Inge Maisch - Perspektiven und Beratung
   

Artikel des Jahres 2011
 

Auf dieser Seite finden Sie Artikel, die von Inge Maisch im Jahre 2011 für die wöchentliche Kolumne der Oberhessischen Presse "Ihre Karriere bitte" verfasst wurden:
 
  - Heute beginnt der Rest Deines Lebens...
  - I am dreaming ...
  - Was erwarte ich
  - Meine Hände
  - Ich fürchte mich…
  - Erfolgreich als neue Chefinnen
  - Mein Kollege – mein bester Feind
  - Ich fühle mich ohnmächtig
  - Danke, dass Sie sich beschweren
  - Ich stehe gerne am Rand
  - Und dann ist Schluss.
  - Willkommen, innerer Schweinehund
  - Meine Werte und ich
  - Ja, ich will
  - Mittelklasse
  - Bitte negativ denken
  - Hallo, ich bin die Neue!
  - …und plötzlich ist alles anders…
  - Das Glück kennt nur Minuten …
  - Work life balance
  - Hilfe, meine Mitarbeiter sind viel älter als ich
  - Was wäre, wenn…
  - Urlaubsmomente im Alltag
  - Meine Tischrede und ich
  - Niederlage - ja bitte?
  - Hilfe, ich muss zum Test!
  - Allein sein – einsam sein
  - Mit Geduld zum Tor
  - ... aus allen Wolken fallen
  - Neid
  - Selbstcoaching
  - Ich erlaube mir
  - Das Schwere leicht aussehen lassen
  - Mein Charisma
  - Her mit den Problemen
  - Ich jammere, also bin ich
  - Vorbild
  - Knigge am Arbeitsplatz
  - Die Tür zur Zukunft
  - Sie haben Post
  - Achtung Foulspiel
  - Ich bin ich
  - Hauptsache Harmonie
  - Alle unsere Suiten liegen zum Meer…
  - Listen to me ...
  - Ich verantworte, also bin ich
  - Gelassen sein
  - Meine Glaubenssätze
  - Angst am Arbeitsplatz
  - Ich ärgere mich
  - Ich fördere mich selbst
  - Veränderung







 
     
       

Selbstcoaching

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    31. Dezember 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Heute beginnt der Rest Deines Lebens...
 
singt Udo Jürgens voller Enthusiasmus und Lebenslust, und setzt fort mit „…jetzt oder nie – und nicht irgendwann!“ Stimmt: Heute beginnt der Rest meines Lebens und sein Ende kenne ich nicht. Als ich jung war, glaubte ich an ein fast ewiges Leben und „traute keinem über 30“. Viele Jahre später sehe ich, dass einiges von dem, das ich mir erträumt habe, nicht Wirklichkeit geworden ist. Nicht alle angebotenen Chancen habe ich genutzt, ich habe auch Wege vermieden, die mich weiter geführt hätten und bin manchmal lieber bequem sitzen geblieben. Und ich begreife immer mehr, dass ich nicht alles, was ich in meinem Leben gerne gemacht, erlebt, gesehen, für mich erfahren und geschätzt habe, noch einmal wiederholen kann, dafür reicht meine Lebenszeit nicht mehr aus. Vieles wird mir noch möglich sein, gleichzeitig werde ich viele Wünsche und Sehnsüchte für immer verabschieden und sie loslassen.
Mit seinem Lied lädt Udo Jürgens mich ein, heute, am ersten Tag meines restlichen Lebens, mein Leben weiter zu gestalten, zu entscheiden, was ich heute und morgen machen möchte,, wie und wohin ich mich weiter entwickeln und was ich erreichen möchte, denn „kein Traum ist vergebens“. Den Rest meines Lebens wird getragen vom Blick zurück, vom Wissen um verpasste und genutzte Chancen, von meinen Erfahrungen, von denen viele kostbar sind und von meinen gemachten Fehlern, aus denen ich lernen kann, wenn ich will.
Udo Jürgens geht noch einen Schritt weiter, wenn er mich auffordert, das Gestalten meiner Zukunft „jetzt“ zu beginnen „jetzt oder nie und nicht irgendwann!“ Richtig: Geträumt habe ich viel, Ideen hatte ich vermutlich ebenso viele. Nur habe ich den ersten Schritt, der notwendig ist, um einen Traum zu verwirklichen und dorthin zu gelangen oder um Ideen umzusetzen, diesen entscheidenden Schritt habe ich viel zu oft auf ein „irgendwann“ verschoben. Morgen schien ja auch noch ein Tag zu sein. Und morgen… und morgen… . Nichts davon lässt sich zurückholen. Mit dem heutigen Tag, „jetzt oder nie“, schenke ich mir die Chance, mit den Rest meines Lebens zu beginnen und meine Zukunft anzupacken. Das Risiko eingeschlossen, dass meine Träume tatsächlich Realität werden und der Rest meines Lebens mindestens so spannend, vielfältig, beängstigend, ermutigend und abwechslungsreich sein wird, wie bislang.
 
Checkliste
 

1.) Wir entscheiden uns immer, auch wenn wir uns nicht entscheiden.
 
2.) Wenn wir weniger sagen wollen, ‚hätte ich doch nur‘ und lieber formulieren, ‚ich habe‘, dann können wir uns dazu verhelfen, in dem wir uns in Gedanken auf eine Theaterbühne oder ein Spielfeld stellen und uns von außen dabei zuschauen wie wir das Thema Entscheidung anpacken und welche Motive uns dazu bringen, uns für etwas entscheiden zu wollen oder weshalb wir einer Entscheidung ausweichen. Das verlangt viel von uns und gelingt uns vermutlich leichter, wenn wir uns die Unterstützung von Dritten dafür holen - Familie, Freunde, einen Coach oder Therapeuten.
 
3.) Oft haben wir Angst davor uns zu entscheiden, weil wir uns vor der Auseinandersetzung fürchten, die eine Entscheidung mit sich bringen kann, und suchen stattdessen lieber die Harmonie, die dann selten harmonisch ist.

 
     
       

Selbstcoaching

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    24. Dezember 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

I am dreaming ...
 
of a white Christmas…“, sang Bing Crosby am 25. Dezember 1941 zum ersten Mal. Seither verkaufte sich White Christmas geschätzte 30 bis 50 Millionen Mal. „Die Single zählt damit zu den am meistverkauften weltweit. Was macht den Erfolg des Songs aus? Außer uns Schnee zu Weihnachten und fröhliche und helle Tage zu wünschen, uns einzuladen, sich an frühere weiße Weihnachten zu erinnern, an glitzernde Tannenspitzen, an lauschende Kinder, an Schlittengeläut und das beim Weihnachtskarten schreiben, bietet der Text keinen weiteren Inhalt. Und doch scheint sehr viel mehr darin zu stecken: die Sehnsucht nach einem Weihnachtsfest wie in der Kindheit, die Hoffnung auf frohe Tage und diese an jedem Weihnachten, das erinnern an die anderen, die weit entfernt von uns leben.
Vermutlich ist es die Hoffnung, die aus den Zeilen des Liedes klingt, die White Christmas seit 70 Jahren zu einem unverrückbaren Bestandteil von Weihnachten in aller Welt macht - neben der einschmeichelnden Stimme des US-amerikanischen Sängers und der von Irving Berlin eingängig komponierten Melodie. Die Hoffnung auf etwas Vertrautes wie weiße Weihnachten und Schlittengeläut, auf ein heiteres Zusammensein mit Familie und Freunden, vielleicht auch auf Verlässlichkeit, auf Stabilität, die es damals, Weihnachten 1941, auch in den USA nicht gab, nachdem die Vereinigten Staaten wenige Tage zuvor dem Kaiserreich Japan den Krieg erklärt hatten und damit in den Zweiten Weltkrieg eingetreten waren.
Vielleicht spüren wir unsere Hoffnung, wenn wir das Lied hören. Jene Hoffnung, die uns daran glauben lässt, dass wir gesund nach Hause kommen, wenn wir ins Auto steigen. Jene Hoffnung, die uns glauben lässt, dass uns das im Krankenhaus verabreichte Medikament hilft, und das tut es dann meist, manchmal sogar, obwohl es nur ein Placebo ist. Wir hoffen darauf, dass es für unsere Herausforderungen, für unsere Probleme eine Lösung gibt. Auch wenn wir diese gerade nicht sehen, weil die Wege dorthin hoffnungslos verstellt erscheinen. Dennoch machen wir den ersten Schritt, unterstützt von unserer Hoffnung, dass es einen Weg für uns gibt. Hoffnung haben heißt nicht, dass ich mir sicher sein kann, dass alles gut wird, im Hoffen ist das Scheitern einkalkuliert. Ich kann darauf hoffen, dass meine Fürsorge für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ihnen angenommen wird, dass meine Familie und Freunde sie schätzen. Erwarten und einfordern kann ich sie nicht. Hoffen heißt, mir und dem anderen eine Chance zu geben, und sei es nur dem Wettergott, dass er uns wieder einmal eine weiße Weihnacht beschert.
 
Checkliste
 

1.) Wenn wir Hoffnung haben, dann scheinen wir uns selbst zu unterstützen. Die medizinische Wissenschaft hat nachgewiesen, dass wir schneller gesund werden, wenn wir daran glauben. Wir stärken mit unserer Hoffnung auf unsere Heilung offenbar unser Immunsystem.
 
2.) Verlieren wir die Hoffnung, z. B., dass wir die Prüfung je bestehen werden, kann dies zu Resignation oder Verzweiflung führen.
 
3.) Hilfreich kann dann sein, dass wir uns verdeutlichen, wie wir früher für uns aussichtslos erscheinende Situationen gemeistert haben, weil wir an uns geglaubt haben und darauf gehofft und vertraut haben, dass wir sie packen werden.
 
4.) Wichtig in einer aussichtslos erscheinenden Situation kann dann auch sein, uns selbst zu überzeugen und uns Hoffnung zu machen, indem wir uns sagen, ich weiß, dass es einen Weg für mich geben wird, ich vertraue darauf und tue alles, damit ich ihn finde werde.

 
     
       

Selbstcoaching

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    17. Dezember 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Was erwarte ich
 
vom kommenden Weihnachtsfest, von einem Wechsel in ein anderes Unternehmen, in eine neue Institution, von der gerade begonnenen Beziehung? Erhoffe ich mir, dass ich an Weihnachten eine gute Zeit erleben werde, dass ich in meinem neuen Beruf keine Probleme mehr habe, das mein frisch Verliebt sein in eine wunderbare Liebe mündet, die mich beflügelt? Erwarten kann ich das doch schließlich, denn engagiert habe ich für die ganze Familie das Weihnachtsfest vorbereitet, voller Elan und Schwung im neuen Unternehmen angefangen und für die romantischen Zeiten zu Zweit verzichte ich gerne auf lange verabredete Treffen mit Freunden und Familie.
Leider erfüllen sich unsere Erwartungen, die wir an anderen richten, oft nicht. Die heile Welt an Weihnachten bleibt Illusion, die neue Arbeitsstelle bringt andere Probleme mit sich, das frisch Verliebt sein verwelkt schnell. Wir hatten erwartet, dass die anderen uns zufrieden und glücklich machen, und wir sind ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass unsere Familie, Kollegen und Partner ohne Worte wissen, was wir dafür brauchen und was wir uns von ihnen ersehnen. Wir sind enttäuscht. Übersehen haben wir dabei, dass wir uns zwar gerne etwas von den anderen wünschen können, dass jedoch niemand dazu verpflichtet ist, unsere Träume für uns zu erfüllen. Weshalb sollen die neuen Kolleginnen und Kollegen uns mit offenen Armen aufnehmen, wenn sie befürchten müssen, in uns einen weiteren Konkurrenten zu bekommen? Wieso ist es an unserem Gegenüber, uns das Leben schöner und aufregender zu gestalten, als wir es bislang selbst gekonnt haben? Entgangen ist uns dabei auch, dass unsere Familie, die neuen Kollegen, die neue Beziehung selbst Erwartungen und Wünsche haben, die ganz anders aussehen können als die unsrigen. Möglicherweise wünschen sich unsere Kinder lieber ein klärendes Gespräch an Weihnachten über die komplizierte Familiensituation als die heile Welt, die wir ihnen versuchen vorzuspielen. Oder die Kolleginnen und Kollegen arbeiten besser und engagierter allein als im Team. Sie fühlen sich von unseren Erwartungen an sie, dass wir nur gemeinsam die besten Ergebnisse erzielen können, überfordert, und können ihnen nicht nachkommen.
Wenn wir erkennen, dass wir aneinander unterschiedliche Erwartungen haben, dann können wir in Gesprächen versuchen, uns darüber auszutauschen und uns darüber zu verständigen. Und mancher Wunsch erfüllt sich dann doch noch, wenn auch etwas anders als wir es ursprünglich erwartet hatten.
 
Checkliste
 

1.) Natürlich kann ich erwarten, dass meine Autowerkstatt mein Auto richtig repariert, die Bahn pünktlich fährt und das Flugzeug mich an den gebuchten Zielort bringt. Schwieriger wird es, wenn wir von unserem Gegenüber erwarten, dass er, dass sie sich uns gegenüber so verhält, wie wir es uns vorstellen und unsere Erwartungen an ihn, an sie mit Sätzen unterstreichen wie, „das erwarte ich einfach von Dir, von Ihnen“ oder „wenn Du mich wirklich liebst, dann… „. Wir erwarten, dass der andere für unser Wohlbefinden verantwortlich ist, im Beruf wie privat.
 
2.) Oft werden Erwartungen gar nicht ausgesprochen, kennt unser Gegenüber unsere Wünsche an ihn nicht. Erkennen wir dies, dann kann es für uns hilfreich sein, erst einmal unsere Erwartungen an den anderen zu formulieren, schriftlich oder mündlich, und dann zu prüfen, welche Erwartungen uns wirklich wichtig sind und wie viele davon wir uns selbst erfüllen können oder müssen, weil wir für uns selbst verantwortlich sind. Danach können wir miteinander besprechen, wie wir unsere Erwartungen an den anderen und an uns gegenseitig erfüllen können – wenn auch nicht immer so vollständig und 100%ig, wie wir es uns vom anderen erträumen oder er von uns.
 
3.) Werden wir enttäuscht, weil der andere unsere Erwartungen nicht erfüllt, obwohl er es versprochen hat, dann stellt sich uns die Frage, ob wir unsere Erwartungen verändern, sie vielleicht sogar los lassen oder daran festhalten. Manchmal kann es für beide Seiten entlastend sein, wenn wir den Satz, „das erwarte ich einfach von Dir“ umformulieren in „ich wünsche mir von Dir…“.

 
     
       

Selbstcoaching

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    10. Dezember 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Meine Hände
 
„Wir diskutieren in unserer Bank gerade eine für uns alle überraschende Frage. Sollen wir uns in unserer Abteilung jeweils morgens und abends die Hand reichen zur Begrüßung und zum Abschied? Wir versprechen uns davon mehr Kollegialität und weniger Konflikte.“ Die am Rande eines Seminars für Führungskräfte gestellte Frage von Frank W., Leiter der Immobilienabteilung einer Bank, löst eine unerwartet leidenschaftliche Diskussion unter den Seminarteilnehmern aus. Vom überflüssigen, weil unhygienischen Austausch von Keimen durch das Händeschütteln bis zur Überzeugung, dass der Händedruck ebenso viel über einen Menschen aussagt, wie Kleidung und Benimm reichten die ausgetauschten Argumente und die Hinweise auf Knigge und eigene Erfahrungen: Bei einem ersten Kunden- oder Geschäftskontakt ist das Begrüßen mit einem festen Händedruck und einem offenen freundlichen Blick unerlässlich für eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung. Eine nur zögernd gereichte Hand, die sich lasch anfühlt, lässt Passivität und mangelndes Interesse am Gegenüber vermuten, während eine heftig zupackende Hand eher für fehlende Sensibilität spricht. Bleibt beim Händedruck die andere Hand in der Hosentasche, wirkt dies lässig und respektlos.
Die Hände können Ausdruck der Persönlichkeit eines Menschen sein und sind ihm doch augenscheinlich fremd. Fotos von eigenen und fremden, schmucklosen Händen, kräftig durcheinander gemischt, bringen die Überraschung: Nur selten erkennen wir unsere eigenen Hände auf den Fotos wieder. Dabei benutzen wir sie tausende Male am Tag - auch im übertragenen Sinne: wir sind z. B. die rechte Hand des Chefs, der Chefin; wir reichen die rechte Hand der Freundschaft, wie es bei Paulus im Neuen Testament im Brief an die Galater steht. Das Handlesen ist eine Jahrtausende Jahre alte Kunst; vom Händedruck selbst, dessen Ursprung keiner kennt, wird angenommen, dass die offene, waffenlose Hand dem Gegenüber Frieden signalisierte; der Handschlag, der früher so manchen Vertrag unter Dach und Fach brachte - immer sind unsere Hände im Spiel. Da wäscht eine Hand die andere, ist Hand-Arbeit heute oft sehr wertvoll. Irren sich die Augen häufig, die Hände tun es nie. Sie fühlen und spüren nach, erleben die Dinge; selbst im Dunkeln sieht die Hand, ertastet den Raum und findet den Weg. Hände erheben sich ablehnend, klatschen Beifall, reiben einander voller Zufriedenheit. Unsere Hände beanspruchen einen erheblichen Teil unserer Nervenzellen im Gehirn, für den Daumen allein fühlen sich mehr Gehirnzellen zuständig als für den ganzen Brust- und Bauchraum.
„Wir haben uns gegen den täglichen Händedruck als Konfliktlöser entschieden“, erzählt Frank W. später. „Stattdessen verständigen uns derzeit zu Beginn jeder Abteilungsleiterbesprechung ein paar Minuten lang über ein ‚Händethema‘ – z. B. über die Darstellung von Händen in der Kunst oder über die Bedeutung von Gestik. Später sollen andere Themen folgen. Gute Sitzungsergebnisse besiegeln wir inzwischen mit einem Händedruck.“

 
     
       

Selbstbewußsein

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    3. Dezember 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Ich fürchte mich…
 
… einfach zu sehr davor, dass ich nichts zu erzählen habe und sich keiner mit mir unterhalten möchte. Lieber gehe ich deshalb erst gar nicht hin“, begründete Udo K. sein erneutes Fernbleiben von der Weihnachtsfeier in seinem Betrieb, „sozusagen alle Jahre wieder“. Seit Jahren vermeidet der gelernte Maschinenbau alle gemeinsamen Unternehmungen mit seinen Kollegen und Kolleginnen. Sein neuer Chef, der seine Arbeit schätzt, wollte das nicht so einfach akzeptieren. „Er hat nicht locker gelassen, bis ich mehr oder weniger freiwillig einem Coaching zugestimmt habe, und dabei genauer hinschauen möchte, weshalb ich mich so sehr davor fürchte, mit meinen Kolleginnen und Kollegen über den unmittelbaren Alltag im Betrieb hinaus Kontakt zu haben und auch mal auf ein Bier nach Feierabend mitgehe oder am Betriebsausflug teilnehme oder eben an der Weihnachtsfeier.“
Udo K. hatte seit langem an sich beobachtet, dass er engen Beziehungen ausweicht und sich lieber im Hintergrund hält, „wie die berühmte graue Maus“. Auf seine Kolleginnen und Kollegen wirkte er dadurch desinteressiert und arrogant. Gleichzeitig versuchte er, seine Arbeit perfekt zu machen, „denn wenn ich sie perfekt mache, kann mich niemand kritisieren“.
Hinter seiner Angst, abgelehnt zu werden, steckte bei Udo K. das Gefühl, er sei nicht gut genug, er würde die anderen enttäuschen, wenn sie ihn erst einmal näher kennen lernen würden, denn er habe nichts zu bieten, er sei uninteressant, sei langweilig und sowieso ein Versager. Kritik an einem bestimmten Verhalten oder einer bestimmten Ansicht „war für mich wie ein Todesurteil. Ich fühlte mich total entwertet. Dabei gefiel meinem Gegenüber nur meine Meinung zu einem konkreten Thema nicht.“
Schritt für Schritt begann er, sein Selbstwertgefühl aufzubauen. Dabei „half mir die Erkenntnis, dass ich mich bislang vom Urteil der anderen abhängig gemacht habe. Nur wenn sie mich gut finden, bin ich gut, dachte ich immer. Diese selbst gewählte Abhängigkeit wollte ich nicht mehr.“ Er versuchte vielmehr zu lernen, sich so anzunehmen wie er ist, mit seinen positiven und seinen weniger positiven Seiten, mit seinen Unsicherheiten und Ängsten. „Eine besondere Herausforderung war für mich, zu akzeptieren, dass Menschen mich einfach annehmen so wie ich bin, ohne dass ich etwas dafür tun muss. Und, dass ich mich nicht mehr davor fürchten muss, ich könnte abgelehnt werden, wenn ich mich zeige.“
   
Checkliste
 

1.) Die Angst vor Ablehnung ist eine der am weitesten verbreiteten Ängste. Wir fürchten uns davor, etwas zu tun oder zu sagen, was unserem gegenüber nicht gefällt, weil dies - so unsere Sorge -, ihn z. B. dazu bringen wird, Schreckliches über uns zu denken und entsprechend zu reagieren.
 
2.) Bei einer sehr tief sitzenden Angst vor Ablehnung, bei einer sozialen Phobie, empfiehlt sich eine Therapie. Ansonsten kann uns ein Selbstcoaching, ein Coaching oder das Gespräch mit Freunden und der Familie weiter helfen.
 
3.) Lernen wir, uns anzunehmen in allen unseren Facetten, uns Wert zu schätzen, Kritik anzunehmen, Nein zu sagen, Grenzen zu setzen und weitgehend ohne Angst unserem Gegenüber unsere Ansicht und Meinung mitzuteilen, dann nimmt die Angst vor Ablehnung ab und unsere Freude am Kontakt zu anderen zu.
 
Tipps zum Lesen
Cramer, Gunnar, Furuholmen, Dag, Ich coache mich selbst! Das Erfolgstraining gegen Stress, Angst und andere Belastungen. Der Ratgeber für ein selbstbewussteres Leben, 2010, Humboldt Schlütersche Verlagsgesellschaft, ISBN: 9783869104775

 
     
       

Personalführung

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    26. November 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Erfolgreich als neue Chefinnen
 
Wir können es kaum glauben. Wir sollen gemeinsam das neu gegründete Unternehmen leiten und zum Erfolg führen.“ Die beiden jungen Frauen, Anfang und Mitte 30, haben nach Abschluss einer erfolgreichen zweijährigen Projektarbeit für die Vermarktung und den Vertrieb von Süßwarenprodukten aus ihrer Region das für sie überraschende Angebot bekommen, als Chefinnen des neuen Tochterunternehmens eines großen Marktführers im Bereich Süßwaren ihre Erfahrungen und ihr Wissen einzubringen und regionale Schokoladen- und Backwaren bundesweit zu vermarkten und zu vertreiben. Erstmals in ihren beruflichen Karrieren werden Sabine B. und Caroline M. damit als Führungskräfte mit zunächst sechs weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammenarbeiten. „Unsere größte Angst ist, dass wir nicht genügend Rückgrat haben für die anstehenden Aufgaben. Fachlich sind wir richtig fit, und wir sind stolz darauf, dass gerade wir die Leitung des Tochterunternehmens übertragen bekommen haben“, fasst Caroline M. ihren gemeinsamen Auftrag an das Coaching zusammen. „In unseren Karriereplanungen hatten wir bislang allerdings keine Führungsaufgaben vorgesehen“.
Im Laufe der Beratung entdecken die beiden frisch gebackenen Führungskräfte, dass es für sie in Ordnung ist, wenn sie Angst vor den neuen Herausforderungen als Chefinnen haben, solange sie sich diesen stellen. Anstehende Entscheidungen bearbeiten sie gemeinsam und oft auch im Team, bis ihnen deutlich wird, dass genügend Fakten für das Einführen oder Fortsetzen eines Projektes sprechen. Einmal getroffene Beschlüsse stellen sie möglichst nicht mehr in Frage. Fehler werden analysiert, jedoch nicht zum Problem gemacht. Mit ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen führen sie regelmäßige Mitarbeitergespräche, im Arbeitsalltag suchen sie meist täglich den Austausch mit allen Kolleginnen und Kollegen, und die vierwöchigen Teamsitzungen leitet abwechselnd eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter.
Einer ihrer größten Schwierigkeiten sahen Sabine B. und Caroline M. darin, gestandene Geschäftspartner von sich zu überzeugen. Ein Coaching zu Selbstbewusstsein und Ausstrahlung, ein Training für selbstbewusstes Auftreten inklusive eines Körpertrainings und eines Kurses zu Smalltalk und Rhetorik halfen ihnen über ihre schlimmsten Befürchtungen hinweg. „Inzwischen kennen wir unsere Stärken und Schwächen als Leiterinnen eines kleinen Unternehmens sehr genau und setzen diese bewusst ein. Caroline ist die geborene Smalltalkerin, ich bin eher die Analytikerin und mit dieser Aufteilung unserer Rollen bei Gesprächen und Präsentationen haben wir bislang fast alle Partner für unsere Produkte gewonnen“, fasst Sabine B. ihre Erfahrungen nach drei Monaten Chefinnendasein zusammen. „Unsere ersten Erfolge sind vielversprechend.“
   
Checkliste
 

1.) Die beiden neuen Chefinnen erkannten sehr rasch, dass ihnen ihr fundiertes fachliches Wissen und langjährige Erfahrung nicht genügen würde als Basis für die erfolgreiche Leitung des neuen Unternehmens.
2.) Mitarbeiterführung, Teamarbeit und ihr Verständnis von ihrer neuen Rolle als Chefinnen standen für sie im Mittelpunkt ihres Coachings.
3.) Wesentlich waren für sie auch das Stärken ihres Selbstbewusstseins, das Kennen ihrer individuellen Stärken und Schwächen und die Chancen, die sich für sie daraus für das Weiterentwickeln ihrer Persönlichkeiten ergaben.
3.) Als wichtig sahen sie außerdem ihren persönlichen Auftritt und ihre Ausstrahlung an, um ihre neuen Rollen als Chefinnen überzeugend ausfüllen zu können.
 
