist es, dass jemand von uns hört, der unser berufliches Können und unser Wissen braucht. Vielleicht unser Chef oder die Chefin selbst, vielleicht die Personalverantwortlichen von einem für uns besonders attraktiven Unternehmen. Und wenn es uns gelingt, Menschen mit besonders vielen Kontakten für uns zu begeistern – oder selbst überdurchschnittlich viele Kontakte zu haben -, steigen die Chancen von uns, weiter empfohlen zu werden. Marketing-Experten haben inzwischen erkannt, dass unser Vernetztsein rund um den Globus eine ebenso wichtige Werbung für ein Produkt bedeuten kann, wie eine aufwendige Kampagne in Fernsehen und Print. Sie setzen auf gut vernetzte und gut informierte Kunden, weil sie wissen, dass deren begeisternde Weiterempfehlung aus einem Buch einen Bestseller machen kann.
Künftig werden wir noch stärker von und mit unseren Beziehungsgeflechten leben und gegenseitig davon profitieren, als wir es in der Vergangenheit getan haben. Eine fachlich fundierte Kommunikation mit anderen, ein gepflegter Smalltalk statt eines belanglosen „Geschwätz“ werden dann ebenso wichtig sein, wie eine kompetente Aus- und Weiterbildung.

Genießen Sie Ihre Beziehungen.

Checkliste
Die Checkliste verweist auf Fragen und Erfahrungen aus der täglichen Coaching-Praxis.
 
1.) Früher sprach man von guten Geschäftskontakten, heute reden wir von Vernetzung. Damals wie heute galten und gelten persönliche Verbindungen als hilfreich, wenn es beispielsweise um die Suche nach einer neuen Aufgabe oder einem neuen Arbeitsplatz geht.
 
2.) Pflegen Sie Ihre Verbindungen, am Arbeitsplatz wie privat. Wenn Sie den Eindruck haben, es könnten ruhig ein paar Kontakte mehr sein, dann versuchen Sie immer mal wieder, außerhalb beruflich bedingter Termine mit Kollegen aus benachbarten Abteilungen oder mit Führungspersönlichkeiten aus anderen Unternehmen ins Gespräch zu kommen.
 
3.) Bitten Sie beispielsweise in der Kantine oder bei einer Veranstaltung Ihren Nachbarn, Ihre Nachbarin Sie mit einem Ihnen unbekannten Kollegen oder Gesprächspartner bekannt zu machen.
 
4.) Seien Sie nicht enttäuscht (und zeigen Sie es nicht), wenn jemand nach einer Vorstellungsrunde kein größeres Interesse an Ihnen zeigt. Sie haben auf alle Fälle Eindruck hinterlassen, der manchmal zu überraschenden Ergebnissen führen kann.

Tipps zum Lesen:
Immer, wenn es für uns möglich ist, wählen wir für Sie aus der sehr umfangreichen Literatur zu Beruf und Karriere einige Bücher aus, die unsere ganz subjektiven Empfehlungen für Sie sind:

Kaul, Helge, Community Marketing: Wie Unternehmen in sozialen Netzwerken Werte schaffen, 2008, Schäffer-Pöschel Verlag, ISBN 978-3791027579

 

 
 
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Die Artikel werden vom OP Experten-team begleitet:

Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit Marburg
 
Frank Hüttemann, Referent Wirtschafts-förderung Landkreis Marburg-Biedenkopf
 
Claudia Schäfer, Frauenbeauftragte, Landkreis Marburg-Biedenkopf
 
Barbara Schade, Diplom-Psychologin, freiberufliche Personal- und Führungskräfte-trainerin
 
Elke Seim, Berufsberaterin, Agentur für Arbeit, Marburg

 
IMpb - Perspektiven und Beratung