Tipps zum Lesen
 
Besser-Siegmund, Cora, Siegmund Harry, Coach Yourself, Persönlichkeitskultur für Führungskräfte, 2003, Junfermann Verlag, ISBN: 9783873875289
Seliger, Ruth, Das Dschungelbuch der Führung, Ein Navigationssystem für Führungskräfte, 2010, Carl-Auer Verlag, ISBN: 9783896707611

 
     
       

Konflikte und Kritik

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    19. November 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Mein Kollege – mein bester Feind
 
„Schon wieder hat mein Kollege mich mit einer schrägen Bemerkung auf die Palme gebracht, in der letzten Sitzung trieften seine Sätze vor Polemik, sein Intrigenspiel ist für mich kaum noch zu durchschauen, und ich reagiere immer heftiger auf ihn und sein für mich schwieriges Verhalten.
Mein beruflicher Alltag wird für mich immer unangenehmer“, erzählte Christopher P. in seiner ersten Beratungsstunde. Der Biowissenschaftler wünschte sich einen anderen Umgang mit seinem „besten Feind“ und ein angenehmeres Betriebsklima für sich und sein Team. Den Konflikt innerhalb der Abteilung mit Hilfe von außen zu lösen, etwa mit einem Mediator, hatte die Geschäftsleitung mehrfach abgelehnt. Konfliktgespräche im Team waren zuvor ohne spürbare Resultate geblieben.
Christopher P. entschied sich deshalb dafür, das Problem von seiner Seite aus anzupacken und ein Coaching zu machen, „weil bei mir irgendwann die Frage auftauchte, was hat das alles mit mir zu tun und wie trage ich möglicherweise zu der schwierigen Situation in unserer Abteilung bei“. Im Laufe des Coachings begann er zu erkennen und zu akzeptieren, dass das Bild, das er sich von seinem Kollegen gemacht hatte, von seinen eigenen Erwartungen und Vorurteilen beeinflusst worden war. Und dass er mit seinem Annahmen und Befürchtungen das Verhalten seines Kollegen mitbestimmt hatte. Solange er ihn als Kontrahent betrachtete und ihm dies deutlich zeigte, reagierte dieser trotzig und abwehrend darauf. „Wenn ich mir die Situation rückblickend ansehe, dann haben wir uns gegenseitig regelrecht hochgeschaukelt mit unseren Vermutungen übereinander. Jeder hatte offenbar ein ganz bestimmtes Bild von dem anderen im Kopf. Erst nachdem ich versucht habe, anders mit den Situationen umzugehen und ihm vor allem so respektvoll wie möglich zu begegnen, begann sich unser Verhältnis zu verbessern. Zwischendrin hätte ich fast wieder damit aufgehört, denn sein Verhalten veränderte sich zunächst überhaupt nicht. Vermutlich hat er mir zunächst nicht geglaubt, dass ich mich wirklich um einen besseren Umgang miteinander bemühe.
Christopher P. und sein „bester Feind“ sind keine Freunde geworden. Inzwischen schaffen sie es jedoch, freundlicher und fairer miteinander umzugehen und haben dadurch auch erreicht, dass die Atmosphäre im Betrieb weniger angespannt ist. „Konflikte treten nach wie vor auf. Wir lernen gerade, sie mit Hilfe von Gesprächen zu entschärfen. Dazu sind inzwischen alle bereit, auch wir beide. Zum Glück.“
   
Checkliste
 

1.) Selbst in Abteilungen und Unternehmen, in denen die Sympathien der Kolleginnen und Kollegen untereinander groß ist, gibt es Reibereien und Konflikte. Ein gut vorbereitetes Gespräch unter vier Augen kann dazu beitragen, die Schwierigkeiten zu verringern.
 
2.) Manchmal ist es bei Schwierigkeiten im Team auch hilfreich zu fragen, welche Anteile habe ich, und was kann ich bei mir ändern, damit sich die Situation verbessert? Etwa, in dem ich meine Sichtweise auf mein Gegenüber verändere und damit mein Verhalten ihm oder ihr gegenüber.
 
3.) Ein Perspektivenwechsel kann ebenfalls hilfreich sein bei Konflikten: In welcher Rolle trete ich dem Kollegen oder der Kollegin gegenüber und welche hat er, hat sie? Würde ich aus seiner, aus ihrer Rolle heraus anders mit einem Konflikt oder einer Herausforderung umgehen? Habe ich meine Position ausreichend begründet und vorgetragen und entsprechend vertreten?
 
Tipps zum Lesen
 

Wawrzinek, Ursula, Geht’s noch?! Vom Umgang mit sturen Eseln und beleidigten Leberwürsten, 2009, Knaur TB, ISBN: 9783426798393


 
     
       

Sorgen und Ängste

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    12. November 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Ich fühle mich ohnmächtig

 
„Ich muss es offenbar hinnehmen, dass ich bei meinem Chef einfach nichts erreiche“ beendet Reinhard T. seine Erzählung. Sein Chef hatte dem gelernten Maschinenbauer und im Fernstudium weitergebildeten Ingenieur zugesagt, dass Reinhard T. mit dem Abschluss seines Studiums eine höhere Position und eine Aufgabe bekommt, die seiner Qualifikation als Ingenieur entspricht. Nichts geschah. Noch immer ist er als Maschinenbauer statt als Ingenieur tätig. „Ich langweile mich jeden Tag mehr. Ich stehe schon zu viele lange Jahre an den Maschinen in unserem Fensterbaubetrieb.“ Mehrfach hatte er seinen Chef darum gebeten, mit ihm ein Mitarbeitergespräch über sein berufliches Fortkommen führen zu können. Vergeblich. „Wir haben keinen Betriebsrat, der mir dabei helfen könnte, das Mitarbeitergespräch durch zu setzten. Mein Chef ist mit meiner Arbeit zufrieden und lehnt jeden Gesprächstermin ab. Ich schwanke zwischen Resignation und ohnmächtiger Wut und fühle mich inzwischen ständig niedergeschlagen.“
Im Laufe des Coachings erkannte er, dass ihn sein Gefühl der Ohnmacht, seine Überzeugung, er könne nichts an seiner beruflichen Lage ändern, ihn daran hinderten, neue Ideen zu entwickeln für sein eigenes Weiterkommen. Er entdeckte, dass er sich selbst als hilflos angesehen und darin noch bestärkt hatte mit Selbstgesprächen wie „es hat sowieso keinen Zweck, ich kann einfach nichts machen“.
Im nächsten Schritt akzeptierte er, dass er es in der Hand, bzw. genauer in seinen Gedanken hat, aus welcher Perspektive er seinen konkreten Zustand betrachtet und welche Schlussfolgerungen er für sich daraus zieht, und dass er vermutlich vergeblich auf einen Gesprächsangebot seines Chefs wartet. „Ein wichtiger Anstoß für mich war die mehrfach wiederkehrende Frage im Coaching, welchen Vorteil ich davon habe, wenn ich weiterhin resignativ bleibe und in meinem Gefühl der Ohnmacht verharre. Diese Frage und die, was sich ändern würde, wenn sich nichts ändert, haben mich nachdenklich gemacht und mich dazu gebracht, mir meine Situation realistisch anzusehen und aufzuhören, immer mutloser zu werden und zu glauben, ich hätte keine Chance, etwas zu tun.“
Reinhard T. brauchte noch einige Zeit, ehe er sich dazu durchrang, seine gewohnte Arbeitsumgebung loszulassen und sich eine neue Arbeitsstelle als Ingenieur zu suchen ohne bei jeder Bewerbung zu denken, es lohne sich ja nicht, sie abzuschicken, es komme ja doch nichts dabei heraus.
   
Checkliste
 

1.) Das Gefühl der Ohnmacht tritt in den unterschiedlichsten Situationen und gegenüber den verschiedensten Dingen auf. Oft auch gegenüber der eigenen Person. „Ich bin so, ich kann nichts daran ändern“, ist Ausdruck einer Ohnmacht uns selbst gegenüber. Das Gefühl, nichts ändern zu können, ohnmächtig zu sein, hindert uns daran, eine Anstrengung zu unternehmen, z. B. etwas zu lernen, eine andere Perspektive einzunehmen, an uns zu arbeiten und uns weiter zu entwickeln oder etwas für uns zu erarbeiten, das wir – und andere – anerkennen und bewundern.
 
2.) Tief sitzende Ohnmachtsgefühle können auch zu übergroßer Beschäftigung führen. Aus der Angst heraus, wir schaffen es nicht die von uns erwartete Leistung zu erfüllen, sind wir dann besonders beschäftigt. Wir brauchen für einen wissenschaftlichen Artikel beispielsweise viele Bücher, zahlreiche Internetartikel, Gespräche mit Kollegen, Reisen zu Kongressen und verdrängen dadurch unser Gefühl, wir schaffen es ja doch nicht, wir sind hilflos und fühlen uns ohnmächtig.
 
3.) Das Gefühl der Ohnmacht entsteht wahrscheinlich schon im frühkindlichen Alter und kann sehr unterschiedliche Ursachen haben.
 
Tipps zum Lesen
 

Fromm, Erich, Zum Gefühl der Ohnmacht, Zeitschrift für Sozialforschung 6, 1937
S. 95-118

 
     
       

Konflikte und Kritik

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    5. November 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Danke, dass Sie sich beschweren
 
Für Carola E. war es eine schwere Entscheidung. Voller Enthusiasmus hatte ihr Chef ihr angeboten, Leiterin der neu zu schaffenden Abteilung des Beschwerde- und Verbesserungsmanagement zu werden. Mehr Gehalt inklusive. Nach langem Zögern und intensiven Verhandlungen entschied sich die studierte Betriebswirtin für die Herausforderung, die neue Abteilung in ihrem Versicherungsunternehmen aufzubauen. „Ich habe am Ende verstanden, dass es nicht nur darum geht, wie von mir befürchtet, mich auf verärgerte Kunden einzulassen, sondern Lösungen zu finden, die für beide Seiten von Vorteil sein können, und meine Erfahrungen und Auswertungen in die Organisationsabläufe des Unternehmens einzubringen und damit die Prozesse in unserem Haus insgesamt zu verbessern.“
Unternehmen wie das von Carola E. wissen, welchen wertvollen Schatz sie in den Beschwerden ihrer Kunden haben. Sie nutzen den ihnen gegenüber geäußerten Ärger, um ihre Angebote weiter zu verbessern, ihre Dienstleistung zu optimieren und damit den Erfolg ihres Unternehmens zu erhöhen. Sie machen außerdem die Erfahrung, dass Verbraucher, die sich bei ihnen beschweren, statt ihre Kritik im privaten Kreis zu äußern und dann dem Unternehmen fern zu bleiben, in den meisten Fällen weiterhin Abnehmer ihrer Produkte sind und zu Stammkunden werden oder diese bleiben. Beschwerden verdeutlichen einem Unternehmen, einer Institution außerdem, welche Stärken und Schwächen das Unternehmen und seine Produkte aus der Sicht seiner Kunden haben. Manchmal sind die Anregungen der Kunden sogar so wertvoll, dass sie sich für Innovationsprozesse nutzen lassen.
Viele Unternehmen befördern deshalb besonders langjährige, umsichtige und lösungsorientierte Kolleginnen und Kollegen in die Position eines Beschwerde- und Verbesserungsmanager und statten sie mit viel Verantwortung aus, die es Mitarbeitern wie Carola E. erlauben, Fehler weitgehend selbständig zu korrigieren und damit ihren Kunden rasch eine zufriedenstellende Lösung anzubieten. „Auf meine Anregungen hin wurden im Laufe der Zeit alle Mitarbeiter geschult, damit sie wissen, was sie bei Beschwerden ihrer Kunden tun können, selbst diejenigen, die im Moment keinen Kundenkontakt haben. Bei uns im Haus berichte ich direkt an den Vorstand Vertrieb und Marketing. Das zeigt nicht nur mir, sondern auch meinen Kolleginnen und Kollegen, welche bedeutende Rolle bei uns die Kritik unserer Kunden innerhalb des Hauses hat und wie diese von der Führungsspitze Wert geschätzt wird.“
   
Checkliste
 

1.) Sachliche Beschwerden werden häufig als Ausdruck eines Mankos innerhalb eines Unternehmens und nicht als Anregung für Verbesserung gesehen. Entsprechend werden die Mitarbeiter, die Beschwerden zu bearbeiten haben, mit nur geringer Kompetenz ausgestattet und selten für ihre Arbeit anerkannt.
 
2.) Unternehmen und wir als Privatpersonen empfinden sachliche Beschwerden häufig als persönliche Kränkung. Wir reagieren beleidigt und als Unternehmen oft gar nicht auf Kritik. Gelingt es, sachliche Kritik als solche zu erkennen und daraus die entsprechenden Schlüsse für das Unternehmen oder für uns zu ziehen, dann gehen wir nicht nur konstruktiv mit Beschwerden um, sondern auch mit uns und unseren Fehlern.
 
3.) Firmen und Institutionen, die nicht erkennen, welche Vorteile sachliche Beschwerden für sie haben, laufen Gefahr, dass ihre Mitarbeiter nach „draußen“ vermitteln, wie lästig dem Unternehmen Kritik seitens seiner Kundschaft ist.
 
4.) Ein gut im Unternehmen implantiertes Beschwerde- und Verbesserungsmanagement kann helfen, Kosten zu sparen. Ein sich ernst genommen fühlender Kunde ist oft genug ein besonders guter und überzeugender Werbeträger für ein Produkt oder eine Dienstleistung.
 
5.) Für Mitarbeiter im Beschwerdemanagement ist es hilfreich und wertschätzend, wenn sie wissen, dass sie bei Beschwerden wie dem Dampfablassen ihres Gegenübers vor allem zuhören können und nicht in jedem Fall verpflichtet sind zu handeln.

 
     
       

Selbstcoaching

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    29. Oktober 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Ich stehe gerne am Rand
 
„Meine Kollegen wollen mich immer mitten in ihre Gespräche ziehen. Dabei stehe ich gerne am Rand und höre ihnen zu. Sie finden, ich sei zu schüchtern. So sehe ich mich selbst überhaupt nicht. Nur, was bin ich?“, beginnt Ralph M. seine erste Coaching Stunde. Er fühlt sich durchaus wohl in einer kollegialen oder geselligen Runde, braucht es jedoch nicht, auf lauten Partys zu sein und ständig neue Menschen kennen zu lernen. Er hat keine Scheu vor Menschen, hält ohne Aufregung längere Reden vor größerem Publikum und genießt berufliche und gesellschaftliche Ereignisse, ohne sich dabei in den Mittelpunkt schieben zu wollen und die Aufmerksamkeit der anderen auf sich ziehen zu müssen.
Ralph M. gehört zu den eher stillen Menschen, er ist eher introvertiert. Er schätzt mehr das Zweiergespräch mit einem Kollegen, einer Kollegin oder mit seinem Chef, in dessen Werbeagentur Ralph M. als Graphikdesigner arbeitet, als die vielstimmigen kreativen Teamsitzungen und Brainstormings in seiner Agentur. „Ich arbeite gerne allein oder in einer kleinen Gruppe und brauche eine ganze Weile, bis ich auf eine Anregung von außen eine entsprechende Antwort weiß oder eine kreative Idee entwickelt habe.“ Im Laufe der Beratung erkennt Ralph M., dass es für ihn als eher introvertierte Persönlichkeit „okay“ ist, sich auch im Berufsalltag immer wieder zurückzuziehen, still vor sich hin zu arbeiten, in einer ruhigen Atmosphäre kreativ zu sein, um dann gerne wieder eine Zeitlang das Zusammensein mit anderen zu genießen, ohne dabei in Überschwang zu geraten.
Introversion ist – wie Extraversion – nach dem Schweizer Psychoanalytiker Carl Gustav Jung eine Persönlichkeitseigenschaft, die im Grundsatz nicht verändert werden kann. Sie ist bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Introvertierte Menschen können allerdings trainieren, mehr aus sich heraus zu gehen und sich in bestimmten Situationen stärker zu exponieren. Solange sie immer wieder dafür sorgen, dass sie genügend Ruhe und Zeit für sich allein haben und das, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, weil sie glauben, sie müssten genauso quirlig sein wie ihre extravertierten Kolleginnen und Kollegen. Schaffen sie es dann noch, ihrer Umgebung mitzuteilen, dass sie etwas länger brauchen, ehe sie auf Anregungen und Gesprächsangebote reagieren, weil sie erst einmal nachdenken wollen, und nicht, wie ein Extravertierter sofort weiter sprechen können, dann profitieren beide Seiten voneinander. Der Extravertierte von der kreativen Ruhe und Geduld des Introvertierten und der Introvertierte von der Lebendigkeit des Extravertierten. Erfolgreich sein können beide: Bill Gates und Steven Spielberg beispielsweise gelten als introvertierte Persönlichkeiten.
   
Checkliste
 

1.) Introvertierte Persönlichkeiten werden oft als schüchtern und ängstlich angesehen. Sie haben jedoch keine Angst vor Menschen, sie müssen allerdings auch nicht ständig und immer mit anderen unterwegs sein und von allen Menschen geliebt werden. Sie genießen das Gespräch in kleiner Runde und das Alleinsein mit sich selbst.
 
2.) Extravertierte Persönlichkeiten sind lebhaft im Gespräch, treiben die Diskussion voran und überfordern damit viele Introvertierte, die zunächst eine Information verarbeiten und durchdenken müssen, ehe sie antworten können. Bei introvertierten Kolleginnen und Kollegen lohnt es sich, zu schweigen und abzuwarten, bis diese ihre Antwort innerlich durchformuliert haben und dann äußern – für ein Gespräch meistens anregend.
 
3.) Introvertierte Menschen befürchten manchmal, nicht in die heutige Welt der Extravertierten zu passen. Lernen sie für sich, dass ihre Art zu leben und ihre Art von sich glücklich fühlen, genauso „richtig“ ist, wie die ganz andere Art der Extravertierten, dann sind sie mit ihrer zurückhaltenden Intuition und Kreativität spannende Gesprächspartner.
 
4.) Mit einem Coaching und einem speziellen Smalltalk Training können Introvertierte lernen, mehr aus sich herauszugehen und mehr Kontakte zu knüpfen. Extravertiert werden sie nie.
 
Tipps zum Lesen
 

Psychologie heute, Januar 2011: Die Stillen im Land

 
     
       

Trennung

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    22. Oktober 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Und dann ist Schluss.
 
Der Abschied aus dem Beruf: im Sommer der letzte Betriebsausflug, im Dezember die letze Weihnachtsfeier, noch ein letztes Mal fröhlich mit allen Kolleginnen und Kollegen Fasching feiern, noch einmal in der jährlichen Betriebsversammlung kräftig mitdiskutieren. Und dann ist Schluss. Das Berufsleben ist vorbei. Statt beruflicher Zukunft existiert jetzt nur noch Vergangenheit.
Der Abschied aus dem Beruf war absehbar, lange und gut vorbereitet, die Übergabe an den Nachfolger, die Nachfolgerin wurde perfekt organisiert. Nicht eingeplant ist das Gefühl der Leere, die das „Loslassenmüssen“ eines langen Berufslebens mit sich bringt. Obwohl der Arbeitsalltag oft alles andere als einfach war, obwohl viele Träume unerfüllt geblieben sind und so mancher Karriereschritt unterblieb.
Viele sehnen den Abschied aus dem Beruf herbei, freuen sich auf die freie Zeit für sich und ihre Familien, genießen die neuen Chancen, die ihnen ihre geänderten Lebensumstände bieten.
Für viele heißt der Ausstieg aus dem Beruf jedoch erst einmal Angst. Sie fürchten sich vor dem Neuen, sie fragen, sich „wer bin ich jetzt noch“, wenn z. B. niemand mehr Chef oder Chefin zu mir sagt und meine fachliche Kompetenz nicht mehr gefragt ist. Sie klammern sich an das Vertraute, das Altbekannte. Etwa der Seniorchef, der immer noch versucht, seiner Tochter zu sagen, wie sie zu handeln hat, weil es ihm schwer fällt, die Verantwortung für die Leitung des Familienunternehmens an sie abzugeben.
Loslassen zu können will offenbar gelernt sein. Es gehört zu unserem Leben dazu und dennoch fällt es uns häufig schwer. Wie oft schon wollten wir die längst überholten beruflichen Träume beenden, uns von einem unzuverlässigen Mitarbeiter trennen oder uns gar aus einer unglücklich machenden Liebe verabschieden. Um uns dann im nächsten Moment zu fragen, was kommt danach? Und statt loszulassen, halten wir lieber weiter daran fest. Wir vermeiden es, uns dem Schmerz und der Trauer zu stellen, die ein Abschied, ein Loslassen oft mit sich bringen.
Vielleicht hilft es uns, wenn wir uns ab und an trauen, uns die Frage zu stellen, was wäre eigentlich, wenn wir nicht mehr verharren in unserer Angst oder im ungeliebten Gewohnten? Wenn wir vielleicht sogar aufhören würden, die Kränkungen, die uns zugefügt wurden oder unser Nachtragendsein immer weiter in uns zu hegen und zu pflegen? Wenn wir lernen würden, Niederlagen anzunehmen und zu verarbeiten?
Wir stünden mit leeren Händen da, und unsere freien Hände hätten die Freiheit, neue Chancen und Möglichkeiten zu ergreifen.
   
Checkliste
 

1.) Loslassen gehört zu unserem Leben dazu. Dennoch fällt es uns oft schwer, los zu lassen. Wir wissen, dass wir es in einer bestimmten Situation tun müssen, und wir haben Angst davor, es zu tun, weil es oft schmerzt und uns verletzt.
 
2.) Ein erster Schritt, z. B. bestimmte Gewohnheiten, schwierige berufliche Situationen, eine ungeliebte Stelle oder das endlose Träumen von unserem Traumberuf loszulassen, kann sein, erst einmal zu akzeptieren, dass wir trotz besseren Wissens daran festhalten. Auch wenn uns diese Erkenntnis über uns vielleicht nicht immer gefällt.
 
3.) Unterstützend beim „Loslassen lernen“, können Fragen sein wie, was gewinne ich für mich, wenn ich los lasse? Kann ich wachsen, wenn ich eine berufliche oder persönliche Position aufgebe? Muss ich jetzt wirklich eine Antwort finden oder kann das Problem auch erst einmal ungelöst bleiben, weil es für mich im Moment keine klare Entscheidung gibt? Ist es in dieser Situation überhaupt wichtig loszulassen oder vielleicht wichtiger, „dran zu bleiben“, auch wenn die Hindernisse fast unüberwindlich erscheinen und es viel bequemer für mich wäre, aufzugeben?
 
Tipps zum Lesen
 

Tarr, Irmtraud, Loslassen – die Kunst, die vieles leichter macht, 2007
Herder Verlag, ISBN: 9783451059216

 
     
       

Selbstcoaching

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    15. Oktober 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Willkommen, innerer Schweinehund
 
Kennen Sie Ihren inneren Schweinehund? Der, der mir fröhlich zulächelt und freudig bellend mit dem Schwanz wedelt, wenn ich mich wieder einmal erfolgreich gedrückt habe vor dem Aufräumen meines Schreibtisches, der überfälligen Steuererklärung, dem für den heutigen Tag eingeplanten Jogging, dem Beantworten unangenehmer Briefe, dem schwierigen Gespräch mit meinem Chef? Für meinen inneren Schweinehund sind das Momente reinsten Glücks. Gelingt es mir dann noch zum wiederholten Mal, mich mit ach so dringenden Nebensächlichkeiten zu beschäftigen, statt endlich mein Traumprojekt zu beginnen, ist er restlos begeistert.
Einen innerer Schweinehund – ein Wort, das in den letzten Jahren einen starken und positiven Bedeutungswandel erfahren hat – haben vermutlich die meisten von uns. Er ist der Teil unserer Persönlichkeit, der uns dazu bringt, Dinge aufzuschieben, die wir längst hätten erledigen wollen, der uns jährlich an unseren guten Vorsätzen für das neue Jahr scheitern lässt, der uns davon abhält, endlich das überfällige Mitarbeitergespräch mit einem unangenehmen Kollegen zu führen … . Meist können wir sehr gut und ausführlich begründen, weshalb gerade jetzt das für uns so nicht machbar ist. Viel schwerer fällt es uns, unseren inneren Schweinehund doch einmal zu überwinden. Aus unterschiedlichen Gründen: Wir setzen uns Ziele, die gar nicht die richtigen für uns sind oder wir machen sie für uns so schwer erreichbar, dass wir lieber nicht losgehen um dorthin zu kommen. Aufgaben, die wir uns stellen oder uns gestellt werden, lösen Widerstände in uns aus. Manchmal ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Wir haben Angst, Fehler zu machen, wenn wir eine Arbeit anpacken. Oder wir sind einfach zu faul dazu, unsere lang antrainierten Gewohnheiten aufzugeben und leben lieber damit, wenn auch vielleicht nicht immer glücklich.
Entscheiden wir uns doch dazu, etwas bei uns zu ändern, dann ist es hilfreich, zunächst zu akzeptieren, dass wir einen inneren Schweinehund haben und ihn danach näher kennen zu lernen. Etwa, in dem wir analysieren, weshalb wir manche Dinge so liebend gerne lange vor uns herschieben und welche Verzögerungstaktiken wir dabei anwenden, während wir Anderes sofort erledigen und umsetzen. Lang eingeübte Gewohnheiten lassen sich am ehesten durch neue ersetzen, wenn wir das neue Verhalten mindestens drei, eher jedoch sechs Wochen lang täglich oder regelmäßig üben. Schafft es unser innerer Schweinehund, uns zwischendrin von unserem Training abzubringen, dann freuen wir uns, dass er dieses eine Mal gewonnen hat, schließlich gewinnen am Ende wir.
Mein innerer Schweinehund heißt übrigens Max.
   
Checkliste
 

1.) In der Motivationsliteratur finden sich zahlreiche Tipps, wie wir mit unserem inneren Schweinehund umgehen, wie wir uns selbst motivieren und selbst disziplinieren. Gute Erfahrungen habe ich gemacht mit dem Kennenlernen meines inneren Schweinhundes, mit der Erkenntnis, dass ich es bin, die entscheidet, ob ich eine Gewohnheit ändern möchte oder nicht (2) und mit Supporten (3).
 
2.) Wir entscheiden, ob wir Dinge immer wieder aufschieben oder ob wir sie tatsächlich beginnen, auch wenn sie uns unangenehm oder lästig sind. Hilfreich ist es, wenn wir Schritt für Schritt voran gehen und uns dafür belohnen, wenn wir wichtige Etappen erreicht haben.
 
3.) Wenn wir Dinge am Besten und am leichtesten unter Druck anpacken und erledigen, dann kann es hilfreich sein, wenn wir einen Freund, eine Kollegin, unseren Partner darum bitten, unser Supporter zu sein. Supporter bekommen von uns Rolle, uns regelmäßig auf die von uns gewählte Aufgabe hinzuweisen. Z. B. können wir sie bitten, uns drei Wochen lang jeden Morgen daran zu erinnern, dass wir täglich eine halbe Stunde laufen wollen. Oder wir nutzen die Elektronik als persönliche Supporter und lassen uns mit PC und Handy an von uns selbst gewählte Termine erinnern, etwa mit dem Wecker oder mit der Aufgabenfunktion.
 
Tipps zum Lesen
 

Meier, Rolf, 30 Minuten für eine dauerhafte Selbstmotivation, 2007
Gabal Verlag, ISBN: 9783897496583
Münchhausen von, Marco, So zähmen Sie Ihren inneren Schweinehund, 2005
Campus Verlag, ISBN: 9783593377964

 
     
       

Selbstcoaching

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    8. Oktober 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Meine Werte und ich
 
“Bei uns gibt es außer Klatsch und Tratsch über nicht anwesende Kolleginnen und Kollegen und über den Chef kaum andere Gespräche unter den Mitarbeitern.“ Solche und ähnlich bedauernde Äußerungen formulieren viele Klientinnen und Klienten im Coaching, wenn es um Gesprächskultur und Werte in ihrem Unternehmen geht. Sie leiden darunter, im Beruf und seitens ihrer Kolleginnen und Kollegen und Vorgesetzten Respektlosigkeit sich selbst und anderen gegenüber zu erleben. Sie wünschen sich mehr Vertrauen und wissen nicht so recht, wie sie ihre Werte, die ihnen wichtig sind, im Berufsalltag leben und aufrecht erhalten können. Und oft genug fragen sie sich, wie sie es schaffen können, nicht nur von ihrem Gegenüber Respekt, Vertrauen und Verantwortung einzufordern, sondern wie sie diese Werte in ihr eigenes Leben integrieren können.
Respekt, Vertrauen und Verantwortung sind Werte, die im Privat- wie im Berufsleben eine wichtige Rolle spielen und die sich gegenseitig bedingen und gleichwertig nebeneinander stehen. Ein respektvoller Umgang mit dem anderen gelingt meistens dann, wenn ich gelernt habe, mich selbst zu respektieren mit allen meinen Stärken und meinen Schwächen. Wenn ich für mich erfahren habe, dass Selbstwert bedeutet, mich in allem „Wert zu schätzen“, auch mit meinen weniger angenehmen Eigenschaften, die jeder von uns hat, dann habe ich gelernt, mit mir respektvoll umzugehen, dann kann ich auch dem anderen gegenüber respektvoll sein. Respekt mir selbst gegenüber bedingt, dass ich die Verantwortung übernehme für mein Tun und mein Dasein. Habe ich als Führungspersönlichkeit beispielsweise wenig Vertrauen in meine Fähigkeiten, werde ich vermutlich auch meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weniger abverlangen, sie vor Herausforderungen verschonen, und ihnen eher misstrauen, als sie zu fordern und zu fördern und ihnen damit die Chance zu bieten, sich weiter zu entwickeln. Fehlendes Vertrauen in mich und die anderen führt meistens dazu, dass ich lieber alles selbst mache, als Teile der Arbeit zu delegieren und damit dem anderen gegenüber meine Wertschätzung auszudrücken.
Doch wie lassen sich Werte wie Respekt, Vertrauen und Verantwortung lernen und leben? Das Erkennen, dass sie mir wichtig sind, ist ein erster Schritt. Schaffe ich es dann auch noch, zum Beispiel zum Pausenklatsch nein zu sagen, obwohl ich dann weniger beliebt bin bei den Kolleginnen und Kollegen, dann habe ich einen weiteren für mich wichtigen Schritt getan zu mehr Respekt und Vertrauen. Und es gibt wichtigere und interessantere Themen als Klatsch und Tratsch.
   
Checkliste
 

1.) Fragt man nach den allgemeinen Werten jedes einzelnen, dann stehen Freiheit und Erfolg gefolgt von Familie, Gesundheit und Sicherheit ganz oben auf der Werteskala. Im Beruf wünschen sich die meisten einen respektvollen Umgang, Ehrlichkeit, Vertrauen und Verantwortung.
 
2.) Werte sind von unserer Umgebung übernommene Überzeugungen, die uns von Klein auf prägen. Einige davon sind allgemein gültig, etwa, dass wir einem anderen gegenüber keine Gewalt ausüben. Andere müssen immer wieder neu ausgehandelt werden, weil es keine richtige oder falsche Lösung gibt, sondern nur eine, die wir nach bestem Wissen vorschlagen und selbst leben können. Denn manchmal vergessen wir, dass unsere Werte eine Orientierung für uns sind und nicht zwingend für den anderen, auch wenn wir glauben, es gut mit ihm zu meinen.
 
Tipps zum Lesen
 

Grundl, Boris, Diktatur der Gutmenschen, Was Sie sich nicht gefallen lassen dürfen, wenn Sie etwas bewegen wollen, 2010
Econ Verlag, ISBN: 9783430201070
Grün, Amseln, Menschen führen – Leben wecken, 2006
Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN: 9783423342773
Wickert, Ulrich, Redet Geld, schweigt die Welt. Was uns Werte wert sein müssen, 2011, Hofmann und Campe Verlag, ISBN: 9783455502244

 
     
       

Personalführung

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    01. Oktober 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Ja, ich will
 
“Bei uns im Unternehmen werden nur die Spitzenleute gefördert. Mittelklassetypen (OP 24. 9.2011) wie mich registriert weder unser Chef noch unsere Personalleiterin. Aber auch ich will weiter kommen. Offenbar geht das nur, wenn ich meine Karriere selbst in die Hand nehme. Deshalb sitze ich hier“, begründete Nicole H. ihren Wunsch nach einem Coaching. Die gelernte Speditionskauffrau strebte in ihrer Logistikfirma eine gehobene Position als Abteilungsleiterin für Spezial- und Gefahrguttransporte an. Bislang ohne Erfolg. Nach einer Weile erkannte sie, dass sie sich bisher vornehmlich auf die Frage konzentriert hatte, weshalb sie nicht vorwärtskam und weitaus weniger darauf, was sie sich wirklich wünscht, welche Perspektiven sie für sich in ihrem Beruf sieht und wo sie in zwei oder fünf Jahren sein möchte. Sie entdeckte dabei, dass sie einerseits davon träumte, mehr Verantwortung zu übernehmen, ihr es andererseits schwer fiel, ihr bequemes Leben aufzugeben. „Im Moment läuft alles fast von selbst. Ich kenne meine Aufgaben, erledige sie ordentlich und gehe abends pünktlich nach Hause.“
Im Coaching prüfte sie dann nach, ob sie wirklich weiter kommen oder lieber ihre derzeitige Position beibehalten wollte, welche Ängste und Bedenken sie hatte, welche beruflichen Kompetenzen sie auszeichnen und wie sie diese noch stärker für sich nutzen könnte.
Nachdem sie sich bewusst dafür entschieden hatte, dass sie dazu bereit sei, etwas zu ändern und konkret zu handeln, begann sie, sich ihre mögliche künftige Rolle als Führungspersönlichkeit genauer anzusehen und in kleinen Schritten auszuprobieren. Sie übernahm zusätzliche Aufgaben im Unternehmen wie die Organisation einer internen Kundenmesse oder das Präsentieren ihrer Firma vor neuen Geschäftspartnern. „Zunächst war ich sehr unsicher. Ich zweifelte immer wieder an mir und wollte mein Ziel, Abteilungsleiterin zu werden, mehr als einmal aufgeben. Ich hatte Angst vor der neuen Herausforderung und meine Bequemlichkeit war mir lieb und teuer. Mir half, dass ich mich in unterschiedlichen Situationen erprobte, die ich mir selbst ausgesucht hatte, dabei meine beruflichen Fähigkeiten noch besser kennen lernen und vertiefen konnte und selbstbewusster wurde.“
Zu ihrer Überraschung fiel ihrem Chef relativ rasch auf, dass sie an sich arbeitete und offenbar weiterkommen wollte. Gemeinsam entwickelten sie eine berufliche Perspektive für Nicole H. und für eine Förderung „eines Mittelklassemitarbeiters wie mich“ durch das Unternehmen. Heute leitet sie mit viel Engagement den Geschäftsbereich Neukundenakquise und Marktbeobachtung.
   
Checkliste
 

1.) Viele Unternehmen konzentrieren sich bei der Förderung ihrer Mitarbeiter auf ihre Spitzenkräfte und befassen sich nicht oder nur selten mit ihren Mittelklassemitarbeitern.
 
2.) Träumen Mittelklassemitarbeiter davon, sich beruflich weiter zu entwickeln, dann müssen sie dies oft ohne Unterstützung ihres Unternehmens tun. Hilfreich kann hier das Gespräch mit einem Coach, mit Freunden oder mit der Familie sein.
 
3.) Zunächst stellt sich ihnen die Frage, ob sie ihre Träume tatsächlich realisieren und weiter kommen möchten und falls ja, welche Ziele sie für sich haben und wie sie diese konkret umsetzen.
 
4.) Nicht jedem fällt es leicht, seine Träume zu leben. Es kann deshalb hilfreich sein, zunächst kleine Schritte zu wagen, sich immer wieder in unterschiedlichen beruflichen Situationen auszuprobieren, beständig weiter an sich zu arbeiten und zu überprüfen, ob auf diesem Weg die Ziele erreicht werden können.
 
5.) Mittelklassemitarbeiter, die sich verändern wollen, gelingt es oft, ihre Vorgesetzten auf sich aufmerksam zu machen beruflich weiter zu kommen. Bleibt die Anerkennung und Förderung aus, gilt es zu prüfen, ob ein Wechsel des Arbeitsplatzes eine bessere Alternative wäre.

 
     
       

Personalführung

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    24. September 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Mittelklasse
 
Fahren Sie einen Mittelklassewagen? Praktisch für Sie und Ihre beruflichen und privaten Ansprüche und günstig im Verbrauch? Solide und zuverlässig und mit jenen gewissen kleinen Extras, die Ihnen Freude bereiten? Vermutlich wird Ihr Autotyp auf einer Automobilmesse nur von wenigen neugierigen Besuchern umlagert werden und – wenn überhaupt – höchstens in der Fachpresse besprochen. Und dennoch sind es genau diese Autos, die als „Leistungsträger“ Konzernchefs und Aktionären leuchtende Augen bescheren, weil ihre Zulassungszahlen der Autoindustrie kräftige Gewinne ermöglichen.
Ähnlich ist es in der Berufswelt: Viele Unternehmen fördern, richtigerweise, ihre „High Potentials“. Also die Mitarbeiter, von denen sie annehmen, dass sie einmal Führungsaufgaben übernehmen können. Selten jedoch unterstützen sie ihre „Mittelklassemitarbeiter“ bei deren beruflichen Weiterkommen. Es sind die Angestellten und Facharbeiter, die gut und loyal arbeiten, ohne sich dabei besonders auszuzeichnen und dadurch ins Scheinwerferlicht des Unternehmens zu geraten. Dabei sind es meist sie, die das Wachstum und den Gewinn einer Firma erarbeiten und erwirtschaften und mit ihrer normalen und stetigen Arbeit für ihr Unternehmen wertvoll und für die langfristige Weiterentwicklung der Firma wichtig sind.
„Mittelklassemitarbeiter“ haben nur selten den Wunsch, Karriere machen zu wollen. Ihr Privatleben ist ihnen so wichtig wie ihr Beruf. Sie werden deshalb auch nur selten von der Führungsspitze gefördert. Manchmal bleibt ihr im Laufe eines Berufslebens angeeignetes Fachwissen sogar gänzlich unentdeckt und ungenutzt. Werden diese Kolleginnen und Kollegen über längere Zeit mit ihrem spezifischen Können von ihren Führungskräften übersehen, kann sich bei ihnen Langeweile im Beruf einschleichen. Die innere Kündigung der Mitarbeiterin, des Mitarbeiters ist dann häufig nicht mehr weit.
Erkennen Unternehmen, wie kostbar ihre „Mittelklassemitarbeiter“ für sie sind, dann können sie beispielsweise deren genauen Einblicke in den Betrieb dafür nutzen, diese Kenntnisse gezielt an junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterzugeben. Etwa als Mentoren, die dafür sorgen, dass internes Firmenwissen nicht verloren geht. Gelingt es dann noch, die Extras der Kolleginnen und Kollegen gezielt zu fördern, werden „Mittelklassemitarbeiter“ oft die beste Wahl sein, wenn es um interne Positionen geht, die Beständigkeit, Verlässlichkeit und Fachwissen verlangen.
   
Checkliste
 

1.) Die meisten Unternehmen haben erkannt, dass es für sie und ihre Nachwuchskräfte lohnend ist, wenn sie diese gezielt fördern und bei ihrem beruflichen Fortkommen passgenau unterstützen.
 
2.) Weniger im Fokus der Unternehmen stehen bislang die „Mittelklassemitarbeiter“. Sie werden seltener aktiv in ihrem beruflichen Weiterkommen unterstützt oder gar von ihren Führungskräften dazu angeregt, ihre Potentiale auszunutzen und auszubauen.
 
3.) Befürworten Unternehmen die Weiterbildung und Fortentwicklung ihrer solide und loyal arbeitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und nutzen das spezifische Fachwissen für ihre Unternehmensbelange, dann können diese mit ihrem Können und ihrer Leistung ein Unternehmen voran bringen und einer Führungskraft viele Chancen der eigenen Weiterentwicklung ermöglichen.

 
     
       

Selbstcoaching

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    17. September 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Bitte negativ denken
 
Einen Moment mal bitte, werden Sie vielleicht sagen, wenn Sie die Überschrift lesen. Ich soll negativ denken? Fast täglich bekomme ich Tipps in den unterschiedlichen Medien, wie wichtig es für mich ist, positiv zu denken, damit ich in meinem Beruf oder meinem Privatleben erfolgreich bin. Und jetzt soll ich bitte negativ denken? Sie haben Recht. Aber so platt ist die Aussage auch wieder nicht gemeint. Sie ist vielmehr als Anregung gedacht. Denn im Coaching zeigt sich immer wieder, dass Klienten unterschiedlich mit der Aufforderung „think positive!“, „denke positiv!“ umgehen. Klienten, denen es überwiegend leicht fällt, sich selbst zu motivieren und leistungsorientiert zu arbeiten, haben selten Schwierigkeiten damit, sich ihre beruflichen Ziele farbenprächtig auszumalen und dafür zu sorgen, diese auch zu erreichen und erfolgreich im Beruf zu sein.
Dagegen erleben sich Klienten, die eher zurückhaltend sind, die eher an sich zweifeln oder die eher problemorientiert sind, sich häufig als überfordert und wie gelähmt, wenn sie dazu aufgefordert werden, sich phantasievoll und kreativ ihre berufliche Zukunft vorzustellen. Sie fühlen sich oft durch ein „think positive“ weniger beflügelt als vielmehr gebremst. Für sie scheint es hilfreicher zu sein, wenn sie sich konkrete und machbare Ziele vornehmen und sich dabei auch die Frage stellen, was denn im schlimmsten Fall passieren kann, wenn sie sich für einen bestimmten Weg entscheiden und am Ende ihre Ziele gar nicht oder nur unzulänglich erreichen? Durch den bewussten Blick auf den schlimmsten Fall, durch das Veranschaulichen eines möglichen Misserfolges wissen sie, was alles schief gehen kann. Die meisten von ihnen trauen sich dann, das Risiko zu wagen und gehen den von ihnen ausgewählten Weg. Oder sie setzen sich neue Ziele und wägen hierfür Erfolg und Misserfolg gründlich ab.
Schwerer haben es Klienten, die sich in ihren Träumen viele bunte Erfolgsbilder malen und ihre Ziele klar formulieren können, jedoch davor zurückschrecken, die dafür notwendigen konkreten Schritte auch zu gehen. Sie bleiben meistens weniger erfolgreich, als sie es sich erträumen und aufgrund ihrer Stärken und Fähigkeiten sein könnten. Manchmal hilft ihnen es ihnen, wenn auch sie sich den schlimmsten Fall vorstellen und in Ruhe die Unsicherheiten durchdenken, die sie eingehen, wenn sie sich tatsächlich für ihren von ihnen ideenreich skizzierten Weg entscheiden und diesen dann täglich Schritt für Schritt weiter verfolgen.
   
Checkliste
 

1.) Wir reagieren unterschiedlich auf Aufforderungen von außen, etwa auf die Anregung, möglichst positiv zu denken und damit erfolgreich zu sein.
 
2.) Für leistungsstarke Menschen kann die Aufforderung, sich ihre Erfolge farbenprächtig auszumalen, eine sehr starke Motivation sein, die von ihnen skizzierten Ziele auch zu erreichen.
 
3.) Für viele Menschen ist es jedoch hilfreicher, sich die Zukunft positiv vorzustellen und sich gleichzeitig konkret damit auseinander zu setzen, welche Hindernisse auf dem Weg liegen können und wie diese konkret weggeräumt werden können.
 
4.) Hilfreich kann hierbei die Frage sein, was eigentlich im schlimmsten Fall passieren kann.
 
5.) Menschen, die einerseits recht motiviert sind, sich andererseits eher davor scheuen, hart für ihre Vorstellungen zu arbeiten, lassen sich gerne darauf ein, in ihren Tragträumen Erfolgsphantasien zu skizzieren, ohne sie jedoch dann Realität werden zu lassen. Ihnen kann manchmal ein Coaching helfen, tatsächlich so erfolgreich zu sein, wie sie es sich selbst wünschen.

 
     
       

Personalführung

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    10. September 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Hallo, ich bin die Neue!
 
Alles schien perfekt. Die Einstellungsgespräche waren hervorragend gelaufen; beide Seiten sind davon überzeugt, den richtigen Mann, die richtige Frau, das richtige Unternehmen gefunden zu haben; der erste Arbeitstag nähert sich; die Erwartungen sind groß und hoffnungsvoll und am entscheidenden Tag ist alles ganz anders: Fast niemand im Unternehmen weiß, dass der neue Mitarbeiter heute anfängt, für ihn sind weder ein Schreibtisch noch ein Computer vorbereitet, ein eigener Telefonapparat ist erst einmal Fehlanzeige und die Kollegen und Kolleginnen schauen irritiert auf den Neuzugang, als er ihnen vorgestellt wird. Unmöglich? Leider nein. Immer wieder erleben neue Mitarbeiter oder Auszubildende, dass die Firmenleitung sie eingestellt hat, die übrige Mannschaft jedoch keine Kenntnis von dem Neuzugang hat und niemand mit ihnen über die sich dadurch ergebenden Veränderungen gesprochen hat. Für alle Beteiligten eine Herausforderung, besonders jedoch für den Neuen, der sich seinen ersten Tag ganz anders vorgestellt hatte. So mancher qualifizierte Kollege hat sich nach einer derart einprägsamen Erfahrung rasch einen neuen Arbeitsplatz gesucht, in der Hoffnung, dort mehr Wertschätzung zu erfahren als im „alten“ Unternehmen.
Was können Unternehmen tun, damit sich ihre neuen Mitarbeiter relativ rasch wohl fühlen und ihre volle Arbeitskraft möglichst schnell anbieten können? Neben einem herzlichen Willkommen und einem richtig ausgestatteten Arbeitsplatz ist es für den Neuen oft hilfreich, wenn er gleich am ersten Arbeitstag einen Ansprechpartner genannt bekommt, den er bei allen Fragen und Wünschen kontaktieren und bei Bedarf auch um Rat bitten kann. Größere Unternehmen sind in den letzten Jahren zunehmend dazu über gegangen, ihren neuen Mitarbeitern eigens dafür geschulte Paten oder Mentoren zur Seite zu stellen, die den Neuen helfen, dass sie sich rasch im neuen Haus zu Recht finden und die entsprechenden Kontakte und Netzwerke knüpfen können. Inzwischen suchen sich viele Firmen auch externe Berater, damit die Integration von Führungs- und Fachkräften möglichst reibungslos verläuft. Denn ein externer Berater erkennt oft schneller, weshalb es bei der Einarbeitung knirscht, etwa, weil die Zielvorgaben des Unternehmens ungenau sind. Er kann dann zwischen Unternehmensführung und dem Neuen vermitteln, ohne Angst um den eigenen Job haben zu müssen.
   
Checkliste
 

1.) Der erste Arbeitstag, die ersten Arbeitswochen entscheiden oft genug darüber, ob ein Unternehmen einen engagierten Mitarbeiter eingestellt hat. Kommt einem eigentlich wertvollen Mitarbeiter, wie einer speziell gut ausgebildeten Fachkraft zu Beginn seiner Tätigkeit in seiner neuen Firma wenig Wertschätzung entgegen, wird er sich wahrscheinlich anders entwickeln als wenn er das Gefühl bekommt, willkommen und geschätzt wird.
 
2.) In vielen Unternehmen ist es hilfreich, wenn die neuen Kolleginnen und Kollegen einen erfahrenen Ansprechpartner zur Seite gestellt bekommen, der sie dabei unterstützt, sich rasch zu integrieren.
 
3.) Wichtig ist es, dass auf beiden Seiten klare Vorstellungen darüber vorhanden sind, welche Ziele angestrebt werden sollen, welche Prioritäten zu setzen sind, und wie die fachlichen Vorstellungen der neuen Kolleginnen und Kollegen in die Kultur des Unternehmens eingefügt werden können.
 
4.) Sind externe Kontakte Teil des Arbeitsbereiches neuer Mitarbeiter, dann ist es von großem Vorteil für alle, wenn sie rasch über die wichtigsten Firmenkunden und –partner informiert werden und Partner des Unternehmens wissen, dass sie künftig von neuen Kolleginnen und Kollegen angesprochen werden.
 
Tipps zum Lesen:

Manager Seminare, Heft 162, September 2011

 
     
       

Trennung

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    3. September 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

…und plötzlich ist alles anders…
 
Zwei Jahre harte Arbeit, lange Sitzungen, viele Gespräche, aufwendige Abstimmungsprozesse, frustrierende Momente, glückliche Augenblicke… bald ist das Ziel erreicht, es fehlen nur noch wenige Schritte bis zum glücklichen Abschluss. Doch von einem Moment auf den anderen ist alles anders. Völlig unerwartet und gänzlich ohne Vorankündigung kommt das Aus. Ohne jede Erklärung wird das Projekt von den dafür Verantwortlichen abgesagt.
Wie gehen wir mit solchen Momenten um? Mit Momenten, auf die wir nicht im geringsten vorbereitet sind? Mit Momenten, die wir uns einfach nicht vorstellen konnten, angesichts der vielen Signale, die alle auf grün standen und uns suggerierten, wir sind auf dem richtigen Weg mit unserem Projekt, unserer Forschungsarbeit, unserer Marketinganalyse oder unserer Bewertung der strategischen Unternehmensentwicklung. Wir haben nichts falsch gemacht, uns ist kein Fehler unterlaufen und dennoch müssen wir eine bittere Niederlage hinnehmen und uns Entscheidungen geschlagen geben, die wir nicht beeinflussen konnten und können. Uns würde es vielleicht leichter fallen, ein von uns mit viel Engagement bearbeitetes und begleitetes Projekt aufzugeben, wenn wir Fehler gemacht hätten und damit sein Scheitern mit verursacht hätten. Stattdessen müssen wir jetzt unsere gute und langjährige Arbeit einfach auf die Seite schieben und versuchen, uns wieder zu motivieren, damit wir mit unserer Arbeit weiter machen und darin neue Ziele anpeilen und verfolgen zu können.
Wie soll dies gelingen? Was kann uns helfen, unsere Gefühle der Ohnmacht, der Wut, der Enttäuschung loszulassen, damit wir es schaffen, nach vorne zu schauen und uns neuen Herausforderungen zu stellen? Wie erreichen wir es, dass wir unsere bisherigen Perspektiven für unseren Beruf aufgeben und uns die Chance geben, neue zu entwickeln? Eine einfache „man nehme“-Lösung gibt es hierfür nicht. Für jeden von uns ist ein anderer Weg richtig. Während die einen es brauchen, möglichst oft und viel über die unerwartete Niederlage reden zu können, ist es für die anderen wichtig, sich abzulenken und andere Dinge zu tun oder sich zurückzuziehen und erst einmal zu schweigen, ehe sie mit dem Verarbeiten beginnen.
Entscheidend ist, dass wir uns genügend Raum geben für den Abschied von einem Projekt, von einem Stück Leben, das wir unserem Projekt gewidmet haben und das unser Abschiedsschmerz von unserem Gegenüber wahrgenommen und respektiert wird. Und vielleicht können wir in der Zukunft sagen, der qualvolle Verlust des Projektes war der Anfang von etwas Neuem, das wir sonst nicht erlebt hätten.
   
Checkliste
 

1.) Haben wir eine Niederlage mit zu verantworten, dann können wir versuchen, aus unseren Fehlern zu lernen. Schwerer ist es, sich von einem Projekt zu verabschieden, das unvollendet aufgegeben wird, weil andere es nicht mehr für wichtig oder für richtig erachten und deshalb auf die Seite schieben.

2.) Das Gefühl der Ohnmacht, das Gefühl, nichts falsch gemacht zu haben und dennoch das Scheitern unseres Projektes nicht verhindern zu können, ist schwer auszuhalten. Vielleicht hilft uns dabei zu sehen, dass wir nicht nur ohnmächtig sind. Wir können beispielsweise unsere Erfahrungen versuchen zu „verwerten“, auch materiell, oder wir können Teilprojekte aus dem Gesamtprojekt an anderer Stelle einbauen und so für uns nutzen.

3.) Wichtig ist, dass wir uns Zeit für den Abschied nehmen von einem Projekt und dies auf die Art und Weise, die uns gut tut und nicht, wie andere glauben, dass wir es tun müssten.

 
     
       

Selbstcoaching

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    27. August 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Das Glück kennt nur Minuten,…
 
… der Rest ist Warteraum“ singt 1967 Hildegard Knef und über 40 Jahre später Patricia Kaas, und die beiden berühmten Sängerinnen setzen das Lied fort mit den Worten „das Glück lässt sich nicht sprechen, belächelt dein Vertrauen“. Wir kennen manchmal solche Minuten des Glücks im Beruf. Etwa, wenn uns ein Kunde zufrieden anlächelt nach einem guten und erfolgreichen Verkaufsgespräch. Oder wenn wir stolz darauf sein können, dass wir ein schwieriges Projekt erfolgreich abgeschlossen haben. Oder einfach, wenn uns die Arbeit leicht und fröhlich von der Hand geht, und wir ohne große Mühe unseren Berufsalltag bewältigen.
Oft fällt es uns schwer, diese Glücksminuten in unserem Beruf wahrzunehmen, weil so viele andere Dinge wichtiger und dringlicher erscheinen. Auf eine intensiv geführte Teambesprechung folgen eine Präsentation von möglichen neuen Kunden, anschließend eine wichtige Projektbesprechung und danach die wöchentliche Runde mit den Abteilungsleitern unseres Unternehmens. Uns bleibt kaum Zeit zum Nachdenken, viel weniger der Moment, uns über unsere Erfolge im Berufsalltag zu freuen und „das Glück“, das „nur Minuten“ kennt, zu erleben. Gelingt es uns dennoch, diese kleinen Augenblicke des Glücks in unserem Alltagsleben zu entdecken, dann können wir daraus Kraft und Zufriedenheit für uns ziehen.
Wir können uns natürlich auch dazu entschließen, für „Minuten verweilende Glück“ vermehrt in unserem täglichen Leben zu sehen. Möglicherweise registrieren wir dann so glückliche Momente, wie das herzliche Guten Morgen unserer Empfangsdame oder das nette Lächeln unseres Kollegen aus der benachbarten Abteilung, wenn wir ihn an der Kaffeemaschine treffen.
Verstärken können wir unser „für Minuten verweilendes Glück“, wenn wir anfangen, uns zu sagen, „ich möchte“, statt „ich muss“, „ich kann“, statt „ich bin dazu verpflichtet“. Wir haben dann nicht mehr das Gefühl, wir sind unserem Alltag ausgeliefert (oder wir liefern ihm uns aus), sondern wir entscheiden, ob und wie wir etwas tun möchten und wie wir unsere beruflichen Herausforderungen meistern. Erkennen wir dann noch, dass sich Glücksmomente immer mit grauen Alltagsminuten abwechseln, dann können wir den „Warteraum“ des Glücks gelassener ertragen und die Anstrengungen und Frustrationen unseres Berufslebens leichter durchstehen. Wir lernen, dass sich das Glück „nicht sprechen“ lässt und unser „Vertrauen belächelt“, wenn wir glauben, wir könnten es herbei zwingen. Und können darauf vertrauen, dass es uns dafür immer wieder (und immer häufiger) „Minuten“ des Glücklichseins schenkt.
   
Checkliste
 

1.) Die Literatur mit Anleitungen zum Glücklichsein ist umfangreich. Jede Anleitung verspricht uns den sicheren Weg zum Glück. Manchmal reicht es jedoch zu erkennen, dass Glück nichts ist, was uns von außen an uns heran getragen wird, sondern das, was wir in uns finden und in uns ausbauen und verändern können.
 
2.) Eine Konzentration auf die „glücklichen“ Momente des Alltags, wie ein nettes Lächeln, eine charmante Ansprache in einem Geschäft oder die Freude am durch die dunklen Regenwolken durchblitzenden Sonnenschein können uns dabei helfen, die Minuten des Glücks zu erkennen, sie wahrzunehmen und an ihnen zu wachsen.

 
     
       

Stress & Entspannung

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    20. August 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Work life balance
 
„Meine neue Chefin hat mir nach ein paar Monaten unserer Zusammenarbeit geraten, mehr auf meine work life balance zu achten. Sie sehe, dass ich in meinem Beruf überfordert sei und etwas für mich tun müsse.“ Cathrin S., 37 Jahre alt, arbeitet seit 10 Jahren engagiert als Wellnessmanagerin in einem großen Hotel. Seit ein paar Monaten fühlt sie sich schon morgens vor der Arbeit ausgelaugt und erschöpft. „Ich habe nach dem Gespräch mit meiner Chefin viele Listen geschrieben und festgehalten, was mir als Ausgleich zu meinem Beruf alles Gute tun kann. Ich habe zu malen angefangen, mache mehr mit meiner Familie, treffe mich vermehrt mit Freunden, doch trotz work life balance fällt mir mein Alltagsleben täglich schwerer. Dabei liebe ich meinen Beruf. Ich wollte nie etwas anderes tun.“
Engagierte Menschen, die gerne beruflich tätig sind, wie Cathrin S. sehen ihre Arbeit als Teil ihres Lebens und nicht als Kontrastprogramm dazu. Ihnen schenkt der Beruf ebenso viel Freude und Zufriedenheit wie ihre Freizeit. Work life balance kann für sie eine Entlastung sein. In bestimmten Situationen bedeutet es für sie jedoch nur noch mehr Stress, und sie fühlen sich am Ende bei allem überfordert.
Cathrin S. begann sich nach einer Weile die Frage zu stellen, weshalb „mir mein Traumjob trotz vielseitigem Ausgleich in meiner Freizeit immer noch so viel Stress macht und mir die work life balance nicht hilft, meinen Stress abzubauen“. Sie erkannte, dass es nicht ihr gewohnter Berufsalltag ist, der sie überfordert, sondern die Aufforderung ihrer neuen Chefin an sie, anders zu arbeiten als sie es bislang getan hatte. „Ich bin ein zugewandter und zuverlässiger Mensch. Ich nehme gerne Anregungen auf und setze sie um. Schwer fällt es mir dagegen, meinen Kunden Produkte zu verkaufen, nach denen sie nicht gefragt haben. Das sollte ich auf Wunsch meiner Chefin jetzt vermehrt tun. Ich fühlte mich dadurch sehr verunsichert und hörte nur noch die innere Stimme, du kannst das nicht, du machst deine Arbeit nicht gut genug. Dem hatte ich nichts entgegen zu setzen.“
Im Coaching begann sie, ihr Selbstbewusstsein Schritt für Schritt zu festigen, und zu akzeptieren, dass ihre Stärke im freundlichen und zugewandten Umgang mit den Kunden liegt, nicht jedoch im Verkauf. Am Ende hat sie ihre Stelle gekündigt und sich einen anderen Arbeitsplatz gesucht, an dem sie sich wohl fühlt. „Wenn ich jetzt spüre, dass jemand Erwartungen an mich hat, die mich verunsichern, dann versuche ich, mit meinen Selbstzweifeln umzugehen und daran zu arbeiten. Und mein neu entdecktes Hobby malen kann ich jetzt genießen. Für diese Anregung bin ich meiner ehemaligen Chefin dankbar.“
   
Checkliste
 

1.) Für viele Menschen ist es wichtig, sich neben dem anstrengenden Beruf einen Ausgleich zu verschaffen, etwa regelmäßig Sport zu machen, wenn sie viel sitzen müssen.

2.) Nicht immer ist dieser Ausgleich zwischen Beruf und Privatleben ein Schutz vor dem Gefühl, sich überfordert, sich überlastet zu fühlen. Im Gegenteil. Manchmal verstärkt der Anspruch, Arbeit und Leben ins Gleichgewicht zu bringen, das Gefühl, nicht mehr zu können, ausgelaugt zu sein. Unter anderem auch, weil für viele Arbeit Teil ihres Lebens und kein Widerspruch dazu ist.

3.) Hilfreich kann dann sein, konkret zu fragen, welche Momente es sind, in denen wir uns besonders überfordert fühlen, was dabei in uns vorgeht, welche inneren Stimmen wir hören und welche Verhaltensmuster wir zeigen. Erkennen wir beispielsweise, dass wir uns in bestimmten Situationen unsicher sind und uns dadurch als klein und unscheinbar empfinden, dann können wir uns dafür entscheiden, die Unsicherheit zu akzeptieren und anzunehmen, und dann Schritt für Schritt daran gehen, sie zu verändern. Mit guten Vorsätzen, mit einem Training für unser Selbstbewusstsein, mit einer Therapie oder mit einer Beratung.

 
     
       

Personalführung

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    13. August 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Hilfe, meine Mitarbeiter sind viel älter als ich
 
„Seit einem halben Jahr leite ich die Abteilung für Forschung und Entwicklung in unserem Unternehmen. Meine 50 Mitarbeiter sind kreativ und innovativ. Ich habe allerdings den Eindruck, wir reden aneinander vorbei, wenn es um Arbeitsaufträge und Abstimmungsprozesse geht, und machen uns damit gegenseitig den Arbeitsalltag schwer.“ Der 32jährige junge Mann traf in seiner neuen Position auf überwiegend ältere Mitarbeiter, die alle im Unternehmen gelernt hatten. Seine Versuche, neue Arbeitsabläufe einzuführen, Teams anders zusammen zu setzen und dadurch die kreativen Prozesse zu verstärken, scheiterten kläglich. Er erkannte im Laufe der Beratung, dass er davon ausgegangen war, seine Lebensvorstellungen, seine privaten und beruflichen Ziele und seine Vorstellungen von der Arbeit im Team seien ähnlich wie die seiner älteren Kolleginnen und Kollegen. Beispielsweise schätzte er es, mit jedem Mitarbeiter direkt Kontakt aufzunehmen und mit ihm zu diskutieren ohne auf die Hierarchien Rücksicht zu nehmen. „Ich habe jetzt gelernt, dass ich damit meine Mitarbeiter verunsichere, weil sie nicht wissen, wen sie bei konkreten Fragen und Problemen ansprechen können. Kommen sie damit dann zu mir oder gehen sie zu ihrem Teamleiter?“ Nach einem Gespräch mit allen Mitarbeitern haben sie sich darauf geeinigt, dass er weiterhin alle anspricht, wenn er dies wünscht und für richtig erachtet, und er und seine Mitarbeiter am Ende jedes Gespräches gemeinsam überlegen, wer über die darin entwickelten Gedanken und Ideen informiert werden muss. Strategische Fragestellungen bespricht er mit seinen fünf Teamleitern, die daraus jeweils konkrete Arbeitsaufträge für ihr Team entwickeln. „Der Wunsch meiner Kollegen nach Hierarchie und mein Wunsch nach unmittelbarem Kontakt werden damit recht gut erfüllt. Und bei Problemen setzen wir uns sofort zusammen und klären sie.“
Eine wichtige Erkenntnis für ihn war auch, dass er seinen Mitarbeitern deutlich machen muss, wie sehr er ihr Wissen schätzt. Umkehrt haben seine Kolleginnen und Kollegen gelernt, seine Kenntnisse über moderne Forschungs- und Entwicklungsarbeit zu respektieren und für sich als Chance zu nutzen. „Wir haben uns darauf geeinigt, den Satz, ‚das haben wir immer so gemacht‘, umzuwandeln in ‚weil wir so viel Erfahrung haben, können wir uns zutrauen, etwas Neues auszuprobieren‘.“
   
Checkliste
 

1.) In der Theorie klingt es gut: Junge und ältere Mitarbeiter ergänzen sich in ihrem Wissen und ihrem Know-how und profitieren voneinander. Die Praxis sieht häufig anders aus. Ältere Mitarbeiter bemängeln die mangelnde Erfahrung der jüngeren Kolleginnen und Kollegen, die jüngeren wünschen sich mehr Offenheit, Flexibilität und Innovationsfähigkeit von den älteren. Oft kommt noch Neid hinzu auf deren besser bezahlte Stellen mit angenehmeren Bedingungen.
 
2.) Die Zusammenarbeit zwischen älteren und jüngeren Kollegen kann dann erfolgreich verlaufen, wenn alle gegenseitigen Erwartungen offen ansprechen, Rollen und Hierarchien seitens der Führungskräfte klar definiert werden, und alle dazu bereit sind, sich gegenseitig Wert zu schätzen und die jeweilige Leistung anzuerkennen. Hilfreich hierbei können gemischte Teams sein, die von geschulten Mitarbeitern oder von externen Beratern und Coaches zumindest in den Anfängen ihrer Zusammenarbeit begleitet werden.
 
Tipps zum Lesen:

Bruch, Heike, Generationen erfolgreich führen: Konzepte und Praxiserfahrungen zum Management des demographischen Wandels, 2009
Gabler Verlag, ISBN: 9783834910424

 
     
       

Beruf und Karriere

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    6. August 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Was wäre, wenn…
 
…ich studiert hätte, statt eine Ausbildung zur Teamassistentin zu absolvieren? Wie sehe meine berufliche Karriere aus, wenn ich mehr an mich geglaubt hätte und mir doch zugetraut hätte in unserer ausländischen Niederlassung zu arbeiten? Oder was wäre, wenn ich damals meine „Traumfrau“, meinen „Traummann“ angesprochen hätte, statt an mir zu zweifeln und zu denken, ich sei für sie, für ihn nicht gut genug? Wäre ich heute zufriedener im Beruf oder privat?
Immer wieder stehen wir vor Entscheidungen, die wir treffen müssen. Im Nachhinein stellen wir dann oft genug fest, dass wieder einmal die Zweifel an unseren Fähigkeiten uns daran gehindert haben, den Weg zu gehen, den wir uns eigentlich für uns gewünscht hatten. Aus Angst, aus Unsicherheit haben wir uns gegen die für uns bessere Alternative entschieden und sind jetzt enttäuscht über uns. Meist trauen wir uns allerdings nicht, unser Bedauern über eine mögliche falsche Route einzugestehen, sondern begründen unsere Entscheidungen mit vielen scheinbar sachlichen Argumenten. Etwa, dass ein Studium zu teuer, der Auslandsaufenthalt zu riskant oder der Traummann, die Traumfrau zu sehr Traum war. Dabei ist es hilfreich für uns, wenn wir unser Bedauern über eine verpasste Chance ernst nehmen. Dies kann uns dabei helfen, bei der nächsten Weggabelung genau zu prüfen, ob wir uns nicht doch den ungewöhnlicheren Pfad zutrauen möchten. Vorausgesetzt, wir schaffen es, zumindest für den Moment die Zweifel an uns selbst allein oder mit Hilfe von Freunden, eines Therapeuten oder eines Coachs abzubauen oder abzumildern.
Viele unserer Entscheidungen lassen sich später nicht mehr korrigieren. Wir müssen lernen, sie zu akzeptieren. Wir helfen uns dabei, wenn wir uns fragen, welche guten Folgen der von uns eingeschlagene Weg für uns hatte. Als Manager in der Zentrale haben wir vielleicht mehr Einfluss auf die Produkte unseres Hauses, als in der fernen Niederlassung in den USA.
Manchmal bekommen wir jedoch eine zweite Chance, einen ähnlichen Weg zu gehen, wie ursprünglich von uns erträumt. Etwa das Angebot unseres Betriebes, uns von der Teamassistentin zur Assistentin der Geschäftsleitung weiterzubilden und damit mehr Verantwortung zu übernehmen. Jetzt können wir unsere „Was wäre, wenn-Erfahrung“ gezielt einsetzen und uns fragen, worauf möchte ich in fünf oder zehn Jahren stolz sein. Bin ich lieber Teil eines dynamischen Teams oder die rechte Hand vom Firmenchef? Und dann entscheiden wir uns.
   
Checkliste
 

1.) Zu fast jedem Weg, den wir uns auswählen, gibt es eine Alternative, für die wir uns auch entscheiden können. Oft genug erlauben wir uns allerdings nicht, die für uns ungewöhnlichere Route zu gehen, sondern bleiben lieber auf den gewohnten Bahnen. Gelingt es uns, die Alternative nicht nur zu denken, sondern sie zu leben, kann dies ungeahnte Energien in uns freisetzen. Beispielsweise, wenn wir uns nach 10 Jahren für unseren Traumberuf entscheiden und noch einmal ganz von vorne anfangen.
 
2.) Haben wir uns beispielsweise dafür entschieden, lieber zwei Tage Urlaub zu machen, statt uns auf unsere Prüfung oder unsere Präsentation vorzubereiten, dann kann unser ehrliches Bedauern über die verpasste Chance uns helfen, uns weiter zu entwickeln, und wir werden uns beim nächsten Mal besser auf die gestellten Herausforderungen vorbereiten.
 
3.) Wir können nicht wissen, was gewesen wäre, wenn… Wir können jedoch versuchen zu sehen, welche Chancen in der jetzigen Situation liegen und uns dann wieder entscheiden, ob wir sie ergreifen oder links liegen lassen möchten.
 
Tipps zum Lesen:

Roese, Neal: Ach, hätt‘ ich doch! Wie man Zweifel in Chancen verwandelt. Eichborn-Verlag, 2007, ISBN: 9783821856513
Willi, Jürg: Wendepunkte im Lebenslauf: Persönliche Entwicklung unter veränderten Umständen, 2007, Klett-Cotta Verlag, ISBN: 9783608944389

 
     
       

Stress & Entspannung

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    30. Juli 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Urlaubsmomente im Alltag
 
Was waren Ihre schönsten Momente im Urlaub? Haben Sie sie auf einem Foto festgehalten oder finden Sie eines im Internet, das dafür stehen könnte? Stellen Sie es sich auf den Schreibtisch oder legen Sie es sich in den Geldbeutel. Und immer, wenn Sie das Gefühl haben, Ihre Arbeit oder Ihr Privatleben scheinen Sie zu überwältigen, betrachten Sie es und träumen Sie sich dabei in die freien Tage zurück und in die Momente, die Ihnen Freude und damit Kraft geschenkt haben. Vielleicht schaffen Sie es sogar, in der Erinnerung an Ihre schönsten Urlaubsmomente ein paar Mal tief und ruhig ein- und auszuatmen und sich dabei zu entspannen. Solche und ähnliche täglichen kleinen Auszeiten können uns helfen, unseren vergangenen Urlaub in den Alltag hinein zu verlängern und uns darin unterstützen, gelassener mit unseren Herausforderungen umzugehen. Denn meist sind wir nicht nur im Beruf gefordert, sondern häufig verlangt auch der Alltag unsere ganze Konzentration, etwa wenn es um unsere Familie und um unsere Kinder geht.
Wenn wir uns erst einmal an unsere kleinen Auszeiten im beruflichen Alltag gewöhnt haben, und sie zur täglichen Routine geworden sind, dann werden wir beobachten, dass wir mit uns und mit anderen achtsamer und aufmerksamer umgehen. Wir spüren relativ rasch, ob es unserem Gegenüber oder uns nicht so gut geht, ob wir uns überfordert fühlen. Denn gerade das Gefühl, die Aufgaben nicht mehr bewältigen zu können und dabei ständig zu denken, das und das muss ich doch auch noch schaffen und erledigen und wie soll das denn auch noch gehen, kostet uns viel Kraft und kann dazu führen, dass wir uns müde und ausgelaugt fühlen und dass wir am Ende krank werden, bis zum Burnout.
Unsere größere Achtsamkeit uns selbst gegenüber bietet uns die Chance, mehr Abstand zu uns zu gewinnen, gelassener mit uns selbst umzugehen und uns zu fragen, was ist wichtig für mich. Worauf möchte ich mich in meinem Beruf konzentrieren und was möchte ich dafür ändern. Muss ich wirklich immer und überall erreichbar sein oder kann ich auch einmal einen halben Tag lang ohne Telefon und Email sein und dann ungestört meine Arbeit erledigen? Muss ich wirklich die Auskunft für die gesamte Abteilung sein oder kann ich auch mal ruhig und gelassen Nein sagen auf die Bitten von Kollegen, ohne dabei Angst zu haben, ich werde nicht mehr geschätzt, wenn ich eine Bitte ablehne. Sind wir erst einmal achtsamer uns selbst gegenüber, dann gewinnen wir mehr Abstand von uns und unserer Arbeit und verschaffen uns damit genügend Freiraum, uns auf die für uns wesentlichen Dinge zu konzentrieren.

Genießen Sie Ihre kleinen Urlaubsmomente im Alltag
   
Checkliste
 

1.) Jeder von uns hat seine Vorstellung von Erholung im Alltag. Während der seine Freizeit am liebsten auf dem Sofa verbringt und sich schöner Musik hingibt oder mit seiner Familie genüsslich im Garten grillt, schätzt es die andere, sich beim Yoga oder beim Joggen zu entspannen oder mit Freundinnen ins Kino zu gehen.
 
2.) Manchmal fordert es unser Beruf von uns, dass wir über längere Zeit am Limit arbeiten. Die kleinen Urlaubsmomente im Alltag lassen sich auch in solchen stressigen Berufszeiten einplanen. Gelingt es uns nach solchen Höchstleistungen, uns wieder den für uns so wichtigen Ausgleich zu verschaffen, dann wird uns die Freude am Beruf und am Privatleben nicht verloren gehen.
 
3.) Freunde und Familie oder ein Coach, ein Therapeut können uns dabei helfen, die für uns richtigen Urlaubsmomente im Alltag zu finden und diese regelmäßig zu leben.
 
4.) Manchmal reichen auch so kurze Momente, wie eine in Ruhe genossene Tasse Kaffee, uns zu entspannen und uns Kraft zu schenken.
 
5.) Entspannungstechniken, Meditationen und Atemübungen sind weitere hilfreiche Urlaubsmomente im Alltag.
 
Tipps zum Lesen:

Schröder, Jörg, Persönlicher Erfolg: Die Anti-Burn-out-Fibel, 2010
Cornelsen Verlag Scriptor, ISBN: 9783589237951
Hammer, Matthias, Das innere Gleichgewicht finden, 2009, Balance Buch und Medien, ISBN: 9783867390491

 
     
       

Präsentation

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    23. Juli 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Meine Tischrede und ich
 
„Ich war immer überzeugt davon, dass ich, wenn ich einmal eine Tischrede halten muss, dies leicht und locker machen kann. Doch jetzt fühle ich mich von dem Wunsch meines Chefs überfordert, unsere möglichen Vertragspartner mit einer launigen Rede beim einem gemeinsamen Abendessen willkommen zu heißen zur nächsten Verhandlungsrunde und ihn dabei zu vertreten.“
Die Knigge Regeln für eine geschäftliche Tischrede kannte meine Klient Thomas G., der als Vertriebsleiter in einem internationalen Pharmakonzerns tätig ist. Etwa, dass er ein paar Tage vor dem Geschäftsessen das Restaurant über seine zehnminütige Tischrede nach der Vorspeise informiert, damit die Küche den Ablauf des Essens entsprechend planen kann. Er wusste auch, dass es nicht mehr zeitgemäß ist, mit dem Messer an das Glas zu klopfen, sondern dass er vielmehr mit seinem Aufstehen, einem freundlichen Lächeln und Blickkontakt zu den übrigen Gästen auf die kommende Rede aufmerksam macht.
„Nur, was mache ich, wenn ich vor lauter Aufregung anfange mit der Stimme zu wackeln. Meine Rede soll unter anderem dazu beitragen, das bislang zähe Gespräch zwischen unseren Vertragspartnern und uns zu erleichtern.“ Im Coaching versuchten wir zunächst, mit Atemtechniken und dem Tipp, sich beim Aufstehen zu seiner Rede gedanklich fest mit beiden Füßen im Boden zu verankern, seine Nervosität zu lindern. Als nächstes trainierte er mental, sich vorzustellen, wie er sich in Geduld fasst, bis alle Gespräche unter den Gästen verstummt sind, und diese sich ihm zuwenden und zuhören, auch wenn ihm das Warten fast endlos erscheint.
Die größte Herausforderung sah er jedoch in der Rede selbst. Erst der Hinweis, der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) Hans-Olaf Henkel habe einmal gesagt, für jede Minute Redezeit benötige er mindestens eine Stunde Vorbereitungszeit, half ihm dabei, zunächst die Rede auszuarbeiten und Wort für Wort aufzuschreiben. Für den Einstieg wählte er ein Kompliment an die Anwesenden, indem er darauf hinweist, dass mit den 15 Gästen mindestens 150 Jahre Know How beim Geschäftsessen versammelt sind, wenn er von einer durchschnittlichen Berufserfahrung von 10 Jahren ausgeht. Nachdem er die Rede ausgearbeitet hatte, übertrug er die wichtigsten Stichworte auf Karteikarten und übte seine Tischrede so lange, bis er sie frei halten konnte, mit den Karteikarten als Unterstützung.
„Ich hätte nie gedacht, wie viel Arbeit ich in eine heiter klingende Tischrede investieren muss. Der Aufwand hat sich gelohnt, das erzählte mir am Ende der Beifall und die zufriedene Miene meines Chefs am nächsten Tag.“
 
Checkliste
 

1.) Eine gelungene Tischrede kann privat und im Beruf den Erfolg eines Geschäftsessens, eines Geburtstagsfestes beeinflussen und beflügeln.
 
2.) Bei Festen oder Geschäftsessen sollte das Restaurant oder der Partyservice über den Zeitpunkt und die Länge einer Rede informiert sein. Mehrere Tischreden sollten ebenfalls abgestimmt werden.
 
3.) Wenn es keine zeitliche Vorgabe für eine Rede gibt, liegt die ideale Länge für eine Tischrede zwischen drei bis fünf Minuten.
 
4.) Der Einstieg in eine Rede ist entscheidend. Deshalb arbeiten gute Redner bei der Vorbereitung einer Rede oft Stunden an ihren ersten Sätzen. Oft unter Zuhilfenahme des Internets für passende Zitate und geschichtliche Daten.
 
5.) Bei Lampenfieber kann eine gezielte Atemtechnik und ein gutes Körperbewusstsein dabei helfen, die Unsicherheit zu überspielen. Verlieren Sie dennoch den Faden, dann können Sätze, wie, ‚ich spule noch einmal ein paar Sätze zurück und beginne neu‘ oder ‚jetzt hoffe ich, ich finde den verlorenen Faden wieder‘ Sie hilfreich dabei unterstützen, Ihre Tischrede fortsetzen zu können.

 
     
       

Konflikte und Kritik

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    16. Juli 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Niederlage - ja bitte?
 
Weshalb sind die Deutschen Frauen im eigenen Land so frühzeitig aus dem Turnier der Frauenfußballweltmeisterschaft geflogen? Zu viele Erwartungen durch die Medien, durch Millionen begeisterter Fernsehzuschauer und volle Stadien mit La Ola Wellen? Ein zu großer Druck von allen Seiten, der Köpfe und Kreativität lahm legte? Zu viel Teambildung während einer langen Vorbereitungszeit und zu wenig Verantwortung auf dem Platz? Die Demontage der dreimaligen Weltfußballerin Birgit Prinz als Kapitän durch die Trainerin und die unbewusste Angst, kann mir das auch passieren‘? Taktische Fehler der Trainerin auf dem Spielfeld und hinter den Kulissen? Eindeutige Antworten auf die Fragen nach den möglichen Ursachen der frühen Niederlage wird es vermutlich nie geben.
Auffällig nach dem Aus gegen Japan war jedenfalls, dass auf dem Weg zum dritten WM-Titel von keinem der Mitglieder des Fußballteams eine Niederlage eingeplant war. Mitten im laufenden Turnier mussten sich die 21 Fußballerinnen und die gesamte Mannschaft plötzlich mit dem Gefühl auseinander setzen, gescheitert zu sein an einem Gegner, der zu schlagen war, statt weiter zu kommen und triumphal ins Finale einzuziehen.
Doch wie lässt sich ein Fehlschlag im Beruf akzeptieren? Wie kann eine Spielerin, wie kann ein Team einem offenbar so unerwarteten Scheitern wie einem frühen Turnieraus vielleicht sogar etwas Positives abgewinnen?
Wichtig ist zunächst, dass wir bei einem beruflichen Misserfolg erkennen, nicht wir als Mensch, nicht wir als Persönlichkeit sind gescheitert. Sondern wir haben in unserem Beruf, z. B. in einem Fußballspiel eine Niederlage erlitten. Im nächsten Schritt können wir uns dann fragen, was wir brauchen, damit wir das Scheitern verarbeiten können. Während die einen das intensive Gespräch mit Freunden und Familien suchen und darin Trost und Kraft für ein Weitermachen finden, wünschen sich die anderen, wie etwa Birgit Prinz, professionell von einem Psychologen oder einem Coach unterstützt zu werden, um ihr Selbstbewusstsein wieder aufzubauen oder zu stärken und nach neuen Lösungen für ihren beruflichen Weg zu suchen. Fragen wir uns außerdem kritisch und konsequent, welche Anteile wir an unserem Scheitern haben und wie wir diese in Zukunft ändern möchten, dann kann es uns gelingen, unsere Niederlage zu akzeptieren, sie loszulassen und wir können unsere Fehler als Chance zum Weiterlernen nutzen.
Denn haben wir den Misserfolg erst einmal verarbeitet und überwunden, dann haben wir auch erfahren, dass wir mit Schwierigkeiten umgehen und sie meistern können.
 
Checkliste
 

1.) Jeder von uns verarbeitet Niederlagen im Beruf auf seine Art und Weise. Viele handeln intuitiv und versuchen, aus ihren Fehlern zu lernen und neue Projekte anders anzupacken als bislang.

2.) Hilfreich kann es sein, sich zu verdeutlichen, dass jedes Handeln, jedes Tun das Risiko eines Scheiterns in sich trägt. Das gilt für das Verkaufsgespräch mit einem Kunden ebenso, wie beispielsweise für einen Vortrag vor vielen Zuhörern oder für ein Fußballspiel.

3.) Wir können das Risiko eines Scheiterns abmildern, in dem wir uns gut und gründlich auf Aufgaben und Herausforderungen im Beruf vorbereiten. Außerdem können wir unser Selbstbewusstsein unterstützen, wenn wir unsere Stärken kennen und darauf vertrauen.

4.) Befassen wir uns neben unserem Beruf auch mit Dingen, die uns Freude machen, die uns bereichern, werden wir Niederlagen schneller verarbeiten und auch die Chancen sehen können, die in unserem Scheitern liegen.

5.) Erlauben wir uns, ein Scheitern mit einzukalkulieren ohne uns anschließend dafür zu verurteilen, dann werden wir uns nur selten zu hohe oder zu niedrige Ziele setzen und damit selbst unseren Misserfolg vorprogrammieren. Denn wir scheitern meist nicht an der Sache selbst, sondern an der Perspektive, die wir auf eine Sache haben. Wir scheitern fast immer an unserem eigenen Kopf.

 
     
       

Beruf und Karriere

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    9. Juli 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Hilfe, ich muss zum Test!
 
„Das Studium des Wirtschaftsingenieurs hat mich gefordert und mir Freude gemacht. Jetzt soll ich im Rahmen meiner Bewerbung bei einem internationalen Autokonzern an einem Assessment Center teilnehmen, und ich weiß einfach nicht, was mich bei diesem Testverfahren erwartet“, begründete Alexander S. sein Kommen in die Beratung. Ihn hatten die Geschichten erschreckt, die er über das Auswahlverfahren gehört hatte, und er fürchtete, er würde die Übungen und Tests nicht bestehen. Überrascht und erfreut war er, als ihm im Coaching klar wurde, dass die Einladung für ihn bedeutet, das Unternehmen ist grundsätzlich an ihm interessiert und hält seine Bewerbung für erfolgsversprechend. Denn Asssessment Center sind aufwendige Auswahlverfahren, die üblicherweise ein bis zwei Tage dauern und entweder intern von der Personalabteilung eines Unternehmens selbst oder von externen Beratern durchgeführt wird.

Ziel eines Assessment Centers ist es, die Bewerber für eine Tätigkeit möglichst genau kennen zu lernen und ihre beruflichen und sozialen Qualifikationen für die ausgeschriebene Stelle zu überprüfen. Neben ihrer fachlichen Kompetenz werden die Bewerber auch dahingehend getestet, ob sie kommunikationsfähig sind, welche Problemlösungskompetenz sie haben und häufig genug, wie umfassend ihr Allgemeinwissen ist. Viele Unternehmen erwarten heute von ihren Führungspersönlichkeiten und von ihren Mitarbeitern mit intensivem Kundenkontakt mehr als nur fundiertes Fachwissen.

Alexander S. bereitete sich auf das Auswahlverfahren gründlich vor. Er trainierte im Coaching und mit seinen Freunden, wie er sich selbst vor anderen vorstellt und präsentiert, wie er sich in einer Konfliktsituation verhält, welche Herangehensweisen er wählt, wenn er in kürzester Zeit eine schwierige Aufgabe zu lösen hätte oder welche Trends sich in seinem Berufsgebiet in den kommenden Jahren abzeichnen und wie er diese einer größeren Gruppe überzeugend darlegen kann. Außerdem übte er das Abschlussgespräch und trainierte dabei, auch am Ende eines langen Prüfungstages noch aufmerksam und freundlich zu bleiben. Er versuchte sich zudem zu verdeutlichen, dass eine etwaige Absage keine Missbilligung an seine beruflichen Fähigkeiten ausdrückt, sondern viele Gründe haben kann.

Am Ende hat er die von ihm favorisierte Stelle in der Autoindustrie nicht bekommen. Inzwischen arbeitet er erfolgreich in einem großen öffentlich-privaten Energie- und Wasserversorgungsunternehmen mit guten Karrierechancen.
 
Checkliste
 

1.) Eine Einladung zu einem Assessment Center ist erst einmal ein Kompliment an einen Stellenbewerber. Üblicherweise bitten Unternehmen einen Bewerber nur dann zu dem aufwendigen Auswahlverfahren, wenn sie darauf hoffen, dadurch einen geeigneten Kandidaten zu finden.

2.) Je nach Unternehmen werden die Auswahlverfahren hausintern durchgeführt oder mit Unterstützung externen Beraterfirmen.

3.) Bei vielen Tests, z. B. dem sogenannten Postkorbtest, geht es nicht darum, ihn zu bewältigen, sondern zu zeigen, wie belastbar ein Bewerber unter Stress, unter großen Herausforderungen ist.

4.) Sich mit Freunden, Familie, einem Coach oder einem Therapeuten auf das Auswahlverfahren gründlich vorzubereiten, ist meistens hilfreich.

5.) Wichtig ist, beim Auswahlverfahren so authentisch wie möglich zu bleiben. Jeder Bewerber wird über längere Zeit beobachtet und bewertet.

6.) Trotz aller Bemühungen sind die Auswahlverfahren nicht unbedingt objektiv, sondern bringen teilweise ungenaue Ergebnisse und schätzen die Bewerber am Ende doch falsch ein. Der Arbeitskreis Assessment-Center bemüht sich darum, diese Ergebnisverfälschung mit Hilfe von Qualitätskriterien, die an die Auswahlverfahren angelegt werden, zu minimieren.
 
Tipps zum Lesen:

Eck, Claus D., Jöri, Hans, Vogt, Marlène, Assessment-Center: Entwicklung und Anwendung, 2010, Springer Verlag, ISBN: 9783642129971

 
     
       

Selbstcoaching

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    2. Juli 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Allein sein - einsam sein
 
„Ich verstehe mich einfach nicht. Ich bin unter Menschen und fühle mich dabei oft sehr allein. Weshalb?“ Auf den ersten Blick erscheint das Gefühl von Jochen K., sich häufig einsam zu fühlen, unverständlich. Der 23jährige Versicherungskaufmann im 3. Ausbildungsjahr ist bei Kollegen und Freunden gleichermaßen beliebt. Sein Chef hält schätzt seine Arbeit und seine Persönlichkeit und hat ihm bereits zugesichert, ihn im Anschluss an die Ausbildung fest anzustellen. Ursprünglich war er zum Coaching gekommen, weil er seinen Auftritt bei Vorträgen und Präsentationen verbessern wollte. Er fand es für sich unbefriedigend, dass er es einfach nicht schafft, seine inhaltlich spannenden Themen mit „Esprit“, wie er es nannte, vortragen zu können.
Schritt für Schritt erarbeitete er in der Beratung, dass sich inmitten von Freunden und Kollegen nicht allein fühlt, sondern einsam ist. Für ihn war es dabei schmerzhaft zu erkennen, dass er sich, trotz seiner zahlreichen Kontakte, niemand nahe fühlte und sich nicht darüber austauschen konnte über das, was ihn innerlich bewegte. Oft hatte er den Eindruck gehabt, er sei ausgeschlossen, auch wenn er sich inmitten einer Gruppe befand. Allmählich entdeckte er für sich, dass er es ist, der in sich die Überzeugung trägt, er sei nicht liebenswert und habe es deshalb nicht verdient, dass Menschen ihn gerne um sich haben und sich mit ihm austauschen möchten. Obwohl er sehen konnte, dass er von den anderen geschätzt wurde und dass er beliebt war, glaubte er es ihnen nicht, sondern fürchtete sich vor der Zurückweisung und der Ablehnung der anderen.
Zögernd machte er sich im Coaching auf den Weg, seine Schwächen anzunehmen und seine Stärken zu verstehen und auszubauen. Darüber hinaus begann er, sein Selbstwertgefühl zu stärken und seine Überzeugung loszulassen, als Mensch und Kollege unbedeutend zu sein. Weiterhin machte er sich bewusst, dass nicht die anderen, sondern er dafür verantwortlich ist, wie es ihm geht und wie er zufrieden sein kann. Bis heute bittet er seine Freunde und seine Familie um Hilfe und um ein Gespräch, wenn das Gefühl der Einsamkeit und das des „mich wertlos fühlen“ wieder in ihm aufkommt. „Ich hätte nie gedacht, wie sehr ich ihre Unterstützung brauche. Sie helfen mir alle sehr.“
Einsam fühlt er sich immer mal wieder, selten jedoch längere Zeit. Dafür genießt er es zunehmend, hin und wieder ganz bewusst allein Zeit mit sich zu verbringen, um Abstand vom Alltag zu gewinnen und von den vielen Wünschen seiner Freunde, seiner Familie und seiner Kollegen an ihn. Inzwischen arbeitet er wieder an seinem Thema Präsentationen und Vorträge: „Ein wenig Feinschliff brauchen sie noch. Mehr Nähe als früher haben sie jetzt schon.“
 
Checkliste
 

1.) Viele Menschen fühlen sich einsam, trotz Handy, Internet und Email. Je länger das Gefühl der Einsamkeit andauert, umso schwieriger wird es für uns, uns selbst daraus zu befreien. Manchmal wissen wir nichts mit uns anzufangen und fühlen uns deshalb einsam. Häufiger leiden wir unter Einsamkeit, weil wir beispielsweise glauben, unbedeutend zu sein, dem anderen nichts geben zu können, weil wir uns wegen bestimmter Situationen schuldig fühlen oder weil wir uns selbst nichts zutrauen.

2.) Akzeptieren wir, dass wir einsam sind und uns verlassen fühlen, können wir mit einer Therapie, einem Coaching oder durch Gespräche mit Freunden, die wir haben oder die wir aus früheren Zeiten wieder entdecken können, und mit unserer Familie beginnen, unsere Einsamkeit Schritt für Schritt loszulassen.

3.) Während Einsamkeit für uns meist schmerzhaft ist, kann es wohltuend für uns sein, allein sein zu wollen. Wir entscheiden uns dann bewusst dafür, für ein paar Momente, Stunden oder Tage uns aus unserem Alltagsleben zurück zu ziehen und für uns sein zu können.
 
Tipps zum Lesen:

Wagner, Ursula, Die Kunst des Alleinseins, 2006, Theseus Verlag, ISBN: 9783896202550

 
     
       

Selbstcoaching

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    25. Juni 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Mit Geduld zum Tor

Freundschaftsspiel Deutschland Norwegen am 16. Juni 2011: die deutschen Fußballfrauen spielen sich Chance um Chance heraus, doch das ersehnte Tor fällt einfach nicht. Erst in der 79. Minute bringt ein Kopfballtor von Simone Laudehr die überlegene deutsche Mannschaft in Führung. Erleichterung auch beim Fernsehreporter, der mit vielen Worten die große Geduld der Fußballfrauen lobt und Geduld als eine der Tugenden ausgibt, die eine Mannschaft brauche, wenn sie ein Turnier wie eine Fußballweltmeisterschaft erfolgreich bestehen wolle.
Das Freundschaftsspiel war eine Lehrstunde für Geduld: immer wieder hatte eine der jungen Frauen das erlösende Tor auf dem Fuß, immer wieder gelang der entscheidende Abschluss nicht. Unverdrossen und äußerlich ohne erkennbaren Frust spielten die Nationalspielerinnen mit großem Engagement 78 Minuten lang immer weiter, offenbar fest davon überzeugt, dass ihre Geduld am Ende mit einem Tor belohnt wird. Sie glaubten an das Erreichen ihres Zieles, einen Sieg über die Norwegische Nationalmannschaft und damit an einen erfolgreichen Abschluss ihrer Vorbereitungen auf die kommende Weltmeisterschaft der Fußballfrauen.
Geduld zu haben verlangt viel von uns. Etwa, wenn ein Mitarbeiter von uns aus unserer Sicht viel zu lange braucht, ehe er versteht, welche Arbeit von ihm erwartet wird oder wenn Kunde von uns umständlich sein Anliegen formuliert. Wir wünschen uns eine rasche Antwort, eine schnelle Entscheidung, und beim Telefonieren keine Warteschleife mit Musik. Wir erwarten, dass sich Erfolg im Beruf und im Privatleben sofort einstellen und nicht erst, nachdem wir geduldig und mit Engagement dafür gearbeitet haben. Haben wir uns erst einmal dafür entschieden, dass wir ein besseres Zeitmanagement im Beruf leben wollen, dass wir ein Projekt rascher und problemloser in den Griff bekommen möchten, dass wir weniger ungeduldig mit unhöflichen Kunden sein wollen, dass wir endlich die 10 Kilo abnehmen, dann erwarten wir oft ungeduldig, dass sich die von uns angestrebten Veränderungen möglichst rasch verwirklichen.
Vielleicht helfen uns dabei die Nationalspielerinnen: geduldig mit uns und anderen zu sein, auch wenn wir oder sie Fehlpässe machen, und wir immer wieder rückwärts spielen anstatt nach vorne zu drängen. Und wenn wir dann noch lernen, dass es für uns meistens hilfreicher ist, Veränderungen in kleineren Schritten anzugehen, dann stärken wir unser Durchhaltevermögen - bis zum ersten Tor in der 79. Minute.
   
Checkliste
 

1.) Geduld ist lernbar: Helfen kann uns zum Beispiel, wenn wir uns die Situationen aufschreiben, in denen wir immer wieder ungeduldig werden und uns danach überlegen, welche Gedanken oder uns dabei unterstützen können, allmählich geduldiger zu werden. Z. B., wenn wir innerlich unseren Kollegen beschimpfen, er soll schneller reden, weil wir längst im nächsten Termin sitzen wollen. Schaffen wir es, uns stattdessen innerlich zu sagen, dass wir jetzt aktives Zuhören trainieren, werden wir möglicherweise überrascht sein, welche wertvollen Informationen wir von unserem Kollegen bekommen.

2.) Entwicklungen brauchen Zeit. Unsere eigene, wie die der anderen. Wenn wir beispielsweise planen, uns beruflich zu verändern und weiter zu kommen, dann ist es sinnvoll, unsere Schlüsselqualifikationen gut zu kennen und weiter auszubauen, Erfahrungen zu sammeln und dann den nächsten Schritt zu tun.

3.) Wenn wir unsere Arbeit in Ruhe und mit Gelassenheit anpacken, werden wir vermutlich weniger Fehler machen und am Ende schneller zum Ziel kommen, als mit Hektik und Ungeduld.

 
     
       

Personalführung

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    18. Juni 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

... aus allen Wolken fallen
 
Peter S. fiel aus allen Wolken, als ihm sein Chef mitteilte, er wolle ihn innerhalb des Unternehmens versetzen lassen, weil er einfach nicht mehr mit ihm arbeiten könne. „Er meint, er habe mir versucht deutlich zu machen, dass er meine ‚selbstherrliche Art‘ wie er es nannte, in unserer medizintechnischen Abteilung nicht wünscht. Ich habe immer gedacht, er mache mir ein Kompliment, wenn er mir sagte, ich wisse ja immer sofort, wo es lang ginge.“ Dem gelernten Medizintechniker fiel es zunächst schwer anzunehmen, dass sein Chef zu den Führungskräften gehört, die sich davor scheuen, ihre Mitarbeiter zu kritisieren und lieber die Dinge laufen lassen, auch wenn sie mit ihren Mitarbeitern unzufrieden sind. „Wenn ich früher gewusst hätte, was er von mir möchte und wie er mich einschätzt, hätte ich zumindest versucht, mich seiner Kritik zu stellen.“ Peter S. empfindet es als bitter, dass er deshalb sein von ihm beherrschtes Arbeitsgebiet, der Überprüfung von neuen medizinischen Geräten vor ihrem ersten Einsatz, aufgeben muss.
Im Laufe des Coachings erkannte er, dass er schon seit längerem geahnt hatte, wie unzufrieden sein Chef über seinen Umgang mit den Kollegen und Vorgesetzten war. Weil er sich selbst als unentbehrlich und als besonders kompetent eingeschätzt hat, hatte er es jedoch lieber vermieden, die unklaren Aussagen seines Chefs zu hinterfragen und mit ihm gemeinsam klar zu stellen, was sein Chef wirklich gemeint hatte.
Das Coaching nutzte Peter S., um seine Stärken und Schwächen besser kennen zu lernen. „Dabei wollte ich zunächst nicht akzeptieren, dass seine Kritik an meinem selbstherrlichen Auftreten und wenig offenen Verhalten meinen Kollegen gegenüber berechtigt war. Ich hätte mir allerdings gewünscht, er hätte sie früher und klarer vorgetragen und nicht so verklausuliert. Und bei mir bedauere ich, dass ich nicht ehrlicher zu mir selbst gewesen bin und einmal richtig bei mir hingeschaut habe.“
Inzwischen hört Peter S. seinem neuen Abteilungsleiter genau zu. Kann er dessen Aussagen zu seiner Arbeit nicht einordnen, bittet er ihn, nachdem er sich erst einmal Zeit zum Nachdenken genommen hat, nach zwei bis drei Tagen um ein Gespräch unter vier Augen. Außerdem besprechen sein Vorgesetzter und Peter S. regelmäßig, wo und wie der Medizintechniker sich noch verbessern kann. „Für mich ist das kein leichter Weg gewesen. Heute bin ich froh, dass ich die Chance bekommen habe, genauer bei mir hinzuschauen. Meine Familie freut sich, dass ich besser zuhören kann und weniger selbstherrlich daher komme.“
   
Checkliste
 

1.) Nicht immer trauen sich Vorgesetzte, ihre Mitarbeiter zu kritisieren und mit ihnen anschließend ein konstruktives und für beide Seiten weiterführendes Gespräch über die angesprochenen Punkte führen. Sie verstecken ihre Hinweise lieber hinter Andeutungen, die oft missverständlich sind. Wenn Sie unsicher sind, was Ihr Chef wirklich gemeint hat mit seiner Aussage, kann es sich lohnen, ihn um ein Gespräch unter vier Augen zu bitten und bei ihm genauer nachzufragen.

2.) Ist seine vorgetragene Kritik berechtigt, dann sind Ihre Ausreden und Ausflüchte wenig hilfreich. Besser ist es dann, erst einmal tief durch zu atmen und dann zu antworten und möglicherweise um Rat zu bitten, was Sie konkret ändern sollen und wie.

3.) Bei unberechtigter Kritik sammeln Sie bitte Beweise dagegen, tragen sie schriftlich zusammen und stellen dann Ihrem Chef in Ruhe die eigene Sicht der Dinge unter vier Augen vor.

 
     
       

Konflikte und Kritik

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    11. Juni 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Neid
 
„Ich habe mich gewundert, weshalb sich meine Mitarbeiterin in unseren Kreativrunden nicht mehr mitteilte und einbrachte. Sie hatte sonst immer die besten Ideen für unser Unternehmen.“ Weil Markus R. die Zurückhaltung seiner Mitarbeiterin zunehmend irritierte, stellte er sich im Coaching die Frage, was er als Chef tun könnte, sie wieder so zu motivieren, dass sie wie früher aktiv im Team mitwirkt. Erst nach einigen Beratungsstunden wurde sichtbar, dass es seiner Mitarbeiterin auch weiterhin nicht an Motivation mangelt. Sie hatte vielmehr Angst davor, von ihrem Chef zu sehr gefördert zu werden, weil ihre Kollegen und Kollegen darauf neidisch waren, und sie deshalb in ihrer Arbeit bewusst behinderten und sabotierten. Herablassende Bemerkungen, verschwundene Unterlagen und wichtige Informationen, die vergessen wurden, weiterzugeben, gehörten zum täglichen Neid-Repertoire der Kolleginnen und Kollegen. Sie sah für sich keinen anderen Weg, als sich zurückzuziehen, möglichst wenig aufzufallen und so hoffentlich nicht noch mehr Neid auszulösen. Einen Wechsel des Arbeitsplatzes schloss sie nicht mehr aus.
Für Markus R., Inhaber eines Umweltberatungsunternehmens, war das Verhalten seiner Mitarbeiter eine herbe Enttäuschung. Er hatte geglaubt, wenn er gute Mitarbeiter auszeichnet und sie vor allen anderen lobt, könne er damit sein ganzes Team motivieren, noch besser und noch erfolgreicher zu werden. „Übersehen habe ich dabei, dass in unserem 10-Mann-Team jeder versucht, nach vorne zu kommen und sich unentbehrlich zu machen. Inzwischen habe ich für mich gelernt, dass es für ein kleines Team wie das unsrige wichtig ist, jedem Einzelnen immer wieder zu verdeutlichen, worin ich seine individuellen Stärken sehe und weshalb ich einzelne Kollegen gezielt mit bestimmten Aufgaben betraue.“
Markus R. versucht seither, seine Entscheidungen für alle transparent darzustellen. Er führt regelmäßig mit jedem einzelnen Mitarbeiter Gespräche und fordert sie auf, sich in ihrem Spezialgebiet konsequent weiter zu bilden und voran zu kommen. So hat sich der zerstörerische Neid zwischen den Kolleginnen und Kollegen spürbar verringert, und der Respekt untereinander ist größer geworden. „Entscheidend war, dass wir in einer Teamsitzung über Neid und seine positiven und negativen Auswirkungen gesprochen haben und dabei erkannt haben, dass wir neidisch sein können, wenn wir gleichzeitig unsere Stärken und die unseres Gegenübers anerkennen.“
   
Checkliste
 

1.) Neid hat viele Gesichter. Positiv eingesetzt, kann Neid auf den Erfolg eines anderen zu Höchstleistungen antreiben. Zeigt er sich von seiner zerstörerischen Seite, dann kann er in einem Unternehmen erheblichen Schaden anrichten und für Unfrieden sorgen.

2.) Einige Spielregeln können helfen, dem Neid unter Kolleginnen und Kollegen von vornherein zu begegnen. Wichtig ist es dabei unter anderem, Unternehmensentscheidungen transparent und für möglichst viele nachvollziehbar darzustellen. Gezielte Förderung von Mitarbeitern sollte nach sichtbarer Qualifikation stattfinden. Von den Mitarbeitern und der Unternehmensleitung gemeinsam aufgestellte Spielregeln müssen von allen eingehalten werden.

3.) Bleibt ein Mitarbeiter ohne äußeren Grund weiter neidisch und wirkt damit zerstörerisch in einem Team, ist ein Coaching oder eine Therapie anzuraten oder eine Trennung vorzuschlagen.
 
Tipps zum Lesen:

Bolzano, Klaus, Die Neidgesellschaft, 2007, Goldegg Verlag, ISBN: 9783901880087
Epstein, Joseph, Neid – die böseste Todsünde, 2010, Klaus Wagenbach Verlag, ISBN: 9783803126504

 
     
       

Selbstcoaching

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    4. Juni 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
    Selbstcoaching
 
„Liebe Frau Maisch, ich möchte mich verändern, dafür jedoch kein Coaching in Anspruch nehmen, sondern lediglich ein paar Tipps von Ihnen“, stand neulich in einer Email an mich, mehr nicht. Zunächst fiel mir die Antwort schwer. Wie soll ich einem mir völlig unbekannten Menschen einfach so paar Tipps geben, mit denen sie sich verändern kann? Dann entschied ich mich, meinem unbekannten Leser einige Übungen zukommen zu lassen, mit denen er seine Kompetenzen selbst trainieren und verbessern kann:
Bei vielen Übungen und Trainings, die wir im Coaching machen, geht es um die Aufmerksamkeit uns selbst gegenüber. Wir lernen uns selbst besser kennen und unsere Stärken und Schwächen wahrzunehmen. Es geht darum, unsere Gefühle ernst zu nehmen und mit unseren Beziehungen respektvoll umzugehen. Dazu gehört auch das aktive Zuhören als wichtige Basis für eine erfolgreiche Führung eines Teams oder eines Unternehmens oder das Training des Körperbewusstseins als Grundlage für ein erfolgreiches Auftreten vor Mitarbeitern oder vor Publikum.
Wollen wir beispielsweise unsere Beziehungen zu unseren Kolleginnen oder Kollegen verbessern, dann können wir eine Liste mit allen Menschen in unserem beruflichen Umfeld aufstellen und uns mit Hilfe einer Skala fragen, wie hoch ist unser Vertrauen, unser Respekt, unser Empathie zu unserem Gegenüber. Stellen wir fest, dass wir wenig Vertrauen, Respekt oder Empathie für unser Gegenüber empfinden, dann schließt sich daran die Frage an, was wir konkret tun können und wie wir unser Verhalten entsprechend ändern. Nach einer Weile hilft uns die Skala, erneut zu überprüfen, ob sich etwas im Verhältnis zu unserem Gegenüber verbessert hat.
Das Training unseres Körperbewusstseins kann uns das Halten von Vorträgen oder das Kundengespräch erleichtern. Wenn wir uns einmal täglich 15 Minuten lang bewusst machen, wie sich unsere Hände, Füße, Arme, Beine, Oberkörper, Hals und Kopf anfühlen, wir unsere Empfindungen notieren und diese Übung solange durchführen, bis wir unseren ganzen Körper ohne große Anstrengung spüren, werden wir am Ende ruhiger und gelassener unsere Vorträge oder Präsentationen durchstehen. Wir kennen die Reaktionen unseres Körpers, können sie in schwierigen Situationen gut einschätzen und damit umgehen. Wir sind uns selbst gegenüber aufmerksamer und für unsere Umgebung erfolgreicher.

Viel Freude bei Ihrem Selbstcoaching
   
Checkliste
 

1.) Zum Coaching gibt es eine Fülle an hilfreicher und lesenswerter Bücher. Möchten wir uns selbst coachen, bei uns Veränderungen durchführen, dann hilft leider nur eines, bei uns selbst hinschauen und Kompetenzen, die wir erwerben möchten, zu trainieren.

2.) Wichtig ist, dass Sie Freude am Selbstcoaching haben. Empfinden Sie es als zusätzlichen Stress zum sowieso stressigen Arbeitsalltag, wäre es vermutlich leichter für Sie, Sie suchen sich einen anderen Zeitpunkt für Ihre Veränderung – oder Sie fragen einen Coach oder einen Therapeuten nach einem Coaching.

3.) Und noch ein Tipp zum Schluss: Erscheint uns unser Leben eher grau als sonnig, können wir uns mit einer täglichen Freude, die wir uns selbst schenken, weiter helfen. Etwa mit einem Spaziergang in der Mittagspause, einem Cappuccino im Café neben dem Büro oder ein Stückchen Schokolade am Tagesende…
 
Tipps zum Lesen:

Manager Magazin Juni 2011, Coaching, Trends
Miedaner, Talane, Coach dich selbst sonst coacht dich keiner, 2000, mvg Verlag, ISBN: 978363607039

 
     
       

Selbstcoaching

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    28. Mai 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Ich erlaube mir
 
Eine geänderte Wortwahl kann geradezu befreiend wirken. Immer wieder erlebe ich es im Coaching, wie der Satz „ich erlaube mir“, statt „ich muss“, einem Klienten hilft, weniger Stress in bestimmten Situationen seines Berufsalltags zu haben und mehr Gelassenheit im Umgang mit sich und seiner Tätigkeit zu entwickeln. Ein Beispiel: Jochen M. hat seine Ausbildung zum Friseurmeister erfolgreich absolviert und sich vor zwei Jahren mit zwei Kollegen selbständig gemacht. Alle drei tragen die Verantwortung für ihren Betrieb und die 10 Mitarbeiter, die sie von ihrem Vorgänger übernommen haben.
„Ich muss gut sein, jeder Schnitt muss perfekt sein, ich muss alles richtig entscheiden, ich muss es schaffen, in drei Jahren alle Schulden bezahlt zu haben….“ Mit diesen Sätzen trieb sich Jochen M. über die letzten beiden Jahre immer heftiger an und erhöhte systematisch seine tägliches Arbeitspensum, bis er spürte, wenn er so weiter macht, wird er die Belastungen seines Berufsalltages nicht mehr durchhalten können, und seine Familie wird sich von ihm lösen, weil er keine Zeit mehr für sie hat.
Zunächst lehnte er es ab, das Wörtchen „muss“ durch die Worte „ich erlaube mir“ zu ersetzen. Zu fremd erschien es ihm, die gewohnten Kategorien des Müssens, des Perfekt-Sein-Wollens zu verlassen. Zu ungewohnt fühlte es sich für ihn an, sich selbst etwas zu erlauben, sich etwas zu gestatten, sich selbst etwas Gutes zu tun. Im Laufe des Beratungsgespräches wagte er es dann doch, statt „ich muss“ „ich erlaube mir“ zu sagen, übte es im Alltag immer wieder und mit zunehmender Freude und erlebte immer deutlicher, wie wohltuend es für ihn war, sich zu erlauben, gut zu sein, statt gut sein zu müssen, sich zu erlauben, perfekte Schnitte zu machen, statt perfekte Schnitte machen zu müssen…. „Ich habe es nicht glauben wollen, wie positiv sich die geänderte Wortwahl auf mich, meine Arbeit und auf meine Familie auswirkt. Ich bin viel gelassener, fühle mich weniger gestresst und deutlich weniger belastet. Und wenn ich mal nicht so gut gewesen bin, dann erlaube ich es mir einfach, beim nächsten oder übernächsten Mal wieder gut zu sein.“
Manchmal ersetzt er sein „ich muss“ auch durch die Worte „ich kann“. Er schenkt sich damit die Freiheit und die Verantwortung, sich für oder gegen etwas entscheiden zu können, statt sich getrieben zu fühlen von zu starkem Pflichtbewusstsein und vom Müssen.
     
Checkliste
 

1.) Jochen M. hat sich einen sogenannten „Anker“ ausgesucht, der ihm dabei geholfen hat, immer häufiger statt „ich muss“ „ich erlaube mir“ zu denken und zu sagen: Er befestigte an seiner Werkzeugtasche einen Smiley-Button.

2.) Immer wieder hat er sich bestimmte Situationen ausgesucht, in denen er sich vorab besonders bewusst machte, sorgfältig auf seine Gedanken- und Wortwahl zu achten. Beispielsweise die vierwöchentliche Teamsitzung.

3.) In seinem Terminkalender trägt er sich bis heute täglich 15-ich-erlaube-mir-Minuten ein, in denen er macht, wozu er dann gerade Lust hat. Spazieren zu gehen z. B.: Zeitung zu lesen, keine 15-ich-erlaube-mir-Minuten leben zu wollen … .

 
     
       

Erfolgsrezept

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    21. Mai 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Das Schwere leicht aussehen zu lassen
 
Wie war das noch vor 6 Jahren? Da stand der diesjährige deutsche Fußballmeister Borussia Dortmund vor dem finanziellen Aus (Schalke 04 und Bayern Fans bitte nicht weiter lesen). Der Verein setzte daraufhin konsequent auf seinen Nachwuchs, auf ein klares finanzielles und fußballerisches Konzept, eine vertrauensvolle und langjährige Zusammenarbeit mit einem Trainer und auf das Besinnen der eigenen Stärken. Selbst im letzten Spiel am vergangenen Samstag, den 14. Mai, als längst feststand, dass dem BVB der Meistertitel nicht mehr zu nehmen ist, stürmten die Spieler genauso leidenschaftlich auf das gegnerische Tor wie in vielen Spielen davor und gaben ihr Letztes. Angetrieben von einem Trainer, der am Spielfeldrand die jüngste Meistermannschaft aller Zeiten mit vollem körperlichen und mimischen Einsatz begleitet.
Hinter der Leichtigkeit des Spiels des BVBs, hinter der Spielfreude und der unbändig erscheinenden Lust auf noch mehr Fußball, hinter der scheinbar mühelos und leicht errungenen Meisterschaft, stecken harte und intensive Arbeit aller Beteiligten und eine fürsorgliche Betreuung der jungen Spieler des Bundesligisten. Nach einem feststehenden und klug ausgetüftelten Plan wird jede Trainingseinheit akribisch vorbereitet und wiederholte Male durchgeführt, bis sie von allen beherrscht wird. Taktische Besprechungen und das Erklären und Aufarbeiten von Fehlern finden ohne Hektik und in einer Umgebung statt, die volle Konzentration erlaubt und die Kreativität fördert. Jeder Spieler wird nach seinen Stärken und Fähigkeiten eingesetzt, und zeigt er einmal eine weniger gute Leistung, bleiben ihm dennoch das Vertrauen und die Zuversicht des Trainers.
Das Erfolgsrezept des BVB lässt sich in den beruflichen Alltag übersetzen. Vermutlich empfinden wir unsere Arbeit immer dann als leicht und machen sie ohne große Kraftanstrengung, wenn wir uns intensiv mit unserer Arbeit und ihren Herausforderungen beschäftigen. Wenn wir alle Spielzüge eines Projektes in Gedanken gründlich und in Ruhe vorbereiten und das Projekt dann ebenso sorgfältig durchführen, wenn wir uns eine Atmosphäre schaffen, die es uns erlaubt, mit unseren Kolleginnen und Kollegen, mit unserem Chef, unserer Chefin gelassen über unsere Arbeit zu sprechen, und wenn wir begreifen, dass erst das konzentrierte Arbeiten der Schlüssel für unseren Erfolg ist, für „das Schwere leicht aussehen zu lassen“ (FAZ 16. 5. 2011).
     
Checkliste
 

1.) Paaren sich Leidenschaft und Herzlichkeit bei einem Projekt mit Zielstrebigkeit und Geduld, dann kann bei einem klaren Konzept und einer guten Vorbereitung etwas Großes entstehen, wie der Deutsche Fußballmeister 2011 Borussia Dortmund.

2.) Jeder, der Teil der Arbeit und des Erfolges ist, wird ernst genommen. So signierte Trainer Jürgen Klopp nach dem letzten öffentlichen Training seiner Mannschaft geduldig ihm von den BVB-Fans hingereichten Meisterschalen aus Pappe, Handys, Kappen, Schals und Küchenuhren.

3.) Begangene Fehler lassen sich in Chancen ummünzen. Schwachstellen kann man erkennen, daran arbeiten und zu Stärken wandeln.
 
Tipps zum Lesen:

Greulich, Matthias: Jürgen »Kloppo« Klopp: Echte Liebe, erscheint Oktober 2011, Copress Verlag, ISBN: 9783767910737

 
     
       

Selbstbewußsein

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    14. Mai 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Mein Charisma
 

Kennen Sie das? Sie stehen mit netten Menschen zusammen und plaudern, und dann kommt ein Mann, eine Frau auf Ihre Gruppe zu, der oder die alle Blicke auf sich zieht und das Gespräch verstummen lässt. Das Äußere kann es nicht sein, dazu ist dieses augenscheinlich nicht auffällig genug. Vielmehr faszinieren uns das beeindruckende Auftreten, die Souveränität und die Selbstverständlichkeit des Menschen. Ohne Allüren, ohne Show, allein durch seine Ausstrahlung macht er auf sich aufmerksam. Wenn wir genauer hinschauen, beobachten wir, dass eines der Geheimnisse von charismatischen Menschen ihre offene und selbstbewusste Körperhaltung ist, ihre natürlich wirkende Gestik, ihre entspannte und klare Haltung zu Problemen und Herausforderungen und ihr Optimismus, den sie in fast allen Situationen ausstrahlen. Sie sind authentisch in ihrem Tun und in ihrem Auftreten.
Nur, wie können wir an Ausstrahlung gewinnen und uns ebenso natürlich und zuversichtlich verhalten, ohne dass es bei uns aufgesetzt und künstlich erscheint? Ein erster wichtiger Schritt zu unserem Charisma ist die Körpersprache. Sie können wir durch ein Training verbessern und verfeinern. Ein weiterer Schritt ist unsere Fähigkeit, uns für den anderen und für seine Fragen und Themen zu interessieren und ihm aufmerksam und zugewandt zuzuhören. Dies gelingt uns immer dann, wenn wir gelernt haben, mit uns selbst gelassener umzugehen. Wenn wir unsere Stärken und unsere Schwächen kennen und deshalb tolerant mit uns und anderen sein können. Eine weitere Qualität ist unsere Präsenz. Wenn wir wirklich „da“ sind, wenn wir uns ganz auf die gegenwärtige Situation konzentrieren und damit aufhören, mehrere Dinge gleichzeitig zu denken und im Kopf zu organisieren und uns stattdessen der gegebenen Situation hingeben uns stellen, sind wir präsent und entwickeln die Ausstrahlung, die wir uns wünschen.
Entscheidend ist jedoch, dass wir im Laufe unseres Lebens lernen, Konflikte und Krisen auch als Chance für das Wachsen unserer Persönlichkeit zu sehen und nicht nur als Katastrophen. Schaffen wir es, diese zu meistern und nicht daran zu verzweifeln, und gelingt es uns dann noch, unsere eigenen Werte zu erkennen und uns daran zu orientieren, dann haben wir beste Voraussetzungen für ein charismatisches Auftreten und eine selbstbewusste Ausstrahlung. Und das „gewisse Etwas“, das uns erfreut, und das wir genießen.
   
Checkliste

1. ) Eine Voraussetzung für unser Charisma ist eine offene, gerade Körperhaltung. Dazu können wir uns z. B. verhelfen, wenn wir unser Körpergewicht gleichmäßig auf beide Füße verteilen und die Schultern loslassen.

2.) Hilfreich ist es auch, wenn wir lernen, uns so zu akzeptieren, wie wir sind, auch mit unserem Äußeren.

3.) Wesentlich für unsere Ausstrahlung ist der Umgang mit uns selbst. Kennen wir unsere Stärken und Schwächen, lassen wir uns auf Veränderungen und Herausforderungen ein und nutzen wir Konflikte als Chance, dann können wir zu souveränen Persönlichkeiten werden.
 
Tipps zum Lesen:

Etrillard, Stéphane, Charisma
2010, Junfermann Verlag, 80 Seiten, ISBN 9783873877627

 
     
       

Selbstcoaching

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    7. Mai 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Her mit den Problemen
 

Wir mögen sie selten: Berufliche und private Probleme, die uns belasten, die uns dazu zwingen, uns mit unangenehmen Situationen – oder mit uns - auseinander zu setzen, Herausforderungen, die uns zwingen, unsere Ziele und uns in Frage zu stellen. Es ist weitaus angenehmer, zufrieden und beschwingt durch den beruflichen und privaten Alltag zu gehen, als mit Problemen behaftet. Deshalb schieben wir gerne vor uns liegende Probleme auf die Seite und verschließen die Augen vor ihnen, oft mit der Hoffnung, sie verschwinden dann von selbst.

Erst einmal: Nicht alle Probleme können wir lösen. Wenn wir beispielsweise als Abteilungsleiter erkennen müssen, dass wir trotz allen Engagements nichts dazu beitragen können, dass vakante Stellen in unserer Abteilung mit guten Mitarbeitern besetzt werden, weil die Unternehmensleitung lieber Geld einspart, dann bleibt uns nur, uns damit abzufinden und für uns neue Ziele zu definieren. Auch das Ziel, eine neue Arbeitsstelle zu suchen.

Probleme empfinden wir meistens als unangenehm. Sie zwingen uns, bei uns hinzuschauen. Sie fordern uns auf, uns in Frage zu stellen und uns damit selbst die Chance zu geben, uns zu verändern. Sie helfen uns auch, ehrlich mit uns umzugehen. Stehen Sie beispielsweise vor dem Problem, dass neue Mitarbeiter Ihr Unternehmen wieder rasch verlassen möchten, dann stellt sich die Frage nach der Führungsstruktur in Ihrem Haus.

Probleme können uns helfen, Lösungen zu entwickeln, auch für scheinbar aussichtslose Situationen. Hilfreich kann dabei sein, anstatt von Problemen zu reden, lieber von Herausforderungen zu sprechen und sich dann herausgefordert zu fühlen, Lösungsstrategien zu entwickeln. Etwa, in dem wir uns die Frage stellen, welchen Vorteil hat das Problem für mich? Wozu brauche ich es? Was kann ich anhand der Herausforderung für mich lernen? Kenne ich solche Situationen und wie habe ich sie früher gelöst?
Gelingt es uns erst einmal zu erkennen, dass Probleme Herausforderungen sind, die uns auffordern, sie zu lösen; dann wird uns klar, dass das Problemlösen sogar Freude bringen kann, vor allem, wenn wir entdecken, dass wir längst gute Lösungsstrategien besitzen und sie nur entsprechend einsetzen müssen. Dann verlieren viele unserer Probleme ihren Schrecken und werden zu dem, was sie sind, Schwierigkeiten, aus denen wir lernen und mit denen wir umgehen können.
   
Checkliste

1.) Es gibt Probleme, die sich von uns nicht lösen lassen. Selbst wenn wir sie genau formuliert und analysiert haben.

2.) Wenn es unser Problem ist, eine neue Sicht uns bekannter Dinge anzunehmen, dann kann dies für uns ebenfalls unlösbar sein, weil wir auf unsere Überzeugung nicht verzichten wollen oder können.

3.) Viele Probleme lassen sich aber bearbeiten, indem wir sie zunächst annehmen und uns nicht davor drücken, indem wir sie nicht mehr als Problem, sondern als Herausforderung bezeichnen und indem wir uns auch die Frage stellen, welche Chance sich in der Herausforderung verbirgt, vor der wir stehen.

4.) Packen wir ein neues Projekt an, dann ist es hilfreich, sich zu Beginn auch zu überlegen, welche Probleme die Aufgaben mit sich bringen können und welche Strategien wir dann für die Bewältigung haben, falls die Herausforderungen auf uns zukommen sollten.
 
Tipps zum Lesen:

Funke, Joachim, Problemlösendes Denken
2003, Kohlhammer Verlag, ISBN: 9783170174252

 
     
       

Selbstcoaching

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    30. April 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Ich jammere, also bin ich…
 

Probieren Sie es einmal aus: Beim nächsten Kantinengespräch mit den Kollegen erzählen Sie mit viel Engagement, wie höflich der Busfahrer heute Morgen war, als Sie zur Arbeit fuhren, wie viele nette Menschen Sie heute schon am Telefon hatten, wie schon das Wetter doch ist, mit dem zarten Regen, der seit Stunden leise vom Himmel nieselt … Vermutlich werden Ihnen die Kolleginnen und Kollegen ruhig zuhören, vielleicht gibt der eine oder andere im Anschluss eine ähnlich erfreuliche Geschichte zum Besten. Mit dem ersten „aber…“ eines Essensmitstreiters und dem Erzählen über eine wenig erfreuliche Situation wird die Unterhaltung dann deutlich lebhafter werden: Noch immer gibt es zu wenige Parkplätze beim Betrieb, die Abteilungsleiterin hat uns auch heute Morgen wieder ignoriert, als wir sie auf dem Flur trafen, das Angebot an Mittagsspeisen in der Cafeteria lässt wieder einmal heftig zu wünschen übrig.
Was finden wir eigentlich so verlockend am täglichen Klagen? Welchen Nutzen hat für uns das Jammern, im Privatleben wie im Beruf? Ist es tatsächlich so, wie Eckhart von Hirschhausen in „Glück kommt selten allein“ sagt, dass wir es als einen „Ausweis an Intelligenz“ ansehen, „etwas zu meckern zu finden“? Offenbar brauchen wir das Nörgeln, weil wir hoffen, dass wir dadurch mehr Aufmerksamkeit und mehr Mitleid bekommen, von unseren Kollegen oder von unseren Partnern. Oder wir haben gelernt, dass unser kollektives Jammern über die Führungsetage unseres Unternehmens zu einem größeren Gemeinschaftsgefühl innerhalb unseres Teams führt. Wir nutzen unser Jammern häufig auch dazu, nichts ändern zu müssen. Weder bei uns, noch in unserem beruflichen oder privaten Umfeld. Mit unserem täglichen Jammern geben wir die Verantwortung für unser Dasein ab.
Richtig jammern können kann uns auch helfen. Nämlich immer dann, wenn wir es aktiv dazu nutzen, unsere Wünsche und Ziele zu erkennen. Beispielsweise können wir uns im Rahmen eines Coachings oder in einem klar definierten Gespräch mit Freunden, Familie oder Kollegen innerhalb einer festgelegten Zeit selbst dazu einladen, richtig zu jammern und zu nörgeln, so lange bis es uns langweilig wird, und wir beginnen möchten, die anstehenden Herausforderungen anzugehen und Lösungen dafür zu entwickeln. Müssen wir dann noch unsere gute Idee gegenüber unserem gewohnten Jammerclub durchsetzen und schaffen dies, dann haben wir alle Chancen, dass unser von uns gezielt eingesetztes Jammern uns zu neuen Perspektiven führt.
 
Checkliste

1.) Unser Jammern kann, wenn wir es innerhalb eines festgelegten Zeitraumes und einer klar definierten Situation betreiben, dazu führen, dass wir erkennen, was wir uns wirklich wünschen und wo wir uns selbst begrenzen. Jammern in einer genau definierten Dosis kann heilsam sein.

2.) Durch ständiges Nörgeln können Jammerer manipulieren. Ziel ihres Jammerns: die Verantwortung abzugeben, im Privatleben wie im Beruf. Etwa, wenn ein Kollege wieder einmal eine Arbeit nicht machen kann, weil er viel zu viel zu tun hat, obwohl sie zu seinen Aufgaben zu gehört.

3.) Mit Jammern können wir uns das Handeln ersparen. Wer gut nörgelt, kann sich als Opfer der Umstände fühlen. Wer handelt, wer Lösungen für ein Problem sucht, trägt die Konsequenzen für sein Tun, auch den möglichen Ärger und eine eventuelle Enttäuschung.
 
Tipps zum Lesen:

Lohstroh, Annika, Thiel, Michael, Deutschland, einig Jammerland: Warum uns Nörgeln nach vorne bringt, 2011, Gütersloher Verlagshaus, ISBN: 9783579067520

 
     
       

Personalführung

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    23. April 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Vorbild
 

„Mein jetziger Chef ist mein Vorbild. Wenn ich erst einmal eine entsprechende Position erreicht habe, will ich so handeln und führen wie er. Deshalb bin ich hier. Das möchte ich lernen.“ Mit diesen Sätzen antwortete Michael S., Marketingkaufmann und Mitarbeiter einer Eventagentur in der ersten Beratungsstunde auf meine Frage, welche Ziele er für das Coaching habe. Sein klarer Hinweis auf seinen Chef als Vorbild für seinen beruflichen Werdegang verblüffte mich. Wolle er nicht lieber seinen eigenen Weg gehen, anstatt sich an einem fast doppelt so alten Vorgesetzten zu orientieren? Für Michael S. war dies keine Frage. Er brauche Vorbilder, beruflich wie privat, um zu wissen, wie er seine Wege weitergehen kann und will. Sie geben ihm Orientierung, zeigen ihm verschiedene Möglichkeiten auf, wie er sein Leben gestalten kann, und sie motivieren ihn, sich selbst weiter zu entwickeln zu der Führungspersönlichkeit, die er gerne sein wolle.
Sein Chef als sein Vorbild half ihm in der Beratung, klar zu erkennen und zu entscheiden, welche Verhaltensweisen und welche Strategien er von ihm übernehmen will und wie er diese in seine eigene Persönlichkeit integrieren kann. Er schätzt es beispielsweise, dass sein Chef einerseits Visionen und Ziele deutlich formuliert, im Einzelfall jedoch flexibel reagiert, wenn ein Ziel gar nicht oder nur auf kompliziertem Weg zu erreichen ist. „Das zu lernen ist für mich eine große Herausforderung. Ich halte sehr lange an vereinbarten Zielen fest und bleibe dann dabei, auch wenn ich längst weiß, dass das nicht mehr sinnvoll sind.“ Inzwischen übt er, bei Änderungsvorschlägen von Kolleginnen und Kollegen oder von seinem Vorgesetzten erst einmal gründlich abzuwägen, und sie nicht sofort mit den Worten, „das hatten wir anders vereinbart“, abzulehnen.
Bewundernswert findet er an seinem Chef, dass er Fehler offen zugibt und sich entschuldigt, wenn er jemand Unrecht getan hat. „Bislang habe ich meine Fehler immer versucht zu vertuschen. Jetzt stehe ich dazu und werde von den Kolleginnen und Kollegen mehr respektiert als zuvor.“ Das Coaching half ihm auch, seine Schattenseiten zu sehen, zu akzeptieren und daran zu arbeiten. „Ich habe wahrnehmen können, dass mein Chef Schwächen hat, die er offenbar gut kennt, jedenfalls geht er humorvoll damit um. Mein Vorbild ist nicht perfekt. Ich muss es demnach ebenso wenig sein. Das entlastet mich und lässt mich gelassener sein.“
 
Checkliste

1.) Das Verhalten von einem beliebten Chef kann in einem Unternehmen effektiver sein als jede Regel und Vorschrift. Kommt er beispielsweise morgens regelmäßig und pünktlich zur Arbeit, werden die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur gleichen Zeit anwesend sein.

2.) Von uns selbst gewählte Vorbilder können uns helfen, uns zu orientieren. Gelingt es beispielsweise einem Vorgesetzten, mit seinen Mitarbeitern wertschätzend umzugehen, werden wir sein Verhalten vermutlich übernehmen und allmählich ebenfalls die Leistungen der anderen würdigen.

3.) Durch ihr Verhalten können Vorbilder uns dazu motivieren, Mut aufzubringen, für uns ungewohnte Wege zu gehen und neue Verhaltensweisen auszuprobieren.

4.) Weniger hilfreich ist es für uns, wenn wir uns in den Erfolgen unseres Vorbildes sonnen und dabei vergessen, dass wir nichts dazu beigetragen haben.

 
     
       

Stil & Etikette

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    16. April 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Knigge am Arbeitsplatz

„Ich habe keine Angst vor der neuen Arbeit. Angst habe ich davor, dass ich Fehler mache beim Auftreten. Wie begrüße ich beispielsweise meinen neuen Kollegen?“ „Oder was mache ich, wenn ich gefragt werde, ob ich mein Gegenüber duzen möchte?“ Peter M. hat eine Stelle als Auszubildender in einem Steuerbüro bekommen und freut sich darauf, seinen Beruf erlernen zu können. Für den ersten Arbeitstag wünscht er sich ein paar Anregungen, die ihm den Einstieg in die neue Stelle leichter machen.
Beim Kennenlernen der Kollegen und Kolleginnen entscheidet er sich in der Beratung dafür, bei der ersten Begegnung von sich aus alle freundlich zu begrüßen und sich selbst mit Vor- und Zunamen vorzustellen, um so seinen Kolleginnen und Kollegen die Chance zu bieten, seinen Namen in Erinnerung zu behalten.
Beim Duzen will er erst einmal abwarten, welche Umgangsformen im Unternehmen gepflegt werden. Junge Leute in seinem Alter wird er vermutlich sofort duzen, außer er wird von ihnen mit „Sie“ angesprochen. „Wie verhalte ich mich, wenn mir jemand das „Du“ anbietet, den ich nicht duzen will?“ Bei Vorgesetzten will er sich an die Faustregel halten, das „Du“ höflich und freundlich abzulehnen – und bei Kolleginnen und Kollegen, bei denen ihm ein zu vertraulicher Ton am Arbeitsplatz eher unsympathisch ist.
Eine große Herausforderung für ihn ist das kleine Gespräch zwischendurch in der Kaffeepause oder in der kleinen Kantine des Unternehmens. „Was sage ich, wenn die Kolleginnen und Kollegen von ihrem letzten Urlaub erzählen? Oder von ihren Familien? Bei mir dreht sich im Moment alles um meine Ausbildung.“ Nach einer Weile entdeckt er, dass sein Interesse an Musik und an dem örtlichen Fußballverein interessante Themen für den Smalltalk sein können. Außerdem weiß er von sich, dass er gut zuhören kann und damit eine wichtige Voraussetzung mitbringt, an entsprechender Stelle ins Gespräch einsteigen zu können.
Weniger Bedenken hat er vor Betriebsfeiern und kleinen Festen im neuen Unternehmen. Für ihn ist es selbstverständlich, bei Einladungen im Büro nicht zu tief ins Glas zu schauen und dadurch zum andauernden Büroklatsch zu werden.
Ansonsten hofft er, dass er Gelegenheit haben wird, an seinem ersten Arbeitstage möglichst vielen Kolleginnen und Kollegen Fragen stellen zu können und so rasch einen näheren Einblick in seine neue Arbeit zu gewinnen.
 
Checkliste

1.) Die Spielregeln für das Miteinander in einem Unternehmen sind unterschiedlich. Beim Antreten einer neuen Arbeitsstelle lohnt es sich, sich mit den spezifischen Gepflogenheiten im neuen Haus zu befassen. Etwa, welche Kleiderordnung gewünscht wird und welche individuellen Möglichkeiten die Mitarbeiter haben.

2.) Zum innerbetrieblichen Miteinander gehört oft auch, wie beispielsweise mit Pünktlichkeit umgegangen wird. Auch hier gilt, sich die Spielregeln zu beachten und sich bei eigener Unpünktlichkeit rechtzeitig entschuldigen.

3.) In manchen Unternehmen ist das Wörtchen „danke“ ausgestorben. Verbunden mit einem kleinen Lächeln kann ein „Danke schön“ Türen öffnen und so manche Gespräche leichter machen.
 
Tipps zum Lesen:

Hanisch, Horst, Knigge für Beruf und Karriere
2006, Haufe Mediengruppe, ISBN: 9783448077445

 
     
       

Trennung

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    9. April 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Die Tür zur Zukunft
 
nennt der Philosoph Dr. Manfred Hinrich (*1926) den Abschied aus einem ungeliebten Job, aus einer Beziehung, an der wir nur noch aus sentimentalen Gründen festhalten. Manchmal nerven uns unsere Arbeitsstelle oder unsere seit langem überholte Freundschaft so sehr, dass wir mit einem radikalen Schritt alles hinter uns lassen, spontan die Kündigung auf den Tisch unseres Chefs knallen, und wir nur noch ein Wunsch haben, so schnell wie möglich raus aus allem. Und manchmal ist diese Reaktion genau richtig und hilfreich für uns, den sonst hätten wir unsere „Tür zur Zukunft“ nie aufgemacht. Oft lohnt es sich jedoch, erst einmal anzuhalten und den Abschied aus dem Althergebrachten in Ruhe zu planen und durchzuführen. Sinnvoll ist es beispielsweise herauszufinden, ob wir mit der Kündigung Anspruch auf eine Abfindung haben oder ob wir eine Weiterbildung machen können, die uns in unserem künftigen Beruf ein breiteres Spektrum an Arbeitsmöglichkeiten bietet. Außerdem kann es für uns im neuen Job hilfreich sein zu wissen, welche Fehler wir an der alten Arbeitsstelle gemacht haben und diese z. B. mit Hilfe eines Beraters oder Coachs aufzuarbeiten und zu verbessern. Oder für uns herauszufinden, dass wir künftig tatsächlich gerne eine Leitungsfunktion übernehmen möchten oder lieber nicht so gerne an entscheidender Position tätig sind. Manchmal entdecken wir auch durch eine gründlichere Beschäftigung mit unseren eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten, dass wir die Perspektiven an unserem bisherigen Arbeitsplatz nicht genügend ausgeschöpft und wir uns nicht gewinnbringend genug für weiterführende Positionen in unserem bisherigen Unternehmen engagiert haben. Ein Berater oder ein Coach kann uns weiterhin dabei helfen, damit umzugehen, dass wir uns getäuscht haben in unserem Chef, in unseren Kolleginnen und Kollegen (oder in unseren privaten Beziehungen).
Kommen wir zum Ergebnis, dass wir wirklich gerne gehen möchten und eine neue Stelle suchen wollen oder bereits gesucht haben, dann müssen alle Betroffenen rechtzeitig von unserem geplanten Schritt erfahren. Unsere Vorgesetzen zuerst, danach die unmittelbaren Kolleginnen und Kollegen und dann die gesamte Abteilung. Wenn es uns außerdem gelingt, uns in angenehmer Atmosphäre zu verabschieden, auch wenn wir innerlich froh sind, endlich alles hinter uns zu lassen, dann bleibt die Tür offen zu den bisherigen Kontakten im alten Unternehmen.
 
Checkliste

1.) Der Schritt durch die Tür zur Zukunft ist ein Schritt ins Ungewisse. Gehören wir zu den Menschen, die Angst vor dem Neuen haben und deshalb lieber am Bewährten festhalten, auch wenn es uns nicht gut tut, dann kann es hilfreich sein, erst einmal zu schauen, weshalb wir so ungerne loslassen und nur selten vertrautes Terrain verlassen.
 
2.) Familie, Freunde und Berater wie ein Coach können uns darin unterstützen, in Ruhe die Argumente für und gegen einen Abschied aus dem bisherigen Arbeitsplatz oder der bisherigen Beziehung aufzuzeigen.
 
3.) Familie, Freunde und Berater wie ein Coach können uns auch dabei helfen, unsere Trauer über den falsch gewählten Job und unsere Enttäuschung über unser langes Zögern, die Arbeitsstelle zu wechseln, zu verarbeiten.

 
     
       

Stil & Etikette

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    2. April 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Sie haben Post
 
„Manchmal habe ich mich gefragt, ob ich als Email-Leser eingestellt worden bin, anstatt als Bankberater. Kaum ist mein Email-Postkasten leer, fliegen schon wieder 20 neue Mails aus den verschiedenen Abteilungen unserer Bank hinein. Die meisten gehen mich gar nichts an. Das erkenne ich jedoch oft erst, nachdem ich sie gelesen und versucht habe, sie zu verstehen. Was kann ich nur dagegen tun?“ Mit diesem Wunsch kam Joachim M. ins Coaching und wünschte sich ein paar Spielregeln im Umgang mit Emails.
Schwer fiel ihm zu erkennen, dass nicht nur die Kolleginnen und Kollegen und seine Chefs ihm zu viele Emails schicken, sondern dass er selbst zu seiner täglichen Email-Flut beiträgt. Anstatt immer sofort nachzuschauen, wer ihm eine jetzt wieder eine Email schickt, wenn der Email-Signalton erklingt, hat er diesen ausgeschaltet und liest jetzt nur noch drei Mal am Tag zu bestimmten und von ihm festgelegten Zeiten seine Mails. „Bei ganz dringenden Fragen haben die Kolleginnen und Kollegen inzwischen gelernt, dass sie mich besser anrufen. Mit dem Vorzug, dass wir die meisten Probleme mit weitaus weniger Zeitaufwand lösen können.“
Bei jeder Mail prüft er genau und in Ruhe, für wen sie wirklich relevant ist. „Ich benutze den cc-Befehl kaum noch und nur noch sehr selektiv. Ich erspare mir dadurch viele Rückfragen.“ Auf seine Anregung hin wurden Rundmails an alle Mitarbeiter in seiner Bank fast vollständig aufgegeben. Generelle Informationen für alle wie der Urlaubsplan oder die neuen Regelungen zur Arbeitszeit hängen jetzt am virtuellen Schwarzen Brett im Intranet. Gute Erfahrungen hat Joachim M. mit der Betreff-Zeile gemacht. Seitdem er mit wenigen Worten dem Empfänger signalisiert, worum es ihm in seiner Email geht und oft auch, bis wann er um eine Antwort bittet, bekommt er die Antworten schneller und erspart sich erneute Nachfragen. Konsequent beibehalten hat er seinen höflichen Umgangston mit persönlicher Anrede und freundlichem Gruß. „Noch übe ich, ein Thema kurz und knapp darzustellen. Hilfreich ist für mich dabei, dass ich auch eine Email vor dem Versenden mindestens noch einmal durchlese und auf Inhalt und Schreibfehler prüfe, wie ich es bei einem Postbrief tue. Und ärgere ich mich über eine Mail, lege ich sie erst einmal zur Seite, und nehme mir dann genügend Zeit, sie in Ruhe und sachlich zu beantworten, statt sofort in die Tasten zu hauen und senden zu drücken.“
 
Checkliste

1.) Emails im Geschäftsleben unterliegen ebenfalls der Etikette. Eine korrekte Anrede, korrekte Rechtschreibung und korrekte Grußformel sind beim Emailschreiben ebenso wichtig und richtig, wie in einem postalischen Brief.
 
2.) Emails lassen sich schnell schreiben und beantworten. Sind dabei Emotionen im Spiel, wie Freude, Ärger, Zorn, lohnt es sich, eine Email erst einmal nur zu entwerfen, liegen zu lassen und später noch einmal in Ruhe durchzulesen. Meist merken wir selbst, dass wir uns im Ton vergriffen oder im Freudentaumel zu sehr übertrieben haben.
 
3.) Emails sollten wir nur zu bestimmten Zeiten und nur drei bis vier Mal am Tag lesen, anstatt sofort das Postfach zu öffnen, wenn eine Mail kommt und uns damit selbst aus der gerade anliegenden Arbeit herauszureißen.
 
4.) Manchmal ist es hilfreich, den Arbeitstag erst die anstehenden Arbeiten zu erfassen und den Tag zu strukturieren und dann erst das Email-Postfach zu öffnen. Vor allem, wenn wir dazu neigen, die in einer Email aufgeführten Aufgaben wichtiger zu nehmen, als die auf dem Schreibtisch liegenden.
 
Tipps zum Lesen:

Schur, Wolfgang, Weick, Günter, E-Mails nerven: So bekommen Sie die Kontrolle zurück und arbeiten besser, schneller und sicherer
2010, Stark Verlagsgesellschaft, ISBN: 9783866684676

 
     
       

Stil & Etikette

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    26. März 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Achtung Foulspiel

Nicht nur auf dem Fußballplatz wird foul gespielt, sondern auch in Unternehmen, Institutionen und Behörden. Etwa, wenn ein Monologisierer mit seinen langatmigen Ausführungen eine ganze Sitzung lähmt und sich statt eines lebendigen Austausches nur müdes Gähnen im Raum ausbreitet. Oder wenn ein Vorgesetzter meint, uns in einem Gespräch seine eigenen Leistungen ausführlich und mit viel Pathos vortragen zu müssen, statt mit uns über die anstehenden Fragen zu diskutieren. Foul gespielt wird auch, wenn jemand unangemessene körperliche Nähe aufbaut. Z. B., in dem er sich unaufgefordert auf die Kante unseres Schreibtisches setzt. Elfmeterwürdig ist der Ideenklau. Von Kollegen wie von Vorgesetzten. Lösungswege, die wir entwickelt haben, Strategien, die wir mit viel Engagement ausgearbeitet haben, werden als eigene Leistungen ausgegeben ohne auf unsere Urheberschaft hinzuweisen.
Leider haben wir in unserer Arbeitswelt nur selten einen Schiedsrichter an unserer Seite, der das Foulspiel sieht und entsprechend abpfeift. In einer Sitzung ist es die Aufgabe des Moderators der Sitzung, etwa des Vorgesetzten, bei Monologen einzelner einzugreifen und sie zu kurzen, fundierten Redebeiträgen aufzufordern. Geschieht dies wiederholt nicht, können wir versuchen, die Zeit für uns sinnvoll zu nutzen. Beispielsweise, in dem wir uns Übungen für das Training des Gedächtnisses mit in die Sitzung bringen, kurze Gedichte oder Sprüche auswendig lernen oder schwierigere Kopfrechnungen üben. Gockelgespräche von Vorgesetzten können wir mit ähnlichen Strategien wie bei den Monologisierersitzungen erträglicher gestalten.
Dringen Menschen in unsere eigene „Bannmeile“, in unsere persönliche Distanzzone im Beruf von etwa 50 cm bis 120 cm ohne unser Einverständnis ein, können wir versuchen sie abzuwehren, in dem wir beispielsweise von unserem Schreibtisch aufstehen und uns auf Augenhöhe mit unserem Gegenüber begeben oder in dem wir bewusst einen Schritt zurück treten und uns dabei umschauen, wohin wir uns weiter zurückziehen können.
Erdreisten sich Kolleginnen oder Kollegen unsere Arbeit für die eigene auszugeben und auch nach Nachfragen keine Korrektur vornehmen zu wollen, dann sollten wir gemeinsam mit einer Kollegin oder einem Kollegen unseres Vertrauens das Gespräch mit dem Ideenklauer suchen. Schwieriger wird es, wenn ein Vorgesetzter Foul spielt. Hier ist genau zu prüfen, welche Konsequenten es hat, wenn wir ihn auf sein Vergehen hinweisen. Spielt er weiter Foul, sollten wir prüfen, ob wir die Abteilung oder das Unternehmen wechseln möchten.
   
Checkliste

1.) Zur Bannmeile im Beruf gehört nicht nur die körperliche Distanz, sondern auch der Respekt vor dem Arbeitsplatz der anderen. Sich beispielsweise unaufgefordert auf den Stuhl eines Kollegen, einer Kollegin an deren Arbeitsplatz zu setzen, empfinden die meisten als respektlos.
 
2.) Die persönliche Distanzzone im Beruf ist in den verschiedenen Kulturen unterschiedlich. Je nach Herkunft eines Gegenübers kann zu viel Distanz auch kühl und desinteressiert wirken.
 
3.) Wenn Sie häufiger an langatmigen Sitzungen teilnehmen müssen, können Sie gemeinsam mit anderen Leidensgenossen überlegen, wie Sie diese Termine erträglicher gestalten. Hilfreich kann sein, dass Sie gemeinsam dem Moderator Ihr Unwohlsein mitteilen und nachfragen, ob eine Änderung denkbar sei. Hilfreich kann auch sein, sich gut auf die Sitzung vorzubereiten und gezielte und konkrete Fragen zu stellen. Oder Sie machen den Vorschlag, nur bei den Themen anwesend sein zu müssen, die Ihre berufliche Tätigkeit betreffen.

 
     
       

Selbstbewußtsein

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    19. März 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Ich bin ich

„In meinem letzten Mitarbeitergespräch empfahl mir mein Chef an meiner Ausstrahlung zu arbeiten“, begründete Ingrid K. ihren Wunsch nach einer Coaching-Stunde. Die 45jährige ist gelernte Verkäuferin. Sie hatte nach einer längeren Familienpause begonnen, wieder in einem großen Elektroeinzelhandelsgeschäft zu arbeiten. „Er möchte mich fördern, mich sogar zur Abteilungsleiterin machen. Allerdings findet er, dass ich dazu in meinem beruflichen Auftreten noch authentischer und überzeugender sein muss als bislang. Ich habe keine Idee, wie ich das machen soll.“

Im Laufe des Coaching Prozesses erkennt Ingrid K., dass ihre positive Ausstrahlung von ihrer Haltung zu sich und zu ihrer Umgebung abhängt und von ihrem inneren Gleichgewicht. Sie wusste, dass ihr Beruf ihr Freude bereitet, konnte sich jedoch selbst nicht sagen, dass sie eine gute Verkäuferin sei. Durch das Coaching lernte sie zunächst wahrzunehmen, dass sie eine besondere Begabung dafür hat, unsichere Kunden bei ihren Anliegen ruhig und überzeugend zu beraten und ihnen mit ihrer vertrauensvollen Art Sicherheit zu geben. Inzwischen genießt sie es, dass sie von ihren Kolleginnen und Kollegen als kompetente und sachkundige Verkäuferin geschätzt wird. Sie hat begonnen ihre Stärken zu erkennen und ihre Schwächen zu akzeptieren, ohne sie zu verdrängen. „Ich habe den Eindruck, ich komme allmählich bei mir an und kann dadurch mit meinem Gegenüber viel entspannter und offener umgehen. Ich verlerne es richtiggehend, mich zumindest innerlich dauernd zu kritisieren und in Frage zu stellen, und mich dadurch unscheinbarer zu machen, als ich in Wirklichkeit bin. Oder mich permanent zu fragen, ob ich überhaupt die Erwartungen aller erfüllen kann“, findet sie nach ein paar Wochen.

Die intensive Arbeit an ihrer Ausstrahlung unterstützt sie durch ein aktives Training ihrer Körperwahrnehmung. Mit Hilfe eines Kameratrainings entdeckt sie, dass sie ihr Gegenüber mit ihrem Lächeln und ihrem offenen Blick rasch für sich einnimmt. Durch einen zunehmend weicheren Gang, den sie bewusst vor dem Spiegel übt und den sie durch locker hängende Arme und eine aufrechte Körperhaltung noch unterstreicht, wirkt sie selbst bei größter Hektik in ihrem Geschäft entspannt und gesprächsbereit. Ruhige Gesten statt ihrer bislang zappeligen Armbewegungen verstärken den Eindruck einer kompetenten und zuverlässigen Mitarbeiterin. Ihren Chef hat sie überzeugt. Demnächst wird Ingrid K. ihre Abteilung leiten, zu ihrer Freude und zu der ihrer Kolleginnen und Kollegen.
 
Checkliste

1.) Die Ausstrahlung eines Menschen ist nicht von seiner äußeren Schönheit abhängig. Auf den ersten Blick unscheinbare Menschen können uns mit ihrer Souveränität, ihrer Gelassenheit und ihrer Präsenz im Raum innerhalb von Sekunden für sich einnehmen.

2.) Jeder Mensch kann seine Ausstrahlung verändern, wenn er dies möchte. Sobald wir anfangen, ja zu uns zu sagen, uns unseren Ängsten vor dem Versagen stellen, aufhören, es allen und jedem Recht zu machen, und allmählich lernen, uns bewusst in unserem Körper wahrnehmen und akzeptieren, beginnen wir unsere Ausstrahlung zu verwandeln.
 
3.) Eine offene, aufrechte Körperhaltung, eine klare Mimik und eine ruhige Gestik helfen uns, unsere Ausstrahlung weiter zu entwickeln. Manchmal genügt schon ein freundliches zugewandtes Lächeln, dass wir uns zunächst innerlich selber schenken und im Laufe der Zeit unserem Gegenüber: Schließen Sie 1 x täglich die Augen, lächeln Sie sich mit geschlossenen Augen mehrere Sekunden von Innen heraus an und genießen Sie es, im Spiegel zu entdecken, wie sich Ihr Gesicht verändert hat mit dieser kleinen Übung.

Tipps zum Lesen:

Reiter, Michael, Ihre Ausstrahlung – erkennen, entwickeln und bewusst leben, 2010, Haufe Verlag, ISBN: 9783448092851

 
     
       

Selbstcoaching

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    12. März 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Hauptsache Harmonie

„Ich glaube, ich bin im Laufe der Zeit zum Ja-Sager geworden. Und das tut mir nicht gut.“ Peter M. arbeitet als gelernter Tischler in einem großen Innenausbaubetrieb. Zum Coaching kam er, weil ihm ein Kollege in einer ruhigen Minute mitgeteilt hatte, dass die anderen Kollegen nur noch über ihn lachen und ihn hinter seinem Rücken „Harmonix“ nennen. Dabei, so der junge Handwerker, wolle er es doch allen nur Recht machen. Ihm sei ein harmonisches, ein konfliktfreies Umfeld für seine Arbeit sehr wichtig. Im Laufe der Beratung erkannte er, dass sich hinter seiner Sehnsucht nach Harmonie die Angst verbirgt, sich für sich und seine Interessen einzusetzen und damit auch einmal einen Konflikt auszulösen und durchstehen zu müssen. Würde er dies tun, so befürchtete er, würde er von seinen Kollegen und seinem Chef nicht mehr geschätzt und nicht mehr anerkannt. Mit dem Bekenntnis zu sich selbst, ich bin harmoniesüchtig, begann er allmählich und in kleinen Schritten, immer wieder einmal „Nein“ zusagen zu Aufgaben, die nicht Teil seiner Tätigkeit waren. Er fing an, in den monatlichen Betriebsbesprechungen Vorschläge für Veränderungen zu machen und stellte sich dabei der Kritik der Kollegen, die zu seinem Erstaunen meist ausblieb. Vor allem übernahm er in seinem Betrieb die Aufgabe, die Auszubildenden zu fördern und sich für die Einhaltung ihres Ausbildungsplans im Betrieb einzusetzen, auch wenn er damit nicht immer auf Gegenliebe bei den Kollegen stößt, denen die zusätzliche Arbeit oft lästig ist.
Konflikte mag er bis heute nicht, er geht ihnen jedoch nicht mehr aus dem Weg. „Meine Sehnsucht nach Harmonie ist immer noch groß, im Beruf wie im Privatleben. Ich habe jedoch damit aufgehört, zu allem Ja und Amen zu sagen, obwohl es mir längst zu viel war. Mir ist der Respekt meines Gegenübers lieber, als das scheinbar kameradschaftliche Schulterklopfen, hinter dem sich die Harmonix-Herablassung verborgen hatte.“ Das offene Ansprechen von Konflikten, das aushalten können von Kritik helfen ihm zunehmen, vermehrt seine Kreativität in den Mittelpunkt seiner Arbeit zu stellen und weniger seine Sehnsucht nach Harmonie. „Seitdem ich mich mehr für meine Interessen einsetze und häufiger „Nein“ sage, habe ich mehr Zeit für meine eigentlichen Aufgaben.“ Freude am Tun inklusive.
 
Checkliste

1.) Wir wünschen uns alle ein harmonisches Umfeld ohne Streit. Wenn jedoch das Streben nach Harmonie zur Sucht wird, kann es uns an unserer beruflichen und privaten Entwicklung hindern. Statt uns im Laufe der Zeit zu einer eigenständigen Persönlichkeit zu entfalten, verschwinden wir immer mehr hinter unserem feinen im Gesicht wie fest gemeißeltem Lächeln.
 
2.) Jedermann`s Liebling sein zu wollen, ist anstrengend. Wir opfern dafür unsere Persönlichkeit und unsere Interessen, die uns gut tun.
 
3.) Unsere Harmoniesucht lässt sich abbauen, wenn wir aufhören, sofort zu allem „Ja“ zu sagen, das an uns herangetragen wird. Beginnen wir stattdessen zu fragen, weshalb gerade wir um Unterstützung gebeten werden, statt der Kollege oder die Kollegin wird oft recht deutlich, dass es für unser Gegenüber bequem ist, uns zu bitten. Schließlich sagen wir ja zu allem „Ja“.
 
4.) Hilfreich bei zu großer Sehnsucht nach Harmonie kann ein Konflikttraining sein.

 
     
       

Konflikte und Kritik

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    5. März 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Alle unsere Suiten liegen zum Meer…

… Wie gerne lassen wir uns durch solche Sätze im Urlaubsprospekt dazu überreden, das hübsch fotografierte Hotel zu buchen. Am Ferienort entdecken wir dann, dass alle Suiten tatsächlich zum Meer liegen, davor jedoch weitere Hotelkomplexe stehen, die uns den Blick verstellen. Wir haben uns von unserer eigenen Vorstellung manipulieren lassen.
Gezielt eingesetzte Manipulationen erleben wir täglich. Der Chef drängt auf ein rasches Ende einer für ihn unangenehmen Sitzung mit dem Hinweis, dass er in Kürze einen für das Unternehmen wichtigen Gesprächspartner erwartet. Unsere Kollegen begegnen uns mit Sätzen wie: „Niemand mit gesundem Menschenverstand kann jetzt gegenteiliger Meinung sein…“. „Ich verstehe nicht, weshalb Sie den vorgeschlagenen Vorgang kritisieren. Alle anderen sind mit dem Weg einverstanden…“. Nicht immer erkennen wir in solchen Situationen, dass wir von unserem Gegenüber zu etwas überredet werden, das wir gar nicht wollen und das gegen unsere Interessen ist. Wir haben beispielsweise weiterhin gute Argumente, den vorgeschlagenen Vorgang zu kritisieren, trauen uns jedoch nicht, uns allein gegen die heraufbeschworene Gemeinschaft „alle“ zu stellen.
Den anderen bewusst zu manipulieren heißt, sich unfair zu verhalten. Zum Beispiel unserem Kollegen wichtige Informationen vorzuenthalten, Scheinargumente vorzutragen und damit vom eigentlich zu diskutierenden Thema abzulenken. Manipulation ist es, wenn wir unser Gegenüber als Person angreifen, anstatt uns sachlich mit seinen Argumenten zu befassen; wenn wir unser Gegenüber absichtlich missverstehen; wenn wir seine Äußerungen ständig unterbrechen oder wenn wir eine geplante Diskussion gleich zu Beginn mit den Worten abwürgen, dass wir sie für überflüssig, wenig zielführend oder für zu zeitaufwendig erachten.
Manipulationen lassen sich nicht immer erkennen und oft fällt es uns schwer, uns dagegen zu wehren. Hilfreich ist es bei Manipulationen, immer wieder zu versuchen, selbst sachlich zu bleiben, zu agieren, statt nur zu reagieren und in Gesprächen und Verhandlungen die Initiative zu behalten oder zu ergreifen, zielbewusst zu handeln, falls möglich, die Manipulation offen anzusprechen und bei für uns ungenauen Aussagen nach konkreten Angaben zu fragen. Gelingt uns dies, werden wir im nächsten Urlaub von unserem Hotelzimmer aus einen schönen Ausblick auf das Meer haben.
 
Checkliste

1.) Nicht immer möchten wir bewusst manipulieren, etwa, wenn wir in einer hitzigen Diskussion unserem Gegenüber in das Wort fallen.

2.) Manipuliert jemand bewusst, ist es hilfreich, dies zu erkennen und Strategien dagegen zu entwickeln. Etwa, in einer Sitzung möglichst sachlich und gelassen zu bleiben. Sich dabei gut auf ein bekanntes Gesprächsthema vorzubereiten, kann sich als zusätzliche Abwehr gegen bewusste Manipulation auszahlen.

3.) Angriffe auf die eigene Person, z. B. auf die eigene Vertrauenswürdigkeit, lassen sich abwehren, indem wir die vorgetragene Kritik als für das Gespräch unwichtig erklären oder indem wir sie ignorieren und auf der Sachebene weiter diskutieren.

4.) Wir können uns einer Manipulation oft besonders schwer entziehen, wenn sie uns als Teil einer Gemeinschaft anspricht. Etwas, wenn unser Kollege findet, dass die Geschäftsführung zu wenig führt und wir als die Mitarbeiter diese Schwäche im beruflichen Alltag ausbaden müssen.

5.) Von der Verführung durch Werbung hin zur Manipulation sind die Übergänge fließend. Gefällt uns eine Werbung, genießen wir sie. Ärgert sie uns, fühlen wir uns oft manipuliert.
 
Tipps zum Lesen:

Edmüller, Andreas, Wilhelm, Thomas, Manipulationstechniken
2011, Haufe-Lexware, ISBN: 9783448092981

 
     
       

Respekt

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    26. Februar 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Listen to me ...

… hear what I say…“ singt 1958 der amerikanische Rock-‘n’-Roll Sänger und Komponist Buddy Holly (1936-1959). Höre mir zu und höre, was ich sage, lassen sich diese Zeilen seines Liedes in etwa übersetzen. Ein Song, in dem er seine Geliebte liebevoll darum bittet, ihm genau zuzuhören und wahrzunehmen, wie groß seine Liebe zu ihr ist. Buddy Holly möchte richtig gehört, richtig verstanden werden. Er weiß, dass es selbst in der größten Nähe zwischen zwei Menschen Missverständnisse geben kann, weil der eine etwas anderes vernimmt als sein Gegenüber gesagt hat.
Wie oft habe ich geglaubt, begriffen zu haben, was der andere gemeint hat. Und wie oft musste ich dann nach einer längeren Diskussion über einen Sachverhalt feststellen, ich habe zwar gehört, jedoch nicht zugehört. Richtig zuzuhören, dem anderen unser Ohr schenken, bei einem Gespräch aufmerksam dabei zu sein und entsprechend zu reagieren, ist mehr als Worte zu hören. Aktiv zuhören heißt zunächst, uns auf das Gesagte des anderen zu konzentrieren und uns darum zu bemühen, ihn mit seinem Anliegen zu akzeptieren, statt sofort ein eigenes Beispiel zu erzählen oder Lösungen und Ratschläge bereit zu halten, und dann unsere genialen Geistesblitze in den Mittelpunkt des Gespräches zu stellen. Aktiv zuhören gelingt dann, wenn wir versuchen, uns in die Situation unseres Gegenübers hinein zu versetzen – auch wenn wir seine Meinung für falsch erachten.
Wir hören nie neutral. Wir sind an jedem Gespräch mit unserem Wissen, unseren Gefühlen und unseren Glaubenssätzen über uns selbst und andere beteiligt und ordnen und werten das Gehörte entsprechend unserer Werte und unseres Wissens ein. Die gleiche Botschaft kann deshalb bei verschiedenen Zuhörern zu unterschiedlichen Reaktionen – und unterschiedlichen Missverständnissen - führen. Beim Zuhören sind wir außerdem abhängig von der Qualität der Aussage des anderen. Eine von ihm klar vorgetragene Botschaft lässt uns weniger Spielraum, seine Worte zu interpretieren als unpräzise ausgedrückte Angaben. Bevor wir anfangen das Gesagte zu deuten, ist es in solchen Fällen hilfreich, Fragen zu stellen wie: „habe ich den Sachverhalt richtig verstanden, wenn ich es so und so sehe…?“. Meist wird dann sehr schnell deutlich, dass der andere etwas anderes gemeint als er ursprünglich gesagt hat.
In „Listen to me...“ steckt unsere Sehnsucht, von unserem Gegenüber ernst und wahrgenommen zu werden. Gehört zu werden. Im Privatleben wie im Beruf.
 
Checkliste

1.) Beim Hören vernehmen wir Worte oder Geräusche, bei Zuhören sind wir aktiv daran beteiligt. Denn wenn wir zuhören, dann haben wir uns dafür entschieden, dies zu tun und unserem Gegenüber „unser Ohr zu schenken“.
 
2.) Zur Kunst des richtigen Zuhörens gehört, zu versuchen, uns von unseren Vorurteilen zu lösen und unser ständiges inneres Bewerten von Situationen zu unterbrechen.
 
3.) Aktives Zuhören besteht aus Zuhören und Nachfragen, wenn wir etwas nicht verstanden haben.
 
4.) Damit ein Gespräch zufriedenstellend gelingt, müssen die Partner ihr Anliegen klar formulieren. Die Aussage „ich würde gerne mal wieder ins Kino“ führt nicht zwingend dazu, dass der gewünschte Kinoabend stattfindet. Der Wunsch, „ich möchte heute mir Dir ins Kino gehen“ hat größere Chancen erfüllt zu werden.
 
Tipps zum Lesen:

Evans, Gail, Aktiv zuhören für Dummies
2009, Wiley-VCH Verlag, ISBN: 9783527705283

Torralba, Francesc, Die Kunst des Zuhörens
2006, C.H.Beck Verlag, ISBN: 9783406563454

 
     
       

Personalführung

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    19. Februar 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Ich verantworte, also bin ich

„Wie kann ich eine neue Kollegin dazu bringen, genauso die Verantwortung für den ganzen Laden hier zu übernehmen, wie wir es alle tun?“ Mit zweifelndem Blick schaut mich Verkäuferin Renate über ihre blank geputzte Fischtheke hinweg an. „Wir können ihr mehrfach am Tag sagen, dass sie die Ware nachlegen soll, wenn diese nicht mehr ausreichend da ist, sie macht es nicht. Sie geht einfach in ihre Pause und lässt dann die anderen die Arbeit für sich machen. Dabei hat sie lange in einer anderen Filiale unseres Unternehmens gearbeitet.“ Im Laufe der Unterhaltung entscheidet Renate zunächst für sich, dass sie erst einmal gemeinsam mit allen Kolleginnen und Kollegen ein Gespräch mit ihrer Kollegin suchen und falls dann noch erforderlich, im nächsten Schritt ihren Ableitungsleiter einschalten werde. Und dann beschäftigt sie die Frage, „weshalb jemand so sein kann? Sie schadet sich am meisten selbst.“
Eine schwierige Frage, an die sich eine längere Diskussion zwischen uns beiden anschließt:
Weshalb fällt es uns schwer, für unser Handeln, für unsere Gefühle Verantwortung zu übernehmen und stattdessen lieber die Dinge laufen zu lassen, auch wenn sie zu Ärger und Missstimmung führen, wie in der Abteilung von Renate? Was bringt uns dazu, andere für unsere Schwierigkeiten und Probleme verantwortlich zu machen, als erst einmal bei uns hinzuschauen und uns zu fragen, welche Antworten wir uns auf die kleinen und großen Herausforderungen in unserem beruflichen und privaten Alltag geben?
Sich für das eigene Tun verantwortlich zu fühlen, für das eigene Sich-Wohl-Fühlen, heißt, zunächst damit aufzuhören zu glauben, dass andere die Umstände unseres Lebens die Schuld tragen und deshalb dafür zuständig sind, unsere Lage zu ändern. Sich für uns einzusetzen, statt darauf so hoffen, dass andere für uns entscheiden und handeln, bedeutet, dass wir sagen müssen, was wir uns wünschen. Wir sollten nicht erwarten, dass der andere errät, was wir gerade brauchen – im Beruf wie im Privatleben. Und wir müssen lernen, dass wir bei Fehlern, die wir machen, dafür geradestehen.
Wenn wir lernen, dass wir die Verantwortung haben für unser Leben, unsere Gefühle, unsere Gedanken und unser Handeln, dann sind wir nicht mehr abhängig davon, wie andere mit uns umgehen, was sie über uns denken und wie sie uns sehen, dann entscheiden wir uns für uns und dafür, uns zu ver-antworten.
 
Checkliste

1.) Wir wünschen uns schnell, dass andere die Verantwortung übernehmen, der Politiker für seine gestrige Entscheidung, der Fußballspieler für den verschossenen Elfmeter, die Kollegin für die uns zuvor vorgelegte falsche Aufsichtsratsvorlage, die Chefin für die viele Arbeit auf unserem Schreibtisch. Viel schwerer fällt es uns zu akzeptieren, dass auch wir Verantwortung tragen, nicht nur unser Gegenüber.

2.) Wir trauen uns oft nicht, unsere Wünsche zu formulieren oder gar durchzusetzen, aus Angst, der andere weist uns zurück oder glaubt dann, wir seien für die übernommene Aufgabe nicht gut genug.

3.) Wenn wir erst einmal gelernt haben, unsere Probleme als die unsrigen zu akzeptieren und dann schauen, wie wir damit umgehen können und welche Möglichkeiten wir haben, werden wir feststellen, dass der berufliche und private Alltag meistens einfacher ist. Es fühlt sich leichter an zuzugeben, dass wir am Morgen zu spät losgefahren sind und deshalb zu spät zur Arbeit kommen, statt eine Autopanne oder einen Stau zu erfinden. Den Kolleginnen und Kollegen bleibt dann die Entscheidung, ob sie sauer auf uns sind oder über uns lachen.
 
4.) Wenn wir die Verantwortung für unser Tun und unsere Gefühle übernehmen, dann fällt es uns selten schwer, Alternativen zu entwickeln, falls der von uns ausgewählte Weg sein Ziel verfehlt. Renate hatte sich vorgenommen, ihre Schwierigkeit in ihrem Team anzusprechen und gleich zwei Lösungswege dafür entwickelt.
 
Tipps zum Lesen:

Reinhard K. Sprenger, Das Prinzip Selbstverantwortung: Wege zur Motivation, 2007, Campus Verlag, ISBN: 9783593385013

 
     
       

Selbstcoaching

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    12. Februar 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Gelassen sein

Der Laster mit der Frischware steckte im Stau und kam Stunden zu spät zum Supermarkt, jetzt muss die Theke im Supermarkt vor dem Ansturm der Wochenendeinkäufer schnell und dennoch sorgfältig gefüllt werden. Der Chef hat vergessen, die umfangreiche Vorlage für den Vorstand erstellen zu lassen, bis morgen soll sie bei den Vorstandsmitgliedern auf dem Tisch liegen und muss in Nachtarbeit erstellt werden. In der Notaufnahme der Klinik drängeln sich die Notfallpatienten… Dies sind Situationen im Beruf, in denen wir möglichst gelassen bleiben müssen, und dabei am liebsten aus der Haut fahren möchten und dies oft genug auch tun. Um uns danach zu wünschen, wäre ich doch ruhig geblieben, statt lauthals loszupoltern und womöglich mein Gegenüber auch noch mit Worten zu verletzen, die am liebsten ungesagt geblieben wären.
Nur, wie schaffe ich es, ruhig und gelassen zu bleiben, wenn ich ungerecht kritisiert werde oder mein Zug eine Stunde Verspätung hat, und ich deshalb einen für mich wichtigen Termin verpasse? Sicher, ich könnte mir sagen, bleibe ruhig, Du verantwortest die Verspätung nicht. Ungerechte Kritik könnte ich einfach an mir abprallen lassen. Vorausgesetzt ich denke im Moment der Kritik daran.
Leider gehöre ich nicht zu den Menschen mit einem ruhigen und gelassenen Temperament. Bei mir hat meine Geduld meist ein frühes Ende, etwa, wenn ich vor einer schwierigen beruflichen Herausforderung stehe oder ich für eine bestimmte Meinung, ein spezielles Produkt gewonnen werden soll oder eine Entscheidung in einer Situation treffen soll, die ich nur unzureichend kenne. Nach längerem Gelassenheitstraining schaffe ich es inzwischen, selbstbewusster mit schwierigen Situationen umzugehen und fühle mich dadurch weniger gestresst. Ich akzeptiere seitdem auch, dass ich das Wetter, das Stehen im Stau oder eine Verspätung der Bahn einfach nicht ändern kann und versuche deshalb, mich nicht mehr darüber aufzuregen. Schwieriger wird es für mich bei einem unhöflichen Gegenüber, bei verbalen Sticheleien oder bei aggressiven Äußerungen. Beobachte ich bei mir, dass ich beginne, meine Gelassenheit verliere, dann versuche ich, innerlich – und äußerlich – einen Schritt zurück zu treten, mehrfach tief und gleichmäßig durchzuatmen und die Situation aus etwas mehr Distanz zu betrachten. Dies gelingt etwa mit dem Satz, welche Bedeutung hat das Ereignis in fünf Jahren für mich. Oft frage ich mich zudem, was könnte mir jetzt im schlimmsten Fall passieren? Damit glückt es mir immer wieder, doch meine Ruhe zu bewahren und erst in den Momenten engagiert zu reagieren, die mir wirklich wichtig sind und bei denen es sich aus meiner Sicht lohnt, mich dafür einzusetzen.
   
Checkliste

1.) Gelassene Menschen sind meist weniger gestresst, sie treffen selten vorschnelle und falsche Entscheidungen. Sie sind erfolgreicher, weil sie mit ruhigem Abstand die Herausforderungen in ihrem beruflichen Alltag betrachten und dadurch zu kreativen Lösungen finden.

2.) Gelassenheit lässt sich trainieren, ganz individuell, mit einem Coach oder einem Therapeuten, den jeder Mensch geht mit Stress unterschiedlich um.
 
3.) Für den einen ist es möglicherweise hilfreich, in fordernden Situationen tief einzuatmen und dabei in die Ferne zu schauen und beim Ausatmen etwas in der Nähe zu fixieren, also beim tiefen Ein- und Ausatmen bewusst die Perspektive zu wechseln. Für einen ehrgeizigen, dynamischen Menschen kann dagegen gut sein, sich vor allem regelmäßig körperlich auszupowern und so seine Stresshormone abzubauen.
 
4.) Gelingt es uns, uns innerlich davon zu verabschieden, dass unser Gegenüber unsere Erwartungen erfüllen muss, werden wir unabhängig vom Verhalten der anderen und können gelassen loslassen.
 
5.) Je selbstbewusster wir sind, je mehr wir uns und unsere Fähigkeiten kennen und richtig einschätzen, umso gelassener werden wir sein und bleiben.
 
Tipps zum Lesen:

Fey, Gudrun, Gelassenheit siegt, 2010, Walhalla U. Praetoria Verlag, ISBN: 9783802945250

 
     
       

Selbstcoaching

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    5. Februar 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Meine Glaubenssätze

Ich habe sie noch nie gezählt, meine Glaubenssätze, meine persönlichen Überzeugungen. Ich bin sicher, es sind ziemlich viele. Die meisten von ihnen helfen mir, meinen Alltag problemlos zu bewältigen. Wenn ich beispielsweise ins Auto steige, hinterfrage ich nicht, ob ich überhaupt Autofahren kann. Wenn ich mich an meinen Schreibtisch setze, stelle ich mir nicht die Frage, ob ich einen Computer bedienen und das Telefon benutzen kann. Ohne darüber nachzudenken, glaube ich daran, dass mir das Bedienen von Computer und Telefon gelingt. Inzwischen habe ich gelernt, dass nicht alle meine Glaubenssätze hilfreich für mich sind. Ich versuche deshalb, für mich einschränkende Glaubenssätze zu entdecken: Höre ich mich beispielsweise sehr bestimmt und mit tiefer Überzeugung sagen, „so ist es bei mir immer schon gewesen…“, „das Leben ist einfach so …“, „es weiß doch jeder, dass …“, dann frage mich, hilft mir der Satz in meinem Alltag? Oder hindert er mich eher daran, eine für mich wichtige Entscheidung zu treffen, einen für mich wichtigen Schritt zu gehen?
Glaubenssätze klingen, als verkörpern sie unumstößliche Wahrheiten. Etwa, wenn ich sage, „weil ich zu alt bin, finde ich keine Arbeit mehr“. Das Gegenteil ist der Fall. Glaubenssätze entstehen fast immer dadurch, dass ich meine subjektiven Erfahrungen, die ich oft schon in der Kindheit gemacht habe, verallgemeinere und für wahr erachte. Habe ich beispielsweise als Kind immer wieder gehört, „Du bist wirklich ungeschickt“, dann übersetze ich als erwachsener Mensch den Satz in die Überzeugung „ich kann das alles nicht“ und traue mir im Beruf nur wenig zu. Fällt es mir beispielsweise schwer, Lob zu akzeptieren, weil mein Glaubenssatz heißt, ich bin nichts wert, dann wehre ich jede noch so ehrlich gemeinte Wertschätzung ab und finde stattdessen irgendetwas, für das ich doch kritisiert werden muss.
Glaubenssätze filtern, was wir denken und wahrnehmen und verstärken unsere Gedanken. Wenn ich davon überzeugt bin, zu dick zu sein, ordne ich alle Aussagen von Kollegen und Freunden zu Kleidung und Essgewohnheiten nicht als neutrale Information ein, sondern überzeuge mich selbst immer wieder davon, dass mich mein Gegenüber als übergewichtig empfindet. Habe ich die Überzeugung in mir, „ich schaffe alles, was ich mir wünsche“, dann wird mir in meinem Leben vieles gelingen.
Von mir als wenig zielführend erkannte Überzeugungen kann ich versuchen zu verändern. Mit Hilfe von Freunden, einem Therapeuten oder einem Coach kann ich tief in mir verankerte Glaubenssätze im Laufe der Zeit aufzulösen und durch hilfreichere ersetzen. Glaube ich beispielsweise daran, ich weiß sowieso am besten wie alles zu laufen hat, kann ich mich fragen, woran hindert mich diese Überzeugung? Zum Beispiel an einem kreativen Gedankenaustausch mit meiner Familie, meinen Freunden oder meinem Team.
   
Checkliste

1.) Glaubenssätze sind zunächst weder gut noch schlecht. Sie geben uns Sicherheit und helfen uns, Informationen zu verarbeiten und darauf zu reagieren. Sind wir davon überzeugt, in unserer Arbeit gut zu sein, werden wir die dazu passenden Informationen entsprechend einordnen. Glauben wir, wir werden nur geliebt, wenn wir etwas leisten, werden wir versuchen, perfekt und unangreifbar zu sein.
 
2.) Glaubenssätze basieren auf Interpretationen und Verallgemeinerungen subjektiver Erfahrungen. Sie sind nicht aufgrund von logischen Überlegungen entstanden.
 
3.) Viele Glaubenssätze tragen wir unbewusst in uns. Wir wissen deshalb auch nicht, dass wir uns davon beeinflussen lassen. Manchmal ein ganzes Leben lang. Diese Muster zu entdecken, kann manchmal richtiggehend befreiend sein.
 
4.) Nicht umsonst wurde „alternativlos“ zum Unwort des Jahres 2010. Auch dies ist ein falscher Glaubenssatz.
 
Tipps zum Lesen:

Preisendörfer, Pamela, Glaubenssätze, Überzeugungen & Co. - Von mentaler Sabotage zum vollen Potential, 2009, Windpferd Verlag, ISBN: 9783893855896

 
     
       

Sorgen und Ängste

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    29. Januar 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Angst am Arbeitsplatz

Angst, sich vor den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zu blamieren oder zu versagen, hindert viele Menschen daran, ihr berufliches Potential voll auszuschöpfen und zufrieden und erfolgreich in ihrem Beruf zu sein. Situationen, vor denen sie sich fürchten, etwa einem offiziellen Vortrag vor Kolleginnen und Kollegen, versuchen sie aus dem Weg zu gehen. Im Kontakt mit anderen Menschen beobachten sie sich ständig selbst, sie registrieren ihre Unsicherheit, quälen sich mit inneren Aussagen, wie „sie halten mich für zu unprofessionell, ich blamiere mich sowieso…“ verkrampfen und verspannen sich. Jede sie ängstigende Situation verstärkt noch ihre permanente Selbstbeobachtung und ihr ständiges sich selbst beurteilen. Sie bewegen sich unauffällig durch ihren Arbeitsalltag und versuchen im Kontakt mit Kollegen und Kolleginnen sich zusammen zu reißen und so ihre Unsicherheit immer wieder zu überspielen.
Für sie gibt es nur einen Weg: die Angst auslösenden Situationen konsequent zu vermeiden und stattdessen lieber auf Karriere und Verantwortung zu verzichten. Damit hindern sie sich auch daran, eventuell für sie positive Erfahrungen zu machen und dadurch allmählich ihre schwache Selbstsicherheit mehr und mehr aufzubauen.
Erkennen sie erst einmal für sich selbst, dass sie vor allem Angst davor haben, ständig von ihrem Gegenüber beurteilt zu werden, können sie beginnen, ihre Angst allmählich abzumildern. Allein, mit Freunden, einem Coach oder einem Therapeuten können sie herausarbeiten, welche Stärken und Schwächen sie haben, ohne ständig neben sich zu stehen und jeden Schritt von sich zu beobachten, zu bewerten und dabei meist abzuwerten. Denn wenn sie sich kennen, wenn sie wissen, was sie können und was nicht, dann können sie besser mit Situationen umgehen, von denen sie wissen, sie beherrschen sie nicht so gut wie andere. Kritik kontern sie mit inneren Sätzen wie „obwohl ich weiß, dass ich das nicht so gut kann, bin ich mutig genug, es dennoch zu probieren und mich weiter zu entwickeln.“ Manchmal kann es besonders hilfreich sein, sich in einem geschützten Rahmen der Angst auslösenden Situation zu stellen. Etwa eine Rede zu halten bei einer kleinen Familienfeier oder bei einem Fest bei guten Freunden. Fragen, wie, was kann im Schlimmsten Fall passieren, können helfen, ursprünglich Angst auslösende Situationen zunehmend positiv zu bewerten.
   
Checkliste

1.) Angst vor bestimmten Situationen am Arbeitsplatz geht quer durch alle Hierarchien. Meist wird sie dann sichtbar, wenn eine neue berufliche Herausforderung ansteht, etwa das Übernehmen einer neuen Aufgabe, ein beruflicher Aufstieg oder ein Wechsel des Arbeitsplatzes.
 
2.) Mit Hilfe eines Coaches oder eines Therapeuten können die angstauslösenden Situationen für den Betroffenen abgemildert werden, etwa die Angst vor dem öffentlichen Auftritt.
 
3.) Die Bearbeitung innerer Glaubenssätze wie „ich bin langweilig“, „ich bin uninteressant“, kann hierbei hilfreich sein. Oft ist es ein Perspektivenwechsel, der uns weiterbringt. Wenn wir uns die eigene Person in bereits erlebten Situationen noch einmal von außen betrachten und dabei mit beobachten und dabei lernen, dass uns unser Gegenüber keinesfalls als langweilig empfunden hat, kann dies dazu beitragen, die negativen inneren Überzeugungen abzuschwächen und wir können unser Selbstbewusstsein dadurch steigern.
 
Tipps zum Lesen:
 
Lipczinsky, Margrit, Boerner, Helmut, Wer sich kennt, hat mehr Erfolg
2006, Kösel Verlag, ISBN: 9783466307296

 
     
       

Konflikte und Kritik

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    22. Januar 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Ich ärgere mich

Schon im Vorgespräch am Telefon kommt mir der ganze Frust meiner Klientin Claudia B. entgegen. Die gelernte Kauffrau, die in einem großen Transportunternehmen arbeitet, wünscht sich ein Coaching gegen den täglichen Ärger in ihrem Beruf. „Meine Arbeit macht mir Spaß. Ich ärgere mich nur zu oft über zu viele Dinge. Und dann fehlen mir die Zeit und die Kraft, alle anfallenden Arbeiten rechtzeitig zu erledigen. Abends bekommt dann meine Familie meine Unzufriedenheit zu spüren. Das möchte ich nicht mehr.“ In der Beratung arbeiten wir zunächst heraus, was sie täglich so verdrießt. Neben einer cholerischen Chefin, die ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gerne mal ins Wort fällt und häufig sehr laut wird, sind es zur Überraschung von Claudia B. vor allem ihre Erwartungen an sie selbst, die sie immer wieder frustrieren. Da sie mit ihrer Chefin die meiste Zeit ganz gut zurecht kommt und die Abteilung nicht wechseln will, vereinbart sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen, die temperamentvollen Ausbrüche ihrer Chefin künftig untereinander nicht mehr zu diskutieren und zu kommentieren. „Wir haben uns zu oft damit beschäftigt und dadurch dem Ganzen zu viel Bedeutung beigemessen.“
Eine Herausforderung für Claudia B. war es, sich mit ihren Erwartungen an sich selbst zu befassen. „Ich wusste gar nicht, dass meine hohen Ansprüche mich daran zu hindern, meine Arbeit so zu machen, wie ich es mir vorstelle.“ Schritt für Schritt änderte sie im Laufe der Beratung ihre tägliche Arbeitsweise. Morgens verschafft sie sich jetzt zunächst einen Überblick über die anstehende Arbeit und prüft am Abend nach, was sie erreicht hat. „Seither habe ich ein deutlich besseres Gefühl für die Dauer eines Arbeitsschrittes und plane von vorneherein genügend Zeit für die einzelnen Aufgaben ein. Habe ich mehrere Termine an einem Tag, halte ich mir dazwischen genügend Zeit frei, um dringende Arbeiten dennoch zeitnah erledigen zu können.“ Damit gelang es ihr, ihr Angst, zu viele Aufgaben bearbeiten zu müssen und nichts perfekt machen zu können, weitgehend abzubauen. Außerdem begann sie, sich konkrete Ziele für ihre Arbeit zu setzen und sich in ihrem Beruf gezielt weiter zu entwickeln. „Vor allem das Aufteilen meiner Projektziele in konkrete Teilziele hat mir geholfen, meine Arbeit besser zu strukturieren. Jetzt frustriere ich mich selbst viel seltener.“ Erreicht es ihr ein gesetztes Ziel nicht, schaut sie voller Stolz auf die bereits geschafften. Denn, so sagt sie, „Ziele zu haben, ist für mich wichtig. Noch wichtiger ist es für mich, zufrieden zu sein und mich nicht über mich zu ärgern.“
   
Checkliste

1.) Gegen Ärger im Beruf gibt es keine generelle Abhilfe. Wenn der Ärger im Beruf zu groß ist, dann können körperliche Bewegung, Entspannungstechniken oder eine in Ruhe genossene Tasse Kaffee oder Tee dazu beitragen, sich weniger frustriert zu fühlen.
 
2.) Besonders bei akutem Ärger kann es hilfreich sein, anstatt sofort verärgert zu reagieren, erst einmal aus der Situation heraus zu gehen und sei es einer kurzen, unauffälligen Pause im Gespräch oder mit Hilfe mehrere tiefer Atemzüge.
 
3.) Hält der berufliche Stress länger an und verursacht sogar körperliche Beschwerden wie etwa Herzklopfen, dann gilt es spätestens jetzt, sich mit den Ursachen zu befassen und den Ärger gezielt abzubauen. Etwa durch ein Coaching oder mit Hilfe einer Therapie.
 
4.) Sollen Freunde oder Familienmitglieder um Hilfe bei beruflichem Ärger gebeten werden, dann sollten die Gespräche so gestaltet sein, dass das Gegenüber zeitlich begrenzt mit dem Problem beansprucht und nicht als seelischer Abfalleimer benutzt wird. Häufiges Lamentieren kann Freundschaften und Partnerschaften belasten und manchmal sogar zerstören.

 
     
       

Selbstcoaching

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    15. Januar 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Ich fördere mich selbst

„Wir sind ein wirklich gutes Team, verstehen uns beruflich wie privat und unsere Leistungen im Bereich der Forschung werden von Kollegen innerhalb und außerhalb des Unternehmens geschätzt und respektiert. Was uns fehlt, ist, dass unser Chef uns fördert und uns bei der Unternehmensleitung für interne und externe Trainingsprogramme vorschlägt. In anderen Abteilungen werden die Kolleginnen und Kollegen immer wieder zur Weiterbildung geschickt oder auf Kongresse und bauen dadurch ihre Netzwerke und ihre Karrierechancen weiter aus. Was kann ich tun, damit ich ebenfalls von einer Fortbildung profitieren und meine Karriere voran kommt?“ Mit diesen Worten hatte mein Klient Carsten R. um eine Beratung gebeten. Der ausgebildete Naturwissenschaftler wünschte sich, eine größere Forschergruppe zu leiten als bislang und mehr Verantwortung in seinem Unternehmen zu übernehmen. Ohne eine entsprechende Weiterqualifizierung schien dies jedoch nicht möglich. Zunächst hoffte Carsten R., er könne im Coaching Strategien entwickeln, wie er seinen Chef davon überzeugt, sich intensiver für seine Kollegen und ihn einzusetzen. Schweren Herzens musste er erkennen, dass sein fachlich hervorragender Chef kein Interesse daran hatte, gute Mitarbeiter neben sich hochkommen zu lassen, aus Angst, die eigene Bedeutung nähme dadurch ab und die Stellung als Abteilungsleiter werde damit gefährdet.
Carsten R. entschied sich deshalb, das Coaching dazu zu nutzen, seine Stärken zu erkennen und auszubauen und seine Führungsqualitäten zu verbessern, um mit seinem bisherigen Forscherteam zielführender und strukturierter zu arbeiten. Im nächsten Schritt entwickelte er Strategien, wie er sich und seine Kolleginnen und Kollegen weiter „fördern“ könne. Er bat um eine Coaching Beratung seines gesamten Teams und nach einer intensiven Teamsitzung kamen die fünf Forscher und Forscherinnen zum Ergebnis, ihre bisherigen Freiheiten noch stärker zu nutzen. Gezielt suchten sie nach Kooperationen mit anderen Arbeitsgruppen innerhalb und außerhalb des Unternehmens, beteiligten sich aktiver als zuvor mit eigenen Forschungsergebnissen an Kongressen und Tagungen und nutzten das bisher eher ignorierte Angebot, regelmäßig in der Mitarbeiterzeitung auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen. Carsten R. erkannte dadurch, dass ihm seine berufliche Zufriedenheit und das Umsetzen seiner Fähigkeit, ein Team zu leiten, sehr wichtig sind, und bewarb sich erfolgreich um eine andere Stelle in seinem Unternehmen.
   
Checkliste

1.) Inzwischen haben viele Unternehmen erkannt, wie wichtig die Weiterqualifizierung ihrer Mitarbeiter ist. Manchmal scheitern jedoch die guten Ideen an der Umsetzung. Etwa, weil ein Chef einer Abteilung befürchtet, gut qualifizierte Mitarbeiter machen ihm seinen Posten streitig.
 
2.) Fehlt der Wille bei einem Vorgesetzten, bei einer Vorgesetzten, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu fördern, dann gilt es, gezielt zu prüfen, welche Möglichkeiten die einzelnen haben, sich auf eigene Initiative hin selbst weiter zu qualifizieren. Eine Nachfrage bei der Personalabteilung kann hier ebenso hilfreich sein, wie externe Angebote seitens Kammer, Verbänden und Institutionen.
 
Tipps zum Lesen:
 
Deistler, Elisabeth, Haberleiter, Elisabeth, Ungvari, Robert, Führen, Fördern, Coachen: So entwickeln Sie die Potentiale Ihrer Mitarbeiter, 2009, Piper Verlag, ISBN 9783492253437

 
     
       

Beruf und Karriere

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    8. Januar 2011 - Oberhessische Presse - Autor: Inge Maisch  
   

Veränderung
 
„Ich habe mir vorgenommen, den Rest des Jahres mit weniger Kalorien auszukommen und mehr Sport zu treiben“, antwortete mir mein Klient Harald M. drei Tage vor dem Jahreswechsel auf meine Frage, welche Vorsätze er denn gefasst habe. Erst im zweiten Moment erkannte ich die Ironie in seiner Aussage. Und seine verschmitzte Klugheit, meiner unpräzisen Frage mit Humor zu begegnen und sich dabei selbst fröhlich zu glossieren. Denn drei Tage lang und damit für den Rest des Jahres, das wusste er aus Erfahrung, konnte er sein von ihm selbst gewähltes Ziel problemlos verfolgen. Dagegen war er bereits mehrfach an den eigenen Vorsätzen gescheitert, mit Beginn des neuen Jahres, anzufangen sein Gewicht zu reduzieren.
Harald M. geht es dabei wie fast allen Menschen, die sich zu bestimmten Zeiten wie dem Jahreswechsel, an ihrem Geburtstag oder im Urlaub vornehmen, endlich alte Gewohnheiten aufzugeben und durch neue zu ersetzen. Wenn die Statistiker recht haben, dann gelingt es nur 8 % aller Deutschen, ihre am 1. Januar gefassten Entschlüsse länger als ein paar Tage durchzuhalten. Jedes Jahr aufs Neue stehen weniger Stress im Beruf, mehr Zeit für Freunde, Familie und sich selbst, gesünder ernähren und weniger Alkohol trinken ganz oben auf der Liste der guten Vorsätze, die dann nach kurzer Zeit wieder sang- und klanglos begraben wird.
Weshalb es den meisten von uns schwer fällt, selbst gewählte Ziele zu erreichen, hat vielfältige und individuelle Gründe. Manchmal sind die Ziele zu hoch gesteckt und von vorneherein unerreichbar oder die Liste mit den Wünschen nach Veränderungen ist zu lang und im Alltag gar nicht zu bewältigen. Oft fehlt es jedoch an Mut und an Kraft, einen Neuanfang zu wagen. Alte Gewohnheiten sind vertraut, sie verunsichern nicht. Sich zu verändern, heißt dagegen, sich auf Unbekanntes einzulassen und viel zu oft sind es unsere eigenen Sehnsüchte und Schwächen, die uns beim Versuch eines Neuanfangs plötzlich bewusst werden. Etwa, dass wir den Stress im Beruf oder in der Partnerschaft dringend brauchen, damit wir uns als Wert geschätzt erleben. Oder dass wir die Schokolade mitten in der Nacht lieben, weil wir uns dann „rund“ fühlen. Wenn es uns allerdings gelingt, zunächst unsere vermeintlichen Schwächen zu akzeptieren und sie ohne uns selbst zu verurteilen anzunehmen, dann können wir unsere gute Vorsätze im Laufe der Zeit meist erfolgreich umsetzen. Vorausgesetzt, wir möchten uns dann noch verändern, und die von uns gesteckten Ziele sind realistisch, für uns erreichbar und keine Träumereien.
   
Checkliste

1.) Damit ein Neuanfang gelingen kann, ist es hilfreich, sich genau zu überlegen, was ich ändern möchte, welche realistischen Ziele und Teilziele ich erreichen will und bis wann.
 
2.) Vor allem gilt es jedoch, sich die Frage zu stellen, ob ich überhaupt eine Veränderung wünsche. Will ich wirklich abnehmen, den Job wechseln oder weniger Stress im Beruf haben oder bleibe ich lieber bei meinen Gewohnheiten?
 
3.) Manchmal hilft es auch, Partner, Kollegen, Freunde, einen Psychologen oder einen Coach um Unterstützung zu bitten, und sie als kritische „Supporter“ unseres Anliegens zu engagieren. Immer dann, wenn wir Gefahr laufen, unsere Vorsätze aufzugeben, sollen sie uns an unsere Wünsche erinnern und dabei behilflich sein, dass wir nicht aufgeben. Bei Freunden und Partnern ist es wichtig, genaue Spielregeln miteinander zu vereinbaren, damit Beziehungen nicht darunter leiden.
 
4.) Zielführend ist es auch, kleine Schritte zu gehen, erreichte Teilziele mit anderen zu feiern und bei Misserfolgen nicht sofort alle Vorsätze aufzugeben.
 
Tipps zum Lesen:
 
Fritsch, Oliver, Alles anders. 15 Fragen, die Ihr Leben verändern
2010, Moderne Verlagsgesellschaft, ISBN: 9783636070869

 
       


 
 
Gliederung nach Jahren
 

Jahr 2015

 

Jahr 2014

 

Jahr 2013

 

Jahr 2012

 

Jahr 2011

 

Jahr 2010

 

Jahr 2009

 
IMpb - Perspektiven und Beratung